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Der Brexit macht deutlich: Ohne Bildung funktioniert die Demokratie nicht

Eine Analyse von ANDREJ PRIBOSCHEK.

DÜSSELDORF. Wie sollen Bürger politisch mitbestimmen, wenn sie die Politik und ihre Folgen gar nicht verstehen? Schlimmer noch – wenn sie Wissenschaftlern und Experten nicht mehr glauben und sich vermeintliche Wahrheiten lieber selbst zusammenreimen? Das Referendum in Großbritannien um den Brexit hält eine wichtige Erkenntnis parat: Ohne Bildung funktioniert die Demokratie nicht.  

Wusste eine Mehrheit der Briten gar nicht, worüber sie abstimmen sollte? Foto: portal gda / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Über den Wolken … Wusste eine Mehrheit der Briten gar nicht, worüber sie abstimmen sollte? Foto: portal gda / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

„Mir war nicht klar, dass diese Art von politischen Widerstandsbewegungen in der Lage ist, Parteien zu übernehmen. Dass sie ein ganzes Land übernehmen können. Aber dieses Referendum zeigt, dass sie dazu fähig sind“ – sagt kein Geringerer als Tony Blair, der britische Ex-Premier. Er bezeichnet den Brexit als „Protestvotum“. Als eine Abstimmung über das Thema Einwanderung sowie gegen die aktuelle Regierung. Also in erster Linie gar nicht über die Zugehörigkeit der EU. Wusste eine Mehrheit der Briten demnach gar nicht, worüber sie abstimmen sollte? Die entsetzen und ratlosen Reaktionen nach dem Referendum, nicht nur von Blair, legen den Eindruck nahe.

Tatsächlich spielten überprüfbare Fakten im Wahlkampf zuvor kaum eine Rolle – im Gegenteil: Zentrale Argumente insbesondere der „Leave“-Kampagne waren nachweislich falsch. Die EU-Gegner wiederholten zum Beispiel täglich, dass Großbritannien 350 Millionen Pfund pro Woche an Brüssel überweise und dass die Türkei in absehbarer Zukunft der EU beitreten werde. Beides stimmt nicht. Trotzdem glaubten jeweils klare Mehrheiten der Bürger den Fehlinformationen, wie Umfragen ergaben.

Angesprochen auf die vielen Expertenstimmen, die vor einem Austritt Großbritanniens warnten, antwortete Brexit-Kampagnenchef Michael Gove, die Bürger hätten genug von Experten: „Ich sage, die Leute sollen sich selbst vertrauen.“ Sich selbst vertrauen? Wenn es um komplexe Fragestellungen wie die ökonomischen Folgen eines EU-Austritts Großbritanniens geht? Oder auch nur um die relativ schlichte Frage, wie viel Großbritannien tatsächlich pro Woche an die EU überweist? Es sind in Wahrheit 110 Millionen Pfund.

Parallele zu Deutschland

Hier gibt es eine interessante Parallele zu Deutschland. Im Entwurf für ihr Parteiprogramm leugnet die AfD den durch Menschen verursachten Klimawandel schlichtweg. In den letzten zwei Jahrzehnten habe es keinen Temperaturanstieg gegeben, so ist in dem Papier zu lesen. Tatsächlich ist wissenschaftlich längst belegt, dass 15 der 16 wärmsten Jahre seit Beginn der Klimaaufzeichnungen im ja erst rund 17 Jahre alten 21. Jahrhundert liegen. Die AfD sei zu einer Partei geworden, „die sich gegen die Wissenschaft wendet“, so schreibt die „Zeit“. „Die AfD argumentiert entlang der Linie Wahrheit oder Lüge. Und was wahr ist, entscheidet sie.“

Wieso aber lässt es die Anhänger solcher Bewegungen so merkwürdig kalt, wenn diese eindeutig der Falschinformation überführt werden? Die Antwort ist banal: Sie glauben den Belegen nicht (halten die Lügen also weiterhin für Wahrheiten), weil sie bei komplexeren Fragestellungen Erkenntnisse von Behauptungen ohnehin nicht unterscheiden können. Es fehlt – an Bildung.

Untere soziale Schichten

Umfragen im Vorfeld des britischen Referendums zeigen auf, dass die Anhänger des Brexit-Lagers vor allem bei Menschen gepunktet haben, die zu den unteren sozialen Schichten gehören – gering oder gar nicht ausgebildete Arbeiter, Geringverdiener, Rentner und Personen, die auf Unterstützung des Staates angewiesen sind. 63 Prozent dieser Gruppe wollten laut Yougov für den Brexit stimmen. Dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Bildung und der Zustimmung zum Brexit gibt, zeigt auch eine andere Kategorie: 68 Prozent der Personen, deren höchster Abschluss der GCSE ist (der in etwa dem deutschen Realschulabschluss entspricht), wollten die EU nicht mehr. Auf der Seite der EU-Befürworter fanden sich dagegen vor allem Personen mit Hochschulabschluss (70 Prozent) oder Abitur (58 Prozent).

Auch hierzu gibt es eine interessante Parallele zu Deutschland: In der aktuellen „Mitte“-Studie der Uni Leipzig, bei der autoritäre und rechtsextreme Positionen von Deutschen untersucht wurden, schauten die Forscher auf den Bildungsgrad von Pegida-Anhängern – und kamen zu einem klaren Befund: „Am niedrigsten ist die Zustimmung zu den Zielen von Pegida unter denen, die Abitur haben, und denen, die ein Studium abgeschlossen haben. Mit niedrigerem Bildungsabschluss steigt die Wahrscheinlichkeit der Zustimmung (…).“

Ein Muster, das sich offenbar verallgemeinern lässt: Schlechte Schulbildung macht anfällig für populistische Parolen. Das gilt derzeit in den USA, wo Umfrage-Institute ermittelt haben, dass die Neigung, dem rabaukenhaft auftretenden republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump die Stimme zu geben, mit steigender Bildung sinkt. Das gilt langfristig für ganz Europa, wie eine Studie der Bundeszentrale für politische Bildung ergeben hat, die populistische Bewegungen in fünf europäischen Ländern untersucht hat. Ergebnis: „Idealtypisch gesprochen sind es eher jüngere Männer mit geringer oder mittlerer Schulbildung, die rechtspopulistische Parteien wählen. Von ihrem Beruf her sind sie Facharbeiter oder sonstige, unqualifizierte Arbeiter, seltener Meister oder Vorarbeiter. Arbeitslose und der alte Mittelstand aus Ladenbesitzern und Handwerkern sind ebenfalls überrepräsentiert.“

Folgen für die Debatte

Die Bildungsferne hat Folgen für die politische Debatte. Komplexe Probleme werden auf Schlagworte verkürzt, um vom Publikum überhaupt verstanden zu werden. Die Simplifizierung wiederum führt dazu, dass sich das Publikum zu allem und jedem ein Urteil erlaubt. „Völlig unabhängig vom Schwierigkeitsgrad politischer Probleme, ob Eurokrise oder Nahost-Konflikt, scheint jedermann jederzeit bereit zu sein, Position zu beziehen. Es ist Ausdruck einer Zeit, in der man erwartet, mit ‚Gefällt-mir-Klicks‘ ernst genommen zu werden“, so schreibt der Autor Laszlo Trankovits in einem Essay für die Bundeszentrale für politische Bildung.

Er erklärt: „Die populäre Forderung nach mehr Partizipation geht kaum einher mit einem Pflichtgefühl, sich intensiv bilden, informieren und engagieren zu müssen. Es wächst die Sucht danach, ‚abgeholt zu werden‘. Hintergrund ist ein Missverständnis dessen, was Gleichheit der Menschen und der Respekt vor dem Bürger wirklich bedeuten – auch in einer Demokratie haben Kompetenz, Bildung und Ernsthaftigkeit einen hohen Stellenwert.“  Besser: sollten einen hohen Stellenwert haben. Haben sie aber leider immer seltener.

Kurz: Demokratie kann ohne eine gute und breite Volksbildung nicht funktionieren. Im Umkehrschluss: Wer in Schulen investiert, schützt die Bürger und damit das Land vor falschen Propheten.

Zum Kommentar: Was wir jetzt brauchen: Eine Bildungs-Offensive gegen die Hass-Kultur!

90 Kommentare

  1. Der Autor vergisst wohl , dass Demokratie nicht bedeutet: „Wir machen das, was richtig ist.“ oder „Wir machen dass, was Experten sagen“. Demokratie bedeutet: „Wir machen dass, was die Mehrheit will“.
    Und wenn die Mehrheit der Menschen Murks will oder „das Falsche“ wählt, ja, dann ist es eben so. DAS ist Demokratie und Freiheit (die Freiheit zu haben, auch das falsche tun zu dürfen).
    Und wenn die Leute mit Abitur nicht mit dem einverstanden sind, was die Leute ohne Abitur wählen, können sie das Wahlrecht ja an einen gewissen Schulabschluss knüpfen. Aber halt…das wäre ja diskriminierend.

    Und dann wundern sich die Leute, dass immer weniger Menschen Interesse an Politik haben und die Wahlbeteiligung sinkt? Dabei „weisen“ die Leute mit Abitur und Studium doch nur regelmäßig nach Wahlen darauf hin, dass der Rest der Bevölkerung unfähig ist „ordentlich“ zu wählen.

    Und dann beklagt sich der Autor noch darüber, dass es in den letzten Jahrzehnten nicht gelungen ist, mehr Menschen vom Klimawandel zu überzeugen, obwohl dieser doch wissenschaftlich exakt nachzuweisen ist.
    Die Menschheit hat es in Tausenden oder Millionen Jahren nicht geschafft den Anteil religiöser Menschen in der Welt auf 0 oder wenigstens 1% zu drücken, obwohl in diesem Bereich wohl noch andere wissenschaftliche Argumente vorliegen, welche hätten die Leute überzeugen müssen.

    So ist es mit dem Klimawandel und der politischen Einstellung genau so wie mit der Religion: Man muss es nicht verstehen oder beweisen können, man muss es nur glauben.

