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So geht’s auch: Regierung meint, achtjähriges Gymnasium hat sich bewährt

MAINZ. Lange wurde auch in Rheinland-Pfalz um das acht- und neunjährige Gymnasium gerungen. Nun haben die ersten G8-Schüler Abitur gemacht. Die Landesregierung ist mit dem Modell zufrieden. Die Verbände auch – mit Einschränkungen.

Nach dem ersten Abiturjahrgang an achtjährigen Gymnasien (G8) 2016 in Rheinland-Pfalz hat die Mainzer Landesregierung eine positive Bilanz gezogen. Das Konzept von G8 an Ganztagsschulen mit Mittagessen und sehr wenigen Hausaufgaben habe sich bewährt, teilte das Bildungsministerium auf eine Kleine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion mit. Die meisten Gymnasien im Land sind weiterhin neunjährig.

Der Philologenverband Rheinland-Pfalz hält die Möglichkeit, zwischen G8 und G9 wählen zu können, ebenfalls für eine gute Sache. Aber Lehrer, Pädagogen und Schulleiter hätten durch die Verdichtung des Unterrichtsstoffes im achtjährigen Gymnasium einen enormen Mehraufwand, sagte Landesvorsitzende Cornelia Schwartz. «Die Schulen tun Einiges, um das G8 zu einem Erfolg zu machen.»

Auch der Verband Bildung und Erziehung ist der Meinung, dass das Konzept vom gleichzeitigen Angebot von G8 und G9 aufzugehen scheint. «Ich halte viel von Wahlfreiheit und Selbstständigkeit», sagte der Landesvorsitzende Gerhard Bold. Warum soll Schülern, die eine schnelle Auffassungsgabe haben, das schnelle Abitur verwehrt werden?, fragte er.

Der Landeselternsprecher Thorsten Ralle sagte, es müssten erst ein paar Jahre ins Land gehen, bis eine fundierte Aussage getroffen werden könne. Einige Eltern fänden das G8 gut, andere weniger – etwa wenn es mit dem Mittagessen nicht klappt. «Es gibt auch an den Ganztagsschulen nicht überall eine Mensa, weil es manchmal baulich schwierig ist.»

2016 traten in Rheinland-Pfalz laut Ministerium insgesamt 737 Schüler an neun G8-Schulen zum Abitur an. Dabei scheiterten 21 der Jugendlichen. Bei den sieben Gymnasien mit sowohl G8 als auch G9 hätten sich kaum Unterschiede bei der Abiturdurchschnittsnote und der Durchfallquote gezeigt. G8 gebe es in Rheinland-Pfalz nur dort, wo das von Schulen, Eltern und Schulträgern gewünscht werde.

Die Landesregierung erklärte, Schüler seien eben unterschiedlich. «Diejenigen, die sich für das G8-Ganztagsschulen-Gymnasium entscheiden, werden nicht überfordert und können bei gleichen Anforderungen auch die gleichen Ergebnisse erzielen wie andere nach neun Jahren.» Und weiter: «Manche können gut in etwas stärker komprimierter Form lernen, andere brauchen mehr Zeit.»

Über G8 und G9 wird in Deutschland weiterhin viel gestritten. So gut wie jedes Bundesland geht einen anderen Weg. Einige Länder wollen ganz oder teilweise zum neunjährigen Gymnasium zurückkehren; Niedersachsen ist diesen Schritt bereits gegangen. Rheinland-Pfalz war das einzige Bundesland, das grundsätzlich bei G9 blieb und nur wenige achtjährige Gymnasien einrichtete. dpa

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