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Was kommt ins neue bayerische G9? CSU lehnt sämtliche Oppositionsanträge ab

MÜNCHEN. Mit einem schiefen Bild umschrieb Kultusminister Ludwig Spaenle die heutige Sitzung im Bildungsausschuss des bayerischen Landtags. Die Verhandlungen über das neue G9 seien “Ei des Kolumbus und gordischer Knoten zugleich”. 19,5 zusätzliche Wochenstunden erhalten Gymnasiasten im Freistaat ab dem Schuljahr 2018/2019. Darüber wie diese genutzt werden sollen, haben alle Parteien unterschiedliche Vorstellungen. Fächerübergreifende Blöcke, mehr MINT oder neue Lernformen – am Ende lehnte die CSU alle Oppositionswünsche ab.

Die Wiedereinführung des neunjährigen Abiturs in Bayern rückt immer näher: Der Bildungsausschuss des bayerischen Landtags hat den Gesetzesentwurf der Staatsregierung einstimmig beschlossen. «Ich bin froh, dass im Grundkonsens der eingeschlagene Weg nun gemeinsam gegangen wird», sagte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU).

Neue Inhalte bei gleichzeitiger Stärkung der Kernfächer verspricht sich Kultusminister Ludwig Spaenle von der Stundentafel des neuen G9 in Bayern. Foto: Henning Schlottmann / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Neue Inhalte bei gleichzeitiger Stärkung der Kernfächer verspricht sich Kultusminister Ludwig Spaenle von der Stundentafel des neuen G9 in Bayern. Foto: Henning Schlottmann / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Zuvor hatte der Ausschuss vor allem über die Stundentafel des neuen G9 diskutiert. Spaenle nannte die Aushandlung «das Ei des Kolumbus und der gordische Knoten gleichzeitig». Die Opposition kritisierte, dass die Stundentafel nicht flexibel genug sei und nicht genug Vertiefungsmöglichkeiten vorsehe.

SPD-Bildungsexperte und Ausschussvorsitzende Martin Güll sprach sich für fächerübergreifende Blöcke zu bestimmten Themen aus. Auch Grünen-Politiker Thomas Gehring forderte mehr neue Lernformen, etwa Projektwochen und Unterricht in Modulen, statt einer eng geschnürten Stundentafel.

Die Freien Wähler sprachen sich vor allem für die Stärkung der MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik aus, «damit Bayern seinen guten Industriestandort halten kann», sagte Leopold Herz (Freie Wähler). Außerdem forderten die Freien Wähler die Wiedereinführung von Leistungskursen.

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) betonte, dass durch die neue Stundentafel kein Fach schlechter gestellt werde. «Wir wollen die Kernfächer stärken und können insgesamt für die allermeisten Fächer auch Zusätzliches anbieten», sagte Spaenle.

Beim neuen neunjährigen Gymnasium sollen die bayerischen Schüler 19,5 Wochenstunden mehr Unterricht erhalten – verteilt auf die gesamte Gymnasialzeit. Unter anderem wurden in der neuen Stundentafel drei Schulstunden Chemie in der neunten Klasse und ein zweistündiges Pflichtfach Informatik in der elften Klasse vorgesehen. Die zweite Fremdsprache wird auch weiterhin in der sechsten Klasse eingeführt. Die digitale Bildung soll bei der Lehrplananpassung in allen Fächern berücksichtigt werden.

Die Rückkehr zum G9 wurde im April vom Kabinett beschlossen und muss nun noch den Landtag passieren. Es soll zum Schuljahr 2018/2019 starten.

Otto Lederer (CSU) verteidigte die derzeitige Struktur der bayerischen Gymnasien und die Stundentafel für das neue G9. «Ich glaube nicht, dass die Wissensvermittlung an den bayerischen Gymnasien völlig an der Lebenswirklichkeit vorbeigeht», sagte Lederer. Er erklärte, dass Forderungen wie etwa die Stärkung der MINT-Fächer, die Vernetzung der Fächer und mehr digitale Lernangebote ausreichend im Gesetzesentwurf der Staatsregierung berücksichtigt worden seien. Der CSU-Politiker betonte zudem, dass die Mittelstufe vor allem auf die duale Ausbildung vorbereiten solle, während in der Oberstufe die Vorbereitung auf ein mögliches Studium im Mittelpunkt stehe. Die CSU lehnte sämtliche Anträge der Oppositionsparteien ab. (dpa)

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Ein Kommentar

  1. Gibt es schon eine Übersicht, die die beiden bayerischen G9-Modelle von vor und nach G8 miteinander vergleicht? Ich hoffe, es wird keine zu große Verschlankung werden, befürchte aber anderes.

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