    • Sind Sie direkt aus dem Mittelalter hierhergesprungen, in dem Wissenschaft eine Glaubensfrage war?

      Sie liegen falsch: Der Klimawandel ist belegt – die Existenz Gottes zumindest nicht widerlegt (geht auch gar nicht).

      Wissenschaft ist eben nicht wie Religion, die ich glauben kann oder nicht. Wissenschaft baut auf Erkenntnis, und die kann ich zwar leugnen – dadurch wird sie aber nicht falsch. Siehe Galileo Galilei.

      • Argumentieren sie dann bitte auch wissenschaftlich, denn es ist nicht belegt, dass diese Klimaveränderung durch Menschen verursacht wird. Das ist auch nur eine Hypothese, die nicht bewiesen ist.

  2. Und wenn die Mehrheit beschließt, dass die Erde eine Scheibe ist – ist dann die Erde eine Scheibe?

    • PS. Und wenn die Mehrheit beschließt, wir schaffen die Demokratie ab – schaffen wir dann die Demokratie ab? Hatten wir schon mal, 1933.

      • Ich wüsste nicht, dass wir 1933 eine Wahl hatten, wo Leute zum Thema „Demokratie ja oder nein?“ abstimmen konnten. Aber vielleicht wissen Sie da mehr als ich. Als letzte relativ freie Wahl wird die Wahl vom November 1932 angesehen. Die NSDAP kam auf rund 33%. Das heißt nur 1/3 der Bevölkerung war für die Ideen der NSDAP, 2/3 waren also nicht dafür. Heißt: Man brauch keine Mehrheit in einer Demokratie um absolutes Chaos zu verbreiten. Wenn ich Chaos will, erreiche ich das auch so. Und wie wir am Beispiel von 1932 sehen, ist die Mehrheit (2/3 wollten keine NSDAP) nicht das Problem. Sondern auch die Minderheiten können für Große Verbrechen verantwortlich sein. Das wird auch heutzutage oft vergessen, wenn die tägliche Moralkeule geschwungen wird mit “ Die Mehrheit ist aber friedlich….“ Wie wir am Beispiel von 1932 sehen, können auch die Minderheiten das Problem sein.

        • Dann haben Sie im Geschichtsunterricht offenbar nicht aufgepasst. Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 verpasste die NSDAP zwar mit 43,9 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit, konnte aber mit der „Kampffront Schwarz-Weiß-Rot“ (8 Prozent) koalieren – und die Demokratie beseitigen. Und niemand hat damals die „Kampffront Schwarz-Weiß-Rot“ für eine demokratische Partei gehalten.

          Lassen Sie das mal mit der Moralkeule: Es gehört zur historischen Wahrheit, dass die Mehrheit der Deutschen die Nazis demokratisch gewählt hat.

    • Wenn die Mehrheit der Menschen dieser Meinung ist, wird es so in den (Schul-)Büchern stehen. Es wird so gelehrt werden. Und nach einer Weile wird es zur Wahrheit.

      Ich verweise als Beispiel auf die „kleine Streitigkeit“, die Galileo damals mit dem Papst hatte. Alles drehte sich um die Erde. Vermeintliche Beweise für heliozentrische Verhältnisse wurden verschwiegen. Die Wahrheit war das, was verbreitet wurde, nicht das, was einige wenige für richtig hielten.

      Und Nein, das ist kein Problem alter Tage. Auch heute gibt es noch Menschen und Gruppen, die Ansichten von der Welt, von Religionen oder der Politik haben, die Andere für „schräg“ oder gar „verrückt“ halten.
      Und wenn ich als Mensch für Demokratie bin, dann akzeptiere ich auch eine demokratische Entscheidung die mir nicht gefällt und fange nicht an, Leute anderer Meinung ihre geistige Zurechnungsfähigkeit abzusprechen.

      Ein Punkt der vom Autor leider nicht diskutiert wird ist: Kann es sein, dass Leute mit Studium vom System profitiert haben und sich mit diesem genau deswegen so identifizieren? Leute ohne Studium aber nicht so stark im System selbst verwurzelt sind und deswegen andere Eindrücke haben vom System? Eindeutig eine Frage der Perspektive. Den Ausschlag gibt dann wohl die Perspektive, mit den meisten Vertretern. Beim Brexit wurde die mehrheitlich vorherrschende Perspektive der Leute wohl sehr deutlich.

      • Sehr geehrter Herr Reddin,

        die Tatsache, dass die Mehrheit der britischen Bürger falsche und leicht widerlegbare Behauptungen im Brexit-Wahlkampf für bare Münze nahmen, lässt mich eher schlussfolgern, dass sie sich schlicht nicht mit dem Thema EU auseinandergesetzt haben – und keineswegs eine bewusste Entscheidung „gegen das System“ getroffen haben. (Was hätte auch „das System“ EU mit ihrer fehlenden Bildung zu tun? Nichts)

        Und hier fängt das Problem an: Politik – auch und gerade in der Demokratie – funktioniert nur, wenn die Mitwirkenden (und dazu gehören auch die Wähler) zumindest mehrheitlich verantwortungsbewusst handeln.

        Denn: Demokratie ist kein Selbstzweck, die dann auch gerne mal in den Untergang führen darf (Hauptsache, wir haben drüber abgestimmt). Demokratie ist eine politische Ordnung, deren Ziel der friedliche Interessenausgleich innerhalb einer Gesellschaft ist. Und wenn der nicht mehr möglich wäre, verlöre die Demokratie ihre Legitimation. Gottlob sind wir davon noch weit entfernt.

        Herzliche Grüße
        Andrej Priboschek
        Herausgeber News4teachers

        • Sehr geehrter Herr Priboschek,
          Sie beanspruchen für sich die absolute Wahrheit gefunden zu haben. Woher wissen Sie denn, dass sich die Brexit Leute (also die Wähler für Brexit) nicht mit der Materie beschäftigt haben? Ihrer Argumentation zufolge, schließen Sie dass nur daraus, dass diese Menschen nicht zum selben Schluss gekommen sind wie Sie.
          Verkürzt gesagt: „Du kommst nicht zum selben Schluss/Ergebnis wie ich? Dann hast du dich einfach nicht ausreichend mit dem Thema beschäftigt oder dein Schulabschluss reicht nicht, um die Materie zu verstehen.“ Ich weiß, es ist sehr verlockend alle über einen Kamm zu scheren.

          Sie verlangen von allen Menschen, dass sie die Zahlen und Fakten sehen und diese verstehen, und schon kommen Sie alle zum selben Schluss und sind für den Verbleib. Sie verlangen absolute Objektivität von allen Menschen, obwohl selbst Objektivität ein subjektiver Eindruck ist. Und ja, die Menschen sind leichtgläubig, die Menschen lieben einfache Antworten, die Menschen handeln eher impulsiv, die Menschen wollen schnell viel Geld und persönlichen Wohlstand ohne sich anstrengen zu müssen und ja die Menschen sind primitiv und naiv. Das ist so. Es war nie anders und es wird auch nie anders sein. Der Mensch (auch ein Politiker) muss sich damit abfinden, dass der Mensch so ist. Und obwohl sich die Politik scheinbar damit arrangiert (Sprüche auf Wahlplakaten sind ja nur noch 2 sinnfreie Wörter als leere Hülse), wird sich dann bei Wahlen trotzdem darüber beschwert?! Ich brauch mich nicht darüber beschweren, dass der Bürger einfache Antworten bevorzugt, wenn meine Wahlplakate und Sprüche genau so hohl wie sinnfrei sind. Auch beim Brexit werden die Argumente und Plakate der Gegner und Befürworter das ganze Spektrum abdecken. Aber jedes Lager hatte seine Chance die Leute zu überzeugen. Die einen wussten das besser zu nutzen und die anderen wissen fürs nächste mal vielleicht wie es besser geht.

          Etwas überspitzt gesagt: „Was? Du isst nicht gerne Käse? Vielleicht hast du ihn bloß noch nicht richtig gegessen. Denn wenn du das richtig gemacht hättest, würdest du ihn ja lieben.“

          • Das ist (vermutlich ungewollt) ein flammendes Plädoyer gegen die direkte Demokratie.

        • „Falsche und leicht widerlegbare Behauptungen“ würde ich nicht wagen, mit solcher Selbstverständlichkeit zu schreiben. Das wird jetzt allerdings nicht nur durch Sie so dargestellt und damit versucht, die Brexit-Anhänger als dumme, ungebildete Toren zu verkaufen, die nur auf Rattenfänger reingefallen sind und jetzt, da ihnen von allen Seiten drohendes Unheil verkündet wird, mit Millionen von Petitionsunterschriften eine neue Abstimmung fordern.
          Wie war das noch mit dem Angstschüren? Wird das nicht den sog. Rechtspopulisten ständig zum Vorwurf gemacht als unanständige Taktik des Stimmenfangs?

          Die Unseriosität besagter Petition gehört übrigens auch zur Wahrheit:
          http://web.de/magazine/politik/brexit/brexit-betrug-petition-wahrscheinlich-31648314

          Und auch diese Meinung zur EU und den Brexit durch den Gastkommentar zweier relativ junger Wirtschaftsexperten, deren fundierte Kenntnisse und Ansichten ich schon lange schätze, gehört zum Spektrum der verschiedenen Ansichten:
          http://www.freiewelt.net/nachricht/der-anfang-vom-ende-der-eu-und-des-euros-10067567/

          Von wegen „falsch und leicht widerlegbar“, Herr Priboschek! Das mag Ihnen Ihre Perspektive sagen, meine sagt etwas anderes: Die Sache ist hochkompliziert und keiner weiß so recht, was am Ende die Wahrheit sein wird.

          • Vielen Dank für den interessanten Lesestoff!!
            Das mit der Petitions-Manipulation habe ich bisher noch nirgendwo gelesen.
            Wieso eigentlich, wo doch die Anti-Brexit-Petition anfänglich zum Mittelpunkt des Medieninteresses gehörte?

