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Jetzt auch in Hessen: Stellen für Grundschullehrer sind zum Schuljahresbeginn unbesetzt – Lorz: „Wir müssen Kreativität entwickeln“

WIESBADEN. Der Lehrermangel reißt erste Löcher. Nach Niedersachsen und Sachsen-Anhalt meldet jetzt mit Hessen ein drittes Bundesland zum Schuljahresbeginn am kommenden Montag offiziell einen Fehlbedarf an den Grundschulen an. Dabei hatte Kultusminister Lorz sogar pensionierte Lehrkräfte angeschrieben, um die Lücken schließen zu können – vergeblich. Trotz aller Bemühungen bleiben beim Schulstart 100 Stellen unbesetzt. 

ucht händeringend Grundschullehrer: Hessens Kultusminister Alexander Lorz. Foto: Hesssisches Kultusministeriums

Sucht händeringend Grundschullehrer: Hessens Kultusminister Alexander Lorz. Foto: Hesssisches Kultusministeriums

Wegen eines Mangels an Bewerbern sind an hessischen Grundschulen zum Start ins neue Schuljahr rund 100 Lehrerstellen nicht besetzt. Dies entspricht rund einem Prozent aller Stellen für Grundschullehrer im Land, wie Kultusminister Alexander Lorz am Donnerstag in Wiesbaden erklärte. Die Grundversorgung beim Unterricht sei aber nicht gefährdet, betonte der CDU-Politiker. Dies habe eine Abfrage bei allen 1.068 Grundschulen ergeben.

Für die übrigen Schulformen erwartet der Minister, dass alle Stellen besetzt werden können – auch wenn es zum Start ins neue Schuljahr an einigen Schulen noch etwas klemmen könnte. «Geld und Stellen sind nicht das Problem, wir müssen vielmehr bei der Personalgewinnung Kreativität entwickeln», sagte der Minister.

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Nach vorläufigen Zahlen werden nach den Sommerferien ab kommender Woche rund 771.000 Kinder und Jugendliche die öffentlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Hessen besuchen. Dies entspricht in etwa der Summe vom vergangenen Jahr. Die Zahl der Erstklässler erhöht sich laut Ministerium um gut 1000 auf 54 000. An den 1800 Schulen stehen insgesamt rund 53.000 Lehrerstellen bereit – nach den Worten von Lorz so viele wie nie zuvor.

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Christoph Degen, kritisierte, die Landesregierung kaschiere einen eklatanten Lehrermangel. Rund 5500 Lehrkräfte hätten keine komplette Ausbildung, sondern lediglich eine Unterrichtserlaubnis. Bleibe eine Stelle unbesetzt, dann treffe das vor allem Grundschulen mit kleinem Kollegium hart.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Wolfgang Greilich, verwies auf eine «massive Überlastung» von Lehrern, etwa beim gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern. Die Landesregierung müsse die Klagen endlich ernst nehmen. Gabi Faulhaber von der Linken-Fraktion mahnte, die Schulsozialarbeit müsse massiv ausgebaut werden.

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Lorz erläuterte, dass in den beiden zurückliegenden Jahren rund 38.000 neue Schüler als Seiteneinsteiger in die Klassen gekommen seien – nicht nur Flüchtlinge, sondern auch viele Kinder und Jugendliche aus EU-Ländern. Diese Schüler brauchen intensiven Deutschunterricht, müssen oft Lesen und Schreiben lernen.

Nach den Worten des Kultusministers greifen die Maßnahmen der Landesregierung gegen den Lehrermangel. So ließen sich derzeit unter anderem 130 Lehrer anderer Schulformen zum Grundschullehrer weiterbilden. Auch die Kapazitäten bei der Lehrerausbildung seien ausgeweitet worden. dpa

9 Kommentare

  1. „Wir müssen Kreativität entwickeln“ darf jetzt nicht wieder kleinlich verstanden werden. Gemeint ist damit nicht, dass die, die jahrelang auf die Misere immer wieder hingewiesen wurden und trotzdem darauf pochten, alles besser zu wissen, die Kreativität zeigen sollen oder auch nicht, dass man einen Herrn Lorz oder einen Herrn Schwarz dabei seiht, wie sie in Inklusionsklassen unterrichten oder Seiteneinsteigerkursen.
    Das wäre kleinlich.
    Wir können aber sicher sein, egal welchen Sturm und welches Wetter die Schulen in Hessen abwettern müssen, man wird sich dort wieder jetzt schon auf die Schultern klopfen, weil man ja alles soooooo toll kann und auch macht, auch wenn man hier und da mal nur mit rhetorischer Finesse versuchen kann, die Ahnungslosigkeit zu übertünchen.

  2. Kreativität entwickeln heißt für mich nichts anderes, als möglichst viele möglichst kaum fortgebildete Integrationshelfer zu organisieren. Die kosten nämlich viel weniger als Lehrer (die man aktuell ohnehin nicht findet). Abgesehen davon kann man die Helfer in ein paar Jahren viel einfacher wieder loswerden als Lehrer.

    • Darauf wird es wohl hinauslaufen. Da ausgebildete Lehrer – abgesehen davon, dass es zu wenige gibt – auch zu teuer werden (siehe unsere bekannte Diskussion), wird der Staat zunehmend „schulische Bereiche“ auslagern (bzw. outsourcen, wie die Neudeutschen sagen).

      Das gibt es ja jetzt schon. Sozialarbeiter, Lernhelfer, Erzieher, Reinigungskräfte u.Ä. möglichst zum „Billigtarif“.

      Es hängt eben alles mit allem zusammen (mehr netto vom Brutto).

  3. Lernhelfer statt Lehrer an den Schulen, Lehrer statt Profs an den Unis (bes. in der Lehrerausbildung) – wie weit soll das denn noch gehen? Mehr für die Bildung hieß es mal! Aber es wird nur noch gespart. Im kommenden Wahlkampf gehen die Sprüche bestimmt wieder los. Wieso brauchen wir eigentlich noch Ärzte in den Krankenhäusern? Das könnten Pflegekräfte viel günstiger übernehmen. Wenn man so überlegt: Wieso brauchen wir so viele teure Berater, Planer usw., wenn es doch nur ums Sparen geht?

    • es muss mehr gespart werden, damit die teuren Provisionen der Berater bezahlt werden können, die nur vorschlagen, mehr am Personal zu sparen. Zu mehr sind die auch nicht in der Lage, weil sie höchstens bwl und Floskelabsondetungskunde studiert haben.

    • „Lehrer statt Profs an den Unis (bes. in der Lehrerausbildung) – wie weit soll das denn noch gehen?“
      Da kann ich nur zustimmen! Wenn ich mir das Personal an den Unis bei der Lehrerausbildung anschaue und deren Lebensläufe und Durchschnittsalter, dann frage ich mich, wie weit das noch gehen soll.

  4. Sagt mal, erkennt ihr alle nicht die „KREATIVITÄT“????? Gibt es doch nicht.

  5. Ich wundere mich, dass sich so viele Haupt- und Realschullehrer sowie Gymnasiallehrer zu Grundschullehrern weiterbilden lassen. Schließlich werden in Hessen Haupt- und Realschullehrer auch schon mit A13 besoldet, so dass sie nach einer dreijährigen Weiterbildung finanziell schlechter gestellt sind, als es ihrem bereits erlangten Abschluss entspricht.

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