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Jetzt melden auch die Philologen Kritik an: Lorz gerät wegen seines Lehrplans Sexualerziehung unter Druck

WIESBADEN. Nach den Demonstrationen am Wochenende in Wiesbaden für und gegen den neuen „Lehrplan Sexualerziehung“ in Hessen hat sich der Philologenverband des Landes in die Diskussion eingeschaltet. Der Lehrplan sei auf „stillen Sohlen“ dahergekommen, weise aber „eine besondere Brisanz“ auf. „Er formuliert zum Teil irritierende Ansprüche und muss daher Kritik auf sich ziehen“, so heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands.

Die Kritik am neuen Lehrplan nimmt zu: Hessens Kultusminister Alexander Lorz. Foto: Hesssisches Kultusministeriums

Die Kritik am neuen Lehrplan nimmt zu: Hessens Kultusminister Alexander Lorz. Foto: Hesssisches Kultusministeriums

„Sexualerziehung findet in der Schule in erster Linie im Biologieunterricht statt. Das bedeutet, dass biologische Inhalte rund um die körperliche und sexuelle Entwicklung des Menschen im Vordergrund stehen. Schon immer gehörten zum Sexualkundeunterricht auch altersgemäße Informationen über Sexualverhalten, Partnerschaft und Familie sowie das Gespräch über die Selbstbestimmung der Kinder und Jugendlichen, Prävention in Bezug auf Geschlechtskrankheiten, Möglichkeiten der Empfängnisregelung und Hilfsangebote bei ungewollter Schwangerschaft“, so schreibt der Philologenverband. „Im neuen Lehrplan Sexualkunde ist aber die Schwerpunktsetzung auffallend ethisch und gesellschaftswissenschaftlich ausgerichtet. Persönlichkeitsaspekte, die zutiefst privat sind und primär in den elterlichen Erziehungsbereich gehören, werden in das unterrichtliche Geschehen einbezogen. Die Wertevermittlung wird stärker betont, als dies bei fachlichen Aspekten der Fall ist.“

Problematisch ist dabei für den Philologenverband zunächst die zu erwartende Arbeitsbelastung für die Lehrkräfte: „Gesellschaftliche Problemfelder und Widersprüche sollen mit Hilfe des Sexualkunde-Unterrichts thematisiert, Konflikte womöglich gelöst werden. Entsprechend groß ist die Anzahl der Punkte, die im Unterricht behandelt werden sollen. Eine Vertiefung einzelner Aspekte ist in Anbetracht der zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich. Die Konzepte für die Umsetzung sollen ohne Entlastung von den Lehrkräften der beteiligten Fächer in zusätzlichen Konferenzen und Arbeitsgruppen entwickelt werden. Dies lehnt der Hessische Philologenverband als unzumutbare Belastung der Kolleginnen und Kollegen ab.“

“Akzeptanz ist mehr als Toleranz”

Darüber hinaus hat der Philologenverband aber auch mit der inhaltlichen Ausrichtung ein Problem. „Nachvollziehbar ist, dass Sexualerziehung in der Schule als fächerübergreifender Erziehungsauftrag zu verstehen ist, dem man mit Zurückhaltung nachkommt und der sich von  ‚Offenheit‘  und ‚Toleranz‘ gegenüber verschiedenen Wertvorstellungen leiten lässt. Schule und Elternhaus sind dabei – sinnvoll zusammenwirkend – gleichermaßen gefordert. Dass sich die schulische Aufklärung etwa mit der Bedeutung von Ehe, Lebenspartnerschaften, Familie, mit sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten beschäftigt, dürfte selbstverständlich sein; wenn allerdings ein ‚wertschätzendes Verständnis‘ für die Vielfalt der partnerschaftlichen Beziehungen, der zum Teil sehr spezifischen sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten vermittelt werden soll – so die Zielsetzung des Lehrplans – so ist dies sehr weitgehend“, meint der Verband.

Der Lehrplan verlange eine Erziehung zur „Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen (LSBTI).“ Abgesehen davon, dass hier psychologische und biologische Kategorien miteinander vermischt würden, lasse der Lehrplan weder Eltern und Schülern noch Lehrkräften die Freiheit, zumindest in Teilen zu anderen Bewertungen der verschiedenen Aspekte von Sexualität zu kommen. Die als Bildungsziel ausgewiesene „Akzeptanz“ (im Sinne von Anerkennen, Hinnehmen, Gutheißen) gehe über die „Toleranz“ (das Gelten- und Gewährenlassen) hinaus.