        • Milch der frommen Denkungsart

          Sehr geehrter Herr Priboschek,

          ich bin erstaunt und erfreut zugleich, daß Sie sich, um es zu pointieren, endlich einmal zum Humboldt’schen Ideal des humanistisch gebildeten Schusters bekennen, wo Sie doch sonst bei jeder Gelegenheit den Ab-
          gesang auf den klassischen Fächerkanon zugunsten vorgeblich moderner Bildungsinhalte anstimmen.
          Dies tut umso mehr not, als derart in Geschichte dilettierende Amateure wie „Anna“ und „Bernd“ hiesigenorts entweder suggerieren, die Weimarer Demo- kratie sei allein durch Wahlen und nicht etwa durch die Selbstkastration („Er- mächtigungsgesetz“) der politischen Eliten (vgl. deren Versagen in Sachen „EU“) zu einer Diktatur mutiert oder solch terminoligisch unselige (da unreflek- tiert aus dem Wörterbuch des Unmenschen entnommene), ja vielmehr un- verschämte Gleichsetzung des Gymnasiums mit der Rampe von Birkenau (sind meine Kollegen also mit dort selektierenden SS-Schergen vergleichbar ?!) vor- nehmen.
          Im Übrigen bin ich selbst kein Anhänger von Plebisziten; so sie aber durchge- führt werden, gebietet es der Respekt, deren Ergebnisse nicht naseweis a
          priori als Ausfluß ungebildeter Proleten zu diffamieren, andernfalls man dann eben besser eine Aristokratie etablieren oder das Volk auflösen und sich ein anderes wählen möge.

          • Ich halte direkte Demokratie auch für falsch. Aber ebenso wie Herr Priboschek vermutlich auch bin ich sicher, dass die mindestens 70% der Briten abgestimmt haben, ohne die Konsequenzen zu kennen oder zu verstehen.

            Diese mindestens 70 % haben so abgestimmt
            -aus Wut auf die Regierung
            -aus Ausländerhass
            -aus Glaube an gezielt gesteute Falschinformationen
            -aus Nationalismus
            -aus dem Glauibe, die EU sei an allem Schuld (wie von vielen Politikern jahrelang gepredigt)
            -weil Boris Johnson so ein netter Kerl ist (alles Gründe für Brexit-Befürworter)
            oder
            -weil sie keine Veränderungen wollen
            -weil „ihre“ Politiker das so gesagt haben (als Brexit-Gegner).

            Das Gebilde EU ist so komplex, dass es in der Konsequenz nur sehr wenige ganz verstehen. Man müsste sich dazu nämlich Fakten genauer anschauen und wirtschaftliche und politische Zusammenhänge verstehen. Wie bitteschön soll man darüber abstimmen, wenn man schlicht keine Ahnung hat?

            Bei uns wäre zum Beispiel ein Referendum über das TTIP-Abkommen in einem Referendum hoffnunglos unterlegen. Ich will es hier gar nicht gefürworten, ich muss nur sagen, dass ich von den wesentlichen Vorteilen keine Ahung habe, wobei die Nachteile in der Presse ja hinreichend diskutiert werden.

            Die Konsequenz ist allerdings nicht, eine Aristokratie zu etablieren, sondern genau unser System einer repräsentativen Demokratie.

          • @ Küstenfuchs
            Ist es falsch auf die Regierung wütend zu sein? Weil z.B. einem die gemachte Politik nicht gefällt?
            Ist es falsch daran zu glauben, dass Informationen zu zurecht gebogen werden, dass sie dem Sender nutzen? Propaganda gab es schon immer und die gibt es auch heute.
            Ist Nationalismus falsch? Ist Misstrauen gegen die EU falsch? Ist es falsch Veränderungen lieber in homöopathischen Dosen vollziehen zu wollen, statt von Heute auf Morgen alles umzuwerfen?

            Viele Leute haben auch einfach nicht die Zeit. sich mit allen politischen Themen zu beschäftigen. Das wäre ein ein Vollzeitjob für mehr als eine Person. Und selbst die Politiker, die sogar Geld dafür bekommen, sich mit der Politik zu beschäftigen, leben größtenteils in ihrem eigenen Dunstkreis.

          • Sehr geehrte/r Milch,

            ich meine nicht, dass der Respekt es verbietet, sich kritisch mit dem Referendum auseinanderzusetzen. Denn es geht ja darum, aus solchen Erfahrungen zu lernen.

            Für mich liegt eine Konsequenz auf der Hand: Komplexe politische Fragestellungen eignen sich nicht für Volksabstimmungen. So sinnvoll es sein mag, die Bürger über den Bau einer Umgehungsstraße vor Ort abstimmen zu lassen, so wenig sinnvoll ist es aus meiner Sicht, beispielsweise die Finanzpolitik des Bundes dem Bürger zur Zustimmung bzw. Ablehnung vorzulegen. Wie ja hier einige Leser völlig zu Recht anmerken, fehlen vielen Menschen Fachwissen und Zeit, um sich in die Zusammenhänge einzuarbeiten – und sich dann kompetent zu entscheiden. Die Lösung ist aber nicht die „Aristokratie“, sondern – genau wie Küstenfuchs sagt – die repräsentative Demokratie. Dafür wählen wir Abgeordnete.

            Eine zweite Lehre ziehe ich aus dem Referendum (und dem Erstarken populistischer Bewegungen in Europa und den USA): Wir müssen viel mehr in Bildung investieren, und zur Bildung gehört eben auch die historische und politische Bildung. Die spielt aus meiner Sicht im Post-PISA-Zeitalter eine viel zu geringe Rolle in der deutschen Schulpolitik.

            Herzliche Grüße
            Andrej Priboschek
            Herausgeber News4teachers

          • Wo, Oberlehrer Milch, habe ich unwürdiger Wurm denn historisch dilettiert? War meine Wiedergabe des Wahlergebnisses von 1933 denn falsch? Das Ermächtigungsgesetz wurde nach dieser Wahl erlassen – mit den Stimmen eben der Abgeordneten von NSDAP und der „Kampffront“, die zuvor von einer Mehrheit der Deutschland gewählt worden waren. Dass da dann auch noch die Konservativen mitmachten, widerspricht doch nicht der Tatsache, dass die Nazis eine parlamentarische Mehrheit hatten (wenngleich keine Zweidrittel-Mehrheit, die sie erst dank der Konservativen bekamen). Natürlich gab’s ein Elitenversagen in der Weimarer Republik. Es gab aber auch eine braune Mehrheit in der Bevölkerung. Von „allein“ habe ich hier nie geschrieben.

            Völlig wirr wird dann Ihre Einlassung, ich hätte das „Gymnasium mit der Rampe von Birkenau“ gleichgesetzt. Hä? Schlecht geträumt?

          • Herr Priboschek,

            „Wie ja hier einige Leser völlig zu Recht anmerken, fehlen vielen Menschen Fachwissen und Zeit, um sich in die Zusammenhänge einzuarbeiten – und sich dann kompetent zu entscheiden. Die Lösung ist aber nicht die “Aristokratie”, sondern – genau wie Küstenfuchs sagt – die repräsentative Demokratie.“

            Über welches Fachwissen verfügen denn die Brexitgegner? Das fängt doch schon damit an, dass sie Zahlen, deren Grundlage aus dem Finanzministerium stammen, als Lüge bezeichnen. Wie sieht es also mit ihrem Fachwissen aus, wenn sie über andere urteilen?

            „Dafür wählen wir Abgeordnete.“

            Und die haben dann wieviel Ahnung und worin? Wieviel Fachwissen hat beispielsweise eine Medizinerin über Verteidigung?
            Wieviel Fachwissen haben Leute wie Göring-Eckardt oder C. Roth, die überhaupt keinen Abschluss haben oder Agnieszka Brugger, die seit gut 14 Jahren rumstudiert und immer noch keinen Abschluss erreichen konnte?

            „Eine zweite Lehre ziehe ich aus dem Referendum (und dem Erstarken populistischer Bewegungen in Europa und den USA): Wir müssen viel mehr in Bildung investieren, und zur Bildung gehört eben auch die historische und politische Bildung. Die spielt aus meiner Sicht im Post-PISA-Zeitalter eine viel zu geringe Rolle in der deutschen Schulpolitik.“

            Sie wissen aber schon, dass Bildung etwas anderes als Indoktrination ist, oder? Verfüge ich etwa über wenig Bildung, trotz Hochschulabschluss und Bildungsbürgerhintergrund, weil ich die Entscheidung der Briten und den Erfolg bestimmter politischer Parteien und Personen nicht ganz ohne Wohlwollen sehe?

            „Die spielt aus meiner Sicht im Post-PISA-Zeitalter eine viel zu geringe Rolle in der deutschen Schulpolitik“

            Und das klingt für mich verdächtig nach Pre-Wiedervereinigungszeit-(Ost).

          • Sehr geehrte/r MMeier,

            wenn für Sie politische und historische schulische Bildung in unserer Demokratie wie die Indoktrination in den DDR-Schulen „klingt“, dann schauert es mich schon etwas.

            Natürlich hat unsere Demokratie Werte und Regeln, die es jungen Menschen zu vermitteln gilt. Dieser Staat hat ein Wertefundament, auf dem – ausgehend aus den Erfahrungen der Weimarer Republik und der Nazi-Zeit – das Grundgesetz beruht. Und dieses Wertefundament sollten Lehrkräfte (auch als Staatsbedienstete!) schon teilen, sonst sind sie für ihre Aufgabe denkbar ungeeignet.

            Nebenbei: Ich habe nicht nur bei den Brexit-Befürwortern in Zweifel gezogen, dass sie aufgrund von Faktenwissen eine bewusste Entscheidung getroffen haben – das gleiche lässt sich für die Brexit-Gegner vermuten.

