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Internationales Symposium in Darmstadt: Handschrift bleibt – auch im digitalen Zeitalter. Aber …

DARMSTADT. „Die Medien ändern sich, aber die Handschrift bleibt.“ Und: „Bildung benötigt das Handschreiben im sinnvollen digitalen Kontext.“ Das  waren zwei Arbeitsthesen, die Wissenschaftler, Lehrerausbilder, Vertreter von Kultusministerien sowie Schulpraktiker und Ergotherapeuten auf einem internationalen Symposium des Schreibmotorik Instituts in Kooperation mit dem Institut für Arbeitswissenschaft der TU Darmstadt im Gästehaus der Universität diskutierten. Im Mittelpunkt standen dabei die Chancen und Risiken des Handschreibens im Kontext der Digitalisierung – eine Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen der Bildungspraxis der Zukunft.

Das "International Symposium on Handwriting Skills 2017" in der TU Darmstadt. Foto: Milena Mayer / SMI

Das “International Symposium on Handwriting Skills 2017” in der TU Darmstadt. Foto: Milena Mayer / SMI

Handschreiben und digitale Technik sind keineswegs ein Widerspruch. Dies zeigen etwa die aktuellen technologischen Entwicklungen, die Handschrift als Eingabemedium nutzen. Denn „das Schreiben von Hand ist eine der benutzerfreundlichsten Interaktionsformen für die Mensch-Maschine Schnittstelle – direkt, flexibel, intuitiv und kreativ “, erklärte Dr. Marianela Diaz Meyer, Ergonomie-Expertin und Leiterin des Schreibmotorik Instituts, Heroldsberg (SMI). Vorgestellt wurden aktuelle Studien zum Schreiben mit digitalen und analogen Medien sowie erprobte praktische Ansätze von Kombinationen aus beiden Welten.

Bereits seit einigen Jahren gibt es internationale Bestrebungen, die Handschrift in der Schule zunehmend durch getippte Buchstaben zu ersetzen. Die Beiträge auf dem Symposium zeigten auf, welche Problematik sich daraus für den Bildungserwerb ergibt. Denn Handschreiben fördert die kognitive Entwicklung. „Nur drei Finger halten den Stift beim Schreiben, doch das gesamte Gehirn arbeitet.“ So lautete beispielsweise der Titel eines Vortrags von Ruud van der Weel, Professor für Kognitionspsychologie, Norwegian University of Science & Technology. Handschrift – idealerweise kombiniert mit Visualisierungen wie. kleinen Zeichnungen, Formen oder Pfeilen – berge Vorteile für die „sensorischmotorische Integration und für den Lernprozess“. Heißt: Das Lernen wird erleichtert und optimiert.

„Die Tastatur ist ein großer Segen“? Von wegen – Lasst den Kindern bloß das Handschreiben!

Gerald Lembke, Professor für digitale Medien an der Hochschule Mannheim, sprach in seinem Vortrag über die Risiken einer zu digital geprägten Bildung. „Eine Kindheit ohne Computer ist der beste Start ins digitale Zeitalter“, meinte er – gerade weil die digitale Technik so kulturprägend geworden sei. „Da die Geräte aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sind, müssen wir darauf achten, sie als Instrumente einzusetzen, als Mittel zum Zweck, um ein Ziel zu erreichen. Dann machen sie Sinn“, so meinte Lembke. „Aber lebensbestimmend dürfen sie nicht sein. Wir müssen die Digitalität beherrschen und nicht umgekehrt. Wir dürfen unsere bewährten Kulturtechniken nicht einfach so aufgeben – bloß der Faszination für das nächste digitale Gadget.“ Es gehe darum, so betonte der Wissenschaftler, einen „achtsamen und  verantwortungsvollen Umgang mit der Digitalität zu finden“.

Für den Unterricht bedeute das: „Je später die Kinder und Jugendlichen mit digitalen Medien konfrontiert werden, umso besser ist es für sie und umso besser entwickeln sie die Kompetenzen für den Umgang mit Digitalität später, die unausweichlich sind. Wenn ein Kind aber nicht rechnen kann, wird es auch Logik und Algorithmen in der Informatik nicht verstehen können“.

