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„Stress pur“: Lehrerverband kreidet Medienverwahrlosung von Schülern an

STUTTGART. Permanenter Medienkonsum – vom ständig eingeschalteten Smartphone über den exzessiv genutzten Computer, Tablets, DVDs und TV-Apparate bis hin zu den allerneuesten Spielekonsolen – und in Erziehungsfragen grenzenlos nachgiebige, zuweilen sogar nachlässige oder völlig gleichgültige Eltern erschwerten Kindern und Jugendlichen immer mehr, in der Schule konzentriert und selbständig zu arbeiten, findet der VBE Baden-Württemberg.

Lehrer müssen daher, bevor sie ihren eigentlichen Bildungsauftrag in der Schule wahrnehmen können, im Unterricht verstärkt erst einmal Basis-Erziehungsarbeit leisten, damit Lernen – ob selbstorientiert, in der Gruppe oder frontal – überhaupt stattfinden und gelingen kann, und zwar unabhängig von der jeweiligen Schulart.

Kinder und Jugendliche nutzen das Internet meist unkontrolliert. Foto: Spencer E. Holtaway / Flickr (CC BY-ND 2.0)

Das Internet werde immer exzessiver genutzt, findet der Lehrerverband. Foto: Spencer E. Holtaway / Flickr (CC BY-ND 2.0)

„Dieser täglich Spagat zwischen dem hohen pädagogischen Anspruch an sich selber für einen nachhaltigen, effektiven Unterricht und der vorgefundenen Schulwirklichkeit ist für Lehrer Stress pur, macht ihnen das Leben zusätzlich schwer und sie auf Dauer möglicherweise sogar krank“, warnt ein VBE-Sprecher. Gleichzeitig werde der Unterrichtserfolg bei den Schülern immer mehr infrage gestellt.
Ein vernünftiger Umgang der Schüler mit den heute zur Verfügung stehenden vielfältigen Medien sowie eine liebevoll konsequente erzieherische Begleitung durch ein interessiertes Elternhaus würden für eine Steigerung der Qualität schulischer Leistungen weit mehr bewirken als so manche Bildungsoffensive und Schulstrukturdebatten.

2 Kommentare

  1. mehrnachdenken

    Der VBE traut sich, mutig auf unbequeme Wahrheiten hinzuweisen.
    Bei Suchtkranken sprechen wir von Junkies. Für mich gehören viele junge, aber auch ältere Menschen, die offenbar ohne ihr Handy nicht mehr leben können, ebenfalls zu dieser Kategorie.

    Unabhängig von den Leuten, die ihr Handy nutzen, um sich bspw. ständig mehr oder weniger sinnfreie Kurznachrichten zu senden, wird auch die Fraktion immer größer, die das Smartphone als nützlichen Dienstleister betrachten und sich von ihm durch den Tag navigieren lassen.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang übrigens das Verhalten der Bundestagsabgeordneten, die während einer Plenarsitzung ständig mit ihrem Handy herumspielen. Nun ja, die Kanzlerin lebt es eben vor. „Tolle“ erzieherische Vorbilder, kann ich nur betrübt ausrufen!

    Eigenens Denken und kreatives Handeln bleiben für mich dabei auf der Strecke. Ich fahre ohne Navi und merke mir so viele Termine wie es geht. Damit schule ich mein Orientierungsvermögen, und ich verbessere mein Gedächtnis. In einer fremden Stadt finde ich ein Pizza – Restaurant auch ohne eine entsprechende App. Zur Not kann ich jemanden fragen. Damit stärke ich meine soziale Kommunikation.

    Es ist sicher zutreffend, in diesem Zusammenhang von „nachgiebigen, nachlässigen oder gar gleichgültigen Eltern“ zu sprechen. Auf viele kann sich die Schule nicht mehr als Teil der Lösung verlassen; sie sind eher als Teil des Problems anzusehen.

  2. Milch der frommen Denkungsart

    Endlich einmal wird eine Binsenweisheit offen ausgesprochen, die freilich jedem Praktiker längst bekannt war:
    die „brave new world“ der Neuen Medien, die den Schulen jüngst immer aggressiver aufoktroyiert und als
    Allheilmittel für jegliche Bildungsprobleme angepriesen wurde, hat ein Frankensteinsches Monster erschaffen,
    indem sie die Schüler sprachlich wie vokabularisch immer mehr verarmen läßt und die Lese- wie auch Konzen-trationsfähigkeit der jungen Leute eklatant nach unten dimmt.

    Um nicht mißverstanden zu werden: zur Visualisierung des Unterrichts (etwa in Geschichte) sind besagte Medien zweifellos eine Bereicherung; ansonsten aber machen sie unsere Schüler zu Junkies, von denen
    man eine Selbstkontrolle schlechterdings gar nicht verlangen kann.

    Daß eine zum Teil entweder hilflose oder schlicht desinteressierte Elternschaft hierzu unrühmlich beiträgt,
    da sie das Thema „Medienerziehung“ auf die Schulen abwälzt, steht ebenso außer Frage.

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