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„Fachkräfte, die wir brauchen“: Unis bieten Programme für Flüchtlinge

HANNOVER. Ein Abschluss in Medizin, Ingenieurswesen oder als Modedesigner – viele Flüchtlinge haben in ihren Heimatländern studiert. In Zeiten des Fachkräftemangels sind sie begehrt. Niedersächsische Universitäten wollen ihnen helfen.

Iman Ziaudins Blick strotzt vor Entschlossenheit. Die dunkelbraunen Augen der 25-Jährigen funkeln, wenn sie über ihre Pläne spricht: „Ich möchte IT studieren, ich möchte mein Leben frei leben“, sagt die junge Frau. Ziaudin ist in Afghanistan zur Welt gekommen, in Pakistan aufgewachsen und im September 2013 als Flüchtling nach Deutschland eingereist. Nun steht sie vor der Universität Hildesheim, gemeinsam mit anderen jungen Flüchtlingen nimmt sie an einer Führung über den Campus teil.

Professoren: Junge Studenten haben Probleme mit Rechtschreibung; Foto: this.is.seba / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Niedersächsische Universitäten unterstützen Flüchtlinge bei ihrem Studium. Foto: this.is.seba / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Die Hochschule begleitet im Sommersemester erstmals Studenten mit Fluchterfahrung. Auch andere niedersächsische Universitäten helfen den Flüchtlingen bei der akademischen Integration. Das Wissenschaftsministerium möchte vor allem den Spracherwerb in den Fokus stellen. Eine Sprecherin teilt mit, dass bei einer Flüchtlingskonferenz im Juni ein Gesamtkonzept dafür entwickelt werden soll.

„IT konnte ich als Frau im islamischen Pakistan nicht studieren“, sagt Ziaudin. Deshalb habe sie ein Sprachenstudium begonnen. „Dann wollte meine Familie, dass ich heirate“, sagt die junge Frau in deutscher Sprache. Heiraten, Kinder kriegen, im Haus bleiben – keine Option für die 25-Jährige. „Ich wollte frei sein und unabhängig.“ Mit ihrem Abiturzeugnis im Gepäck trat sie ihren Weg nach Europa an.

Die Anerkennung der ausländischen Papiere sei derzeit aber noch ein Problem. „Wir haben viele Teilnehmer, die ihre Papiere bei der Flucht auch einfach nicht mehr mitnehmen konnten“, sagt Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Uni Hildesheim, der das Projekt betreut.

Die junge Frau aus Afghanistan sei eher eine Ausnahme, der größere Teil der Studenten mit Fluchterfahrung ist männlich. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan und afrikanischen Ländern und sind vor allem an naturwissenschaftlichen Studiengängen interessiert. „Unter den Asylbewerbern sind die Fachkräfte, die wir brauchen“, sagt Schammann. Neben Ingenieuren und Ärzten sei aber auch schon ein Modedesigner aus Syrien bei ihm im Beratungsgespräch gewesen.

An der Uni Oldenburg wird die Integration der Asylbewerber sportlich gefördert: „Refugees Welcome in Sports“ (Rewis) heißt das Programm von acht Studenten, die Ballsport und Fitness für Flüchtlinge anbieten. „Egal, ob aus Syrien, der Elfenbeinküste oder Afghanistan – es sollte bei uns kein Thema sein, wo die Menschen herkommen“, sagt Carolin Selig, eine Initiatorin von Rewis. „Zwischen 20 und 30 Leute nehmen durchschnittlich teil.“

Unter anderem aus Somalia, Nigeria und Syrien stammen die Flüchtlinge, die an der Universität Lüneburg als Gasthörer Lehrveranstaltungen und Seminare besuchen können. „Wir wollten eine Willkommenskultur an der Uni schaffen“, sagt Asta-Sprecher Jonas Bannert. Rund 40 Asylbewerber im Alter zwischen 18 und 40 Jahren nehmen an dem Programm teil. 90 Prozent der Teilnehmer seien männlich. „Uns war es erstmal wichtig, die Leute aus ihren Unterkünften zu holen“, sagt Bannert. „Das sind alles hochgebildete Menschen. Die können nicht den ganzen Tag nur rumsitzen.“ Amelie Richter (dpa)

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