            Herzliche Grüße
            Andrej Priboschek
            Herausgeber News4teachers

          • Sehr geehrter Herr Priboschek,

            „Politische und historische schulische Bildung“ findet bereits jetzt und in der Vergangenheit statt. Sie jedoch redeten davon, dass „Die spielt aus meiner Sicht im Post-PISA-Zeitalter eine viel zu geringe Rolle in der deutschen Schulpolitik“. Was bliebe also als Steigerung übrig, insbesondere wenn solche Forderungen im Zusammenhang mit einem unliebsamen Wahlergebnis und den „Erstarken populistischer Bewegungen in Europa und den USA“ gefordert werden? Diese Art Argumentation kenne ich aus eigener Erfahrung (sie werden es kaum glauben, aber auch zu DDR-Zeiten sprach man dabei von Bildung). Es sind eben beileibe nicht nur die Erfahrungen der Weimarer Republik und der Nazizeit, die berücksichtigt werden müssen.

            „Und dieses Wertefundament sollten Lehrkräfte (auch als Staatsbedienstete!) schon teilen, sonst sind sie für ihre Aufgabe denkbar ungeeignet.“

            Ich denke einmal, dass ich das fehlinterpretiert habe, aber sie unterstellen mit dem Satz doch nicht, dass Brexitbefürworter oder, wie sie es nannten, „populistischer Bewegungen in Europa und den USA“ gegen einen „demokratischen Wertekanon“ wären.

  3. @Küstenfuchs
    Welches sind denn die genauen Konsequenzen? Da gehen die Meinungen stark auseinander. Die einen meinen dies und die anderen das. Und nicht nur dumme Leute können dem Brexit sogar gute Seiten abgewinnen, die insgesamt auf den Anstoß von überfälligen Reformen in der EU hinauslaufen wie etwa den Abbbau wildwüchsiger Bürokratie oder die Einhaltung von Verträgen, die inzwischen fast schon nach Lust und Laune gebrochen werden, ohne dass ein Hahn danach kräht.
    So gut wie niemand bestreitet, dass schon seit Jahren das Vertrauen der Bürger in die EU (die nicht gleichzusetzen ist mit Europa!) rasant schwindet, und gewiss nicht aus mangelnder Bildung oder Dummheit. Vielleicht sind diejenigen sogar noch am kritiklosesten und vertrauensseligsten, die sich am wenigsten kümmern und blind glauben, dass die EU-Kommission schon weiß, was richtig ist und gute Arbeit leistet.

    Ihre Analyse der 70% Brexit-Wähler hat mich übrigens sehr befremdet.
    Im Gegensatz dazu gefällt mir der Kommentar von „Milch der frommen Denkungsart“ außerordentlich gut, besonders der letzte Absatz.

    @Milch der frommen Denkungsart
    Danke, dass Sie auf den Respekt hinweisen, der es gebietet, das Wahlergebnis „nicht naseweis a priori als Ausfluß ungebildeter Proleten zu diffamieren,…“

    • Vox populi, vox Rindvieh!

      Die Briten halten auch den NHS für die beste Form des Gesundheitswesens und fahren ins Ausland, um sich behandeln zu lassen – so sie das finanzierenm können. Der Rest hat sich von Herrn Farange (UKIP) täuschen lassen, der zunächst die Mittel für die EU in den NHS stecken wollte, nach dem Referendum aber schon wieder anderer Meinung ist.

    • @Markus: Bitte lesen sie meinen Beitrag noch einmal genau und sinnerfassend! Ich habe nicht 70% der Brexit-Wähler analysiert, sondern 70% aller Wähler! Es gibt auch „remain“-Wähler, die dies auch irrationalen Gründen getan haben.

      Natürlich gibt es für beide Entscheidungen gut Gründe, doch die wenigsten kennen diese! Schauen Sie sich die politische Bildung unserer Abiturienten an, die ist schon bei den meisten im Grunde nicht ausreichend für eine sachgerechte Entscheidung in dieser Frage, was gerade in diversen mündlichen Abiturprüfungen eindrucksvoll belegt wird.

  4. „Demokratie ist kein Selbstzweck, die dann auch gerne mal in den Untergang führen darf (Hauptsache, wir haben drüber abgestimmt). Demokratie ist eine politische Ordnung, deren Ziel der friedliche Interessenausgleich innerhalb einer Gesellschaft ist. Und wenn der nicht mehr möglich wäre, verlöre die Demokratie ihre Legitimation.“ – Danke, selten so eine auf den Punkt gebrachte gute Aussage gelesen. Es wird leider viel zu oft über „Demokratie als Selbstzweck“ schwadroniert und viel zu wenig über den eigentlich Sinn und Zweck von Demokratie…

  5. Jürgen Günther

    „Von allen öffentlichen Lippen tropft, nach dem Brexit, eine neue Europäsche Union: Jetzt müsse sie aber sozialer werden, jetzt müsse man aber den kleinen Leuten mal den Sinn der EU erklären, jetzt müssen man aber mal die EU besser machen. Besser für wen? Für die Griechen, die von der EU in Hunger und Selbstmord getrieben wurden? Für die Spanier oder Portugiesen, deren Jugend ohne Zukunft ist? Für die Balten, die in Massen ihre Länder verlassen und vor dem neoliberalen Würgegriff in andere Länder fliehen? Für die Deutschen, denen aus dem Thatcher-Blair-England die Agenda 2010 importiert wurde? Für die Ukrainer, die man mit der Schimäre eines besseren EU-Lebens in einen Konflikt mit Russland gezwungen hat?“
    Zitat: U. Gellermann auf http://www.rationalgalerie.de
    Lesen bildet !

  6. „Die EU-Gegner wiederholten zum Beispiel täglich, dass Großbritannien 350 Millionen Pfund pro Woche an Brüssel überweise[n]“

    http://www.europarl.europa.eu/brussels/website/media/modul_07/Zusatzthemen/Pdf/Nettozahler.pdf

    Zahlen sind von 2010 „Spalte 1 enthält die gesamten Abführungen der Staaten an die EU“ (in Mio. Euro):
    Großbritannien 14 659,4 ~ 14 659 400 000

    14 659 400 000 / 12 = 1 221 616 666 €/Monat
    1 221 616 666 / 4 = 305 404 166 €/Woche

    Wechselkurs am 09. Mai 2015 (als sich Cameron für seine Wiederwahl mit der Zusage fürs Referendum ‚bedankte‘):
    1 € = 0,737 £
    305 404 166€ entsprechen 225 082 870 £

    Es fehlen also 125 000 000 £ pro Woche. Hierbei darf aber nicht vergessen werden, dass ich nur mit den Zahlen von 2010 gerechnet hatte (es ist erstaunlich schwierig an aktuelle Zahlen zu kommen, die sich nicht hinter Verklausulierungen wie „Nettozahlungen pro Kopf“ usw. verstecken).

    Nun, wie kommen aber die Brexit-Befürworter auf die Zahl von 350 Millionen £ pro Woche?

    Sind das ihre eigenen Zahlen? Nein, denn die Zahlen stammen aus einer staatlichen Institution, dem Amt für Statistik und dem Finanzministerium.

    https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/483344/EU_finances_2015_final_web_09122015.pdf#page=18

    Die Zahlen stammen also von der Regierung selber.

    „und dass die Türkei in absehbarer Zukunft der EU beitreten werde“

    Warum sollte das nicht stimmen? Es ist kein Geheimnis, dass die EU und die Türkei bereits im November 2015 „Beitrittsverhandlungen vorantrieben“ http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-12/tuerkei-europaeische-union-beitritt-verhandlung-treffen-bruessel

    Es liegt nicht an der EU, dass die Türkei nicht schnell beitritt, sondern an der Türkei, die eher ihr Ding durchziehen will und die EU vor sich her treibt. Wenn man bedenkt, was die EU schon an eigenen Gesetzen gebrochen hat (Länder haften nicht für andere Länder; Länder werden nur aufgenommen, wenn sie den wirtschaftlichen Standards genügen), dann ist britisches Misstrauen nicht unbedingt unbegründet.

    Um Lügen handelt es sich also nicht, sondern eher um unterschiedliche Auffassungen und Betrachtungen.

    Viel eher spricht das, meiner bescheidenen Meinung nach, eher gegen die Brexitgegner, wenn sie ihrem Kontrahenten pauschale Lüge vorwerfen, denn Lügen müssen nicht diskutiert werden, denn Lügen sind ja pauschal falsch und das obwohl die Zahlen aus dem Finanzministerium stammen und die EU tatsächlich Beitrittsverhandlungen forcieren.

    • Sehr geehrter MMeier,

      es ist ganz einfach: Die kolportierten 350 Millionen Pfund pro Woche, den die Briten angeblich an die EU überweisen, unterschlagen den seit 1984 geltenden (und seinerzeit von Margaret Thatcher ausgehandelten) Britenrabatt. Dazu kommen die Subventionen aus Brüssel für britische Empfänger – netto bleiben, wie im Beitrag geschrieben, 110 Millionen Pfund.

      Und ein EU-Beitritt der Türkei könnte nur nach einem einstimmigen Votum der EU-Mitglieder erfolgen. Wenn die Briten dagegenstimmen (solange sie noch in der EU sind), passiert gar nichts.

      Herzliche Grüße
      Andrej Priboschek
      Herausgeber News4teachers

      • Sehr geehrter Herr Priboschek,

        Genau davon rede ich ja: das ist eine Argumentation (A sagt das und B erwidert Folgendes, worauf wieder A antwortet, dass … usw. usf.).

        Das unterbleibt aber gerade bei der Behauptung, dass es sich um Lügen handeln würde. Niemand diskutiert über Lügen, da Lügen generell unwahr sind und nicht diskutiert werden müssen.

        Und natürlich ist nichts einfach:
        Griechenland wurde in die EU aufgenommen, obwohl sie nicht hätten aufgenommen werden dürfen (warum sollte das bei der Türkei anders sein, fragt wiederum A)

        Länder haften für die Schulden anderer EU-Länder, auch das geht nach EU-Recht nicht (warum sollte das bei der Türkei also anders gehandhabt werden, fragt wiederum A)

        Dafür dass Griechenland in die EU aufgenommen wurde, obwohl sie es nicht gedurft hätten, stimmten auch damals die Engländer. Warum sollte das Cameron bei der Türkei anders machen, nach einem erfolgreichen Referendum, fragt wiederum A.

