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VBE-Chef zum Bildungsmonitor: „Es fehlt nicht an Wissen, an welchen Stellen das Bildungssystems verbessert werden muss, sondern an der Umsetzung“

BERLIN. „Natürlich brauchen wir mehr Qualität in der Bildung und es ist auch richtig, mehr Kita-Plätze, eine bessere Qualifikation von Flüchtlingen und eine höhere Durchlässigkeit zu fordern. Die Vielzahl an Studien aber zeigt: Es krankt nicht am Wissen darüber, an welchen Stellen das Bildungssystems verbessert werden muss, sondern an der tatsächlichen Umsetzung. Die vorhandenen Ergebnisse werden von der Politik nicht ausreichend genutzt, um Schule langfristig qualitativ besser zu gestalten“, kommentiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) den gestern erschienenen Bildungsmonitor 2017.

Die Studienherausgeber fordern für ihre Bildungsagenda 12 Milliarden Euro mehr für zusätzliche, zielgerichtete Investitionen für Integration, frühkindliche Förderung, Ganztagsschulen und Hochschulkapazitäten. „Da die Mehrkosten für die individuelle Förderung und Inklusion nicht berücksichtigt werden, liegt der tatsächliche Investitionsbedarf noch deutlich höher“, kritisiert Beckmann. Er sagt: „Allein, um die inklusive Beschulung an Regelschulen durch eine weitgehende Doppelbesetzung mit Sonderpädagogen sicherzustellen, bedarf es Investitionen von zusätzlich mindestens einer Milliarde Euro jährlich.“

Udo Beckmann ist Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung. Foto: Sibylle Ostermann

Udo Beckmann ist Bundes- und NRW-Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung. Foto: Sibylle Ostermann

Die Studie geht ausführlich auf die hohe Bedeutung von Lehrkräften für den schulischen Erfolg der Kinder ein. Der VBE-Bundesvorsitzende betont: „Einmal mehr zeigt sich: Auf den Lehrer kommt es an! Gut ausgebildet, kontinuierlich weitergebildet und in Klassen mit angemessenen Lehrer-Schüler-Relationen unterrichtend kann eine hohe Qualität des Unterrichts gewährleistet werden. Wer das möchte, muss aber auch dafür sorgen! Wir fordern von den Ländern, in ausreichender Zahl und für alle angebotenen Schulformen und Schulstufen entsprechende Lehrkräfte aus- und weiterzubilden. Und: Fortbildungszeit muss Dienstzeit sein! Die notwendige Zahl an Lehrkräften wird man jedoch nur gewinnen können, wenn der Lehrerberuf durch eine angemessene Bezahlung hinreichend attraktiv ist.“

Digitalisierung ist auch im Bildungsmonitor ein wichtiges Thema. Hierfür wird die Förderung des Bundes als gegeben angenommen. „Nach den Querelen der letzten Wochen sehen wir diese Förderung längst nicht als gesichert an. Zudem bleibt die Frage: Wann fangen wir endlich an? Die Bildung in der digitalen Welt wird nicht Realität durch Reden, sondern durch gesicherte Ausstattung, hochwertige Fortbildung der Lehrkräfte und zeitnah bereitgestellte pädagogische Konzepte“, fasst Beckmann zusammen.

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30 Kommentare

  1. Ganztag. Immer liest und hört man vom Ganztag als vorderstes Ziel monetärer Bildungsanstrengungen. Was soll das eigentlich bringen? Gut, in der Grundschule verstehe ich es, dass man die Kinder nicht in ein leeres Zuhause schicken kann. Sind wir jetzt aber mal ehrlich; es sollte doch eigentlich jedem Sextaner möglich sein, zwei Stunden am Mittag allein zuhause zu sein, ohne das Haus anzuzünden oder sich selbst im Backofen einzuschließen. Ich bin ja gerne etwas zynisch und bisweilen auch sehr am dialektischen Gespräch interessiert, aber hier stehe ich wirklich auf dem Schlauch und weiß nicht, was das bringen soll. Ich habe in meiner noch jungen Zeit als Lehrer an zwei Ganztagsschulen unterrichtet und an beiden haben die Schüler und Schülerinnen es gehasst und an meiner aktuellen Schule sind die SuS richtig glücklich darüber KEINEN Ganztag zu haben. Eins sei vorweg gesagt, ich bin so oder so drei mal die Woche bis viertel vor vier in der Schule, es geht mir hierbei nicht um meine Bequemlichkeit.

