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Zurück in die 50-er Jahre? Direktorin verbietet Hotpants an Schule – Empörungwelle im Internet

STUTTGART. Degradieren bauchfreie Shirts & Co. Schülerinnen zu Sexobjekten oder sind sie Zeichen der Selbstbestimmung junger Frauen? Das Hotpants-Verbot einer Schule in Baden-Württemberg hat die Debatte neu entflammt. Bereits im Mai hatte es einen ähnlichen Fall gegeben.

Sind Hotpants eine angemessene Schulkleidung? Foto: CSD2006 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Sind Hotpants eine angemessene Schulkleidung? Foto: CSD2006 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

In den 60er Jahren waren Miniröcke ein Aufregerthema, heute sind es die Hotpants: Heiße Temperaturen entfachen an deutschen Schulen allsommerlich die Diskussion über die angemessene Kleidung für den Unterricht. In Horb am Neckar hat nun eine Werkrealschule in einem Elternbrief die vorläufige Regel aufgestellt: «Wer zu aufreizend gekleidet ist (zum Beispiel bauchfreies Shirt, Hotpants…), der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie sich bis zum Schultagsende anziehen muss.» Eine endgültige Kleiderordnung werde noch gemeinsam mit Schülerinnen, Schülern und Eltern erstellt.

Fragt sich nur, für wen aufreizend und warum: Die Antwort gibt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus. Man müsse sich in die heranwachsenden jungen Männer hineindenken. «Da geht mit dem einen oder anderen das Kopfkino durch.» Damit sei die Ablenkung vom Unterricht programmiert. Überdies sei die Schule ja kein Laufsteg. Appelle für weniger luftige Bekleidung seien für Lehrer aber heikel, weil manche Eltern auf Persönlichkeitsrechte der Kinder pochten und letztere zu Trotzreaktionen neigten. «Man kann als staatliche Schule eine dezentere Kleidung genauso wenig anordnen wie eine Schuluniform.»

Das sei an Privatschulen viel einfacher, weil dort über privatrechtliche Verträge viel geregelt werden könne. Am Stuttgarter Heidehof-Gymnasium etwa, einer evangelischen Privatschule, liegen XXL-T-Shirts bereit; sie sollen unziemliche Blößen bedecken.

Auch die Horber Schule rechnet wohl mit Elternkritik, denn in dem Brief heißt es: «Es geht uns dabei nicht um die Unterdrückung der Individualität Ihres Kindes.» Vielmehr solle die Regelung beitragen zu einem «gesunden Schulklima, in dem sich alle wohlfühlen und in dem gesellschaftliche und soziale Werte gelebt und gefördert werden».

Im Kultusministerium sagt eine Sprecherin: «Die Schule ist nicht berechtigt, die eigene Moralvorstellung zum Gradmesser für eine korrekte Kleidung zu machen.» Kleiderregeln oder gar Vorschriften gebe es an öffentlichen Schulen nicht. Gefährde ein sexy Outfit allerdings die Ordnung des Unterrichts, dürfe die Schule eingreifen.

In den Sozialen Netzwerken hat die Horber Schulleiterin Bianca Brissaud einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Initiatorin der Twitterkampagne «Aufschrei», Anne Wizorek, prägte den Hashtag #hotpantsverbot, unter dem sich nun Nutzer empören. Wizorek schrieb: «#hotpantsverbot zielt bei durchschnittlichen 30° allein auf mädchenkleidung ab. so viel zu gesellschaftlichen werten…» Ihr Tweet wurde bereits mehrere hundert Mal geteilt.

Eine Nutzerin spottet, dass Mädchen bald in Ganzkörperkondomen rumlaufen sollen, «damit das andere Geschlecht auf ja keine falschen Gedanken kommt». Ein anderer fürchtet, dass es nun mit «Volldampf zurück in die 50er Jahre» geht. Einige wenige finden die Aufregung um das #hotpantsverbot übertrieben. «Ich darf auf Arbeit nur lange Hosen tragen. Bei 34 Grad. Also heult nicht rum», schreibt eine Twitter-Nutzerin. Im Hashtag #victimblaming (Opferbeschuldigung) kritisieren einige, durch das Verbot kurzer Kleidung werde Mädchen suggeriert, für sexuelle Belästigung selbst verantwortlich zu sein.

Ähnlich argumentiert der Schülerbeirat Baden-Württemberg. Ein Pauschalverbot sei der falsche Weg, meint Vize-Chef Felix Walz. Denn: «Hier werden Jungs unter sexistischen Generalverdacht gestellt und ein falsches Rollenbild vermittelt.»

