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Verband appelliert an die Politik: Lehrer benötigen mehr Unterstützung – Belastungen nehmen überhand

MÜNCHEN. Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), hat an die Politik appelliert, mehr auf die Gesundheit der Kollegen zu achten. „Viele Lehrerinnen und Lehrer sind erschöpft und fühlen sich angesichts der großen Herausforderungen und Probleme ausgebrannt“, erklärte sie. Das, was Lehrkräfte derzeit an Aufgaben stemmen müssten, übersteige die Kräfte zahlreicher Kollegen. „Auch sie brauchen Hilfe und Unterstützung, sonst können sie die üblichen Herausforderungen und die, die mit den vielen Flüchtlingskindern einhergehen, nicht bewältigen“, forderte Fleischmann. Eine Klage, die vor allem auch wegen den großen Herausforderungen durch die Inklusion derzeit wohl Pädagogen in allen Bundesländern unterschreiben würden.

Die BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann setzt sich für eine gesunde Schule ein. Foto: BLLV

Die BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann setzt sich für eine gesunde Schule ein. Foto: BLLV

Eine vom bayerischen Kultusministerium initiierte „Woche der Gesundheit und Nachhaltigkeit“ soll vom 12. bis 16. Oktober an allen bayerischen Schulen durchgeführt werden. Die Aktion steht unter dem Motto „Schule des Wohlbefindens“. „Das Ansinnen unterstützt der BLLV sehr“, betonte Fleischmann. Sie machte zugleich aber auch deutlich, dass entsprechende Rahmenbedingungen vorhanden sein müssen, damit sich alle Schüler und Lehrer an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen könnten. „Viele Wünsche sind hier noch offen und grundlegende Bedingungen fehlen.“

Es sei Fakt, dass die Belastungen im Lehrerberuf deutlich zugenommen haben. Die Probleme, mit denen Lehrkräfte im Laufe eines Schuljahres konfrontiert würden, seien vielfältig und manchmal so belastend, dass Kolleginnen und Kollegen auch zu Hause nicht mehr abschalten könnten. „Viele sind ausgepowert, werden physisch oder psychisch krank“, sagte Fleischmann. Das Gefühl, „niemals fertig zu werden“ begleitete viele Lehrerinnen und Lehrer oft über Jahre – das belegt unter anderem auch eine BLLV-Studie zum Thema „Zeit für Bildung“ vom Mai 2015.

Als belastend wird die permanente personelle Unterversorgung erlebt und die Tatsache, dass Erziehungsaufgaben auf die Schulen abgewälzt werden. Die zu erfüllenden Aufgaben sind komplexer und schwieriger geworden. Häufig gehen sie weit über die Aufgaben des Unterrichtens hinaus. Zum Beispiel, wenn es darum geht, einem Scheidungskind optimal zu helfen, ein traumatisiertes Flüchtlingskind zu begleiten oder bei einem Mobbingverdacht zu intervenieren. „Lehrerinnen und Lehrer unterrichten nicht nur, sie sind in vielen Fällen auch Lebensberater, Helfer und Ansprechpartner“, sagte Fleischmann. Bei der Umsetzung dieser anspruchsvollen Aufgaben würden viele an die Grenze der eigenen Belastbarkeit stoßen.

Lehrer seien keine „Jammerlappen“, betonte die BLLV-Präsidentin. Professionelles Handeln zeichne sich dadurch aus, dass konkrete Grenzen benannt und von denjenigen, die vor Ort Schule gestalten, aufgezeigt werden. Grundsätzlich gelte: „Belastungsgrenzen sind nicht unendlich dehnbar.“

Wie die BLLV-Studie vom Mai zeige, würden sich die meisten Lehrkräfte durch mehr Personal am besten unterstützt fühlen, erinnerte Fleischmann. Aus ihrer Sicht müssten Lehrerinnen und Lehrer gestärkt werden, damit sie ihre Schüler stark machen könnten. Letztendlich profitierten die Schülerinnen und Schüler am meisten von motivierten und ausgeglichenen Lehrkräften. „So gesehen könnte die ‚Woche der Gesundheit und Nachhaltigkeit‘ auch als Chance begriffen werden, das Bewusstsein für das, was Schulen brauchen, zu schärfen: Personal, Personal und nochmal Personal.“

Hintergrund: Der BLLV hat vor elf Jahren das Institut für Gesundheit in Pädagogischen Berufen (IGP) gegründet. Ziel ist es, ein niederschwelliges Angebot für Lehrerinnen und Lehrer zu schaffen, die vor einem Burnout stehen oder – noch besser – die ihn vermeiden wollen. Die wissenschaftliche Leitung des Instituts liegt in den Händen des Freiburger Neurobiologen Prof. Joachim Bauer. Mehr unter: www.gesundheit.bllv.de

 

Ein Kommentar

  1. Lehrer könnten die neuen Herausforderungen annehmen und bewältigen, KÖNNTEN, was sie überfordert, ist, dass sie gleichzeitig in immer größen Klassen, mit immer höherer Pflichtstundenzahl, mit immer mehr rechtlichen Einschränkungen, Nebenbei-Aufgaben (z.B. Pflichtzahl an Fortbildungen) und tausend Vorgaben und Regelungen im Unterrichtsalltag belastet werden. Auch Ferien sind immer weniger eine so notwendige „Auszeit“, sondern werden u.U. mit Extra-Aufgaben vollgestopft. DAS ALLES belastet Lehrer und da hat der Staat ein gerüttelt Maß Anteil dran. Kürzt und vereinfacht das alles wieder, dann brauchen wir auch keine Anti-Ausbrenn-Seminare oder sonstige Gesundheitstipps !

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