    • Durch den ganztag haben die Eltern ihre Kinder beaufsichtigt und der sozialneid über die bereits um 14:00 Uhr Feierabend habenden Lehrer ist abgestellt. Für die Politik sind das zwei Fliegen mit einer Klappe, noch dazu für wenig Geld, weil Aufsicht weniger kostet als Lehrer.

      abgesehen davon haben sie recht. je älter die Schüler sind, desto eher wollen sie auch früher schluss haben. bei denen kommen auch Hausaufgaben dazu und das mensaessen ist oft furchtbar.

    • In unserer GTS wollen die Kinder und noch mehr die Jugendlichen fast alle früher weg als 16:00, das offizielle Ende.

  2. @ Invictus: Die Antipathie der S’uS gegen den Ganztag sollte nicht ausschlaggebend sein. Sonst wären Schultage sicherlich viel kürzer und Mathe wäre eventuell kein Teil des Lehrplans mehr.
    Darüber hinaus ist es schön, dass sie so lapidar sagen, die Kinder haben kein Problem damit täglich zwei Stunden alleine zu Hause zu sein. Es mag doch sein, dass es für berufstätige Eltern die einzige Möglichkeit ist ihre Kinder in einer sicheren und produktiven Betreuung zu sehen, anstatt dass die Kinder zu Hause alleine ein aufgewärmtes Essen oder gar kein Essen erhalten.
    Ich widerspreche Ihnen und xxx ebenfalls, wenn Sie glauben, es ginge nur um eine Neiddebatte einer zu geringen Lehrerarbeitszeit.
    Ganztagsschulen sind eigentlich eine gute Antwort auf die Frage nach der Lösung „sozialer“ Ungleichheit.
    An Ganztagsschulen werden Hausaufgaben stark reduziert oder sogar abgeschafft, xxx. Übungen und das Lernen finden verstärkt in der Schule statt. So sollen alle unter den gleichen Bedingungen lernen.
    Kinder aus Familien mit hohem Bildungsgrad und/oder guten finanziellen Möglichkeiten können ihren Kindern weiterhin helfen, aber Familien, die keine Möglichkeit haben ihre Kinder zu unterstützen werden entlastet.
    Jeder kann Lehrkräfte oder MitschülerInnen fragen, lernen findet in einer kontrollierten Umgebung statt, so dass bei korrekter Ausführung effiziente Lernzeit entsteht, die eventuell zu Hause nicht vorhanden ist.
    Auch die Lücken in der Erziehung können so bei heterogenen Gruppen besser geschlossen werden.
    Letztendlich profitieren Kinder aus finanzschwachen, bildungsschwachen oder sozialschwachen Familien durch eine bessere Bildungschance für ihre Kinder und arbeitstätige Eltern profitieren durch Betreuung.
    Sollten Sie diesem Argument nicht zustimmen können, würde ich mich über eine Begründung freuen.

    • Soweit die Theorie.

      In den Ganztagesangeboten in Grundschulen geht es gar nicht um Lernen, Üben, mehr Unterricht, es geht um Beaufsichtigung.
      Die Kinder erhalten eine Betreuung, ein Mittagessen, einen Raum, um Hausaufgaben zu erledigen, ein Spiel-Sport-Spaß-Angebot über Honorarkräfte auf möglichst geringem Kostenniveau, um das sich die Beteiligten (Land, Landkreis, Kommune) streiten.

      Eltern können im KiGa wählen, ob sie ihr Kind um 12 oder 13 oder 15 Uhr abholen,
      in der Grundschule gibt es dann 11.30 (Regelzeit), 12.30 (mit Betreuung) oder Ganztag (15.30).