Der Lehrplan ist bereits seit September in Kraft. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte bereits Anfang Oktober Kritik daran zurückgewiesen. Die Neufassung sei ein Routinevorgang gewesen, um den Plan an die veränderten gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen, erklärte Lorz. Es sei „keineswegs etwas fundamental Neues enthalten“.

Die Gegner des Lehrplans trafen sich am vergangenen Sonntag vor dem Kultusministerium in Wiesbaden zu einer „Demo für alle“, die Organisatoren zählten rund 1900 Teilnehmer – und mindestens ebenso viele Gegendemonstranten. Veranstalter der „Demo für alle“ war das konservative Aktionsbündnis „Ehe und Familie“ das bereits in Baden-Württemberg gegen ähnliche Änderungen des dortigen Bildungsplans mobilisiert hatte und aktuell auch in Bayern aktiv ist. „Ehe bleibt Ehe“ steht auf ihren Schildern und „Stoppt Gender“. Die Organisatorin, Hedwig von Beverfoerde, kündigte dauerhaften Widerstand gegen den neuen Lehrplan an. Agentur für Bildungsjournalismus

Zum Bericht: Tausende Demonstranten in Wiesbaden – Wie die Katholische Kirche beim Protest gegen Sexualkunde-Reformen mitmischt

 

33 Kommentare

  1. Ich danke dem Philologenverband für die wichtige Stellungnahme!
    Es geht um die Unschuld unserer Kinder!
    Ich war bei der “Demo für alle” dabei, bei der 1900 Menschen aller Altersgruppen friedlich auf dem Luisenplatz zusammenkamen. Die Innnenstadt Wiesbadens war völlig abgeriegelt, Horden von Polizei sicherten die Demozüge und schirmten uns von den jugendlichen “Chaoten” der Homo-Lobby ab. Es ist schon heftig, wie “Meinungsfreiheit” in deren Augen aussieht. Für sich selbst fordern die “Akzeptanz” – aber wer anders denkt, wird massiv attackiert… . Auch ich habe mich an Herrn Lorz gewandt und kritisiere den CDU-Alleingang – der bisher überzeugten CDU-Stammwählern zeigt, dass sie sich auf ihre bisherige Partei nicht mehr verlassen können. Einzig die AfD steht zum konservativen Familienbild und gegen Gender! So übel sie auch immer angefeindet und verunglimpft wird. Sie ist für Christen und konservativ Denkende derzeit tatsächlich die einzige Alternative.

    • Die AfD-Folgerung ist ein bischen sehr vorschnell. Die CDU muss schon Zeit haben, sich zu positionieren. Außerdem gibt es ja auch noch andere Parteien (die, zugegeben, nicht in Parlamenten sitzen).

  2. Wenn bei Mädels- und Jungs-Freundschaften dann immer das “Sex machen?” als Gedanke mitschwingt –
    nachdem ja alles okay und “gleich” sein soll – mache ich mir Sorgen um die Unversehrtheit der immer länger sich in der Schule aufhaltenden Kinder! Ich habe von einer Behindertenwerkstatt bereits von Übergriffen unter jungen Männern gehört. Das ist nicht “witzig”. Sondern bitterernst und traurig.

    • – und ich habe schon von einer Lehrkraft gelesen, die von der UMSCHULD UNSERER KINDER und vom Zusammmenhang einer zeitlichen Dauer des Schulaufentrhalts mit einer Schüler-UNVERSEHRTHEIT schreibt, ohne Begriffserklärungen und/ oder Belege für das Gemeinte.

      • Umschuld ist in der Tat ein unverständlicher Begriff? Vielleicht meinte die Lehrkraft “Unschuld”, das wäre zwar ein altertümlicher Begriff (ich würde ihn auch nicht verwenden), aber inhaltlich vernünftig, denn dass zu frühe sexuelle Betätigung Nachteile in der seelischen Entwicklung bewirken kann, ist ja unbestreitbar.

    • @A. Rosebrock: Von wem und an wen wurde sich übergriffen? Bei Betreuer gegen Arbeiter ist das je nach Alter der Beteiligten tatsächlich bitterernst und traurig. Bei gegenseitigem Einvernehmen, volljährigem Beteiligten ohne Ausnutzung irgendeines Abhängigkeitsverhältnisses ist möchte ich nicht dabei gewesen sein, aber ihren Spaß sollen sie gerne haben.

      Kennen Sie den Begriff “knastschwul”? Der geht in eine ähnliche Richtung: Eigentlich streng heterosexuelle Häftlinge üben sexuelle Handlungen in Ermangelung an einer Frau mit Mithäftlingen aus. Mit Vergewaltigungen hat das nicht unbedingt etwas zu tun, auch wenn sie leider trotzdem vorkommen.

