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Hintergrund: Gewerkschaften fordern, Erzieherinnen wie Lehrer zu bezahlen

DÜSSELDORF. Was ist der richtige Maßstab für die Bezahlung von Erzieherinnen? Die Arbeitgeber ziehen den Vergleich zu Feuerwehrleuten, die Gewerkschaften zu Lehrerinnen.

Worum geht es bei der Tarifauseinandersetzung?

Gewerkschaften und die kommunalen Arbeitgeber verhandeln nicht über eine prozentuale Tariferhöhung. Es geht darum, wie die Arbeit von Erzieherinnen und Sozialarbeitern bewertet und bezahlt wird. Die Gewerkschaften wollen durchsetzen, dass die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst mehrere Tarifstufen höher eingruppiert werden. Nach ihren Angaben hätte dies im Durchschnitt eine Gehaltserhöhung um zehn Prozent zur Folge.

Für wen wird verhandelt?

Die Verhandlungen laufen nur für die bei den Kommunen beschäftigten Erzieher. Das ist laut Verdi etwa ein Drittel – zwei Drittel arbeiten für freie Träger wie Kirchen oder die Arbeiterwohlfahrt. Bei den freien Trägern orientieren sich die Arbeitgeber der Gewerkschaft zufolge am Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, allerdings häufig mit Eingruppierungen unterhalb des Niveaus bei den Kommunen.

Wie begründen die Gewerkschaften ihre Forderung?

Mit dem Ausbau der frühkindlichen Bildung seien die Anforderungen an die Erzieherinnen stark gestiegen, betont Verdi. Eine entsprechende Bezahlung sei aber ausgeblieben. Auch die Bertelsmann Stiftung streicht die gewachsenen Ansprüche an Erzieherinnen heraus. «Das Anforderungsprofil entspricht dem von Grundschullehrern», sagt Anette Stein, die bei der Stiftung Direktorin des Programms Bildungsinvestitionen ist. Die Bezahlung bleibe aber «deutlich» hinter der von Grundschullehrern zurück.

Wie werden Erzieherinnen bezahlt?

Die Einstufung im Tarifsystem erfolgt nach Tätigkeit und Berufserfahrung. Eine Kinderpflegerin erhält als Anfangsgehalt 2043 Euro im Monat, die Leiterin einer Kita kann, bei besonders großen Einrichtungen, bis zu 4749 Euro im Monat verdienen. Eine Erzieherin mit achtjähriger Tätigkeit bekommt nach Angaben von Verdi derzeit 2946 Euro im Monat, nach den Vorstellungen der Gewerkschaft soll sie künftig 3387 Euro erhalten.

Was sagen die Arbeitgeber?

Die meisten Erzieherinnen seien bereits jetzt in die höchste Erfahrungsstufe eingruppiert und hätten damit ein Monatsgehalt von 3289 Euro. Die kommunalen Arbeitgeber vergleichen die Bezahlung der Erzieherinnen mit der von Handwerkern im öffentlichen Dienst oder Brandmeistern bei der Feuerwehr. Das Einkommen des Ausbildungsberufs Erzieherin liege oberhalb dieser Gruppen.

Und die Erzieherinnen?

Viele Kita-Beschäftigte haben in einer aktuellen Befragung eine schlechte Bezahlung und fehlende Wertschätzung beklagt. Das Vorurteil, «wir spielen, basteln und betreuen die Kinder nur», sei noch weit verbreitet. In einer beim Kitaleiter-Kongress am Mittwoch in Dortmund vorgestellten repräsentativen Umfrage haben fast 88 Prozent der Befragten angegeben, ihre Bezahlung entspreche nicht den gestiegenen Anforderungen an ihre Arbeit. Claus Haffert, dpa

Zum Bericht: Bsirske geht für eine Aufwertung der Erzieherinnen auf Konfrontationskurs

4 Kommentare

  1. Fast 3000 Euro brutto finde ich gar nicht so schlecht. Und über 4700 Euro ist fast das Niveau eines Akademischen Oberrats. Also mal ehrlich, man sollte die Kirche schon im Dorf lassen.