      Wenn Kinder aus Kinder aus finanzschwachen, bildungsschwachen oder sozialschwachen Familien profitieren sollten, müsste Schule insgesamt ganz anders ausgestattet und aufgestellt sein, selbst wenn sich Lehrkräfte täglich hierfür ein Bein ausreißen.

      • ohne einbeinige lehrer würde das bildungssystem untergehen. leider verlangt die Politik dass sie sich das zweite Bein auch noch ausreißen. dann ist aber Fortschritt im wörtlichen Sinne nicht mehr möglich.

      • Richtig, Palim, ich hatte bei dem Beitrag von PeterPan314 auch den Eindruck, dass hier die schöne Theorie von Ganztagsbefürwortern wiederholt wird.
        Es ist, wie Sie sagen: „In den Ganztagesangeboten in Grundschulen geht es gar nicht um Lernen, Üben, mehr Unterricht, es geht um Beaufsichtigung.“
        Man könnte auch sagen: Es geht darum, die Kinder den Eltern vom Hals zu halten, damit beide möglichst ganztägig arbeiten können und die Writschaft sowie die Steuer- und Abgabeneinnahmen brummen.
        Natürlich wird das anders verkauft, nämlich so, wie PP314 das beschreibt. Anders wären die Ganztagseinrichtungen für Kinder der Öffentlichkeit auch kaum sympathisch zu machen.

        • @U.B. Bitte äußern Sie Sich doch mit Argumeten und nicht mit Platitüden. Wenn Sie schon von „schönen Theorien der Ganztagsbefürworter“ sprechen, dann kritisieren Sie diese „Theorien“ auch sachlich, anstatt sie inhaltsleer herabzuwürdigen, indem Sie sie als eine Art Werbebotschaft darstellen.
          Was gefällt Ihnen denn nicht an meinem Beitrag? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen, wenn sie nicht die Kopie eines vorherigen Beitrags ist.

      • Dass die Kinder im Ganztag nur betreut werden, kann ich nicht sehen. Ich arbeite an einer Schule, die beides anbietet: offener Ganztag und gebundener Ganztag. Das Problem ist eher, Lehrkräfte für den gebundenen Ganztag zu finden, vor allem in den 3. und 4. Klassen.

        Hier einmal eine Info, wie bei uns der Ganztagesbetrieb abläuft:
        In Bayern gibt es an Grund- und Mittelschulen zwei Arten von Ganztagesangeboten:

        – gebundener Ganztag, das sind Klassen, die am Vor- und Nachmittag rhythmisierter Unterricht haben inkl. Mittagessen, Schulschluss ca. 16.00 Uhr von Mo-Do

        – offener Ganztag, das bedeutet im Anschluss an den Vormittagsunterricht Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und andere Betreuungsangebote von Mo-Fr. Bei den Betreuungen kann man zwischen einer Kurz- und Langgruppe wählen. Bis auf das Mittagessen ist alles kostenlos.

        Es gibt Schulen, die beide Varianten gleichzeitig anbieten. In der Regel kommt eine gebundene Ganztagesklasse in einem Jahrgang zusammen, die Betreuungsangebote des offenen Ganztags können die Schüler aller Klasse benutzen. In unserer Gegend wird von größeren Schulen beides angeboten.

        Angeblich ist ja der Ganztag in By noch nicht so flächendeckend ausgebaut, was ich jetzt von unserer Gegend nicht behaupten kann, denn hier wird nach ermitteltem Bedarf beantragt. Es gab sogar auch schon Schuljahre, wo sowohl die Grund – als auch die ortsnahe Mittelschule fast keinen gebundenen Ganztag zusammenbekommen haben. Ein offener Ganztag geht immer.
        Was in der offiziellen Rechnung oft nicht stimmt bzw. übersehen wird, dass es quasi schon viele Jahre an ziemlich vielen Schulen die sogenannte Mittags- und Hausbetreuung gibt/gab, die von den Fördervereinen der Schulen getragen werden. Sie sind zwar nicht ganz so wie die offenen GTS, aber eine Betreuung ist/war dadurch bis zu einer gewissen Uhrzeit gewährleistet.