        Sie merken… wirklich einfach ist gar nichts. Warum sollte ausgerechnet die, nicht nur von ihnen beschworene Komplexität, ausgerechnet an dieser Stelle enden?

  7. Ursula Prasuhn

    Am Anfang des Artikels heißt es dickgedruckt: „Wie sollen Bürger politisch mitbestimmen, … wenn sie Wissenschaftlern und Experten nicht mehr glauben und sich vermeintliche Wahrheiten lieber selbst zusammenreimen?“
    Die Menschen würden den Wissenschaftlern und Experten vermutlich gern glauben, denn jeder sehnt sich nach verlässlichen Angaben, die vieles klären und erleichtern.
    In der Soziologie, der Pädagogik, der Politologie, der Psychologie,… ja sogar in der Ökonomie werden oft jedoch verschiedene Wahrheiten verkündet, weil die Fachleute selbst uneins sind und nicht frei von vorgefassten Meinungen, die sie bestätigt sehen wollen, oder auch von den Ergebniswünschen ihrer Auftraggeber. Darum verkaufen sie nicht selten etwas als seriöses Forschungsergebnis, obwohl es mehr fremden Zwecken dient als der Wahrheitsfindung.
    Als Beispiel hierfür werden gern die Forschungsergebnisse der Pharmalobby herangezogen, obwohl diese im Vergleich zu denen anderer Lobbygruppen – wie Parteien, Verbände, Stiftungen oder auch Hilfsorganisationen – weit intensiver unter die Lupe genommen werden und weit strengere Auflagen erfüllen müssen. Außerdem sind Pharmaunternehmen regresspflichtig für Schäden durch manipulierte Wahrheiten, was andere nicht sind, obwohl sie ebenfalls gigantische Schäden anrichten können.
    Wem sollen die Bürger also vertrauen? Die religiösen Wahrheitsverkünder haben weitgehend ausgedient und neuen Aposteln Platz gemacht, die allerdings emsig dabei sind, ihre wissenschaftlichen Wahrheiten ebenfalls ins Abseits zu befördern – und das umso mehr, je wütender ihre Anhänger Glaubensgehorsam fordern.

    Die eingangs zitierte Frage würde ich gerne so umformulieren: Wie sollen Bürger in erwünschter und mündiger Weise politisch mitbestimmen, wenn sie gedrängt werden, selektive Behauptungen von Politikern, Wissenschaftlern und Experten gegen ihre Vernunft als wahr anzuerkennen?
    “Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!” ist bekanntlich der Wahlspruch der Aufklärung. Wer daraus ein verächtliches ‘Sich-Selbst-Zusammenreimen vermeintlicher Wahrheiten’ macht, diffamiert den Verstand der Bürger und erklärt ihn mehr oder weniger zum Störfaktor.
    Klar ist: Vieles im Leben müssen wir einfach glauben, weil kein Mensch alles durchschauen und beurteilen kann. Wenn jedoch der Wert des eigenen Verstandes in Zweifel gezogen und schlechtgeredet wird, ist es Zeit für den Mut, sich seiner eigenen Geisteskräfte zu bedienen.

    • Bravo, Frau Prasuhn!
      Ich bin auch für den eigenen Verstand und das eigene Denken.
      Und eine Prise Geist von oben dazu.
      Wir brauchen Mut – und wir haben Mut!
      Ich bin froh über das, was man im Netz so findet!

      • Ja, eigener Verstand – geil. Und deshalb beten wir all das nach, was in rechtspopulistischen Foren als angesagt gilt: EU weg, Flüchtlinge sowieso, sexuelle Aufklärung erst ab 65, Nazis gibt es nicht, Klimawandel auch nicht, Frauen an den Herd, Wissenschaft nur, was uns gefällt usw.

        • „Wir trauen fast niemandem gesunden Menschenverstand zu als dem, der unserer Meinung ist.“
          François VI. Duc de La Rochefoucauld

  8. Sie, geehrte Frau Prasuhn, haben ja hier im Forum von News4teachers schon einen Schießbefehl gegen Flüchtlinge gefordert (natürlich nur als „ultima ratio“, Sie sind ja kein Unmensch) – und haben damit ein eindrucksvolles Beispiel für ein schräg zurechtgebasteltes, natürlich sehr realitätsnahes und menschenfreundliches Politikverständnis gegeben. So viel zum Thema „Verstand“.

    • Mich würde der genaue Wortlaut dessen, was Frau Prasuhn gesagt hat, interessieren. Darum bitte ich Sie, einen Link zu dem entsprechenden Kommentar anzugeben, auf den sich mit Ihrem Vorwurf beziehen.

  9. Milch der frommen Denkungsart

    @Bernd:

    Ihr offensichtlicher Drang, sich jede Feder an den Hut zu stecken, hat Sie wohl übersehen lassen, daß sich meine erste Replik bezüglich des Weges in die Diktatur gar nicht auf Ihre, sondern vielmehr auf „Anna(s)“
    Einlassungen bezog; daher mag mein oberlehrerhaft erhobener Zeigefinger ja zukünftig Ihrer Leseschwäche heilsame Abhilfe schaffen.
    (Im Übrigen freilich gehörte die Anmerkung zur historischen Redlichkeit, daß die Wahlen vom 5. März 1933 längst nicht mehr frei, sondern mit braunem Terror massiv unterfüttert waren.)

    Zum anderen darf ich eher Sie aus Ihrer augenscheinlichen Traumverlorenheit reißen, um Sie daran zu erin- nern, daß Sie mit dem schulpolitischen Kampfbegriff der „Selektion“, wie sie angeblich am Gymnasium prak- tiziert werde, einen historisch vergifteten Terminus gebraucht haben, dessen Verwendung ich für nachge- rade unanständig halte, zumal Sie sich doch sonst stets gleichsam als geistiger Nachkomme der „inglorious basterds“ inszenieren.

    Und ein letzter Exkurs: Sollte es zutreffen, daß türkisches Militär bereits einige syrische Flüchtlinge erschos- sen hat, so stünde es Ihnen besser an, unsere ach so menschenfreundliche Bundesregierung ob ihrer Ja- nusköpfigkeit anzuklagen als anderen inhumanen Unverstand vorzuwerfen.

  10. @ Milchmann,

    1. Sie haben mich und Anna namentlich als „in Geschichte dilettierenden Amateure“ beleidigt – ist ja ein gängiges Muster hier. Dass Sie’s dann plötzlich nicht mehr so gemeint/geschrieben haben wollen (auf mich bezogen), auch dieses Muster kennen wir ja zur Genüge aus etlichen öffentlichen Debatten der letzten Zeit (Stichwort Gauland: Boateng? Kenne ich nicht).

    2. Ich habe im Kontext gegliedertes Schulsystem von „sozialer Selektion“ geschrieben. Das bedeutet „soziale Auswahl“ – und hat selbstverständlich nichts mit dem biologistischen Selektionsbegriff der Nazis zu tun.

  11. Milch der frommen Denkungsart

    @Bernd:

    Nur zur Klarstellung: Ich habe meiner Feststellung, („Anna“ und) Sie des geschichtlichen Dilettantismus zu ver- dächtigen, kein Iota zu rauben, da Sie interpretatorisch bedeutsame Facetten, die Ihrer Weltsicht vom erb- sündig in brauner Wolle gefärbten Deutschen zuwiderlaufen, augenscheinlich bewußt ausblenden.
    Und das ist nun einmal die Art von Hobbyhistorikern, die wie Sie einen barbarisch besetzten Terminus in, wie ich dem Tenor Ihrer Äußerungen entnehmen muß, dessen absichtsvoll herabsetzendem Konnex verwenden,
    als würde im gegliederten Schulsystem gleichsam ein Bosch’sches „Jüngstes Gericht“ vollzogen.
    Diese Unterstellung hat übrigens mit der alltäglichen Wirklichkeit nicht das Geringste zu tun.

    • Nein, kein Jüngstes Gericht – aber eine soziale Schieflage. PISA hat ergeben, dass Kinder – bei gleichem Leristungsniveau! – aus Arbeiterfamilien eine deutlich geringere Chance haben, aufs Gymnasium zu kommen, als Kinder aus sozial höheren Schichten. Und die Freigabe des Elternwillens bei der Schulwahl verstärkt diesen Trend sogar noch. Und das soll keine soziale Auswahl sein?

      • “Dass Kinder – bei gleichem Leistungsniveau! – aus Arbeiterfamilien eine deutlich geringere Chance haben, aufs Gymnasium zu kommen, als Kinder aus sozial höheren Schichten”, glaube ich mit Blick auf die heutige Zeit einfach nicht. Außerdem bin ich keine Anhängerin des Pisa-Regimes mit seinen sozial- und wirtschaftspolitischen Zielen.

        Pisa ist bestes Beispiel für das, was auch hier bei News4teachers immer wieder zur Sprache kommt: Lobbyistische Dienste mancher Wissenschaftler, die mehr Glaubenswahrheiten als Wissenswahrheiten verkünden.

        http://www.t-online.de/eltern/schulkind/id_69432696/bildung-massive-kritik-am-pisa-regime.html

        „Pisa hat ergeben“ oder „die Bertelsmann Studien haben ergeben“ bedeutet für mich nicht dasselbe wie für Sie.

          • Der Inhalt ist genau so wie man es von einem Text der Uni Bremen erwarten würde.

        • Sie geben ein wirklich gutes Beispiel für wissenschafts- und bildungsfeindliches und damit letztlich mittelalterliches Denken, Lena.

          PISA? Glaub‘ ich nicht. Die Erde dreht sich um die Sonne? Glaub‘ ich nicht. Evolution? Glaub ich nicht (in der Bibel steht was anderes).

          Hier wird gar nicht mehr der Versuch unternommen, sich mit Erkenntnissen der Forschung auseinanderzusetzen. Alles, was nicht ins Weltbild passt, wird a priori negiert. Als nicht existent erklärt. Wie die AfD den Klimawandel. Oder die Brexit-Kampagne den kollossalen wirtschaftlichen Schaden, den ein EU-Austritt für Großbritannien bedeutet.

