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Lehrer setzen sich für bessere Ausbildung von Flüchtlingen ein

STUTTGART. Lehrer und Arbeitgeber haben sich für eine bessere und raschere Ausbildung junger Flüchtlinge starkgemacht. Diese sollten schneller in den Unterricht dürfen und dort umfassender betreut werden, teilten der baden-württembergische Landesverband der Berufsschullehrer (BLV) und die Lehrergewerkschaft GEW in Stuttgart mit. Dafür müsse die grün-rote Landesregierung etwa die Zahl der Schulsozialarbeiter und der Jugendberufshelfer aufstocken. Aus Sicht der Arbeitgeber müsse darüber hinaus die Bereitschaft der Unternehmen in Baden-Württemberg unterstützt werden, Flüchtlinge auszubilden.

Ziel ist es laut BLV, «gesellschaftlich integrierte und gut ausgebildete Fachkräfte (zu) gewinnen, die Steuern und Sozialabgaben bezahlen und sich in Deutschland wohlfühlen und anerkannt werden». Außerdem forderten die Berufsschullehrer ein langfristig angelegtes Konzept für die Lehrerausbildung. Im ersten Quartal 2015 kamen mehr als 10 000 Asylbewerber in den Erstaufnahmestellen allein in Baden-Württemberg an. Rund 14 Prozent davon sind laut Verband zwischen 6 und 16 Jahre alt, 3,5 Prozent 17 oder 18 Jahre und knapp 27 Prozent zwischen 19 und 25 Jahre.

«Echte Integration und volle Ausbildungsfähigkeit von Flüchtlingen ist nur durch bessere Ausstattung der Berufsschulen zu erreichen», sagte der Präsident der baden-württembergischen IHK-Vereinigung (BWIHK), Peter Kulitz. Dazu brauche es zusätzliche Lehrkräfte, die vor allem auch zur Sprachförderung gebraucht würden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) möchte Flüchtlingen möglichst schnell den Besuch einer Schule ermöglichen. «Da das Asylgesetz geändert wird und Erwachsene nach drei Monaten arbeiten dürfen, sollten auch Kinder spätestens nach drei Monaten in die Schule gehen», teilte die GEW mit. Das Recht auf einen Schulbesuch besteht nach Angaben des Kultusministeriums nicht erst sechs Monate nach der Einreise. Im Zeitraum davor könnten die Kinder die Schule freiwillig besuchen. Dieses Recht garantiere die baden-württembergische Landesverfassung.

Zudem forderte die GEW, das Recht auf Schulbesuch für Flüchtlinge solle bis zum Alter von 25 Jahren ausgedehnt werden. Dafür fehle es allerdings bislang an geeigneten Unterrichtsmaterialien und Fortbildungsmöglichkeiten. Auch die Unterstützung von Dolmetschern, Schulsozialarbeitern und Psychologen werde benötigt.

Die Arbeitgeber-Vertreter forderten eine nachhaltige Perspektive für eine duale Berufsausbildung. Flüchtlingen sollte nach Abschluss einer Aus- oder Weiterbildung nach Ansicht des Verbands der Aufenthalt für ein weiteres Jahr ermöglicht werden, um einen Arbeitsplatz zu finden.

Das Kultusministerium müsse berufliche Schulen in die Lage versetzen, dass sie ihren wichtigen Beitrag zur Integration der jungen Flüchtlinge leisten könnten, sagte die Sprecherin für berufliche Schulen der CDU-Landtagsfraktion, Viktoria Schmid. Seitens der grün-roten Landesregierung gebe es noch immer kein Gesamtkonzept, wie Flüchtlinge im Alter bis 25 Jahre möglichst gelingend in Gesellschaft und Berufsleben integriert werden können.

Die Landesregierung stelle finanzielle Hilfen für sogenannte Vorbereitungsklassen und andere Angebote für jungen Flüchtlinge in Höhe von 11,7 Millionen Euro im Jahr 2015 und 13 Millionen im Jahr 2016 zur Verfügung, teilte das Kultusministerium mit. Es sei selbstverständlich, dass Schulen und Lehrer beim Unterricht von Flüchtlingen schnell und unkompliziert unterstützt würden, etwa durch zusätzliches Personal, Fortbildungsangebote oder Beratung. dpa

Zum Bericht: Flüchtlinge – Bayerische Lehrerverbände fordern neue Schul- und Betreuungskonzepte

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