        • Noch etwas zum offenen Ganztag (weil ich oben etwas von Beaufsichtigung lese):
          Für By stimmt das nicht so. Neben der Hausaufgabenbetreuung und Fördermaßnahmen gibt es auch Angebote.

          • Ja, Angebote, das habe ich ja auch geschrieben: Spielen, Sport, von Honrarkräften angeboten, aber in der Regel nicht von Lehrern.

            Und:
            Gebundene Ganztagesschulen gibt es so gut wie keine in Niedersachsen. Es ist mir klar, dass das eine anders ausgestaltet wird als das andere.

            Entscheidend ist, dass das, was die Theorie hergibt, in der Praxis umgesetzt werden könnte, wenn die Ausstattung entsprechend ist. Dabei sehe ich durchaus pädagogische Begründungen und nicht allein die Aufbewahrung der Kinder oder das Kinder ihre Eltern „vom Hals haben“ wollten.
            Hier ist es aber so, dass es keinerlei Hortangebote gibt, keine außerschulischen Betreuungsmöglichkeiten, keine Hausaufgabenhilfen oder anderes. Der Landkreis müsste den Hort bauen und bezahlen, stattdessen gibt er Geld für den Ganztag, muss aber die Kräfte nicht anstallen, die im Ganztag nun die Kinder betreuuen: das muss der Schulleiter machen, also ein Landesbediensteter. Unsere Kommune beteiligt sich freundlicherweise auch, damit das Budget überhaupt ausreichen kann, um qualifiziertere Kräfte für die Angebote einstellen zu können. Das Problem haben dennoch die Schulleiter, die Personal finden müssen, das gewillt und geeignet ist, die Aufgabe zu übernehmen, dafür aber Honorarverträge oder sehr geringe Bezahlung in Kauf nimmt.

            Und um das deutlich zu sagen: Die Kritik geht an die Politik und nicht an diejenigen, die täglich für wenig Geld die Aufgabe übernehmen und sich sehr wohl um die Kinder kümmern, sich vielfältig engagieren und die Ganztagesschule trotz sehr schlechter Ausstattung für die Kinder angenehm gestalten.

          • sport & co sind für mich eher Aufsicht als bildungsangebot, wenn das nicht von lehrern und deren Stundensatz erteilt wird.

          • Soweit ich das mitbekommen habe, müssen Honorarkräfte eine gewisse (pädagogische) Qualifikation dafür haben, wenn sie im offenen Ganztag arbeiten. In Sport haben z.B. diejenigen, die Sport am Nachmittag anbieten, einen Übungsleiterschein und in dieser Sportart Erfahrung. Es gibt ebenso Erzieherinnen, die im OGT arbeiten.

        • „gebundener Ganztag“ ist ein ungemein treffendes Wort. Und in der 10. Stunde Deutsch oder Mathe oder englische Grammatik zu unterrichten ist die Höchststrafe. Da kriegt man in einer Doppelstunde weniger hin als vormittags in 40 min. Es gibt, entgegen ministeriellen Erlassen, eben doch einen Biothythmus.

          • Vielleicht sollte man sich einmal ein Beispiel am englischen Schulsystem nehmen. Es gibt genügend Länder, wo der Ganztag klappt. Es kommt auch drauf an, wie der ganze Tagesablauf geregelt ist. Eine sinnvolle Rhythmisierung ist unabdingbar. Im Ganztag kann natürlich kein traditioneller Frontalunterricht (meine ich jetzt nicht negativ) Nonstop stattfinden.