  3. Jürgen Eisenberg

    Ich bin Schulassistent und habe inzwischen einige Schulen von innen erlebt, vor allem die rapide Zunahme von bindungsunfähigen Kindern (vor allem Jungen), die den Schulablauf extrem behindern, viel Zeit und emotionale Energie aufbrauchen und für die es nicht mal im Ansatz ein pädagogisches Konzept gibt, ausser daß auch für solche Kinder immer mehr Schulassistenten eingesetzt werden. Ich erlebe es hautnah, daß erstaunlich viele Kinder extrem pornofiziert sind. Familien zerbrechen mehr und mehr und immer mehr Kinder wachsen ohne Väter auf. Früher hatten Eltern etwa 4 Kinder, heute haben Kinder etwa 4 Eltern (Zitat von Arno Backhaus). Statt Familien zu stärken (Eheberatung, Erziehungshilfen etc. auch in den Medien) erlebt man das krasse Gegenteil: Millionen werden für Gender Mainstreaming Fakultäten ausgegeben (samt weit über 200 ProfessorInnen und tausenden von Studenten) und damit sollen die Begriffe wie Mann und Frau, Ehe, Familie, Eltern, Sexualität und viele weitere völlig verdreht werden, denn schon damit sollen sich erstaunlich viele Probleme lösen lassen(?). In Leipzig gibt us nur noch Professorinnen, denn auch die männlichen sollen so bezeichnet werden. Es gibt ganze Lexika zum Gender Mainstreaming. Kürzlich war zu lesen, ein Mann hatte ein Baby bekommen, das gezeugt wurde mit einer Frau. Erst etwas später in dem Artikel war zu lesen, dass der gebärende Mann vormals eine Frau war und die Frau war vormals ein Mann! Ich hoffe ich verwirre hier niemanden. Es geht um Männer und Frauen, die, so wird gesagt, “im falschen Körper leben”. So kann man laut Gender Mainstreaming – was als gestandene Wissenschaft geführt wird, ohne dass die meisten Leute überhaupt je den Begriff gehört haben – sein Geschlecht (Gender) frei wählen – zu jeder Zeit. Allerdings können oder dürfen Homosexuelle und Lesben das nicht, denn die wurden so geboren! D.h. Heteros können und dürfen homosexuell werden, aber solche die homosexuell geboren wurden, bei denen ist das scheinbar nicht möglich oder die dürfen das nicht. Ich verstehe das zwar nicht, aber bisher wird das immer so erklärt. Ich erinnere mich sehr gut, dass bis in die achtziger Jahre Homosexuellen- und Pädophilen-Verbände fast immer zusammen auftraten und aufgeführt wurden (wie z.B. bei den Grünen) und bis heute propagieren sie die gleichen Argumente (letztere findet man nun unter Man-Boy Love). Erstaunlich ist, dass seit den Skandalen der Odenwaldschule, neulich wieder an einer Schule in Darmstadt und der katholischen Priester man auch homosexuellen Pädophilen sehr wohl helfen will, ihre sexuelle Orientierung zu ändern, dafür gibt es anerkannte Institutionen. Daniel Cohn Bendit, der übrigens Schüler an der Odenwaldschule war und bekennender Homosexueller, braucht diese Hilfe scheinbar nicht. Die anerkannten Reformpädagogen und bekennenden Homosexuellen wie Helmut Kentler, Hartmut von Hentig, Gerold Becker u.a. brauchten diese Hilfe scheinbar auch nicht. (siehe Buch „Zeig mal! Ein Bilderbuch für Kinder“ von Will McBride, erklärt von Helga Fleischhauer-Hardt, Vorwort von Helmut Kentler).
    Es geht also weiter mit diesem Irrsinn, inzwischen mit staatlichen Verordnungen and Medienkampagnen. Die leidtragenden sind wie immer die Kinder!
    Wir schreiten (streiten) immer weiter in eine Meinungsdiktatur, die sich inzwischen durch die Medien und Politik zieht. Es erinnert sehr an die DDR und es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein bis wir auch die totale Zensur haben werden. In dieser Meinungsdiktatur wird man schon beim bloßen darstellen von Widersprüchen sofort als „Rechtsaußen“ abgekanzelt. Wenn das Absolute relativ wird, dann wird das Relative absolut!

    • Wenn Sie die Verhältnisse “Diktatur” nennen, entwerten Sie alles andere, das Sie hier ansprechen. Es ist offensichtlich keine Diktatur, wie die Tatsache belegt, dass Sie und viele andere hier frei ihre Meinung äußern und offensichtlich nicht ins Gefängnis dafür kommen. “Monopol” ist ein sehr viel treffenderes Wort.