          Na, zumindest letzteres haben die Briten ja schon in den wenigen Tagen seit dem Referendum lernen müssen – Steuererhöhungen wurden ja schon mal angekündigt. So ist das, wenn man Wirklichkeit ausklammert und Experten und Wissenschaflter pauschal für „Lobbyisten“ erklärt, die nur Unsinn erzählen. Dann ist das Erwachen umso härter.

          • Damit ich kein „gutes Beispiel für wissenschafts- und bildungsfeindliches und damit letztlich mittelalterliches Denken“ mehr abgebe und keinen Anlass zur Diffamierung mehr biete, wäre es hilfreich, wenn Sie noch strikter als bisher Anweisungen erteilten und sagten, welche Erkenntnisse der Forschung unbedingt anerkannt werden müssten und welche nicht.
            Es ist ja leider nicht so, dass die Wissenschaftler einer Meinung sind und das Gleiche sagen. Den Pisa- oder Bertelsmann-Studien wird z.B. von anderen Wissenschaftlern widersprochen, so dass auch der wissenschaftsgläubigste Mensch sich aussuchen muss, welcher Aussage er denn nun glauben soll und welches Weltbild das allein richtige ist.
            Sie haben doch auch eins oder nicht? Und alles, was da nicht hineinpasst, lehnen Sie im Gegensatz zu anderen natürlich nicht a priori ab, oder?
            Schade, dass dies so gar nicht zu merken ist und Sie auf mich genau den Eindruck machen, den Sie bei anderen suchen und verdammen.

          • Milch der frommen Denkungsart

            @Bernd:

            Den in seiner Ausschnittsper- spektive höchst umstrittenen PISA-Test tatsächlich gleichsam in seiner Naturgesetzlichkeit mit dem Kopernikanischen Weltbild zu vergleichen, ist zweifellos an hanebüchener Unwissenschaft- lichkeit schwerlich zu toppen.

          • Sie tanzen argumentativ mal wieder Limbo, Milchmann. Ausschnittsperspektive? Es geht ja im Wesentlichen „nur“ um Lesekompetenz. Dass das die Schlüsselkompetenz für alle Fächer schlechthin ist (oder geht’s bei den Altphilologen auch ohne?), ist wissenschaftlich wie fachlich unumstitten. Etwas ganz anderes ist es, was politisch aus den PISA-Erkenntnissen gemacht wird – darüber lässt sich natürlich streiten. Das hat aber mit der Qualität der Studie nichts zu tun.

            PISA ist die größte und renommierteste empirische Bildungsstudie überhaupt, ein Quantensprung in der Bildungsforschung. An der Studie sind international Hunderte von Wissenschaftlern beteiligt. Zeigen Sie mir eine einzige fachlich fundierte Kritik an PISA, die sich als stichhaltig herausgestellt hat – dann ließe sich wissenschaftlich diskutieren. Aber wr sind ja hier auf dem Niveau von „Glauben“ angelangt.

      • Das Thema ist äußerst komplex und man kann das nicht (nur) auf die Schichten schieben. Es herrscht immer mehr das Problem, das „System Schule“ von Elternseite her zu unterstützen, egal ob Ganztagesklasse oder Halbtagesklasse. Bei uns an der Schule (Grundschule) haben da die Ganztagesklassen die größten Schwierigkeiten, weil für viele Eltern bei Schulschluss das Thema „Schule“ abgeschlossen ist. Immer wieder ist bei Themen eben häusliche Nacharbeit unerlässlich. Doch auch die Halbtagesklasse will ich nicht ausschließen; außer den lästigen Hausaufgaben wird Lernen nur von manchen Eltern unterstützt und das kann ich nach meinen Erfahrungen jetzt nicht auf eine Schicht reduzieren.
        Die Einstellung, dass eine gute Schulbildung erstrebenswert ist, erlebe ich bei allen Eltern. Allerdings sieht der Einsatz dafür unterschiedlich aus. Manche haben unrealistische Vorstellungen, andere wiederum schaffen nicht den kleinsten organisatorischen Nenner in der Zusammenarbeit mit Schule. Immer mehr Eltern müsste man betreuen wie ihre Kinder, wenn man etwas Gutes für die Kinder erreichen will. Sie wollen, aber schaffen es einfach nicht. Bei Menschen, die insgesamt nicht so gut in unserem gesellschaftlichen Leben zurechtkommen, ist die Hilflosigkeit deutlich mehr ausgeprägt.
        Was ich gut finde, ist, dass im Laufe der Jahre, in der ich an der Schule arbeite, die Unterstützersysteme wesentlich professioneller sind. Doch es reicht bei Weitem nicht aus.
        Noch ein Aspekt zu Schichten: Mich stört diese Aufteilung irgendwie schon, denn zumindest im ländlichen Bereich ist so eine Zuordnung in Bezug auf Schule ausgehebelt.
        Was mich bei der Aufteilung ebenso stört, ist, dass man eine soziale Rangfolge generiert. Akademiker können genauso sozial unverträglich sein; einige können es von der Bildung her vielleicht gezielter reflektieren, wenn sie wollen, das ist der einzige Vorteil. Bessere Bildung heißt nicht automatisch sozial besser. Und ich behaupte sogar, dass es unter besser Gebildeten mindestens genauso viele Egoisten gibt.

        • Auf dem Land gibt es sehr wohl Schichten. Was es nicht gibt, ist die räumliche Trennung der Schichten in verschiedene Wohnviertel. Insofern kommt es zu einem engeren Zusammenrücken im Bereich der Grundschule.

          Spätestens bei den weiterführenden Schulformen kommt dann die Frage auf, wer kann als Taxi Mamma zum GY agieren und wer nimmt die nächstgelegene HS oder RS oder Regionalschule.

          • Ist der Besuch einer Schulart abhängig von der Bereitstellung einer öffentlichen Transportmöglichkeit? Diesen Eindruck habe ich in meinem Bundesland nicht.

          • @ysnp In den ländlichen Gebieten z.B. in Meck Pomm oder Thüringen, könnte Dickebanks Einwand durchaus zutreffen, wenn das Kind innerhalb von 10 Minuten mit dem Fahrrad an der Realschule (oder vergleichbar) ist oder 60 Minuten mit dem Bus zum Gymnasium brauchen würde und Taxi Mama gleichzeitig nicht möglich ist.

          • Die räumliche Trennung von Schichten ergibt sich in ländlichen Gebieten aus den Grundstückspreisen und daraus, ob Sozialwohnungen oder kleine Wohnungen für Alleinerziehende im Einzugsbereich oder einem Teil davon sind. Unsere SuS an der Grundschule werden deshalb nicht mehr nach Wohngebieten/Straßen eingeteilt.

            Die Beobachtung von XXX und dickebank hinsichtlich Fahrzeit und Erreichbarkeit der Schulen kann ich unterstreichen:
            Kinder sind von den öffentlichen Verkehrsmitteln abhängig, die morgens und mittags/nachmittags regelmäßig fahren. Zwischendurch (im Notfall) und abends (Elternabend u.a.) fahren keine Öffis, sodass die Schule dann für manche Eltern nicht zu erreichen ist.
            Aus diesen Gründen wählen manche Eltern lieber die Schule vor Ort, selbst wenn das Kind eine Gym-Empfehlung hat oder eine andere Schule für das Kind womöglich die besseren Chanchen bieten würde (HS-Angebote mit mehr praktischen Anteilen, besseres Förder-Konzept bei i-Kindern)
            Anders sieht es aus, wenn das Kind so abgelegen wohnt, dass es in jedem Fall mit dem Bus fahren muss.

          • Interessante Gepflogenheiten. Bei uns fahren extra eingesetzte Schulbusse, die die Schüler zu den nächsten Schulen, also Grundschulen, Mittelschulen, Realschulen, Gymnasien und Berufsschulen fahren. Dafür gibt es genaue Bestimmungen. Die Gemeinde bzw. der Landkreis sind dafür verantwortlich. Kann es sein, dass es so etwas wie ein Schulbussystem nicht in allen Bundesländern gibt?

          • Ergänzung: Beförderungspflicht (kostenlos) zu den nahegelegenen öffentlichen Schulen: bis zur 10. Klasse.

          • Die gibt es in allen Bundesländern. Bedeutet ggf. ein-einhalb Stunden Hin- und ein-einhalb Stunden Rückfahrt für die „Glücklichen“, die auf den ÖPNV angewiesen sind. In ländlichen Gebieten wird der Schulbusverkehr gebündelt, also Rundreise von Kaff A zu Kaff b usw. hin zur RS, weiter zur HS und weiter zum GY. Wer Pech hat fährt zuerst zur Berufsschule, da die um 7:30 Uhr mit dem Unterricht startet und dann erst weiter zu den allgemeinbildenden Schulen. Wer den Schülern das ersparen möchte, bringt sie eben mit dem „Taxi Mama“.
            Hinzu kommt dass selbst im ländlichen Raum mit einer Vielzahl von Einstiegsstellen, keiner neben der Schulbushaltestelle wohnt, diese also erst einmal zu Fuß oder mit dem rad erreichen muss.

          • Hätte man wirklich gut funktionierende Gemeinschaftsschulen, die alle Abschlüsse bis zum Abitur anbieten würden und würde diese auch in ländliche Gegenden platzieren, so wie die Grundschulen, hätte man diese Transportprobleme schon mal nicht.

          • @mississippi
            Gut funktionierende _und_ für den Träger bezahlbare Gemeinschaftsschulen setzen aufgrund der dafür zwingenden Leistungsdifferenzierung spätestens ab Klasse 7 oder 8 eine entsprechende Größe voraus, insbesondere für die von Ihnen gewünschte Oberstufe an jedem Standort. Eine zwei- bis drei-zügige Sek II erfordert eine mindestens vier-zügige Sek I und damit Schulen mit insgesamt mindestens 800-1000 Schülern. Grundschulen gibt es bereits mit weniger als 200 Schülern (bzw. 400 Schülern, wenn man die vier Grundschuljahre auf die 8-9 Jahre bis zum Abitur hochrechnet).