Test für Schreibmotorik

Dass digitale Technik allerdings nicht nur Lernmittel sein kann, sondern auch die Arbeit von Lehrkräften erleichtern kann, machte das Referat von Dr. Christian Marquardt, Wissenschaftlicher Beirat des Schreibmotorik Instituts, deutlich – er stellte ein neues Instrument vor, einen neuen, einfachen Schreibmotoriktest für Schreibanfänger,  die „SMI KompetenzSpinne“ – er soll Antworten liefern auf die Frage: Wie fit ist das Kind für den Schreibunterricht? „Die SMI KompetenzSpinne ist das erste förderdiagnostische Screeningverfahren für Lehrkräfte zur Erfassung der Schreibfertigkeiten von Kindern. Es deckt alle zentralen Aspekte des Schreibenlernens in einem spezifischen, reliablen und praktikablen Instrument ab“, so erläuterte Marquardt. Aus den Ergebnissen ließen sich individuelle Förderansätze ableiten.

Tag der Handschrift: Lehrerverbände warnen die Politik davor, das Handschreiben in der Schule zu vernachlässigen

Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen wurden auch Erfahrungen aus der Praxis vermittelt. Die Berichte der Lehrerinnen Djoke Mulder aus den Niederlanden und Ina Herklotz aus Deutschland basierten auf verschiedenen Unterrichtsformen: Die eine (Mulder) setzt auf eine Kombination aus Handschrift und Tablets im Unterricht, während die andere (Herklotz) ausschließlich das Entdecken und Ausprobieren mit den Händen in den Mittelpunkt stellt. Welche wichtigen Anstöße ergeben sich für die Bildungspraxis? Darüber wurde interdisziplinär diskutiert. Diaz Meyer: „Es steht fest, dass die Zukunft digital wird.“ Wer das Handschreiben retten möchte, sollte das bedenken.

Die Institutsleiterin betonte: „Anstatt die fortschreitende Digitalisierung zu ignorieren, müssen wir uns intensiv damit befassen. Wir  sind in der Pflicht, neue pädagogische Ansätze durch entsprechende Forschungsergebnisse zu untermauern, grundlegende Anregungen zu deren Inhalten zu liefern und die Praxis gemeinsam mit den Pädagogen aktiv neu zu gestalten.“ Dann könnten Digitale Medien und innovative Technologien das Schreibenlernen in Zukunft sogar erleichtern. Und das sei nötig: Immerhin jedes dritte Mädchen und jeder zweite Junge seien aus Sicht der Lehrkräfte von signifikanten Schreibproblemen betroffen, Tendenz steigend.

Die Meinungswerte der Symposiumsteilnehmer zu den Arbeitsthesen, ermittelt über eine Abstimmung per SMS, fielen übrigens eindeutig aus: „Die Medien ändern sich, aber die Handschrift bleibt“ – dem stimmten 88 Prozent zu (ermittelt über eine Abstimmung per SMS). „Bildung benötigt das Handschreiben im sinnvollen digitalen Kontext” – das meinten sogar 97 Prozent. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

 

88 Kommentare

  1. ZITAT: “Denn Handschreiben fördert die kognitive Entwicklung. „Nur drei Finger halten den Stift beim Schreiben, doch das gesamte Gehirn arbeitet.”

    Hm, ist das nur ein Plädoyer für die Handschrift oder auch für die Schreibschrift?

    An der Schule meiner Tochter wollten die Lehrer die Schreibschrift “abschaffen”. Argument, einige Kinder täten sich damit sooo schwer. Ok, kann ich verstehen (vielleicht hilft Üben?). Aber warum vor allem sollen jetzt alle keine Schreibschrift mehr lernen, nur weil einige die Probleme damit nicht meistern?

    • Axel von Lintig/

      Auf den Vorteil der Abspeicherung der Bewegungen zur Erstellung der Schreibschrift im motorischen Cortex ist niemand eingegangen.Deshalb übt man doch auch das Schreiben in der Luft, wodurch diese Bewegungen der Schreibschrift im Zentrum für die Koordination von Bewegungen als drittem Speicher, neben der Hörrinde und dem visuellen Cortex ,fixiert werden.
      Deshalb ist die verbundene Schreibschrift in Verbindung mit Schwungübungen auf dem Papier oder mit Kreide auch so wichtig.

  2. DAS muss mal hervorgehoben werden. Danke für das Argument!

    ZITAT: “Für den Unterricht bedeute das: „Je später die Kinder und Jugendlichen mit digitalen Medien konfrontiert werden, umso besser ist es für sie und umso besser entwickeln sie die Kompetenzen für den Umgang mit Digitalität später, die unausweichlich sind. Wenn ein Kind aber nicht rechnen kann, wird es auch Logik und Algorithmen in der Informatik nicht verstehen können“.”

    • Frühe digitale Erlernung einer Druckschrift wirkt der feinmotorischen und damit auch der geistigen Entwicklung entgegen, die Fingerfertigkeit für feinmotorische Tätigkeiten lässt nach.