      • Jürgen Eisenberg

        Sie haben recht, dass wir noch nicht in der Meinungsdiktatur stecken. Ich habe versucht zu erklären, dass wir als deutscher Staat massiv in diese Richtung gehen und viele merken es nicht einmal!

        • und schon wieder mäkele ich: nein, es ist nicht der Staat. Die Medien gehören nicht zum Staat, auch wenn sie ein großer Machtfaktor sind. Die “Öffentlich-Rechtlichen” haben sich ja gerade vor wenigen Jahren von der Politik unabhängiger gemacht.

          • @Pälzer
            Möchten Sie mir folgen, wenn ich feststelle, dass gerade der politische und gesellschaftliche Umgang mit Gender-Mainstreaming schon an so etwas wie Meinungsdiktatur erinnert?
            Schmerzlich vermisse ich die offene, aber auch kritische Debatte darüber. Fand sie jemals statt?
            In diesem Punkt gibt es eine homogene Allianz maßgeblicher Medien, Parteien/Politiker und relevanter gesellschaftlicher Gruppen (z.B. ev. Kirche), die GM vorbehaltlos befürworten und immer weiter ausbauen wollen.
            GM bestimmt z.B. stark die Inhalte der neuen Lehrpläne für sexuelle Vielfalt. GM will bestimmen, wie ich schreiben und sprechen soll.
            Gibt es weitere Beispiele?
            In diesem Punkt stimme ich Herrn Eisenberg voll zu, und ich freue mich, dass er hier so offen und kritisch darüber schreibt.

          • Diese Unabhängigkeit ist aber verdammt wenig zu spüren, vor allem im ZDF und fast allen politischenTalk-Shows.
            Bei denen brauche ich mir nur die Gästeliste anzuschauen um im Vortaus zu wissen, wohin die Volkserziehungsreise geht. Da sitzen meist 5 Leute und mindestens 3 gehören zum sog. politisch korrekten Lager, wobei Moderator oder Moderatorin mit ihrem Verhalten meist auch noch die hier geäußerte Meinung mit ihrer Taktik unterstützen.
            Unabhängigkeit sieht anders aus. Deswegen schaue ich mir solche Sendungen kaum mehr an. Was an Unabhängigkeit auf dem Papier steht, muss noch lange nicht unabhängig praktiziert werden.

          • Und wieder tritt hier die Rechtsaußen-Fraktion auf – und verleumdet unseren freien und demokratischen Staat als “Meinungsdiktatur”, weil sie nicht fröhlich herumhetzen darf. Dabei demonstrieren die Herrschaften nur (einmal mehr), dass sie die Regeln der Demokratie nicht kennen bzw. nicht verstanden haben. Es gibt in Deutschland (und in keinem Land der Welt) eine absolute Meinungsfreiheit, hat es auch noch nie gegeben – Meinungsfreiheit endet da, wo die Würde des anderen anfängt. Wenn ich andere Menschen herabwürdige und/oder verleumde und/oder beleidige, kann ich dafür einen auf den Deckel bekommen – so einfach ist das. (War auch schon immer so!). Und wenn ich zum Beispiel Homosexuelle mit Pädophilen (= Sexualverbrecher) gleichsetze, dann bin ich schon auf einem “guten” Weg zur Volksverhetzung.

            Darüber hinaus kann die Äußerung einer eigenen Meinung natürlich auch soziale Konsequenzen haben – auch das ist völlig natürlich. Ich kann als Beschäftigter des Unternehmens XY nicht öffentlich herumposaunen, dass ich die Produkte des Unternehmens XY schlecht finde und mich dann auf die Meinungsfreiheit berufen. Mein Arbeitgeber hat schließlich auch Anspruch auf meine Loyalität. So ist das auch mit dem Staat und den Staatsbediensteten. Kritik ist in Ordnung, wenn ich aber diesen Staat als “Wie-auch-immer-Diktatur” schmähe, gleichzeitig aber von diesem Staat jeden Monat mein Geld überwiesen bekomme, dann geht das eben nicht zusammen.

            Das hat eben auch mit Rückgrat zu tun, von dem die Jammerköpfe mit ihrer ewigen Leier von der “Meinungsdiktatur” offenbar nicht allzu viel haben.

          • Fänden Sie den Begriff “Meinungs-Monopol” (bezogen auf die Leitmedien) zutreffend? Oder möchten Sie Gegenbeispiele nennen?
            Ihre Ausdifferenzierung zu Grenzen der Meinungsfreiheit finde ich gut. Hatte die DDR das Recht, Wolf Biermann auszubürgern?