  2. Alless hat bekanntlich 2 Seiten. Wenn die Bezahlung von Erzieherinnen denen von Lehrern gleichgestellt werden soll, muß sich zwangsläufig etwas an ihrer Ausbildung tun: Wegen der enormen Bedeutung der frühkindlichen Erziehung für unsere Gesellschaft muß in zukunft ein entsprechendes Studium an einer FH Voraussetzung werden. Es ist höchste Zeit dafür!

    • Ursula Prasuhn

      Meine Sichtweise sieht so aus: Wegen der enormen Bedeutung eines sowohl physisch als psychisch gesunden Nachwuchses für jede Gesellschaft muss eine Rückbesinnung auf das stattfinden, was die Natur – und nicht der Mensch mit seinen Ideologien und Allmachtsphantasien – für ein gesundes Aufwachsen vorsieht. Und da besagen nicht nur die Erfahrungen seit Menschengedenken, sondern auch die Untersuchungen der Kindermediziner, dass „frühkindliche Bildung“ vor allem „Bindung“ ist. Vielleicht lesen Sie mal die wenigen Seiten hier:
      http://www.fachportal-bildung-und-seelische-gesundheit.de/hanns-seidel-stiftung-bildung-braucht-bindung-boehm.pdf
      Ihre Vorstellungen von einer guten „frühkindlichen Erziehung“ sind sehr verbreitet, weil mit Macht politisch und medial herangezüchtet. Meiner Meinung nach wird aber kein noch so gutes Studium die Erzieherinnen jemals dazu befähigen, dem „Seelenhaushalt“ von Babys und Kleinstkindern gerecht zu werden. Die Erfahrung von Lieben und Geliebtwerden als naturgegebenes Muss – vor allem in den ersten Lebensjahren – kann schlecht per Berufsausbildung vermittelt werden. Da stoßen wir an die Grenzen der Machbarkeit. Sie nicht aus dem Auge zu verlieren bei den hochfliegenden Plänen zur sog. „frühkindlichen Erziehung“ halte ich für dringend geboten. Und hier möchte ich sagen: „Es ist höchste Zeit dafür!“

  3. Natürlich sind gute Erzieher wichtig und sie sollen gut bezahlt werden. Viel wichtiger wäre aber doch, dass man ihnen die Option gibt, gute Arbeit zu leisten, indem man die Gruppengrößen nach unten korrigiert und mehr Erzieher pro Gruppe einsetzt. Es braucht ein größeres Unterstützungsteam in dieser Arbeit. Das muss dann aber auch an den Schulen fortgeführt werden. Da kann die Lösung nicht lauten: Erzieher sind wichtiger/besser/schlechter als LEhrer, also müssen sie genauso gut bezahlt werden. Diese Vergleiche hinken immer. (Zumal ich als angestellte Lehrerin kein solches Gehalt habe. Da schauen sich die Erzieher aber um, wenn sie mein Gehalt auf dem Konto haben)

    Mich stört an den Artikeln sehr, dass die höchstbezahlten Erzieher genannt werden (4700€!! Welcher Lehrer verdient denn 4700€?) und dann die anderen zitiert werden, die über schlechte Bezahlung sprechen. Es wird bei Erziehern, genau wie bei Lehrern, so sein, dass Teilzeitbeschäftigte Mehrarbeit leisten (Vollzeitbeschäftigte können kaum noch mehr arbeiten), genauso an BEsprechungen und Fortbildungen teilnehmen müssen, wie Vollzeitbeschäftigte und somit, trotz weit geringerem Gehalt, kaum frei haben. Da in beiden Berufen Frauen überwiegen und diese häufiger als Männer auf Teilzeit angewiesen sind, muss ein Konzept für Teilzeitbeschäftigung her, dass gerecht ist oder in dem die zusätzliche Arbeit gerecht entlohnt wird. Bei Erziehern UND Lehrern. Und DANN gibt es die Wertschätzung für den Beruf, denn dann muss ja anerkannt werden, dass man abends noch bis Mitternacht plant und am Wochenende Hausbesuche macht. Das ist natürlich so nicht umsetzbar, aber das wäre gerechtere Entlohnung als pauschal zu sagen: Gleiches Geld für alle. Ich denke, dass Lehrer dann trotzdem mehr verdienen würden, da Korrekturen und Elterngespräche außerhalb der Schulzeit doch mehr Zeit fressen als die Vor- und Nachbereitungen.

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