  3. Mir fällt immer auf, dass die Generation derer, die jetzt zwischen 70 und 100 ist, viel sauberer mit der Hand schreiben kann als die jungen Leute. Die mussten damals einfach mehr üben. Und die älteren unter diesen mussten sogar zwei Schriften lernen, eine lateinische und eine deutsche. Die lateinische Schrift brauchte man für Fremdsprachen (Englisch, Franz., Latein), die andere fürs Deutsche (“ein deutsches Kind schreibt deutsch”). Ich will nicht sagen, dass ich diesen Nationalstolz begrüße, aber man mutete der Kindern früher tatsächlich in vielem mehr zu als heute. Auch damals taten sich sicher einige schwer damit, aber man erhob es nicht zum pädagogischen Prinzip,
    sowas dann zu vermeiden. In einer Fibel um 1900 herum habe ich unglaublich geschwungene Buchstaben gesehen, die ganz sicher für Erstklässler schwierig waren. Trotzdem war das an Volksschulen in Gebrauch, also musste jeder sich damit beschäftigen. Man kann einiges hier erahnen (die Sütterlinschrift gab’s später):

    https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Kurrentschrift

    • Es liegt nicht (nur) am Üben – es liegt (auch) an den feinmotorischen Fähigkeiten, die die Kinder früher in die Schule mitbrachten und heute eben nicht mehr so mitbringen. Kinder heute haben bei Weitem nicht mehr so viele Bewegungsanlässe, wie die Kinder vor 50, 70 oder gar 90 Jahren – entsprechend weniger trainiert ist die Motorik.

      Die Methoden von früher – nämlich schier endlos Buchstaben und Wörter abzumalen – sind kaum dazu geeignet, schreibmotorisch limitierten Kindern eine funktionale Handschrift zu vermitteln. Eher im Gegenteil. Was wir brauchen, ist eine bessere feinmotorische Förderung möglichst schon in den Kitas.

      • “…an den feinmotorischen Fähigkeiten, die die Kinder früher in die Schule mitbrachten und heute eben nicht mehr …”

        Aber mit Verlaub: Auch früher gab es Unterschichten, bettelarme Leute, Heimkinder (schrecklich!), es gab Arbeiter und Bauern (mehr als heute). Welche Feinmotorik sollen denn Bauernkinder entwickelt haben, die in der Landwirtschaft mithalfen und viel mit Tieren im Stall waren? Wie war das wohl mit den damaligen Arbeiterkindern in der Zeit der Ausbeutung? Die Mädchen wurden vielleicht zur Handarbeit angehalten, aber die Jungs? Fußballspielen, auf Bäume klettern usw. fördert zwar die Motorik, aber nicht die Feinmotorik. Ich kann mir das alles nicht mehr zusammenreimen. Die Physiologie des Menschen hat sich nicht verändert. Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass mehr Digitalisierung in Grundschule und Kindergarten die Feinmotorik jedenfalls nicht unterstützen. Lieber mal Bilder aus Zeitungen sauber ausschneiden. Das habe ich als Kind gerne gemacht. Oder Geschicklichkeitsspiele.

        • Wie viel Grob- und Feinmotorik können denn heutige Stadtkinder entwickeln, die sich kaum mehr frei bewegen können? Die Kindheit heute ist doch gar nicht mehr vergleichbar mit der vor Jahrzehnten – und dabei geht es längst nicht nur um Digitalisierung. Schauen Sie doch mal auf die Spielplätze in Ihrem Wohnumfeld: Wie viele Kinder spielen da noch?

          Aus der “Zeit”: “Die zum Schlagwort gewordenen Helikopter-Eltern begleiten ihren Nachwuchs morgens bis ins Klassenzimmer und kutschieren ihn nachmittags zu Freunden, in die Reithalle, zum Musikunterricht. Kaum etwas fällt ihnen schwerer, als die Kinder allein rauszulassen, zu zweckfreiem Spielen, zum Stromern. Untersuchungen zeigen, dass Kinder in Deutschland sich in den sechziger Jahren in einem Radius von mehreren Kilometern frei bewegen konnten, heute kommen sie allein kaum noch 500 Meter vom eigenen Zimmer weg. ‘Verinselte Kindheit’ nennen Soziologen diese Entwicklung.”

