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Lebensmittelverschwendung in Schulkantinen – Ein Viertel für die Tonne

BRAUNSCHWEIG. Der vielbeachtete Dokumentarfilm „Taste the Waste“ von Valentin Thurn hat 2011 das Thema Lebensmittelverschwendung in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gehoben. Auch im Schulunterricht werden Schüler für einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln sensibilisiert. Beim Schulessen liegt allerdings noch einiges im Argen, zeigt jetzt eine Studie.

„Was gab’s denn heute Mittag zu Essen?“ In Zeiten verbreiteter Ganztagsschulen eine am heimischen Abendbrottisch häufig gestellte Frage von Eltern an ihre Kinder. Nicht selten sind die Antworten begleitet von Wertungen wie „ widerlich“, „hat einfach grässlich geschmeckt“, ich habe eigentlich nichts davon gegessen“ und dergleichen mehr. Eltern, die auch selbst für ihre Kinder kochen, ziehen sicherlich einen guten Teil davon routiniert als Standardrhetorik ab.

Doch um die Qualität des Schulessens steht es längst noch nicht überall zum Besten. Ungesundes, zu fettes Essen, in quasi-industriellen Verfahren in der Schule nur wiedererwärmt, wenn nicht stundenlang warmgehalten. Schulessen steht immer wieder in der Kritik, auch weil es zu wenig Obst und Gemüse und dafür zu viel Fleisch enthält.

Vorne hui – hinten pfui? Im Unterricht werden Schüler für das Thema Lebensmittelverschwendung sensibilisiert – beim Schulessen liegt noch Einiges im Argen. Foto: jbloom / flickr (CC BY 2.0)

Vorne hui – hinten pfui? Im Unterricht werden Schüler für das Thema Lebensmittelverschwendung sensibilisiert – beim Schulessen liegt noch Einiges im Argen. Foto: jbloom / flickr (CC BY 2.0)

Noch immer zählt vor allem der Preis. Ein Mittagessen in der Schule entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung würde zwischen 3,14 und 4,25 Euro kosten. In Sachsen-Anhalt beispielsweise lag der Preis im Jahr 2014 aber lediglich bei rund zwei Euro. Trotz vieler punktueller Verbesserungen gibt die öffentliche Hand nach wie vor zu wenig Geld für die Ernährung der ihr anvertrauten Heranwachsenden aus.

Die gesellschaftlichen Kosten für die gesundheitlichen Folgen der kindlichen Fehlernährung sind schwer zu beziffern. Hinzu kommt, dass in einer Gesellschaft, in der in vielen Familien nicht mehr täglich gekocht wird, dem Schulessen großer Einfluss auf die Wertschätzung einer gesunden und hochwertigen Ernährung zukommt.

„Vitamine werden sie in diesen Mahlzeiten allerdings kaum noch finden“

Auf einen weiteren Aspekt macht jetzt das Johann Heinrich von Thünen-Institut aufmerksam. Rund 25 % der in Schulkantinen und -mensen zubereiteten Speisen werden nicht gegessen, sondern landen als Lebensmittelabfälle in der Tonne, ermittelten Forscher des Bundesinstituts im Rahmen des Forschungsprojekts REFOWAS (REduce FOod WASte)

Die Messung und Analyse von Speiseresten an elf Ganztagsschulen ergab, dass rund ein Viertel der produzierten Essensmengen entsorgt werden. Hochgerechnet auf alle deutschen Ganztagsschulen entspricht dies rund 29.000 Tonnen Lebensmittelabfälle pro Jahr oder umgerechnet 22 Kilogramm pro Ganztagsschüler. Monetär summieren sich diese Abfälle auf rund 57,8 Mio. Euro Wertverlust.

Die Höhe der Lebensmittelabfälle hängt stark vom Standort und der Struktur der jeweiligen Schulen, Küchen und Caterer ab. Selbst vergleichbare Schulen weisen sehr unterschiedliche Abfallquoten auf. Woran liegt das? Schulküchen und Caterer können die entstehenden Lebensmittelabfälle häufig nicht einschätzen und haben kaum Überblick über deren Art, Menge und Wert. Auch die genaue Zahl der Verpflegungsteilnehmer ist nur selten bekannt, so dass in der Folge sicherheitshalber zu große Speisemengen produziert werden. Frank Waskow von der Verbraucherzentrale NRW konstatiert: „Wenn man Lebensmittelabfälle in der Schulverpflegung spürbar reduzieren will, muss man die einzelnen Akteure mit ins Boot holen und schulspezifische Maßnahmen entwickeln.“

Ansätze zur Abfallvermeidung ergeben sich auch,in Fällen, wenn an der Schule selbst kaum eine Beziehung zur Herstellung des Essens besteht, das durch Dienstleister angeliefert, aufgewärmt und wieder abgeholt wird. Denn vieles ermöglicht eeine verbesserte Kommunikation, etwa indem das Servicepersonal die Mengen der Tellerreste an die Küchen rückmeldet. Bestellsysteme können konsequent eingesetzt werden, Portionsgrößen überprüft und Produktionsmengen bedarfsgerecht kalkuliert werden. „Wenn die Beteiligten erkennen, dass die eingesparten Kosten in eine bessere Schulverpflegung investiert werden können, fällt es leichter, sie für eine abfallarme Schulverpflegung zu motivieren“, so Frank Waskow.