          • Natürlich hatte die DDR nicht das Recht, Wolf Biermann auszubürgern. Was hat das mit dem Thema zu tun? Die DDR war ja nun unzweifelhaft keine Demokratie.

            Ich weiß auch nicht, was Sie mit “Leitmedien” meinen. Wir hatten in Deutschland noch nie eine solche Medienvielfalt wie heute – jeder kann im Internet alles herausblasen. Ein Großteil der Menschen informiert sich heutzutage in den sozialen Medien (auch wenn diese nur bruchstückhaft und verzerrt informieren – egal), andere bestellen sich rechtsradikale Hochglanzmagazine oder surfen auf rechtspopulistischen Hetzblogs und ein immer kleinerer Teil der Bevölkerung ist bereit, für seriöse Information Geld auszugeben und etwa eine Tageszeitung zu bestellen (galt früher mal als Kulturgut!).

            Was also sind heute Leitmedien? Es gibt seriöse Medien, die ihre Storys recherchieren und ihre Meinungsbeiträge mit nachprüfbaren Fakten unterlegen – und es gibt einen wachsenden Berg von Info-Müll, der es beim Behaupten und Pöbeln belässt, aber damit eine wachsende Zahl von Menschen anspricht. Wie heißt es so schön? Wir leben in einer “post-faktischen” Gesellschaft. Lässt sich auch anders ausdrücken: Wir leben zunehmend in einem dumpf-debilen Märchenland, in dem Politiker, die nachweislich lügen (Trump, AfD), dafür noch abgefeiert werden – Hauptsache, sie treffen die Stimmungslage.

            Da muss ich doch nur so manche Kommentare hier auf News4teachers verfolgen. Wie oft werden hier Erkenntnisse aus der Wissenschaft pauschal als “Expertengequatsche” abgetan, wenn sie nicht ins Weltbild passen – selbst von Lehrern? Die sind doch eigenlich dazu da, verifiziertes Wissen an ihre Schüler zu bringen, sollten also letztlich Wissenschaftsvermittler sein – gleichzeitig kann (mein Eindruck, nicht verifiziert) eine wachsende Zahl Behauptung und Erkenntnis nicht (mehr) voneinander unterscheiden.

            “Meinungsmonopol”? Heute informiert sich ja kaum jemand mehr, um sich eine fundierte Meindung zu bilden – “gemeint” wird in sekundenbruchteilen mit dem Facebook-Daumen. Jeder “meint” etwas zu allem und jedem, ob’s sich um die Scheidung von Sarah und Pietro handelt oder um Themen wie den Brexit oder TTIP. Lässt sich natürlich alles ruckzuck bewerten.

          • Nun, heimlich vermute ich, dass Sie sehr wohl wissen, was die “Leitmedien” sind.
            Falls die gedankliche Verbindung zu DDR und Biermann zu kompliziert war, erkläre ich’s etwas ausführlicher: Sie haben ausgeführt, dass es Grenzen der Meinungsfreiheit gibt und dass der Arbeitgeber ein Recht auf eine gewisse Loyalität hat; auch Staaten wie z.B. die sozialistischen (oder vor dem 2. Weltkrieg auch alle anderen) fordern eine Loyalität ihrer Staatsbürger ein. Wenn Biermann nun die Toleranzgrenzen der Meinungsfreiheit überschritten und die Loyalität verletzt hat, durfte ihn seine Regierung dann ausbürgern?

  4. Jürgen Eisenberg

    Zu GM gibt es mehrere Bücher von Gabriele Kuby, Birgit Kelle. Auch das folgende: https://www.amazon.de/Vergewaltigung-menschlichen-Identit%C3%A4t-Irrt%C3%BCmer-Gender-Ideologie/dp/3981430328

    • @J. Eisenberg
      Ja, es gibt eine Fülle von z.T. sehr kritischen Publikationen zu GM. Dennoch kann offenbar niemand diese Ideologie – für mich ist es eine – stoppen. Aus meiner Sicht liegt es vor allem daran, dass unsere vierte Gewalt (Medien) diesen Prozess passiv begleiten und oft genug noch unterstützen. Eine echte kritische Auseinandersetzung findet aber nicht statt (sh. Norwegen).

      @mestro
      Auch Eltern schulpflichtiger Kinder müssten doch langsam aufgewacht sein, wenn sie die teilweise sprachlich schwer zu lesenden Aufgaben im Sinne von GM-Neusprech betrachten.

      • “…teilweise sprachlich schwer zu lesenden Aufgaben im Sinne von GM-Neusprech betrachten.”
        Das halte ich für ein Gerücht. Mir ist in unseren Schulbüchern noch nichts aufgefallen.