          Weiter heißt es: “Im Juli wurden 1002 Mütter und Väter von Kindern im Alter zwischen fünf und fünfzehn Jahren befragt. Ihre Antworten zeigen: Rund jeder Zehnte lässt sein Kind generell nicht ‘unbeaufsichtigt nach draußen’, und in zwei von drei Fällen bleiben die Kinder an der kurzen Leine. Jeden Zweiten beschleicht schon ein mulmiges Gefühl, wenn der Nachwuchs allein vor die Tür tritt. Und jene zwölf Prozent der Eltern, die ihr Kind überhaupt nicht allein rauslassen, rechtfertigten das vor allem mit Angst vor ‘Fremden’ und vor ‘Gefahren im Straßenverkehr’.”

          Weiter: “Doch nicht nur Eltern stehen dem freien Spiel im Weg, auch unser Städtebau und unsere Erwachsenenregeln. Kinder werden immer mehr aus dem öffentlichen Raum verdrängt.” “Mehrere große Untersuchungen der vergangenen Jahre belegen (…), dass Kinder immer weniger turnen, rennen, klettern.”

          Die Folge: “Ich bezeichne es als ein Schwinden der Sinne. Viele Kinder und Jugendliche haben sensomotorische Defizite”, so wird ein Arzt zitiert. “Es fehlt einfach der Umgang mit Balance, Kraft und Koordination.”

          Mit ein bisschen Basteln lässt sich das nicht ausgleichen.

          Quelle: http://www.zeit.de/2015/34/kinder-freiraum-freiheit-abenteuer

          • Aber es geht hier doch um die “Fein”motorik, also genau das, was Stubenhocker schon immer bevorzugt getan haben und was man sitzend am Tisch macht: malen, schneiden, kleben, basteln, Mensch ärgere dich nicht spielen, Mikado spielen (nur für geschickte Leute) …

            “… in die Reithalle, zum Musikunterricht.”
            Reiten soll eigentlich gut sein, und kaum etwas fördert die Feinmotorik so wie Musikinstrumente, selbst Trommeln, erst recht Blockflöten und Xylophone. Der ZEIT-Artikel geht in eine andere Richtung, etwa Defizite beim Sport, Übergewichtigkeit. Der erklärt nicht, warum Kinder plötzlich keinen Stift mehr halten können, obwohl es immer mehr “Stubenhocker” gibt.

          • Sie können die grob- und feinmotorische Entwicklung ja nicht voneinander trennen.

            “Grobmotorik ist ein wichtiger Bestandteil der kindlichen Entwicklung, denn die weiterführende feinmotorische Entwicklung baut auf einer gut entwickelten Grobmotorik auf. Nur ein Kind, das genügend grobmotorische Bewegungserfahrungen gesammelt hat, ist in der Lage, auch feinmotorische Fähigkeiten, wie schreiben oder Schnürsenkel binden, zu erlernen.”

            Quelle: http://www.netmoms.de/magazin/kinder/kindesentwicklung/grobmotorik/

          • Vielleicht war ja früher auch schulisch einiges natürlicher und besser für die Kinder, obwohl das immer gern bestritten wird.
            Die Schule ist immer Teil der Gesellschaft und damit auch Teil unserer heutigen denaturierten, von Gedanken des Schutzes, der Schonung und Vermeidung angeblichen Drills (ständiger Übung) beherrschten Kinderwelt.

          • Üben ist kein Wert an sich – wer falsch bzw. das Falsche übt, verfestigt Fehlentwicklungen. Deshalb – aufs Thema bezogen: Nein, früher war der Schreibunterricht keineswegs “natürlicher” – er war, im Gegenteil, unnatürlicher. “Schönschreiben” mit Schreibanfängern zu üben (also schier endlos Buchstaben abzumalen) ist genauso sinnlos wie “Schönfahrradfahren” mit Kindern zu üben, die überhaupt erst mal lernen müssen, das Gleichgewicht mit einem Rad zu halten. Auch Laufen lernt ein Kind nicht dadurch, dass ein Erwachsener eine Ideallinie vorgibt – und jede Abweichung als “Fehler” anstreicht. Bewegungslernen ist ein Lernen durch Varianz, also durch Ausprobieren.

          • Liebe Anna, was wollen Sie denn dann machen? Buchstaben schreiben lernen, lernt am am besten, wenn man jeden Buchstaben oft genug schreibt. Wenn Sie das noch in freies Schreiben irgendwelcher Texte verpacken, trainieren sie eher das Schreiben von Texten und nicht den Buchstaben an sich.

            Ich vergleiche das gerne mit Mathematikaufgaben: Wer Bruchrechnen üben soll, der soll mit Brüchen rechnen und keine Textaufgaben lösen. Leseverständnis brauche ich beim Üben von Bruchrechnen nicht und ist sogar hinderlich, weil pro Zeiteinheit aufgrund des Entschlüsselns der Aufgabe wertvolle Übungszeit verloren und damit verschwendet wird.

