Startseite ::: Leben ::: Kinder haben zunehmend Probleme mit dem Handschreiben – eine Kulturtechnik in Gefahr?

Kinder haben zunehmend Probleme mit dem Handschreiben – eine Kulturtechnik in Gefahr?

KÖLN. Die handschriftlichen Fähigkeiten des Nachwuchses nehmen ab. Sagen Umfragen. Die Tastatur scheint Kindern und Jugendlichen oft näher als der Stift. Experten sehen im digitalen Zeitalter eine Kulturtechnik bedroht – heute wurde auf der Bildungsmesse „didacta“ eine Intitiative zum Thema vorgestellt.

Immer mehr Schüler haben offenbar Probleme mit dem Handschreiben. Foto: dotmatchbox / flickr (CC BY-SA 2.0)

Immer mehr Schüler haben Probleme mit dem Handschreiben. Foto: dotmatchbox / flickr (CC BY-SA 2.0)

Was der kleine Jasper macht, ist keine bloße Malstunde. In der Kölner Kita trainiert der Fünfjährige mit anderen Knirpsen kurvenreiche Linien. «Das macht Spaß», sagt Jasper, den Wachsmalstift fest im Fäustchen. «Die Bewegung brauchen die Kinder später in der Schule, für das n und viele andere Buchstaben», erklärt Motorikforscher Christian Marquardt. Hintergrund der Übungen: Die Fähigkeit, von Hand zu schreiben, lässt bei Kindern im digitalen Zeitalter deutlich nach. Das hat nun schon eine zweite Umfrage ergeben, die bei der Bildungsmesse Didacta in Köln vorgestellt wurde. Experten sehen eine Kulturtechnik in Gefahr und wollen gegensteuern.

Die Lage sei höchst besorgniserregend, betont der Präsident des Didacta-Verbands, Wassilios Fthenakis. Es gehe um eine wertvolle Technik, die in der kulturellen Entwicklung der Menschheit eine maßgebliche Rolle gespielt habe. «Es ist wichtig, dass diese Kulturtechnik nicht geopfert wird auf dem Altar der neuen Medien.» Die Gesamtgesellschaft trage Verantwortung dafür, die Handschrift zu erhalten, mahnt er. Und: «Wir müssen dem Terrorismus von E-Mails und WhatsApp etwas entgegensetzen.»

Wie ist der Stand der Dinge? Aus einer repräsentativen Umfrage des Schreibmotorik Instituts – rund 1000 Mütter wurden befragt – ergibt sich: Etwa 1,2 Millionen Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren könnten nicht ausdauernd leserlich und unverkrampft schreiben. Noch trister sei das Ergebnis einer Erhebung des Lehrerverbands von 2015 – nach Befragung von 2000 Lehrkräften: Jeder zweite Junge und fast jedes dritte Mädchen habe Probleme, eine gut lesbare Handschrift zu entwickeln. Das sollte laut Kultusministerkonferenz bis Ende der vierten Klasse gelingen.

Der Realität entspreche das aber nicht, sagt auch der Bundeselternrat. Der Vorsitzende Michael Töpler appelliert, Eltern sollten mit gutem Beispiel vorangehen und die Tastatur öfter mal links liegen lassen. Der handgeschriebene Brief sei die «persönlichste Form der Kommunikation» und bringe Wertschätzung zum Ausdruck, gibt Fthenakis zu bedenken. Schreiben heißt aber für viele Kinder und Jugendliche zumindest in der Freizeit: Auf ihre Smartphones, Tablets und Laptops eintippen.

Auch Wissenschaftler Marquardt beklagt, die Handschrift werde im Alltag zurückgedrängt – folgenreich. «Dass es Probleme beim Handschreiben gibt, wissen wir seit Langem.» Nun sei aber das Ausmaß deutlich – und zwinge zum Handeln. «Es ist nachgewiesen, dass das Handschreiben andere Hirnareale aktiviert.» Also zu einem konzentrierteren, tieferen und nachhaltigeren Lernen führe. Er befürchtet: Verschlimmere sich das Handschrift-Problem der Schüler, könnten sich die Stimmen mehren, die auch in der Schule, im Unterricht und bei Klassenarbeiten der Einfachheit halber stärker auf den digitalen Weg und die Tastatur setzen wollen.

Nun will die neu ins Leben gerufene «Aktion Handschreiben 2020» eine bessere Förderung des Handschreibens in Kita und Schulen erreichen. Bis 2020 soll dazu flächendeckend ein wissenschaftlich fundiertes Übungsprogramm bereitstehen, versprechen die Gründungsmitglieder Didacta Verband und Schreibmotorik Institut.

Jasper, Bruno, Emilia, Lennart und Clara versuchen sich schon freudig an den Übungen fürs Vorschulalter. Feinmotorik ist gefragt. Sie sollen auf dem Papier die Rennstrecke von Hugo Blitz mit dem Stift nachzeichnen. Clara ist als erste fertig und strahlt: «Das war doch ganz einfach.» Von Yuriko Wahl-Immel, dpa

16 Kommentare

  1. Meine Mutter hat mir erlaubt, den Vertretungsplan mit dem Handy abzufotografieren, da ich ihn mir nicht merken kann.
    Hinweis: „Schreib ihn doch ab!“
    „Ja, das sit eine gute Idee!“

    • Welche Schulform / Klasse?