          • Mal ehrlich, wäre die Ganztagsbetreuung (von der Krippe bis zur Schule) überhaupt propagiert worden, wenn es nicht um die Berufstätigkeit beider Eltern ginge, ohne die viele Familien finanziell gar nicht mehr über die Runden kämen und ohne die das Rentensystem gar nicht mehr funktionierte?
            Dass eine Ganztagsbetreuung grundsätzlich gut sein soll für die Kinder, ist auch für mich eine schöne Bemäntelung anderer Gründe.
            Ebenso verhält es sich mit der Inklusion.
            Ich weigere mich als Lehrkraft, beides im Prinzip gutzuheißen und wenn die Realität anderes zeigt, die Gründe nur in den Rahmenbedingungen zu sehen.
            Sowohl bei der Ganztagsbeschulung wie bei der Inklusion geht es nicht um die Interessen und das Wohl der Kinder, sondern um ganz andere Dinge, die aus der Erwachsenenwelt stammen und als Bereicherung für die Kinder verkauft werden.
            Ich verstehe mich als Anwalt der Schüler und nicht als Verteidiger einer im Prinzip angeblich richtigen Bildungspolitik, bei der es nur Anfangsschwierigkeiten in der Durchführung durch mangelnde Ressourcen u. ä. gibt.

          • @Pälzer: Es kommt auf die Ausführung des Ganztags an. Wenn einfach wie bei G9 in NRW der Unterricht von Klasse 5 bis 10 in den Klassen 5 bis 9 komprimiert wird, hat er meiner Ansicht nach auch keinen Sinn. Das schreibt dann eher nach der von Ihnen beschriebenen Belastung.
            Wenn man andererseits zusätzliche Unterrichtszeit für vermehrte Übungen zur Verfügung stellt oder sinnvolle Angebote zur individuellen Förderung bereitstellt, dann ist der Ganztag doch sinnvoll.
            Allgemein halte ich Ihre kurze Ausführung, auch wenn es eine Übersptzung darstellen soll, für zu zynisch und oberflächlich.
            Mit geeigneten Pausen – besonders mit einem gemeinsamen Mittagessen – und einem Unterrichtsplan bis kurz nach 15 Uhr (nicht 10 Stunden am Tag) kann man den Schulalltag sympathisch gestalten.
            Das Schlagwort Biorythmus ist in diesem Zusammenhang auch sehr erheiternd. Demnach dürfte der Unterricht nämlich nur individualisiert stattfinden – für manche Kinder ab 8, 9 oder 10 und für manche Kinder bis 13, 14 oder 16 Uhr. Nicht dass ich etwas gegen einen Systemwechsel habe, so stelle ich mir die Berücksichtigung aller Bedürfnisse im Schulalltag unmöglich vor.

          • Was wäre die Alternative?
            Das Problem ist doch auch, dass Frauen nicht mehr bereit sind, durch Kinder aufs berufliche Abstellgleis gestellt zu werden. Nur selten übernahmen Männer die Aufgabe der Kindererziehung und blieben zuhause.
            Die Konsequenz haben wir in den letzten Jahren gesehen, dass es immer weniger Kinder gab, weil viele eben vor der Alternative standen Kinder oder Beruf.

          • Nachtrag: Die Antwort bezieht sich auf den Beitrag von malum.

          • @Malum: Prinzipiell teile ich Ihre Gesellschaftskritik in Bezug auf die „Verpflichtung“ beider Elternteile in der heutigen Zeit einer bezahlten Tätigkeit nachzugehen, um den Lebensunterhalt für sich und die Kinder zu bestreiten.
            Nichts desto trotz ist es nicht das Schlüsselargument Ganztag und Inklusion als Vorwand zu betrachten, als Propaganda für eine – überspitzt ausgedrückt – „Versklavung des Proletariats“.
            Halten Sie Ganztag und Inklusion allgemein für unnötig oder aufgrund mangelnder organisatorischer und finanzieller Ausstattung?
            Zweites unterschreibe ich Ihnen sofort. Theoretisch halte ich beide Ideen aber für richtig.