          • Wäre für Sie “Lesbarschreiben” ein akzeptables Kompetenzziel?

          • Natürlich ist Lesbarkeit ein entscheidendes Kriterium für ein gutes Schreiben – aber nicht das einzige. Dazu kommen Geschwindigkeit und Ausdauer.

            Sie können das gerne mit der Mathematik vergleichen, xxx, aber dann sollte der Vergleich schon stimmen: Kinder, denen es am elementaren Zahlenverständnis fehlt, immer wieder Brüche (falsch) rechnen zu lassen, wäre sinnfrei – erst mal müssen die Grundlagen stimmen. Genauso ist das beim Handschreiben: Kinder, denen die motorische Grundlage fehlt,bekommen diese nicht durchs Abmalen von Buchstaben (wodurch sich im schlimmsten Fall falsche Bewegungsabläufe verfestigen) – sondern durch ein (Schreib-)Motoriktraining.

          • Wir durften früher noch nicht einmal auf öffentlichen Rasenflächen spielen. Und im Garagenhof ging das auch nicht.In Duisburg und in anderen Großstädten gab es auch keine großen Spielflächen , wie heute.
            Und Grobmotorisch wussten wir uns gut zu wehren,was aber nicht impliziert,dass man feinmotorisch weit entwickelt war.Das zu lernen erforderte schon sehr viel Übung.

          • @ Anna: Ich schreibe wie meistens aus der Sicht eines Lehrers an weiterführenden Schulen, speziell Gymnasien. Sie müssen mir daher verzeihen, dass ich ein gewisses Zahlverständnis voraussetzen kann und muss. Sie können aber meine Aussage zur Mathematik leicht umformulieren mit ähnlichen Aufgaben zum Zahlverständnis. Es müssen halt sehr viele vom ähnlichen Typ sein, die nicht in irgendwelchen Kompetenzblablas abseits vom eigentlichen Lernziel “Zahlverständnis” verklausuliert sind.

            Das Schreibmotoriktraining ist alleine im Unterricht kaum leistbar, da muss das Kind zuhause üben. Dort setzen allerdings die Eltern an, die sich allerdings viel zu häufig aus der Erziehung raus halten oder falsche Akzente setzen.

          • Anna
            Sie zeichnen, bezogen auf meine Kindheit, ein viel zu euphemistisches Weltbild, in dem man als Kind viel mehr Freiraum und eigenen kindliche Bewegungsfreiheit als heutige Kinder angeblich hatte.Und Sie nehmen dieses Bild als Begründung für die Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb.Das ist mir alles zu plakativ, verallgemeinernd und auch viel zu einfach, wie sich Teile der reformpädagogisch geprägten Lehrer mit ihren “neuapostolischen Methoden” aus der Verantwortung stehlen.
            Mal macht man uns weiß,das unsere Schulzeit von Schläge und sturen pauken geprägt war,
            was wohl nicht viele behaupten können, und dann hätten wir plötzlich wieder eine freie Kindheit, was auch nicht so stimmt.Wir wurden allerdings viel pflichtbewusster erzogen und man erfüllte uns nicht jeden Wunsch.Strafe bestand in Hausarrest und Ärger gab es, wenn man seine Aufgaben nicht erledigte.Aber das praktizieren wir hier und heute noch.Ohne Pflichten gibt es keine Freiheiten.

          • Cavalieri führt an: “malen, schneiden, kleben, basteln, Mensch ärgere dich nicht spielen, Mikado spielen (nur für geschickte Leute) ”

            Genau DAS können aber viele Kinder heute nicht.
            Kinder können z.B. nicht Würfeln, sie wissen gar nicht, wie das gehen soll, bedeutet: sie hatten zuvor noch keinen Würfel in der Hand und haben auch noch kein Würfelspiel gespielt. Ähnliches gilt für Kartenspiele. Selbst Memory ist etlichen unbekannt, sie schaffen es auch kaum, eine Karte umzudrehen.

            Kinder malen, meiner Beobachtung nach, erheblich weniger als früher. Weder “Ausmalbücher” noch eigene Bilder. Selbst wenn es noch so viel Papier gibt, es gibt eben auch eine Menge anderes Spielzeug und Medien, die einen ablenken oder unterhalten oder berieseln, sodass man selbst nicht tätigt wird.

            Kinder binden keine Schuhe – es gibt Klettverschluss,
            sie können keine Knoten binden, nicht flechten,
            einige wissen eine Schere nicht einzusetzen und eine Wäscheklammer nicht zu öffnen.