        • Ich denke auch, dass die Schulbücher noch weitgehend verschont sind. Tatsache bleibt jedoch, dass in wenigen Jahren über 200 Lehrstühle für eine neue “Wissenschaft” aus dem Boden gestampft wurden, die den Steuerzahler mehrere Milliarden Euro pro Jahr kostet und gewaltigen Einfluss auf die Gesellschafts- und Bildungspolitik hat.
          Dass sie sich außerdem mit erheblichen Einschnitten in unsere Sprachkultur beschäftigt, die von den Bürgern als Verhunzung und Erschwernis empfunden werden, dürfte hinlänglich bekannt sein. Hier habe ich allerdings den Eindruck, dass die Veränderungen stagnieren oder sogar nachlassen, weil sie auf zu viel Protest stießen und der Zeigeist noch nicht reif genug war.
          Dass die Sprachreformen (von oben nach unten) in der Planung allerdings munter weitergehen und irgendwann auch die Schulen erreichen, glaube ich fest.
          Wenn solche Maßnahmen mit Moralgeboten erklärt werden, sind die meisten Lehrer und Eltern mit ihnen wahrscheinlich auch einverstanden. Und die GM-Sprache wird ja mit mehr Geschlechtergerechtigkeit begründet, also mit Moral, egal, was sie sonst noch so alles im Gepäck hat.
          Es lohnt sich auf jeden Fall, vorausschauend zu denken und nicht erst (wie so oft) zu kritisieren oder protestieren, wenn wir vor beschlossenen Tatsachen stehen und uns die Früchte nicht gefallen.

          In Ihrem Kommentar um 11:27 stellen Sie mir eingangs zwei wichtige Fragen, die schwer mit wenigen Worten zu beantworten sind.
          Wer sich mit dem GM näher befassen und über die übliche Vorstellung einer gutmütigen Toleranz- und Gleichstellungsbewegung hinauskommen will, der findet im Internet viele kritische Artikel oder auch Buchempfehlungen.

        • Eine Kostprobe:

          “Arbeitet nun zu zweit. Lest den rechts stehenden Text (S.7) folgendermaßen: Eine/r ist Zuhörer/in, der /die andere ist Vorleser/in. Eine/r liest den Abschnitt vor, der/die Zuhörer/in fasst das Gehörte zusammen. Der/die Vorleser/in muss angeben, ob die Zusammenfassung richtig war. Wechselt euch nach jedem Textabschnitt in der Rolle ab”.

          So etwas meine ich. Kommt in Ihren Büchern nicht vor? Umso besser, lach

          • Das gehört unter den Kommentar von “ysnp” (06.11./ 11 h)

          • Nein, kommt nicht vor.

          • Ergänzung: Die meisten Aufgabenstellungen sind geschlechtsneutral und erfordern keine dieser Schreibweisen. Ansonsten schreiben die Bücher klare Arbeitsanweisungen.
            Es gibt ganz herkömmliche Formen wie:
            Arbeite mit einem Partner (da wird das Partnerin weggelassen) zusammen. Oder, Bücher, die es genauer nehmen, schreiben: Lies den Text deinem Partner oder deiner Partnerin vor. Damit ist es klar und verwirrt nicht.
            Mit verwirrenden Schrägstrichen und endlosen Arbeitsanweisungen wird nicht gearbeitet.

  5. @mehrnachdenken
    Ich gebe Ihnen Recht mit Ihrer Feststellung von “so etwas wie Meinungsdiktatur”.
    Faktisch stimmt allerdings, was Pfälzer sagt: Wir kommen nicht ins Gefängnis, wenn wir politisch unerwünschte Meinungen äußern.
    Allerdings wird man dafür allzu gern und allzu oft an den Pranger gestellt und ruck zuck als Hasser oder Hetzer verschrieen, was schlimme Folgen haben kann bis hin zum bemäntelten Jobverlust.
    Insofern fällt mir der Glaube an die Meinungsfreiheit immer schwerer, auch wenn die Leute nicht ins Gefängnis kommen für das, was sie sagen.

    Zum Gender-Mainstreaming: Dass es sich so relativ ungehindert ausbreiten und unser Leben bis hin zur Bildungspolitik bestimmen kann, liegt meiner Meinung nach daran, dass noch immer zu wenige Leute wissen und sich Gedanken darüber machen, was diese neue “Wissenschaft” bedeutet, welche Globalisierungsinteressen hinter ihr stecken und wohin sie die tonangebenden westlichen Gesellschaften als Vorreiterinnen steuern.
    Meiner Meinung nach glauben sogar die meisten Politiker an die guten, gerechten und toleranten Absichten von Gender, auch wenn die propagierte Sprache fast jeden stört.
    Gender wird meistens belächelt, nicht ernst genommen und als vorübergehende, wenn auch Steuermilliarden kostende, Modeerscheinung eingestuft.
    Bessere Bedingungen zum Eindringen in immer weitere Bereiche der westlichen Gesellschaften, insbesondre deren Bildungsstätten, können sich die Gender-Protagonisten kaum wünschen.