          • @Pan314
            Um es nochmals klar zu sagen: Ganztag und Inklusion betrachte ich in der Tat als Vorwand für andere Zwecke, allerdings nicht zur „Versklavung des Proletariats“, wie Sie es nennen. Ich denke nicht klassenkämpferisch, sondern wünsche mir ein Bildungssystem und eine Pädagogik, die den Kindern nutzt und nicht dem Staat, den Staatsfinanzen oder der Wirtschaft.
            Sowohl Ganztagsbetreuungen als auch eine radikale Form der Inklusion haben m. E. mit dem viel zitierten „Kindswohl“ nichts zu tun, sondern mit anderen Interessen, die sowohl ideologischer als auch finanzieller Art sein können.
            Darum finde ich es für die Kinder schade und schädlich, wenn sich Kritik an der Inklusion und den Ganztagsbetreuungen (von der Wiege bis zum Schulabschluss) lediglich auf die Rahmenbedingungen bezieht, also das, was Sie “ organisatorische und finanzielle Ausstattung“ nennen. Damit wird weiterhin eine unselige Theorie unterstützt, die im Gegesatz zu mehrjähriger Erfahrung steht.
            Woran soll ich denn eine Theorie messen außer an ihrer Praxistauglichkeit und ihrem sichtbaren Gewinn oder Schaden für die Kinder?
            Man kann natürlich wie Sie weiterhin sagen: „Theoretisch halte ich beide Ideen aber für richtig.“ Ich käme mir dann allerdings ignorant gegenüber der Realität vor. Auch wenn die Theorie noch so verlockend und schön wäre, dass ich nur ungern von ihr Abschied nähme, könnte ich mich angesichts der Praxiserfahrungen nicht zu einer weiteren Gläubigkeit durchringen. Auch nicht, wenn ich dafür gelobt würde.
            Es liegt mir auch nicht, Ausreden in Rahmenbedingungen zu suchen, die nur weiter auf Kosten der Kinder gehen. Damit stütze und verteidige ich etwas, das ich inzwischen als weiteres Potemkinsches Dorf von Ideologen erkenne, für die es kaum ein wehrloseres Wirkungsfeld gibt als das der Bildungspolitik.
            Bei ihm kann man trotz mannigfacher und langjähriger Misserfolge immer sagen: Die Idee ist und bleibt richtig, es hapert nur an den Rahmenbedingungen.

          • Vielen Dank für die ausführliche Antwort, malum.
            Ich kann Ihren Standpunkt nachvollziehen und halte ihn für angemessen.
            Dennoch muss ich an einer Stelle meine Bedenken kundtun.
            „Damit wird weiterhin eine unselige Theorie unterstützt, die im Gegesatz zu mehrjähriger Erfahrung steht.
            Woran soll ich denn eine Theorie messen außer an ihrer Praxistauglichkeit und ihrem sichtbaren Gewinn oder Schaden für die Kinder?“
            Sie sprechen korrekterweise von einer Ignoranz gegenüber der Realität, wenn man nur die Prämisse der „kürzlichen“ Entwicklungen berücksichtigt.
            Ihren Standpunkt halte ich deshalb vor dem Vorwurf der Ignoranz selbst nicht gefeit.
            Nehmen wir das Beispiel Inklusion. Inklusion in dem Maß, wie sie in Schulen flächendecken umgesetzt worden ist, war fahrlässig. Sie schadet (zumindest in NRW) noch heute Kindern mit und ohne Förderbedarf. Eine halbgare Reduzierung der Klassengröße – beispielsweise am Gymnasium von 27 auf 25 Kinder, wenn die anderen Klassen den Schnitt von 27 Kindern pro Klasse ermöglichen, indem sie größer sind, ist dabei das kleinste Problem. Es fehlt das Personal, um die Kinder angemessen zu betreuen und zu unterrichten. Dazu fehlt eine Differenzierung, ob eine Inklusion überhaupt sinnvoll ist, die durch das uneingeschränkte Recht der Kinder auf gemeinsamen Unterricht und das Schließen von Förderschulen konterkariert wird.
            Vor der flächendeckenden Einführung gab es aber schon Schulen, die erfolgreich Inklusion betrieben haben. Berichte dazu liegen vor, die einen Gewinn für alle beteiligten Kinder dokumentieren.
            Umso größer war der Ärger dieser Schulen, als sie von den neuen Vorgaben zur Inklusion überrascht worden sind. Die Klassen mussten größer sein, mehr „Inklusionskinder“ mussten aufgenommen werden und man musste das pädagogische Personal mit anderen Schulen teilen. Entsprechende Artikel in vielen Zeitungen schilderte den Zorn der Verantwortlichen in den Schulen, die die Inklusion so als gescheitert erklärten. Für mich zeigt diese Entwicklung, wie eine gute Theorie, die in der Praxis ebenfalls funktioniert hat, gegen die Wand gefahren wurde.
            Speziell in NRW kann man in diesem Zusammenhang die Begriffe Ideologie und Finanzpolitik verwenden, um die Probleme zusammenzufassen.