            Etliche können sich selbst nicht anziehen, wenn sie zur Schule kommen, was bei Toilettengängen und beim Umziehen zum Sportunterricht Probleme bereitet.

            Ein Blatt einfach, aber genau, zu falten, ist für etliche eine kaum zu lösende Aufgabe, wie eng man es auch immer begleitet. Selbst in Klasse 4 nach diversen Faltarbeiten quer durch die Schuljahre, ist es manchen Kindern noch immer nicht möglich, da ist an Fröbelsterne nicht zu denken.

      • Die feinmotorischen Übungen haben wir in der Schule ausgeführt, denn wir haben primär die Lateinische Ausgangsschrift geschrieben und mussten neben schriftlichen Schwungübungen sehr viele Wort und Diktate schreiben,und diese wurden diktiert,teilweise mit Hilfe der Lehrerin.
        Außerdem gab es noch Handarbeiten und Werken, beides auch für Jungen.

        • Gibt es heute noch, zumindest in meinem Bundesland im Fach Werken und Gestalten. Da werden ganz unterschiedliche handwerkliche Techniken gelernt, vom Feilen bis zum Stricken. Dieses Fach – wie auch den Sportunterricht – halte ich für sehr wichtig für die Motorik.

          • Gut so, und ihr Bundesland hebt erfreulich positiv vom Rest der Republik ab. Das liegt aber auch daran, dass man in Bayern nicht alles mitgemacht hat,die Verhältnisse relativ stabil für alle Beteiligten geblieben sind.
            Möchten Sie in Bremen oder Berlin Lehrer sein?Wohl nicht, denn die haben sich zu weit entfernt und standen zu sehr unter dem Einfluss der Reform-pädagogischer Ideen der 68Generation.

      • Wer hat in meiner Jugend schier endlos lange Buchstabenreihen abgeschrieben.Wir schrieben vom Anfang an in Schreibschrift.

        • Das ist ungewöhnlich. Ich war nämlich zu anderen Lehrplanzeiten in Klasse 1/2. Normalerweise machte man früher erst einmal lange Zeit Schwungübungen und anderen Vorübungen um die Feinmotorik zu schulen. Man begann ziemlcih früh mit dem Lesen, indem nacheinander Buchstaben eingeführt wurden, die man zur Unterstützung in Druckschrift schrieb. So ein paar Ganzwörter waren auch immer wieder versteckt am Anfang. Erst nach ein paar Monaten begann man richtig mit der Schreibschrift, wenn man die Feinmotorik lang genug geübt hatte.

  4. Vielleicht zur Erinnerung: Das Thema gab’s schon hier:

    http://www.news4teachers.de/2014/06/fehlende-motorik-viele-kinder-koennen-nur-noch-schlecht-handschreiben/

    Da wird auch die Frage diskutiert, warum der verstärkte Kita-Besuch denn keine Verbesserung gebracht hat. Sind nicht allerlei Spielgeräte in Kitas, zumindest Sandkästen und Klettergerüste? Sitzen die immer nur im Zimmer? Machen sie nicht auch mal Ausflüge in die Umgebung? Kleine Kinder können sogar im Zimmer so etwas wie “Grobmotorik” entwickeln. Auf den Bolzplatz geht’s später, da wird’s dann wirklich grob. Hat man wirklich früher in großem Umfang 3-5-Jährige alleine auf die Straße geschickt? Aber schon mit 6 Jahren sollen sie schreiben lernen.

    Vielleicht bin ich ja untypisch: Ich war als Kind ein typischer Stubenhocker und dennoch geschickt mit den Fingern.

    • Die Kitas sind doch heute viel besser ausgestattet als jene in den 1960er und 1979er Jahren.Daran wird es nicht liegen.Außerdem lernen die heute sogar schon die Buchstaben und Zahlen,was es bei uns nicht gab.Dafür malen die sehr viel mehr als wir,denn Papier war teuer.Deshalb schrieben wir auch mit Griffen auf Schiefertafeln.Legosteine und Holzklötze waren die Spielutensilien und man lernte im Kindergarten oder zu Hause die Schuhe zu schnüren.

  5. Milch der frommen Denkungsart

    @Reni:

    Auch auf das Risiko hin, daß mich die üblichen Erziehungssozialisten wieder einmal plump als rückwärtsge-wandten, jeder ach so progressiven Pädagogik abholden und im Bildungsplaistozän verharrenden Dinosaurier mit elitärem Dünkel abqualifizieren:

    “Derjenige wird nicht in unangenehmen Situationen bestehen, dem nie ein Wunsch abgeschlagen worden ist, dessen Tränen eine allzeit besorgte Mutter abgewischt, dem man gegen seinen Lehrer immer recht gegeben hat. Ständige Schmeichelei und Zustimmung nämlich muß man von Kindern fernhalten; sie sollen die Wahrheit hören.”