      Sogar in der Grundschule sollte es aus meiner naiven Sicht auch für einen Erstklässler (m/w) möglich sein, sich die 1-2 Änderungen zu merken zumal häufig genug kein anderes Fach damit verbunden ist.

    • Vertretungsplan? Der kann heute doch in jeder Schule auf der Homepage eingesehen werden.

      • Eben nicht – Die Veröffentlichung personenbezogener Daten knn nur mit der zustimmung der betroffenen Lehrkräfte erfolgen.

        Welches Kollegium ist denn so blöd sich öffentlich an den Pranger stellen zu lassen?

        Anders sieht es aus, wenn der Vertretungsplan keinerlei Rückschlüse auf fehlende Lehrkräfte zulässt, dann sind deren persönlichkeitsrechte gewahrt. Zustimmen müssen sie der Weitergabe der Daten dennoch im Rahmen einer Lehrkräftekonferenz, deren mehrheit das weitere verfahren bestimmt..

        • Natürlich gibt es für den online – gestellten Vertretungsplan einen Zugangscode.
          Für wen kann denn ein Vertretungsplan schon interessant sein, außer für die direkt betroffenen SuS und deren Eltern?
          Immerhin handelt es sich nicht um geheime Staatsangelegenheiten.
          „Keine Rückschlüsse auf fehlende Lehrkräfte“ – wäre doch mal für Außenstehende aufschlussreich, wer z.B. immer wieder fehlt, lach.

        • „Welches Kollegium ist denn so blöd sich öffentlich an den Pranger stellen zu lassen? “ – Oha, was für Sachen stehen denn bei Ihnen auf dem Vertretungsplan??

          • z.B. Lehrer xy ist so und so oft krank, Lehrer yz ist unmittelbar vor und nach den Ferien krank, Lehrer xz immer im Umkreis um das schrifltiche Abitur.

          • Der Vertretungsplan ist nämlich so blöd nur zu vermerken, wer mich bei Abwesenheit in welcher lerngruppe und in welchem Raum vertreten soll.

            Absenzen entstehen de facto nicht nur durch Krankheit, es kann ebenfalls Sonderurlaub lt. Gesetz, Freistellung vom Unterricht aus dringenden Gründen, Diestgeschäft außerhalb der Anstalt (Gerichtstermin, Jugendamtstermin etc.), Klassenfahrt, Wandertag, Unterrichtsexkursion, Fortbildung, dienstliche Abordnung etc. sein.

            Eltern subsumieren den Ausfall im Allgemeinen unter „war krank und deshalb nicht da“.

            Ob der Zugang zum Vertretungsplan nur für lehrkräfte oder aber auch für eltern und Schüler einsehbar soll, ist ein himmelweiter Unterschied.

      • … dann sollten aber bitte im Sinne der Gleichbehandlung und allgemeinen Transparenz auch die Dienstpläne anderer Behörden wie z.B. von Finanzämtern, Polizeirevieren und auch von Krankenhäusern online gestellt werden..

  2. Kinder haben Probleme mit dem Handschreiben, weil es in den Schulen seit Jahren zu wenig wertgeschätzt und geübt wird.
    Ich halte sogar sehr viel vom sauberen Abschreiben. Es übt die Feinmotorik und Rechtschreibung.
    Sogar für das Lesen hat es noch positive Effekte.

    • In meiner Lehrerzeit stand unter jeder Klassenarbeit in Deutsch (Aufsatz und Diktat) eine Note für „Schrift und Form“.

  3. Bei uns gibt es in den Grundschulzeugnissen eine eigene Note für „Schrift und Gestaltung.“ Und meine Schüler/innen schreiben viel schöner als ich!

  4. Der allgemeine Trend von geht doch dahin, die Handschrift zu verunglimpfen. Was tun wir unseren Kindern nur an, wenn sie Schreiben lernen sollen? So eine Qual.

    • Richtig, Begründung der so genannten Grundschrift durch den Grundschul – Lehrerverband: Die Schreibschrift überfordere die Kinder.

    • Ganz abgesehen davon, dass eine gute Motorik auch das Gehirn trainieren würde. Sowas kann man heutigen Kindern nicht mehr zumuten – Gehirn trainieren – ihgitt. Auf der anderen Seite werden Unsummen in irgendwelche Apps investiert, die gerade das bewirken sollen – das Gehirn trainieren. Wobei der Nutzen der Apps bisher noch nicht belegt ist.

      • Richtig, die Übung der Feinmotorik mit ihren Trainingsimpulsen fürs Gehirn wird immer vergessen. Hauptsache, alles bequemer und einfacher machen, ohne daran zu denken, was dabei alles vernachlässigt wird und auf der Strecke bleibt.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*