            Wenn Sie also von Praxiserfahrungen sprechen, die gegen die Inklusion sprechen, dann geben Sie diese bitte auch an. Die missglückte flächendeckende Inklusion ist nämlich kein Praxisbeispiel gegen Inklusion allgemein.

          • Dann ist die Orga-Abteilung der Schule fehlbesetzt.
            Lt. NRW-Bestimmungen dürfen in Fächern der Fächergruppe I keine 50% im Nachmittagsbereich liegen. Da die Hauptfächer (D, M, E) vierstündig un die WP I-Fächer dreistündig sind, darf also max. eine Wochenstunde im Nachmittag verankert sein.
            Wenn der Ganztag (gebundene Form) gut rhythmisiert ist,ist der Ganztagsunterricht kein Problem. Alleseine Frage der Organisation.

          • Zumindest in NRW dürfen die Hauptfächer der Fächergruppe I nur bis zur sechsten Stunde unterrichtet werden. Anders sieht es bei den Förderbändern aus, aber die Sinnhaftigkeit derer zu diskutieren steht gerade nicht zur Debatte.

          • WP-1 gehört nicht zur Fächergruppe I 😉

            PS. Dickebank, hatte Ihren Eintrag nicht gelesen. Haben Sie mal einen Link in der Tasche, für die 50% Regel, die ist mir nicht bekannt.

          • Das Wochenende war hart. Sry. Wenn mit WP-I die zweite Fremdsprache gemeint ist, dann haben sie natürlich recht.

      • @Palim: Ihr Argument bezieht Sich ausschließlich auf Kindergärten und Grundschulen. Wenn Sie den Beitrag von Invictus gelesen haben, so haben Sie auch erkannt, dass er das Konzept des Ganztags für weiterführende Schulen in Frage stellt. Für diese weiterführenden Schulen bietet der Ganztag bei korrekter Ausführung viele Möglichkeiten. Durch erhöhte Unterrichtszeiten können zum Beispiel vermehrt Übungsphasen verwendet und so die Hausaufgaben vermieden werden, bei denen die Familien helfen können oder nicht.

        • Das stimmt. Mir ging es um die weiterführenden Schulen. Wo ich Ihnen jedoch widersprechen muss, ist die Behauptung, ich hätte geschrieben, die Politik will einer möglichen Neiddebatte Rechnung tragen.
          Ihre Argumente kann man nicht entkräften, das zeigen auch die Kommentare. Man kann halt die Vergleichbarkeit von Theorie und Praxis nur individuell von Schule zu Schule bewerten. Was mich jedoch verwundert, ist, warum das Land (in meinem Fall NRW) nicht die Durchschnittsnoten (Abitur) differenziert nach Ganztag Sek.1 und Klassik veröffentlicht? Wenn der Ganztag wirklich die Leistungen verbessert, wäre eine solche Veröffentlichung doch die beste Werbung; werden die Ergebnisse hingegen nicht differenziert dargestellt, liegt der Verdacht zumindest nahe, dass bei der Umsetzung der skizzierten Theorie der Wunsch der Vater des Gedankens ist.