    (Seneca, De ira)

    • Auch wenn das die neofeministischen, progressiven, linksgrünen queerdenkenden genderfluiden Soziologiepädagoginnen ideologiebedingt nicht wissen können, muss ich Sie auf zwei gravierende Fehler aufmerksam machen:

      Pleistozän schreibt man mit “e” statt “a” und die Dinosaurier waren schon über 60 Mio Jahre vor Beginn des Pleistozäns ausgestorben.

      Ansonsten gebe ich Ihnen recht. Gerade durch die in Ihrem Zitat beschriebene Pädagogik geht der Wohlstandsstaat Deutschland aktuell den Bach runter.

      • Milch der frommen Denkungsart

        @xxx:

        Au contraire, was Ihre orthographische Kritik anlangt – bezüglich Ihrer sachlichen Kritik akzeptiere ich Ihren Rüffel 😉

      • Milch der frommen Denkungsart

        Im Übrigen: Sie selbst gebrauchen den Umlaut 😉

      • Wieso artet eigentlich jede noch so sachliche Diskussion im Forum von News4teachers derart aus? Was soll dieser Schwachsinn von “Erziehungssozialisten” und ” neofeministischen, progressiven, linksgrünen queerdenkenden genderfluiden Soziologiepädagoginnen” hier? Was hat dieses Gesülze mit Handschreiben zu tun?

        Sie sind offenbar so bessessen von Ihrem Kulturkampf, xxx und Milch, dass Sie zu kaum einem inhaltlich gehaltvollen Beitrag mehr in der Lage sind. Zum Fremdschämen.

        • Das müssen Sie gerade schreiben.

        • Milch der frommen Denkungsart

          @Anna:

          Mich könnten Sie allenfalls nur als Rekultivierungskämpfer anfeinden, Sie allpräsenter Kerberos aus Sherwood Forest 😉

          • Guter Spruch zu später Stunde,
            bringet Freud in jede Runde.
            Wer den besten Spruch gebracht,
            hat uns größte Freude gemacht.

            Hoch ist hier Milch zu preisen,
            Welcher durch gescheite Weisen,
            auf den Punkt gebracht,
            hat es wieder gut gemacht.

          • Reim Dir oder ick fress mir

            (oder so ähnlich)

            Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

        • @Anna
          Den Begriff “Erziehungssozialisten” finde ich sehr treffend. Umverteilung von Bildung und Gleichmacherei in Bildung (auf niedrigem Niveau) passt zur Bildungsideologie der letzten Jahre und Jahrzehnte.
          Dies festzustellen gehört durchaus zur “sachlichen Diskussion” und hat nichts mit Schwachsinn oder irgendwelchen Verrücktheiten zu tun, die Sie als Ihr “sachliches” Gegenargument ins Feld führen. Hier ist statt Fremdschämen wohl eher Eigenschämen angebracht.

    • Von mir werden Sie sicher nicht abqualifiziert und als “rückwärtsgewandt” beschimpft, liebe Milch…, im Gegenteil! Ihre Worte sprechen mir aus der Seele.
      Danke auch für den Spruch von Seneca, den ich mir unbedingt merken muss.

      Kindererziehung ist eine jahrtausendealte Angelegenheit mit großem Erfahrungsschatz. Überlieferte Erkenntnisse und Weisheiten treffen immer wieder den Nagel auf den Kopf und werden das auch in hundert Jahren noch tun.
      Wie kurzsichtig, abwegig und auch realitätsfremd hören sich dagegen oft Behauptungen über neueste Erkenntnisse und Fortschritte aus der Welt “moderner” Pädagogik an.
      Was sie wert sind, sehen wir an den Kindern, ihrer oft ungesunden Entwicklung und den immer wieder beklagten Erziehungs- und Lerndefiziten.
      Etwas mehr Demut und Respekt vor dem Erfahrungs- und Wissensschatz unzähliger Generationen vor uns täte der heutigen Erziehung und unseren Kindern mehr als gut.

      • “Kindererziehung ist eine jahrtausendealte Angelegenheit mit großem Erfahrungsschatz.”

        Ja, es ist gut, dass wir uns endlich die Steinzeit zum Vorbild nehmen – mit einer Sterblichkeitsrate von geschätzt 75 Prozent. Aber wer überlebte, war schon sehr lebenstüchtig – tolle Sache.