Insgesamt werfen die Deutschen nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) etwa 11 Millionen Tonnen noch genießbarer Lebensmittel alljährlich in die Mülltonne. Rund 17 Prozent davon gehen auf das Konto von Großküchen und Gastronomie.

Die Ergebnisse aus dem ReFoWas-Projekt decken sich mit Ergebnissen früherer Untersuchungen. So rechneten Forscher im Auftrag des BMLV im Jahr 2012 Ergebnisse aus Österreich und Schweden für deutsche Schulen um. Dementsprechend fielen pro Schüler in der Sek. I und II knapp siebeneinhalb Kilo an Lebensmittelabfällen an. Bundesweit würden ca. 35.000 bis 75.000 Tonnen an Lebensmitteln entsorgt. (zab pm)

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16 Kommentare

  1. Der Artikel ist nur relevant, wenn in schulkantinen mehr weggeschmissen wird als in anderen Restaurants, Kantinen usw. Qualitativ ist das essen oft mies, weil es nichts kosten darf.

    • Wie soll denn die Kantine funktionieren? Die müssen zu bestimmten Zeiten große Mengen an Speiesen zur Verfügung stellen. Bei Tellergerichten knn das Ausgabepersonal die mengen in etwa steuern, bei den heute meist üblichen Beilagenbuffets eben nicht. Da knallt sich jeder “die Fressmulde” voll, weil es ist ja schon bezahlt.
      Wenn die Kumpels mit kleiner Portion dann raus auf den Hof wollen, lassen die “Gierigem” ihre halbvollen Teller stehen bzw. geben den rest in den Abfall.
      Genauso muss das Mensapersonal verfahren mit den auf dem Buffet zur Ausgabe bereitstehenden “Essensresten”. Was einmal die Küche verlassen hat, darf im Anschluss nur in den Müll. Das ist aber in Schulmensen nicht anders als in Betriebskantienen, Hochschulmensen oder Restaurants. Ein erheblicher Teil der Verwandlung von zubereiteten Speisen in Müll findet auf der Grundlage von Hygienevorschriften statt. Gemeinschaftsverpflegung funktioniert nach anderen Grundsätzen als der Mittagstisch der “schwäbischen Hausfrau”.

  2. Ich stimme xxx zu, ansonsten kann ich das bestätigen. Am meisten aber nervt mich dieses permanente “gesunde” Essen. Immer so ein komischer Pflanzenkram. Davon werde ich nicht satt. 🙁

    Endlich konnte ich das mal loswerden. 😉

  3. sofawolf

    Zum Glück gibt es noch andere Kantinen.
    Meine Tochter kocht regelmäßig am Freitag mit den Lehrern in der Schulkantine, und dann haben die immer einen riesigen Spaß.
    Watt iss, mach doch auch mal mit.

    • Das klingt wunderbar. Wie viele Schüler hat diese Schule?

      • Interessanter ist die Frage, ob die Schüler die Schulküche betreten dürfen und das Gekochte auch essen dürfen. Das zuständige Amt ist da sehr streng. Ausnahme sind die ganz wenigen Schulen mit Hauswirtschaftsunterricht.

        • An unserer Schule ist die Praxis, dass die Kinder das essen dürfen, was sie selber gekocht haben, aber sonst niemand. Nur beim traditionellen Kuchenverkauf der künftigen Abiturienten werden die Augen zugedrückt, aber eigentlich ist das alles voll illegal. Erinnern Sie sich noch an die 70er Jahre, als deutsche Schulkinder starben wie die Fliegen wegen der damals unvollkommenen Hygienerichtlinien ??

  4. Das läuft über eine Koch-AG am Freitag , welche man frei wählen kann. Anschließend wird dann mittags gegessen.Es wird sehr abwechslungsreich gekocht und die Schüler haben sehr viel Spaß dabei.

    • Ich habe mit Jugendgruppen regelmäßig gekocht. Ich kann Ihre Erfahrung absolut bestätigen. Abgesehen vom Spaß und dem viel besser schmeckenden Essen lernen die Kinder auch noch ganz nebenbei etwas.

  5. Wir haben durch die Koch-AG zu Hause auch schon einige sehr gute Anregungen zum Kochen erhalten.
    Ich kann mir denken, dass bei entsprechendem Zugang der Eltern anderer Schüler sich eine positive Entwicklung in den Familien möglich ist.
    Ich beziehe meine Kinder meistens beim Kochen mit ein.Gemeinsames Kochen und Essen ist stark gruppendynamisch wirksam, genauso wie gemeinsames Singen und Musizieren.

    • Da ich immer berufstätig war, hatte ich meistens einmal pro Woche einen langen Tag, an dem meine Kinder mich bekochten, so ungefähr ab dem Alter 12 oder 13. Wurde dann in der Geschwisterreihe weitervererbt und klappt seeeehr gut, da sie sowieso helfen und sich auskennen. Schüler nehmen Kochangebote immer sehr gerne an. In einer Projektwoche habe ich mit einer Gruppe mal eine ganze Woche lang gekocht. Alle fanden es toll. Wir waren auch einmal zusammen auf dem Markt und haben frisches Obst und Gemüse besorgt. Vielleicht sollten so praktische Dinge des Lebens in den Schulen mehr gewürdigt werden und Platz finden. Werk-AG`s wie Arbeiten mit Ton oder Holz und Handarbeiten mögen viele Kinder auch.

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