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Die Schule ist als Erziehungsanstalt überfordert, doch Unterstützung bleibt aus

DRESDEN. „Schwierige“ Schüler belasten den Unterricht. Anspruchsvolle Eltern fordern besondere Förderung für ihre kleinen Individualisten – teilweise ohne Rücksicht auf die Mitschüler. Für Lehrer bedeutet das Stress. Oft bleibt kaum noch Raum für pädagogische Arbeit, die darüber hinausgeht, Bedingungen herzustellen, die einen geregelten Unterricht ermöglichen. Die Unterstützung seitens der Schulpolitik bleibt indes ambivalent.

Schulen haben einen Bildungs- und Erziehungsauftrag. Doch beide zu erfüllen wird zunehmend schwer. Narzistische Individualisten, die auf ihre eigenen Bedürfnisse fixiert sind, auf der einen Seite, verhaltensauffällige Schüler, die einen geregelten Unterricht geradezu torpedieren auf der anderen, machen Lehrern den Alltag sauer.

Schule kann nicht alle Erziehungsfehler ausbügeln, das sieht auch die Politik, doch Lösungen sind nicht umsonst zu haben. Foto: PublicDomainPictures / pixabay (CC0 1.0)

Schule kann nicht alle Erziehungsfehler ausbügeln, das sieht auch die Politik, doch Lösungen sind nicht umsonst zu haben. Foto: PublicDomainPictures / pixabay (CC0 1.0)

Auch das Spektrum der Eltern ist breit gefächert. So finden sich Helikoptereltern, die für ihre Sprösslingen mit allen Mitteln eine Sonderbehandlung anstreben und die dabei auch die schulische Arbeit soweit wie möglich kontrollieren und beeinflussen wollen. Andere Eltern impfen ihren Kindern geradezu eine „naive Selbstverliebtheit“ ein, wie es die Wiener Psychotherapeutin und Ärztin Martina Leibovici-Mühlberger ausdrückt. Vielfach habend diese Kinder dann erhebliche Probleme Grenzen zu akzeptieren.

Viele Eltern stellen mithin ihre Kinder stark in den Mittelpunkt, wodurch es im Übrigen zu paradoxen Überschneidungen zwischen beiden obengenannten Elterntypen kommt. Gemeinsam ist ihnen jedenfalls, dass sie oft hohe Ansprüche an die Schule stellen. Der Blick dafür, dass guter Schulunterricht nur in einer Gemeinschaft funktionieren kann, in der sich auch der eigene Nachwuchs zurücknimmt, fehlt ihnen dagegen vielfach oder wird von ihnen gezielt ausgeblendet.

Das andere Ende des Spektrums bilden Eltern, die der schulischen Arbeit vollständiges Desinteresse entgegenbringen. Eine sinnvolle Zusammenarbeit im Sinne der Kinder ist dann kaum möglich. Auch bei ernsthaften Problemen sind sie für Lehrer oder auch den psychologischen Dienst kaum zu erreichen.

Den eigenen pädagogischen Ansprüchen zu genügen wird für Lehrer in dieser Konstellation schwierig. Schon ein effektiver Unterricht bedarf oft zunächst einer Basis-Erziehungsarbeit. Lehrerverbände warnen schon seit Längerem vor den Konsequenzen und fordern Konzepte zu einer besseren Erziehungspartnerschaft zwischen Schulen, Institutionen und Eltern. „Wir können es uns nicht länger leisten, dass wertvolle Unterrichtszeit zu häufig durch permanentes Konfliktschlichten und Ermahnen verlorengeht“, befand etwa schon 2013 Wolfgang Häring, Sprecher des Verbands Deutscher Realschullehrer (VDR). Der baden-württembergische VBE-Vorsitzende Gerhard Brand sprach gar von einer „grenzenlosen pädagogischen Gleichgültigkeit der Erziehungsberechtigten“.

Seitens der Politik unter permanentem Sparzwang ist die Unterstützung dagegen eher zweischneidig. Wobei das Problem den meisten Politikern durchaus bewusst ist.

Schulen können etwa nach Ansicht der sächsischen Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) nicht alle Fehler in der Kindererziehung korrigieren. «Die Erwartungen von Eltern sind da manchmal überzogen. Manche meinen, Schule könne alle defizitären Entwicklungen ausgleichen», sagte Kurth. «Doch Schulen sind kein Reparaturbetrieb.»

Kurth zeigte sich erfreut darüber, dass Eltern heute viel Wert auf Bildung legten: «Die Bildungsaffinität hat zugenommen», sagte sie. Auswirkungen dieser Einstellung auf die Gesellschaft könnten gar nicht hoch genug bewertet werden. «Denn gut gebildete Menschen wissen auch etwas über demokratische Strukturen und gesellschaftliche Veränderungen», sagte die Ministerin.

Zwar kosteten Kita und Schule viel Geld. «Doch das Geld, was wir dort investieren, muss später weniger in Sozialsysteme investiert werden», sagte Kurth. Die Bildungsdebatte solle sich in Zukunft mehr um Inhalte als um Geld drehen. In Zukunft werde die Schule sich verändern. Die Ministerin verwies auf Herausforderungen, wie sie zum Beispiel die Aufnahme von mehr Flüchtlingskindern und die Inklusion mit sich bringen.

Kultusminister hätten es bei ihren Kollegen im Finanzressort mitunter schwer. «Bei Schulen geht es nun mal in erster Linie um Personalkosten, um ausreichend Lehrer.» Solide Finanzpolitik sei eine Frage der Balance. Investitionen und Personalausgaben müssten ausgewogen betrachtet werden – auch vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen. «Denn wenn wir steigende Kinderzahlen haben und viele Flüchtlinge zu uns kommen, dann sind auch mehr Ausgaben für die Schulen erforderlich.» (News4teachers, dpa)

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2 Kommentare

  1. Narzismus, kaum Frustrationstoleranz, sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne, Helikoptereltern schon bei nur 2-3 Schülern in einer Klasse sorgen dafür, dass der Unterricht mit den 20-25 anderen lernwilligen Kindern in der Klasse sehr schwierig wird.

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