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Gehört die Berufliche Bildung ins Wirtschaftsministerium? Gewerkschaften kritisierten neue Kieler Landesregierung – FDP-Expertin widerspricht

KIEL. Mit dem Regierungswechsel ist in Schleswig-Holstein die Zuständigkeit für die Gründung eines schleswig-holsteinischen Instituts für Berufsbildung (SHIBB) auf das Wirtschaftsministerium übertragen worden. Die Gewerkschaften kritisieren dies in einer gemeinsamen Pressemitteilung von DGB und GEW deutlich: Die Berufsschulen brauchen ihnen zufolge die Aufsicht und Anleitung mit der Kompetenz des Bildungsministeriums. „Die Aufgaben lauten: Schleswig-Holstein braucht mehr betriebliche Ausbildungsplätze in Zukunftsberufen und eine bessere Ausbildungsqualität, um so zu weniger Vertragslösungen und zu deutlich weniger Jugendlichen in Übergangsmaßnahmen zu kommen.  Der Jugendarbeitsschutz muss ausgebaut, ausbildungsunfähigen Betrieben muss die Ausbildungserlaubnis entzogen werden.“ Der in dieser Woche veröffentlichte Ausbildungsreport 2017 des DGB mache klar, wie wichtig eine Ausbildungsgarantie ist, insbesondere für Bewerber mit Hauptschulabschluss.

Widerspricht den Gewerkschaften: die FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn. Foto: FDP

Widerspricht den Gewerkschaften: die FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn. Foto: FDP

„Das Vorhaben der Jamaika-Koalition, die Zuständigkeit für die gesamte Berufliche Bildung vom Bildungsministerium in das Wirtschaftsministerium zu verlegen, lehnen wir weiterhin ab. Der Vorgang ist bundesweit einmalig  und verkompliziert nur alle Bemühungen zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen. Einem gelingenden Übergang Schule – Beruf werden so unnötige Steine in den Weg gelegt“, erklärte die schleswig-holsteinische GEW-Vorsitzende Astrid Henke in Kiel.

„Die Bereitstellung von dringend notwendigen zusätzlichen betrieblichen Ausbildungsplätzen bleibt mit oder ohne SHIBB und unabhängig von koalitionsinternem Zuständigkeitsgerangel die alleinige Aufgabe der Arbeitgeber. Und ein Institut für Berufsbildung müsste von vornherein so konzipiert und ausgestattet sein, dass es ähnlich wie das HIBB in Hamburg als zentraler Akteur und Impulsgeber für die zukünftigen berufsbildungspolitischen Aufgaben breite Akzeptanz erreichen kann. Mit diesem Anspruch werden wir uns in den heute angekündigten Prozess einbringen“, so Ingo Schlüter, stellvertretender Vorsitzender des DGB Nord.

Die an der Landesregierung beteiligte FDP sieht das freilich anders. „Die Landesregierung verfolgt mit der Gründung des SHIBB den richtigen Weg. Durch das neue Institut und die Bündelung der Zuständigkeiten wird die berufliche Bildung gestärkt werden. Seit langer Zeit wird über die Stärkung der beruflichen Bildung gesprochen. Die jetzige Regierungskoalition handelt jetzt und setzt endlich um, denn die berufsbildenden Schulen sind eine wichtige Säule unseres Bildungswesens“, sagt.die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Anita Klahn. „Die berufsbildenden Schulen sind ein Paradebeispiel für die Durchlässigkeit in unserem Schulsystem – eine Durchlässigkeit, die sich international sehen lassen kann, aber leider viel zu wenig Anerkennung bekommt. Alle Bildungsabschlüsse vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur werden an den beruflichen Schulen angeboten. Neben dem Abschluss am Beruflichen Gymnasium kann über eine Berufsfachschule, eine Fachoberschule, einer Berufsoberschule oder auch über die duale Ausbildung der Zugang zum Studium erreicht werden. Die Vielfalt der Ausbildung, die damit verbundenen Berufschancen und die Möglichkeiten der Weiterbildung bis zur unternehmerischen Selbstständigkeit sind als Erfolgsmodell zu stärken.“ Und genau das werde nun geschehen. N4t

3 Kommentare

  1. Na klar doch, Bildung ist, was wirtschaftlich verwertbar ist.
    Geisteswissenschaften sind eben das Gegenteil von Bildung, führen also in eine ungebidlete ALGII-Existenz.
    MINT-Fächer sichern hingegen dank der Aufstockermöglichkeiten das Existenzminimum. Das nennt sich Aufstieg durch Bildung – außer es werden terroristische Zellen gebildet.

    Da Bildung ein Wirtschaftsgut ist, ist Bildung besser im Wirtschafts- als im Kultusministerium aufgehoben.

    • Warum nicht ins Wissenschaftsministerium (oder das, dem die Hochschulen unterstellt sind)?

      Da ja ohnehin sehr viele Schüler an die Hochschulen (FH / UNI) wechseln, könnte das die Absprachen erheblich verbessern. Außerdem lassen sich durch Synergieeffekte wohl auch noch Kosten sparen.

      • @xxx: Die Wissenschaft ist in S-H wieder im Bildungsministerium, das dafür auch zwei Staatssekretäre hat. Die Wissenschaft war unter Ministerin Ernst ja nur ausgelagert, damit sie nicht Vorgesetzte vom Chef des Uniklinikums Scholz (ihrem Schwager und Bruder von Olaf Scholz) wurde.

        Warum die berufliche Bildung nicht im Bildungsministerium ist, verstehe ich ehrlich gesagt nicht wirklich.

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