Der Chef des Landeselternbeirates Baden-Württemberg, Carsten Rees, findet hingegen, dass auch an der Schule grundsätzliche Formen des Anstands zu wahren sind. Das Thema angemessene Kleidung betreffe aber alle: Denn die Jungen mit ihren Skater-Hosen, die den Blick auf das mehr oder weniger bedeckte Hinterteil freigeben, seien nicht immer ein Augenschmaus. Rees betont: «In der Pubertät wollen junge Menschen provozieren und Grenzen verletzen. Das Schlimmste, was wir tun können, ist, nicht einzugreifen und diese Provokationen ins Leere laufen zu lassen.» Im Stuttgarter Heidehof-Gymnasium hat man diese Grenzen bereits gesetzt: Die Riesen-Shirts sind bislang erst zwei Mal verteilt worden – und zwar an zwei Jungen mit Hänge-Hosen. Von Julia Giertz und Julia Naue, dpa

Zum Bericht: Schule verbietet aufreizende Kleidung – „Aktionsbündnis“ wirft ihr dafür Sexismus vor

18 Kommentare

  1. Warum hat man im Kultusministerium eigentlich nicht die Courage, den Schülern klarzumachen, dass die Schule für sie eine Art Arbeitsplatz ist, und dass an JEDEM Arbeitsplatz ein bestimmter Dresscode durchaus üblich ist. Mir jedenfalls ist kein seriöser Arbeitsplatz bekannt, an dem man tiefdekolletiert und mit Hotpants erscheinen darf.

    • mir schon. nur habe ich nicht vor jemals in einem solchen etablissement zu verkeh … ääh … sein.

      Spaß beiseite: von schuluniformen halte ich nichts, von 14 jährigen Mädels, die sich anziehen wie im rotlichtmilieu oder jungs, deren schritt auf kniehöhe hängt genausowenig.

      für lehrer gilt aber ähnliches. lehrer in kurzen hosen haben außerhalb des sportunterrichtes nichts an einer schule verloren. bei den damen müssen Röcke mindestens knielang sein.

    • Wo steht das, dass es einen Dresscode gibt? Bitte mal die Verordnung nennen! Ich lasse mir nicht einmal als Studiendírektor vorschreiben, welche Kleidung ich trage!

      • Würden sie sich als Bankkunde von einem Mann in Feinripp-Unterhemd, Baumwoll-Jogginghose mit Schritt auf Kniehöhe, weiße Tennissocken und Sandalen oder von einer Frau in Bikinioberteil und einem „Rock“, der auch als Gürtel durchgehen könnte, beraten lassen? Wahrscheinlich nicht und auch nur die wenigsten Bankberater würden ansatzweise darüber nachdenken, ihren Arbeitsplatz mit solcher Kleidung betreten.

        Mein Beispiel ist zwar übertrieben und in Bankhäusern wird es entsprechende Dienstanweisungen geben, geht aber in die von der Direktorin bemängelte Richtung.

        • Ist beim Online-banking auch egal, was der Berater an hat. White-collar-jobs haben lediglich den Vorteil, das die Träger solcher Krägen bei strafwürdigen Vergehen von Richtern weniger hart bestraft werden.

          Warum chließen in naher Zukunft Banken und Sparkassen einen großen Teil ihrer Filialen? Vermutlich weil die Mitarbeiter sich nicht dem dresscode unterwerfen wollen – rofl!

      • Ferner gehe ich davon aus, dass Sie als Studiendirektor von sich aus im Hemd zur Arbeit fahren, bei entsprechenden Terminen auch im kompletten Anzug.

  2. PS: Trage meistens Jeans, T-Shirt und diverse Biker-Ringe

    • mehrnachdenken

      Mein Gott, was für ein Diskussionsniveau!!

      • mehrnachdenken

        Was sind Sie noch mal? Ach ja, Studiendirektor.

        • Jo, besondere Qualifikation: lese gerne mal Vorschriften! Und es gibt nun einmal keine bezüglich der Kleidung in der Schule, nicht für Schüler, nicht für Lehrkräfte, nicht für nicht-pädagogisches Personal und nicht für Schulleitungen!

          • Warum finde ich bloß trotz intensiver Suche keine Schule mit dem Studiendirektor Torsten Fink? Es wäre schön, wenn Sie mir auf die Sprünge helfen würden.

          • Na hoffentlich dient das Lesen von Vorschriften nicht nur der Legitimation eigener Extravaganzen. Wenn gilt: „Innen wie außen“ und wenn man bedenkt, dass Leitungspersonen auch immer eine semantische Außenwirkung haben, dann wird deutlich, dass damit auch ein erster Eindruck über das Vertrauenspotenzial und den Zuverlässigkeitsgehalt entscheiden kann (!), den gerade Pädagogen ausstrahlen.

  3. Für Herrn / Frau Bolle: Google hilft-> https://www.google.de/webhp?sourceid=chrome-instant&ion=1&espv=2&ie=UTF-8#q=studiendirektor%20torsten%20fink (erste zwei Eintragungen sind über mich)

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