            Zur Einordnung: Laut statistischem Landesamt Meck Pomm kommen die Gymnasien im Schnitt auf etwa 700 Schüler, die Mittelschulen auf maximal 500. Ihr Wunsch ist trotz seiner Nachvollziehbarkeit aus meiner Sicht auf dem platten Land in der Form weder umsetzbar (weil zu wenige Kinder) noch finanzierbar.

          • Wohnortnahe Schulversorgung an allgemeinbildenden Schulen der sekI kann auf dem 2platten Land“ nur in GemS geschehen. Aufgrund der von @xxx genannten Gründe können diese nicht generell an allen Standorten eine GOSt, die mindestens 80 suS umfassen sollte, anbieten.
            Auis diesem Grunde müssen sie eben mit nahe gelegenen Berufsschulen (BK) oder GY kooperieren.

            Aufgabe der GemS ist es, die Schüler bis zum Ende des 10. Schuljahres zu unterrichten und zu den Abschlüssen zu bringen. Deshalb düefen sie auch Kritrien gebunden alle Abschlüsse der SekI – vom HA über den HSA, den MSA ohne Q-Vermerk bis hin zum Q-Vermerk zum Übergang in die Eibführungs- oder Qualifizierungsphase – vergeben.

            Um aber knapp 80 Leute fit zu machen für die Oberstufe, müssen erst einmal ca. 180 Leute bis zu den ZP10 gebracht werden.

    • PS. Von „Erbsünde“ habe ich noch nie geschrieben – geht die Fantasie wieder spazieren, Milchmann?

  12. „Demokratie kann ohne eine gute und breite Volksbildung nicht funktionieren.“
    Der nackten These stimme ich zu, doch ich frage mich, was „eine gute und breite Volksbildung“ ist. Wer definiert das und entscheidet darüber? Die OECD mit Andreas Schleicher und dem Machtinstrument „Pisa“?

    Weiteres Zitat: „Wer in Schulen investiert, schützt die Bürger und damit das Land vor falschen Propheten.“
    Tatsächlich? Bekanntlich sieht jeder in seinen Meinungsgegnern die falschen Propheten. Wer soll da den obersten Richter spielen und über gute und schlechte Propheten befinden?

    So schön die Behauptungen zunächst klingen, so besorgt machen sie auf den zweiten Blick. Wer stellt sicher, dass die Schüler vor Indoktrination und Feindbildern geschützt werden, die gerade in Mode sind, aber keinerlei Anspruch auf den Status einer grundsätzlichen Wahrheit haben, die allen Schülergenerationen bedenkenlos als Hilfe für die eigene Beurteilung und Meinungsbildung nahegebracht werden kann?

    Das alles sind Fragen und Bedenken, die mich auf Grund der Schlussätze aus dem Artikel beschäftigen.

  13. Nachtrag. So nah wie Grundschulen verfügbar sind, geht es natürlich nicht.

  14. @dickebank und XXX: Bei uns sind die Gemeinschaftsschulen erst 4 Jahre alt, d.h. die ältesten Schüler gehen in Klasse 8. Geplant ist, die Schule bis Klasse 10 aufzustocken. Da man kein Abitur machen kann und nach Klasse 10 die Schule wechseln muss, tun viele Eltern die „guten“ Schüler lieber gleich ins Gymnasium. Dadurch bleibt aber auch das Fächerangebot der Mittelstufe geringer als in einem Gymnasium, z.B. wird im Moment keine 3. Fremdsprache angeboten. Bei größeren Schulen mag das anders aussehen. Ich meine damit, hätte man von Anfang an mehr/alle Schüler, könnte man auch besser die Allgemeine Hochschulreife anbieten.
    Aus meiner Zeit in Bayern kenne ich noch die Gesamtschule Hollfeld, damals als Schulversuch. Hat sich sehr bewährt und gibt es heute noch. In Bayern gab/gibt es sehr wenige Gesamtschulen. Diese ist mindestens über 25 Jahre alt. Hat/ te einen guten Ruf und hat so manchem Landkind das damals dort übliche Internat in Bamberg erspart. Sie geht bis zum Abitur.

    • @missiissppi ein ähnliches Problem haben die gemS und die SekS in NRW ebenfalls, si konkurrieren mit GeS und GY um die Schülerschaft. GemS in NRW sind kooperativ angelegt, HS und RS als getrennte Schullaufbahnen unter einem Dach – also einer Schulleitung. SekS sind wie GeS integrativ angelegt. Beide Schulformen gehen von Klasse 5 bis Klasse 10; sie müssen mindestens dreizügig sein, da eine GeS erst genehmigt wird, wenn sie vierzügig starten kann.

      Im Gegensatz zu den GY sind GeS wesentlich heterogener, was ihre Schülerschaft angeht. Etwa ein drittel der Fünftklässler muss HS-, ein Drittel RS- und ein Drittel GY-empfohlen sein, wobei bedingt RS-empfohlene Kinder (HS oder RS) als RS-empfohlen gelten. Gleiches gilt für bedingt GY-empfohlene Kinder, die als GY-empfohlen eingestuft werden. DAs fführt dazu, dass die Kurse auf E-Ebene allenfalls Realschulniveau haben. Unter diesen Voraussetzungen werden die leistungsstärkeren GS-Schüler dann von ihren Eltern direkt an den GY angemeldet. Ausschließlich GY-empfohlene Kinder sind an GeS in NRW eher die Ausnahme als dei Regel – sprich so selten wie die „Blaue Mauritius“.

      Hinzukommt dass viele Eltern den gebundenen Ganztag, der für GeS in NRW verbindlich ist, ablehnen und deshalb eher zum GY tendieren und die Rückabwicklung des G8 fordern. Letzteres ist verständlich, da in NRW das eingesparte Schuljahr in der SekI liegt. Gymnasiasten gehen nach der 9 in die dreijährige Oberstufe über. Der Wechsel nach dem 9. Schuljahr von einem GY an eine GeS sollte so von der Politik unmöglich gemacht werden. Wer die SekI an einem GY abgeschlossen hat, darf von keiner anderen Schulform in die SekI aufgenommen werden. Die einzige Ausnahme, Schüler eines GY treten am Ende der 9 freiwillig zurück, sie können dann die 10 z.B. an einer GeS wiederholen.

  15. Milch der frommen Denkungsart

    @Bernd:

    Besser seine Geschmeidigkeit im Limbo bewiesen als beim Tanz um das goldene PISA-Kalb mit durchsichtigen rhetorischen Fragen auf die Visage zu fallen wie Sie Schleicher-Apostel.
    Im Übrigen werden einem Kenner wie Ihnen die Arbeiten etwa von Meyer und Ladenthin gewiß nicht ent- gangen sein.

    • Dann lesen Sie mal richtig. Auch bei Ladenthin und Meyer geht es nicht um die PISA-Studie an sich, sondern um deren Rezeption. Die Herren begehen argumentativ einen Fehler, der häufig in der öffentlichen Debatte gemacht wird: PISA misst keine Bildung, und hat auch nicht den Anspruch dies zu tun. PISA misst Bildungsvoraussetzungen.

  16. Milch der frommen Denkungsart

    @Bernd:

    Wer eine von der verantwortlichen OECD selbst definierte „Schulleistungsstudie“ zum bloßen Meßinstrument für Bildungsvoraussetzungen umetikettiert, täte gut daran, die eigene Optik zu justieren.

  17. Ursula Prasuhn

    @Bernd
    Es ist egal, was Ihnen „Milch der frommen Denkungsart“ zeigt. Sie werden immer darauf bestehen, allein im Besitz der Wahrheit zu sein und trotzdem aufgeschlossen für abweichende Ansichten – insbesondere, wenn Wissenschaftler und Experten sie stützen.
    Dann zeigen Sie doch mal, wie aufgeschlossen Sie für andere Meinungen sind und lesen Sie einen kritischen Brief an Herrn Schleicher, den verantwortlichen Direktor der OECD für Pisa.
    Wichtig ist, dass Sie auch einen Blick auf die lange Liste der Erstunterzeichner werfen. Sowohl deren Anzahl als auch deren Berufe und akademischen Grade dürften keinen Ihrer Wünsche nach Seriosität und Glaubwürdigkeit unerfüllt lassen, es sei denn, sie konstruierten auch hier wieder Denkfehler um nicht glauben zu müssen.

    Limbo finde ich übrigens auch besser als halluzinativeTänze um goldene Kälber.

    http://bildung-wissen.eu/wp-content/uploads/2014/05/offener-brief-schleicher-autoriserte-fassung.pdf

  18. Ist lesen und schreiben zu vermitteln keine Schulleistung? Und umgekehrt: Ist jeder gebildet, der sinnerfassend lesen und schreiben kann?

    PISA heißt: Programme for International Student Assessment – und nicht School Assessment. Und auf der PISA-Homepage heißt es zum Studiendesign: „Dabei ist weniger die Übereinstimmung der Testaufgaben mit den Lehrplänen der teilnehmenden Länder von Bedeutung als die Erfassung von Basiskompetenzen in verschiedenen Anwendungssituationen.“

    Lassen Sie’s gut sein. Um in Ihrer Fachsprache zu sprechen: quod erat demonstrandum. Jeder quatscht bei allem mit – aber kaum jemand macht sich die Mühe, den Dingen mal auf den Grund zu gehen (und sei’s nur, einfach mal in eine Studie hineinzuschauen, die man hitzig kritisiert). Diese Dünnbrettbohrerei, deswegen verstehe ich Ihr Lob von Herrn Priboschek oben nicht so recht, scheint mir allerdings kein Problem zu sein, das die aktuelle Schüler- und Abiturientengeneration exklusiv hätte. Wenn ich mir das Forum von News4teachers so anschaue, ist es hier offenbar so manches ältere Semester, das völlig unbeleckt von jedweder Wissenschaftlichkeit seine „Weisheiten“ und Glaubenssätze in die Welt trompetet. Und das in einem vermeintlichen Akademikerforum. Gruselig.