          • Ich stimme Ihnen zu. Valide Vergleichsergebnisse wären sicherlich sehr gut, aber beispielsweise die Abiturnoten (oder auch die Vergleichsarbeiten in der Mittelstufe) halte ich in NRW schon seit langer Zeit nicht mehr für objektiv.
            Vor kurzer Zeit wurde ja bereits wieder dieser unsägliche Vergleich der Durchschnittsnoten der Schulformen betrieben, wie es jedes Jahr stattfindet.
            Wieder wurde aufgrund eines gemeinsamen Aufgabenpools von vergleichbaren Ergebnissen zwischen den Bundesländern gesprochen – unfassbare Ignoranz meiner Meinung nach.
            Und wieder musste ich mich zurückhalten, nicht den jährlichen Kommentar zur Ergebniskosmetik zu wiederholen, den ich jetzt wieder von mir gebe:
            Das Abitur – ob in NRW oder vergleichend mit anderen Bundesländern – ist kein Maß für die Arbeit der Schulen und den Bildungserfolg der Kinder.
            Allein die Tatsache, dass die Abiturklausuren nur einen Teil der für die Gesamtdurchschnittsnote verantwortlichen Punkte ausmachen, legt doch schon nahe, dass die angeblich objektiv zu vergleichenden Noten vom Unterricht und der Bewertung der Lehrkräfte einer Schule abhängen.
            Weiterhin sind die Abiturklausuren in der Regel in der eigenen Schule erst- und zweitkorrigiert. Wer da Absprachen in den Fachgruppen oder unter Fachkollegen vermutet, ist ja bestimmt nur paranoid. Genauso ist es noch nie vorgekommen, dass die Schulleitung ein Auge auf die Durchschnittsnoten der einzelnen Fächer und deren Abweichen vom Durchschnitt hat. Im Endeffekt werden ja nur Ergebnisse ans Ministerium übermittelt und nicht die Klausuren.)
            Man mag mir gerne widersprechen, aber es kam nicht nur einmal vor, dass ich als schulfremder Zweitkorrekeur eingesetzt worden bin und meine Hände über dem Kopf zusammenschlug. In Einzelfällen wurde Punkte verschenkt – im wahrsten Sinne des Wortes. (Mein Lieblingskommentar der Erskorrektur war: Die Schülerbegründung ist für die Aufgabe falsch, offenbart aber allgemein ein tiefergehendes Verständnis der Inhalte -> 10/10.) Lustig ist dann aber, dass eine nötige Drittkorrektur wieder in der Ausgangsschule stattfindet.
            Im Endeffekt sind die gesamten Noten des Abiturs (und anderer Vergleichsarbeiten) doch davon abhängig, wie die Fachkollegen einer Schule damit umgehen. Hält man ein Niveau, so läuft man Gefahr, dass der Durchschnitt sinkt. Dadurch schadet man sich und der Schule und den Kindern, die es auf anderen Schulen leichter hätten.
            Eine epische Szene war in diesem Zusammenhang ein Schüler, der unsere Schule nach der Q1 verlassen hat – sein Schnitt lag zwischen 3 und 4. Er kam dann später seine alten Kameraden besuchen und gab mit seinem 2er-Schnitt an. Laut eigenen Aussagen arbeitete er weder mehr, noch hatter er sich geändert. Seine Mitschüler wären einfach schwächer und so bekam er bessere Noten.
            Das ist auch der Grund, warum die Oberstufe unserer Schule immer kleiner wird, weil man an einer speziellen anderen Schule sein Abitur-Zeugnis leichter und mit einer deutlich besseren Note erhält.
            Von daher halte ich eine differenzierte Analyse der Ergebnisse zwar theoretisch für sinnvoll, aber praktisch glaube ich, dass es in der heutigen Zeit eher dazu führt, dass die Statistik dann stimmt.
            Man vergleiche dazu die Sieger von Schulauszeichnungen, die in den letzten Jahren immer Schulen des gemeinsamen Lernens waren, während es bisher wenig Material gibt, die eine Überlegenheit dieses Lernens nahelegen.

          • Da stimme ich Ihnen zu, Sie könnten Ihrem Kommentar noch die Möglichkeit der Ergebniskosmetik durch die internen Abweichungsprüfungen hinzufügen.

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