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Zu schwer: Kultusministerium passt Bewertung von Mathe-Abitur nach unten an

HANNOVER. Vielen der rund 20 000 Abiturienten im Fach Mathematik haben die Prüfungsaufgaben in diesem Jahr extremes Kopfzerbrechen bereitet. Zu viel, zu schwer, zu überfrachtet, lautet der Vorwurf. Nun reagiert das Kultusministerium.

Abiturienten im Fach Mathematik können aufatmen: Nach der Kritik an zu schwierigen Prüfungsaufgaben hat das Kultusministerium angekündigt, die Bewertung der Leistung anpassen zu wollen. Details dazu seien aber noch nicht festgelegt, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Zuvor hatte die Behörde die Aufgaben prüfen lassen. «Die Aufgaben waren anspruchsvoll, aber vom Schwierigkeitsgrad leistbar», sagte die Sprecherin. «Hinsichtlich des Umfangs der Aufgaben war möglicherweise die Aufgabendichte für die vorgegebene Zeit etwas zu hoch.» Den Schülern solle deshalb daraus kein Nachteil entstehen.

Betroffen sind rund 20 000 Abiturienten in Niedersachsen, die in diesem Jahr eine schriftliche Mathe-Prüfung abgelegt haben. Nach den Tests hatte es zahlreiche Beschwerden über die schwierigen Aufgaben gegeben. So auch beim Philologenverband Niedersachsen. Es handele sich offensichtlich nicht um Einzelfälle von Überforderung, sondern um weitgehend missglückte Klausuraufgaben, erklärte der Vorsitzende des Lehrerverbandes, Horst Audritz.

Die Aufgaben seien mit Text überfrachtet, zu kompliziert und in der vorgegebenen Zeit kaum zu lösen gewesen. Man müsse sich fragen, wie so etwas seit der Einführung landesweit einheitlicher Aufgaben durch das Zentralabitur überhaupt passieren könne, sagte Audritz. Der Verband hatte gefordert, den Erwartungshorizont so zu ändern, dass die Bewertung der Mathematikklausuren etwa dem Durchschnitt der vergangenen Jahre entspreche.

Der schulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Kai Seefried, forderte das Ministerium auf, im Kultusausschuss am Freitag zu erklären, welche Probleme es gab und welche Lösungen nun angedacht seien. «Wenn es so große Probleme gab, dass das Ministerium ins laufende Abitur eingreifen muss, ist Eile geboten», sagte Seefried.

Positiv bewertete der Vorsitzende des Landeselternrats, Stefan Bredehöft, den Vorstoß des Ministeriums. Wichtig sei, dass die Defizite erkannt worden seien. «Wenn das Ministerium bereit ist, die Sache anzugehen, ist das ein Statement», sagte Bredehöft. «Die Schüler und Eltern sind in ihrer Kritik gehört worden.» Bis wann eine Entscheidung über die genaue Anpassung fallen soll, war zunächst unklar. Fest steht aber: Die Ergebnisse des diesjährigen Abiturs wird es frühestens Ende des Monats geben. dpa

 

17 Kommentare

  1. Werner Schneyder

    Ich verstehe das nicht: Viele aus CDU und FDP jammern rum, dass das Abitur zu leicht sei. Nun kommen mal knackige Aufgaben. Und das ist wohl auch nicht recht.

    • Johannes Bolte

      Aus Ihrem Kommentar geht hervor, das die CDU und FDP sich beschwert hätten. Ich denke es waren wohl eher Schüler und Eltern.

    • Nun, diesen angeblichen Widerspruch kann man ganz leicht aufklären.
      Was einige Politiker, viele Lehrkräfte und weitere Menschen beklagen, ist der anhaltende Niveauverlust, der an den Schulen Einzug gehalten hat. Dazu zählen das Aushöhlen der Lehrpläne, das Abschaffen des Leistungsprinzips und die Einführung von Kompetenzen, deren bisher einziger Zweck darin zu liegen scheint, eine Begründung für eine mindestens ausreichende Leistung aller Kinder zu schaffen.
      Dagegen sind die Abiturklausuren soweit geraten, dass sie in der Regel auf der einen Seite rudimentäre Kenntnisse abfragen, die man aufgrund von grundlegendem Leseverständnis und Basiswissen besteht. Dass andererseits auch anspruchsvolle Aufgabenteile vorhanden sind, bestreitet niemand, weshalb es auch durchaus möglich sei, dass eine Klausur mal unpassend konzeptioniert wird.
      Man sollte aber gleichzeitig anmerken, dass die Abiturklausuren entgegen der weitläufigen Meinung nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Abiturnote ausmachen und aufgrund organisatorischer Strukturen in der Regel ohne äußere Kontrollen bewertet werden. Folglich ist selbst eine zu schwere Klausur in dem Sinne kein Problem, da sie schulintern „nach oben“ korrigiert werden kann – das geschieht in vielen Fällen auch ohne einen solchen medialen Aufschrei.
      Mittlerweile hat es aber schon Tradition die Fehler einzelner Klausuren öffentlich breit zu treten, weil sie die angebliche Überforderung der Kinder unterstrichen. Dies geschieht ebenfalls bereits bei Klausuren an Universitäten, bei denen die Durchfallquote über 90% beträgt, wobei die Gründe in mangelnden „Kompetenzen“ oder mangelnder Vorbereitung natürlich zu weit hergeholt erscheinen.