    • Frau Prasuhn, auch hier: „Wir sind offen gestanden tief besorgt über die negativen Folgen der PISA-­Rankings“ – Folgen. Es geht also auch hier um die Rezeption.

      Ist das so schwer, zwischen einer wissenschaftlichen Arbeit und ihren Wirkungen zu unterscheiden? Ich kann natürlich die Wirkung kritisieren, ohne dass die zugrundeliegende Studie und ihre Ergebnisse deshalb falsch wären.
      .
      Mal wieder: Sie verwechseln (wie so manch andere hier im Forum) wissenschaftliche Erkenntnisse und politische Meinungen.

      • Ist das Ihr Ernst, dass ich wissenschaftliche Arbeit und ihre Wirkung getrennt sehen muss, negative Folgen auf die Politik, die Gesellschaft, die Bildung, die Umwelt, die Gesundheit u.ä.m. also nicht zur Beurteilung ihres Wertes oder Unwertes heranziehen darf?
        Wenn das so ist, dann verstehe ich nicht, warum Sie bei Meinungsäußerungen immer so viel Wert legen auf wissenschaftliche Begründungen und Aussagen des eigenen Verstandes gering schätzen oder verächtlich abtun.
        Womit soll ich denn beurteilen, ob wissenschaftliche Arbeiten gute oder schlechte Auswirkungen haben? Soll ich auch dieses Urteil „Experten“ (wie Ihnen?) überlassen und deren Meinung blind übernehmen?
        Wenn Sie meinen, Ihre Argumentation wäre für mich überzeugend, dann stimmt das nicht. Mit den Weisheiten und Glaubenssätzen derer, die Sie als „völlig unbeleckt von jedweder Wissenschaftlichkeit“ bezeichnen, kann ich mehr anfangen.
        Konkret: Sie sagen, dass die Pisa-Studien renommiert und gut sind, weil sie eben wissenschaftlich sind und Wissenschaftlichkeit per se gut ist. Ihre Folgen stünden auf einem anderen Blatt.
        Aber genau dieses andere Blatt interessiert mich. Ich möchte wissen, ob die Auswirkungen der Schülerleistungstests und des Rankings positiv oder negativ sind.
        Die Haarspalterei rund um den Wissenschaftsbegriff interessiert mich dabei überhaupt nicht.

        • Wissenschaftliche Erkenntnis hängt doch nicht von ihren politischen Folgen ab. Galileo Galilei hatte Recht – was die Katholische Kirche als damals staatsmächtige Organisation daraus machte, steht doch auf einem ganz anderen Blatt.

          Genauso ist es mit PISA. Nur weil mir die Ergebnisse aus politischen Gründen nicht passen, kann ich nicht behaupten, die Studie und ihre Ergebnisse seien falsch.

          Das ist doch keine Haarspalterei – das ist die Grundlage seriöser Argumentation. Behaupten lässt sich alles, wenn ich Wissenschaft und verifizierte Information zur Glaubensfrage erkläre, wie’s die Brexit-Befürworter getan haben. Dann gibt’s aber auch kein Fundament mehr für eine sinnvolle demokratische Diskussion. Denn der eine glaubt dies, der andere das, und was tatsächlich wahr ist, interessiert keinen mehr. Das ist dann das Mittelalter.

          • Milch der frommen Denkungsart

            @Bernd:

            Noch’n Gedicht: Geisteswissenschaftlich-soziologische Studien mit naturgesetzlich unverrückbaren Erkenntnissen in Vergleich zu setzen,
            ist per se unwissenschaftlich, da erstere nun einmal stets der Inter- pretation unterliegen, mithin eben keinen Anspruch auf letztgültige Wahrheit zu erheben vermögen. Daher eignen sie sich auch treff- lich zu ideologiedurchtränkter Propaganda, wofür Sie hier wieder- holt ein beredtes Beispiel geben.
            Und – um den originären Diskussionskern „Bildung“ erneut ins Blick- feld zu rücken – nicht nur deshalb halte ich es für sinnhaft, theore- tischen Höhenflügen praktische Erdverbundenheit entgegenzuset- zen, wovon junge Leute langfristig gewiß mehr profitieren als von solch Egalisierungs- und Relativierungsmissionaren, die insbesondere Schüler in ihrer Studiengläubigkeit bereits oft genug zu Labormäusen
            degradiert haben.

          • Wie schön und überschaubar ist doch die Welt der Altphilologie – kein Fortschritt, keine Diskussion, nur tote Untersuchungsobjekte.

            Und der Lehrer hat immer Recht.

          • PS. Auf diesem Niveau brauchen wir nicht weiterzudiskutieren. Das führt zu nichts. Sie zaubern hier tausend Begründungen aus dem Hut, warum Sie meinen, wissenschaftliche Studien ignorieren zu können – ohne jemals konkret auf die von ihnen kritisierten Studien einzugehen oder auch nur den Versuch unternommen zu haben, eine wissenschaftlich ernstzunehmende Debatte zu führen. Ihnen sachliche Argumente vorzuhalten gleicht dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln. Lesen Sie PISA, wenn Sie an Erkenntnisgewinn interessiert sind. Oder lassen Sie’s sein, wenn Sie in Ihrer Welt zufrieden sind. Nur: Ernst nehmen muss Ihre Aussagen dann niemand. Das ist dann eben nur hingeschriebene Meinung, anonymes Geschreibsel im Internet.

        • Ich sprach von wissenschaftlicher Arbeit und ihrer Auswirkung auf die Politik. Was habe ich da eindeutig als Ursache und was als Folge genannt?
          Verdrehen Sie also nicht meine Worte.
          Und hören Sie auf mit Ihrem ewigen Vorwurf eines mittelalterlichen Denkens, wenn Ihnen nicht passt, was andere sagen, und Sie deswegen Unterstellung und Missverstehen vorziehen.
          „Eine sinnvolle demokratische Diskussion“ sieht wirklich anders aus. Da gebe ich Ihnen mehr als Recht.

          • Wenn ich meinen Glauben über wissenschaftliche Erkenntnis setze, dann ist das – sorry – mittelalterlich.

          • Wo habe ich das getan? Menschenskind, hören Sie doch endlich auf mit Ihren unlauteren Behauptungen, auch wenn ein „sorry“ sie kaschiert.
            Vielleicht sollten Sie sich mal diesen Spruch unseres großen Pädagogen J. H. Pestalozzi hinter die Ohren schreiben:
            „Je höher die Rechthaberei in einem Menschen steigt, desto seltener hat er recht, das heißt, desto seltener stimmen seine Aussagen mit der Wahrheit überein.“

            Und jetzt ist bei mir endgültig Schluss, egal, was Sie noch an Behauptungen in den Raum stellen. Noch mehr Aufmerksamkeit kriegen Sie von mir nicht mehr, auch wenn es Sie noch so sehr danach verlangt.

      • Aberwitzig, dass gerade die, die alle Nase lang hier ihren Bildungsdünkel gegenüber der jüngeren Generation demonstrieren – und kaum eine Gelegenheit auslassen, über das vermeintlich sinkende Bildungsniveau zu meckern -, sich am Ende der Fahnenstange als zutiefst wissenschaftsfeindlich und damit bildungsfeindlich erweisen.

        • Das umfängliche Wissen von „Milch der frommen Denkungsart“ und die Kunst, in gedanklich und auch sprachlich exzellenter Weise Paroli zu bieten, scheint dermaßen Neid zu erregen, dass daraus ein „Bildungsdünkel“ gemacht wird mit dem zusätzlichen Vorwurf, er sei gegen die jüngere Generation gerichtet.
          Im Gegensatz zu Ihnen weiß ich nicht, welches Alter „Milch“ hat, es interessiert mich auch nicht sonderlich.
          Eins aber weiß ich: Ich finde beides toll, sowohl das große Wissen als auch die Kunst, in einem unsachlich geführten Meinungsstreit die Kunst des Fechtens vorzüglich zu beherrschen.
          Chapeau! sage ich dazu ohne jede Spur von Neid.

    • Milch der frommen Denkungsart

      „Jeder quatscht bei allem mit“ – sollten Sie sich je mit dem Gedanken tragen, eine Autobiographie zu verfassen, haben Sie den passenden Titel bereits parat.

      • Na, klar – wenn’s argumentativ nicht weitergeht, wird halt nur noch beleidigt. Kennen wir ja hier.

        • Milch der frommen Denkungsart

          @ Bernd:

          Tatsächlich ist dies von Ihnen so beanstandete Zitat in seiner Intention doch nur Ihr ureigen- stes Frankenstein’sches Monster; also beken- nen Sie sich doch zu Ihrem Kinde und tun es nicht als Wechselbalg ab.

  19. Milch der frommen Denkungsart

    @Bernd:

    Ich schließe mich Sophia St. vollumfänglich an.

  20. Jetzt hab ich fast alles gelesen… hm… aber was hat das nun alles hier am Ende noch mit dem BREXIT zu tun?
    Ich wundere mich nur…

    • War der Brexit nicht nur Auslöser für die These „Ohne Bildung funktioniert Demokratie nicht“?
      Außerdem finde ich es o.k., wenn in Diskussionen auch Randgedanken geäußert werden, die scheinbar nichts mit dem vorangegangenen Artikel zu tun haben.
      Bei der Verknüpfung des Brexits mit Bildung bzw. mangelnder Bildung kommen mir auch die verschiedensten Gedanken. Z.B. stört mich die indirekte Behauptung, wer für den Brexit gestimmt habe, sei ungebildet und kein guter Demokrat.
      Ich habe so viele Artikel und Kommentare mit unterschiedlichen Perspektiven gelesen, dass sich mir ein sehr viel differenzierteres Bild vom Brexit und seinen Wählern ergibt als das, was Herr Priboschek zeichnet.

      • „wer für den Brexit gestimmt habe, sei ungebildet und kein guter Demokrat.“
        War das nicht das klassische Argument gegen Demokratie – dass „die Dummen genauso eine Stimme haben wie die Klugen und Vernünftigen“?

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