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Studie: Mädchen sind in der Schule leistungsbereiter als Jungen – weil sie sich früher ins System schicken

FRANKFURT/MAIN. Um den täglichen Umgang mit lustlosen Teenagern sind Lehrer der Mittelstufe nicht zu beneiden. Der eigene Unterrichtsstil ist dabei nicht einmal entscheidend. Tatsächlich nimmt die Leistungsmotivation bei Jugendlichen von der fünften bis zur neunten Klasse rapide ab, haben jetzt Forscherinnen des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und der Universität Kassel bestätig. Allerdings fangen sich die Mädchen offenbar früher wieder, als die Jungen.

Bei allen Schülern nimmt im Alter von 10 bis 15 Jahren das Interesse daran ab, die eigenen Fähigkeiten zu erweitern. Gleiches gilt für das Bestreben, gute Leistungen zu zeigen. Die Rückgänge fallen bei Jungen stärker aus als bei Mädchen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie von Wissenschaftlerinnen aus Frankfurt und Kassel um Désirée Theis und Natalie Fischer, die der Frage nachgegangen sind, wie stark Schüler von der fünften bis zur neunten Klasse beim Lernen bestimmte Ziele verfolgen.

 Mädchen finden sich offenbar früher mit den Bedingungen an den weiterführenden Schulen ab, als Jungen. Das hat messbare Auswirkungen auf Motivation und Leistungen. Foto: Pezibear / pixabay (CC0 1.0)


Mädchen finden sich offenbar früher mit den Bedingungen an den weiterführenden Schulen ab, als Jungen. Das hat messbare Auswirkungen auf Motivation und Leistungen. Foto: Pezibear / pixabay (CC0 1.0)

Die sogenannten motivationalen Zielorientierungen lassen sich nach zwei Kategorien unterscheiden: In der Lernzielorientierung drückt sich aus, welches Interesse die Kinder und Jugendlichen daran haben, ihr Wissen und ihre Kompetenzen auszubauen. Diese Haltung fördert nach Meinung von Lernpsychologen besonders nachhaltiges Lernen. Bei der Leistungszielorientierung geht es darum, im Vergleich zu Mitschülern gute Leistungen zu zeigen und nicht durch schlechte Leistungen aufzufallen.

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Die Untersuchung erfolgte von 2005 bis 2009 im Zuge einer langfristig angelegten Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen. Zum Einsatz kamen Fragebögen zur Lern- und Leistungsmotivation, die insgesamt 6853 Schüler zunächst in der 5., dann in der 7. und schließlich in der 9. Klasse ausfüllten. Zur Auswertung verwendeten die Forscherinnen statistische Verfahren, mit denen sich Veränderungen von psychologischen Merkmalen in längeren Zeitverläufen analysieren lassen.

Die nun publizierte Studie stoße in eine Lücke. Bislang sei die Entwicklung der sogenannten motivationalen Zielorientierungen in der mittleren Schulphase kaum wissenschaftlich erforscht. Nur wenig sei über die dabei auftretenden Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen bekannt.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Zielorientierungen in dieser Phase bei allen Schülern signifikant an Bedeutung verlieren. Darüber hinaus gebe es markante Unterschiede bei Mädchen und Jungen. So wiesen Mädchen bereits in der 5. Klasse eine höhere Lernzielorientierung auf, die bei den Jungen in den folgenden Jahren zudem deutlich stärker abnehme.

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Die Leistungszielorientierung bewegte sich bei beiden zunächst auf einem ähnlichen Niveau und nimmt bis zur siebten Klasse auch vergleichbar ab. Dann stabilisieren sich jedoch die Werte bei den Mädchen, während die Neigung der Jungen, gute Leistungen zu zeigen bis zur neunten Klasse weiter zurückging. „Nach unseren Befunden verlieren Lernen und Leistungen im Verlauf der mittleren Schulphase für Jungen stärker an Bedeutung“, fasst Theiss zusammen

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Als einen möglichen Grund führt sie an, dass die Lernumgebungen nicht gut genug auf die Bedürfnisse der Jungen zugeschnitten sein könnten. So zeigen weitere Ergebnisse der Studie, dass für Jungen Partizipation und Autonomieerleben in der Schule wichtiger zu sein scheinen als für Mädchen. „Mädchen scheinen sich nach der siebten Klasse soweit an die Bedingungen auf der weiterführenden Schule gewöhnt zu haben, dass der Wunsch, gegenüber Lehrkräften, Eltern und Gleichaltrigen durch gute Leistungen aufzufallen, wieder mehr in den Vordergrund rückt“, so Theis.

Sie weist darauf hin, dass die Ergebnisse helfen können, das bessere Abschneiden von Mädchen in dieser Schulphase zu erklären. So haben bereits mehrere Studien einen hohen Zusammenhang zwischen der Lernzielorientierung und guten Schulleistungen belegt.

Die Studie solle dazu beitragen, die Entwicklung der schulischen Lern- und Leistungsmotivation von Mädchen und Jungen besser zu verstehen. Für konkretere Schlussfolgerungen braucht es aber weitere Untersuchungen

So müsse zum Beispiel noch erforscht werden, wie sich die Zielorientierungen in unterschiedlichen fachlichen Bereichen wie Lesen und Mathematik entwickelten. Wichtig wäre es nach Meinung der Forscherinnen dann, den Zusammenhang mit Merkmalen der Unterrichtsgestaltung in den Blick zu nehmen, um herauszufinden, wie Jungen und Mädchen langfristig motiviert werden können. (zab, pm)

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Ein Kommentar

  1. Die gender studies behaupten steif und fest, dass es keine Geschlechtsunterschiede gibt. was denn nun?

    im ernst: zumindest ein interessanter Erklärungsversuch.

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