    • @ mestro
      “…welche Globalisierungsinteressen hinter ihr stecken und wohin sie die tonangebenden westlichen Gesellschaften als Vorreiterinnen steuern.”
      Wohin steuern sie denn Ihrer Meinung nach? Welche Konsequenzen hat das Ihrer Meinung nach für das gesellschaftliche Zusammenleben?

      Ich frage deswegen, weil mich nur die Aggressivität der extremen Verfechter dieser Richtung stört, doch das stört mich generell – auch bei anderen Ansichten. Vielleicht sollte man zwischen Denkansatz und der Art der Verbreitung unterscheiden. Gegen eine tolerante Gesellschaft und die Gleichberechtigung der Geschlechter habe ich nichts einzuwenden. Bis das in die Köpfe der Männer im vergangenen Jahrhundert gedrungen ist, brauchte man eben Frauenquoten. Ich möchte weder ein Matriachat noch ein Patriachat.

      Wenn jemand sich sozial anders empfindet als er biologisch ist, dann kann ich doch das tolerieren. Mich stört das nicht. Mich stört viel mehr, wenn sich jemand sozial unverträglich wie z.B. unhöflich, gewalttätig, aggressiv verhält.
      Man kann sich in der Schule mit älteren Schülern mit dem Thema als Draufblick auseinandersetzen, damit man die entsprechenden Menschen besser versteht. Toleranz erwächst daraus, wenn ich etwas über das erstmal Befremdliche weiß und mich einfühlen kann. Wenn man Toleranz mit Vehemenz und Aggressivität einzufordert, kann keine echte Toleranz daraus entstehen.

      Ein weiterführender Gedanke: Vielleicht sollten wir noch stärker darauf hinarbeiten, Rollenklischees abzubauen – da müsste man gegen eine ganze Werbeindustrie arbeiten – dann müssten sich manche Menschen nicht gespalten zwischen biologischem und sozialem Geschlecht empfinden. Bei uns in der Grundschule sind Rollenklischees, Umgang mit Medien, Umgang mit Werbung im Fach Sachunterricht verankert.

      • “Toleranz erwächst daraus, wenn ich etwas über das erstmal Befremdliche weiß und mich einfühlen kann. Wenn man Toleranz mit Vehemenz und Aggressivität einfordert, kann keine echte Toleranz daraus entstehen.”

        Das Problem ist für mich noch extremer: Die Befürworter fordern keine Toleranz ein, sie fordern Akzeptanz und werten jede wie auch immer geartete Kritik gegen dieses Vorhaben gleich als xy-Feindlichkeit, rechtes Gedankentum oder noch schlimmeres.

      • Was Sie – auf die Ebene der persönlichen Ansicht bezogen – formulieren ( z.B. “Wenn jemand sich sozial anders empfindet als er biologisch ist, dann kann ich doch das tolerieren.”), sehe ich genauso. Aber um die persönliche Toleranz geht es nicht.
        Wenn Politiker von “Fördern” sprechen, dann geht es um Geld von Steuerzahlern:
        – um Planstellen in der Verwaltung für die Propagierung einer bestimmten Weltsicht. Einige Blüten dieser Förderung werden ja dann von den üblichen Verdächtigen in die Internet-Öffentlichkeit gebracht.
        – Es geht um neue Briefköpfe und Türschilder für “Studierendenwerke”, um Germanisten, die den Kampf gegen das grammatikalische Geschlecht weiter voranbringen,
        – um staatliche Förderung für Lobby-, korrekt gesagt: Betroffenengruppen, die dann mit Vollzeitgehalt Öffentlichkeit und Kindern ihre Weltsicht darlegen können.
        In der Schule kommt etwas Größeres hinzu. Es ist logisch kaum möglich, Schülern die Gleichwertigkeit aller Varianten sexuellen Zusammenlebens zu lehren und zugleich die besondere Würde und Bedeutung von Ehe und Familie, wie es in unserem Grundgesetz, in der christlichen Lehre aller Konfessionen (mit Ausnahme der ev. Landeskirche seit ca. 2000), in der überwiegenden Zahl menschlicher Kulturen der letzten 500 Jahre und der meisten Erdteile (mit Ausnahme der reichen westlichen Länder) für selbstverständlich gehalten wird. Christen im Schuldienst finden sich in einer formal ähnlichen Lage wie früher im Sozialismus (Frau Göring-Eckhart stört das offenbar nicht), dass das Schulgesetz sie zum Werben für Werturteile verpflichtet, die ihrem Glauben nach falsch sind.
        Oben wurde schon richtig bemerkt, dass man mit Grundschülern nicht die Feinheiten verschiedener Sexualpraktiken besprechen wird. Ein Werturteil, das auf keinem Faktenwissen beruht, nennt man ein Vorurteil. Wird bei dieser Informationslage zum Fürguthalten jeder sexuellen Vielfalt aufgerufen, so kann es sich nur um die aktive Konstruktion von Vorurteilen handeln.
        Wenn dagegen altersgemäß (also in der Adoleszenz) allerlei sexuelle Lebensmodelle vorgestellt, die widerstreitenden Argumente angehört und sachlich-höflich ausdiskutiert und auf dieser Basis dann eigene Entscheidungen getroffen werden, dann ist das jeder Weltanschauung gegenüber fair, und das kann jede Lehrerin machen, egal welche Ansichten sie selber hat.