      Abschließend möchte ich in diesem Zusammenhang auf einen Abiturjahrgang im Fach Mathematik aus NRW der letzten Jahre verweisen. Auch damals hieß es, dass eine Aufgabe zu schwierig war und das Abitur dementsprechend unausgewogen gestaltet worden ist.
      Die Faktenlage sah damals aber so aus, dass diese Aufgabe nicht von allen Schulen ausgewählt worden ist. „Insider“ wussten nämlich, dass man die Kinder auf drei Themengebiete vorbereiten musste, wobei man sich bei der Wahl der Klausuraufgaben auf zwei Themengebiete beschränken konnte. Folglich wählte man neben dem Pflichgebiet ein zweites einfaches Themengebiet aus und unterrichtete so auf Lücke. Die Konsequenz war, dass es keine Möglichkeit mehr für die entsprechenden Lehrkräfte gab auf die zu schwere Aufgabe durch Ausweichen auf das dritte Themengebiet zu reagieren.
      Die Organisation wurde mittlerweile so geändert, dass die Themengebiete neu kombiniert und die Vorgaben fürs Abitur entsprechend angepasst worden sind, aber wer möchte den Lehrkräften hier einen Vorwurf machen? Wenn Versetzung der Regelfall ist und man alle Kinder individuell zum Abitur begleiten soll, dann ist es doch eine legitime Möglichkeit den fachlich einfachen Weg zu wählen und die Schuld am Ende bei den Organisatoren zu suchen.

    • @W. Schneyder: Im Text wird von Herrn Audritz ja die Art der Kritik aufgeschlüsselt. Kennen Sie die Aufgaben, halten Sie die Kritik für unangemessen? Wenn sie dagegen stimmt: Zu viel Text, zu kompliziert, … solche Aufgaben wären auch für kenntnisreiche und gut vorbereitete Schüler nicht angemessen lösbar, und anscheinend zeigte sich dies ja auch in der Punkte-Statistik der Abiturienten.

  2. Quo vadis Deutschland???
    Kann ja wohl nicht wahr sein, dass man sich immer nach unten orientiert (Stichwort „Rechtschreibreform“)
    Das Wesen einer Prüfung besteht doch nun einmal darin, dass man sie bestehen oder eben durchfallen kann.
    Sollte eine erfolgreiche „Allgemeine Hochschulreife“ = der qualifizierteste Schulabschluss, den man in Deutschland erreichen kann, zukünftig einforderbar sein, welchen Wert hat sie dann noch???

    • Ist Vergleichbarkeit mit anderen Schuljahren zu viel verlangt?

      • ja, das kann leicht zu viel verlangt sein, solange Pädagogen nicht über den Klassenraum hinaus denken und berücksichigen,dass Schule, Curriicula und Leistungsanforderungen stets in einem Zusammenhang mit den jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen stehen.
        (Deshalb hatten auch mal in der Lehrerausbildung Soziologie, Politik und Bildungsökonomie einen größeren Stellenwert als heute).

        • Haben sich diese Bedingungen innerhalb eines Jahres so gravierend verändert?

          • – sicherlich nicht in Jahresfrist, wovon aber auch nirgends die Rede war. Alllerdings schon im Vergleich heutiger Abis zum ggfs. eigenen Abi der Lehrkraft und um so vielmehr im Vergleich zweier Jahrhunderte !

          • Das können Sie nur bei Lehrplanwechseln. In NRW müssen Sie mal die Lehrpläne des jetzt fertigen Abiturjahrgangs mit den Lehrplänen des Abiturjahrgangs 2017 vergleichen. Großer Unterschied. flunras Kommentar passt insgesamt besser. In Ihrer Schulzeit haben Sie sicherlich die Begriffe „partielle Integration“ und „Substitutionsregel“ kennengelernt, egal ob Grund- oder Leistungskurs. Im Abiturjahrgang 2016 war das nur noch Leistungskurs, ab 2017 sogar nicht einmal mehr dort. Dafür gibt es einen sch***e teuren Taschenrechner, der außerhalb der Schule keinerlei praktischen Nutzen hat.