        • Ein sehr sachlicher und einleuchtender Kommentar. Was Sie schreiben, kann ich gut nachvollziehen. Herzlichen Dank, Pfälzer!!

        • Nachtrag: im Internet finde ich die Aussage, dass die LSBTTI-Gruppen in Baden-Württemberg jährlich eine halbe Million Euro zum Aufbau einer Geschäftsstelle erhalten:
          http://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/kabinett-beschliesst-aktionsplan-fuer-akzeptanz-gleiche-rechte-baden-wuerttemberg/
          http://www.bildungsplan2015.de/2016/10/18/mogelpackung-sexualkunde/

          • Interessant und aufschlussreich!
            Da behaupte noch jemand, die Lehrpläne und Fortbildungskurse zur Sexualpädagogik der Vielfalt hätten nichts mit den queer-Gruppen, also den LSBTTI-Gruppen, zu tun.

          • Ich erinnere mich dass in Baden-Würtemberg und in NRW auch Mitglieder der Gruppe SCHLAU (gehört zur LSBTTI) zum Teil für diesen Sexualunterricht der Vielfalt eingesetzt werden sollen. Das ist jetzt bestimmt 3 Jahre her dass ich das gelesen hatte und weiß jetzt nicht mehr wo. Kann man wahrscheinlich auch noch im Internet finden. Ich habe mehrfach erlebt dass diese Thematik der Sexualität für einige Kinder im Grundschulalter sehr peinlich und befremdend ist. Ich bin der Überzeugung, dass solche sehr persönlichen Dinge vor allem von den Eltern behandelt werden sollten. Wenn das nicht geschieht dann sollten es Lehrer tun, die die Kinder gut kennen und das sehr einfühlsam. Ich halte es für völlig unangebracht, dazu Leute heranzuholen zu denen die Kinder überhaupt keine Beziehung haben. Ich habe nicht die Zeit meine eigenen Erfahrungen aus Begegnungen mit Homosexuellen in verschiedenen Ländern darzustellen. Ich kenne jedenfalls den Lebensstil und würde meine Kinder auf keinen Fall zu solch einem Unterricht schicken. Bevor ich gleich als rechtsaußen und homphob abgedrängt werde muss ich betonen, dass ich keine Angst vor Homosexuellen habe. Ich unterhalte mich angeregt und sehr offen mit ihnen, toleriere sie und gleichzeitig halte ich ihren Lebenstil aus sehr konkreten Gründen nicht für richtig. So gehe ich auch mit Kindern und Jugendlichen um, die extrem schwierig (d.h. beziehungsunfähig) sind und mit Drogensüchtigen und Alkoholikern. Es gibt noch sehr viel zu diesen Themen zu sagen, aber das kostet Zeit diese umfassend klar darzustellen, vor allem weil in den meisten Medien und Köpfen so vieles als vollig normal dargestellt wird. Bruce Cockburn hatte gesungen “The trouble with normal is, it always gets worse”. Es gibt keine gemeinsame Grundlage mehr über das was “normal” ist. Wir nehmen dazu immer mehr Statistiken heran. Bei Kannibalen und Kopfjägern gelten eben ganz andere Normen als bei uns und unter denen würden deren Tötungsaktionen auch statistisch als völlig normal gelten. Das ist ein gravierendes Problem des Humanismus!

          • Ihr Kommentar gefällt mir, J. Eisenberg. Er entspricht im Großen und Ganzen dem, was auch ich denke.

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