        • @ flunra: Ich glaube, wir denken hier nicht über die Veränderungen der Schulmathematik im Verlauf von Jahrhunderten nach – oder meinten sie den Vergleich von 1996 mit 2016? Kultusministerien können alles mögliche verordnen. Daneben gibt es aber auch eine fachinterne Wissensstruktur, die systematisch und weitgehend logisch ist; die ändert sich nicht so schnell – dank der Resilienz von Mathelehrern und mehr noch dank der weiterhin vorhandenen Anforderungen der Wirklichkeit.

          • @Pälzer
            Doch: Auch am Beispiel der Schulmathematik kann gezeigt werden:
            Die Systematik einer Wissenschaftsdisziplin ist das Eine, die daraus für die Schulen runtergebrochenen Themen und Schwerpunkte sind das Andere – und eben immer relativ stark an den Erfordernissen der jeweiligen „gesellschaftlichen Bedingungen“ ausgerichtet.
            Zu letzteren sind KUMIS nur die Kristallisations- und Integrationinstanzen, die keinesweggs „alles möglich verordnen“ können, sondern aus den von anderen gesellschaftlichen „Mächten“ angemeldeten Interessen und Ansprüchen einen materialisierten Unterrichts-Stoffkanon/Curriculum als einen gesellschaftlichen Kompromiß verfassen.
            Damit ist deutlich angezeigt, dass sich Curricula und ihre jeweiligen Anforderungen grundsätzlich und in der Gesellschaft .02 bzw. .04 immer schneller verändern.

  3. Milch der frommen Denkungsart

    @abi1985 et al.:

    Wenn nun offenbar in laufende Abiturprüfungen eingegriffen worden ist, obwohl den Aufgaben, wie es scheint, keine unheilbaren Fehler zugrundelagen, halte auch ich das für prinzipiell höchst problematisch.
    Es ist dies aber lediglich der konsequente Ausfluß jenes Trends, der Eltern wie Schülern seit geraumer Zeit vorgaukelt, daß eine Studienberechtigung auch ohne größere Strapazen, das notwendige fleißige Durch- haltevermögen oder gar Begabung für jedermann quasi im Vorbeigehen erreichbar sei.
    Befördert wurde solch bequemliche Haltung, die an den weit aufgerissenen Schnabel des Vogeljungen in Erwartung der Fütterung durch die Alte erinnert, wiederum durch die Tendenz, insbesondere die Eltern- schaft immer mehr in die Belange der Schule hineinregieren zu lassen, sodaß es nicht Wunder nimmt, wenn in absehbarer Zeit vielleicht auch das als Gipfel der Anspruchsgerechtigkeit gepriesene Zentralabitur durch das kollektive Lamento der erfolgsverwöhnten „Kundschaft“, aus deren Bildungsverständnis die Möglichkeit des Scheiterns planmäßig getilgt wurde, der Nivellierung verfällt.

    • @Milch der frommen Denkungsart
      leider macht hier u.a. der unzutreffende, weil biologistisch verkürzte Vergleich der Vogelfütterung mit dem Aspirationsverhalten von Menschen/Eltern wieder einmal deutlich, welche wenig ausgewiesesenen Qualifikationen das Urteil mancher Lehtrkräfte über das letztlich gesellschaftlich vermittelte Verhalten „ihre Kundschaft“ trüben bzw. ungerechtfertigt sein lassen. Hier keimen dann auch Vorstellungen von „Nivellierung“ (wessen eigentlich, genau !?) und individuellem „Versagen“ auf, die den Parolen einer jüngst in D gegründeten rechts-konservativen Partei alle Ehre machen.

      • Milch der frommen Denkungsart

        @flunra39:

        Dass solch selbsternannte Relativierungsapostel wie Sie stets dieselbe ausgeleierte Platte auflegen, indem sie noch jeden Verweis auf den Leistungsgedanken sofort reflexartig, ja krampfhaft mit Bildern aus „Mein Kampf“ assoziieren, ist abgeschmackt und bemitleidenswert peinlich.

  4. So, so. Und die Philologen marschieren dann bei der Vogelfütterung vorneweg.

  5. Dass im Mathe-Abi eine nicht lösbare Aufgabe stünde, wäre nicht das erste Mal. In meinem Abi-Jahrgang gab es das auch und der Leistungskurs musste die Klausur wiederholen.
    Auch eine Abi-Klausur muss im Zweifelsfall auf den Prüfstand, schließlich entscheidet am Ende die Note über Zugangsvoraussetzungen oder Bewerbungen.

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