        Oder schwebt Ihnen mehr das Modell Kinderfron im Mittelalter vor?

        “Die Sterblichkeit der Kinder war auf dem Land wohl besonders hoch. Die meisten Kinder starben noch, bevor sie das erste Lebensjahr erreichten. Als psychische Folge daraus banden sich die Eltern höchstwahrscheinlich automatisch nicht so sehr emotional an ihr Kind. Sie wussten, dass bald ein neues Kind geboren werden würde, das seinen Platz einnehmen konnte. Als Folge daraus bekam das Kind weniger Zuneigung und Liebe – mit all den sozialen und emotionalen Folgen. Kinder auf dem Land wurden von den Eltern, die oft am Rande des Erträglichen lebten, als kostenlose Arbeitskräfte und Altersversorgung angesehen. Deshalb mussten sie auch schon auf dem Feld mitarbeiten, sobald sie laufen und mit ihren Händen arbeiten konnten. Ab dem Zeitpunkt trugen sie auch die gleiche Kleidung wie die Erwachsenen und bekamen ihr Arbeitspensum auferlegt. Wurde dieses Arbeitspensum nicht erreicht, so erwartete die Kinder schwere körperliche Strafen.”

        Quelle: http://deutschland-im-mittelalter.de/Bevoelkerung/Kinder

        Oder sagt Ihnen doch mehr die militaristische Erziehung von Kaiserreich bis 1945 zu?

        “Kinder wurden im deutschen Kaiserreich nicht nur wie kleine Erwachsene gekleidet, sondern auch in ihrem Denken und Verhalten entsprechend geprägt. Die Vorstellung von Wilhelm II., die Heranwachsenden schon frühzeitig auf einen militärischen Einsatz vorzubereiten, erhielt mit Kriegsausbruch konkrete Umsetzung. Die Erziehung zu Gehorsam, Ordnung, Fleiß, Mut und Pflichtgefühl richtete sich verstärkt auf die Verteidigung des Vaterlandes. Bis 1917 waren Lehrpläne, Unterricht und Schulbücher von Kriegsinhalten dominiert, traditionelle Lehrinhalte wie z. B. Sprachen wurden zurückgedrängt. Fächer wie das Wehrturnen erhielten Bedeutung. Die Kinder lernten u. a., warum Frankreich der Erbfeind Deutschlands war, wer die deutschen Heere anführte, welche Kampftechniken zum Einsatz kamen oder wie viele Granaten sich mit 500 kg Eisen herstellen ließen. Außerhalb des Unterrichts wurden Kriegsstunden abgehalten, die u. a. “vaterländischen Gesang”, Berichte über die militärische Lage, Vorträge sowie selbst verfasste Kriegsgedichte beinhalteten.”

        Ja, ja – die gute alte Zeit

        • “Konservatismus ist nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt.”

          (Antoine Comte de Rivaról)

          • Also wähnen Sie sich in quasi göttlicher Mission unterwegs? Das erklärt so manches.

          • @ Bernd
            Ihre Beispiele sind eher ungeeignet, weil die allgemeine Schulpflicht erst mit der Weimarer Republik durchsetzbar wurde. Außerdem lernten Kinder damals sowohl Sütterlin als auch die lateinische Schrift (“Ein deutsches Kind schreibt Deutsch”). Ob Verteidigung im Kriegsfall oder nicht, es wurde noch zu “Gehorsam, Ordnung, Fleiß, Mut und Pflichtgefühl” erzogen, heute wenn überhaupt zu “Narzissmus, Egoismus, Minimalismus, Phlegmatismus”.

          • Es ging um die “jahrtausendealte Angelegenheit” (O-Ton Sabine)

          • Les’ ich das richtig? Sie brechen hier allen Ernstes eine Lanze für die Erziehung zu „Gehorsam, Ordnung, Fleiß, Mut und Pflichtgefühl“ aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts?

            Um dazu mal Oskar Lafontaine zu zitieren: “Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben.“ Und da hat er mal recht gehabt.

            Wie viel Leid hat die militaristische Erziehung über Europa gebracht? Der Untertanen-Gehorsam, der Millionen von jungen Männern erst in die Schützengräben und dann ins Grab gebracht hat. Mich schüttelt’s.

          • Den Untertanen-Gehorsam verlangen heute alle Parteien, Mutti voran. Unter Demokratie versteht sie Konsenz, weil sie alles andere als alternativlos bezeichnet. Diskussion ist undemokratisch. Desweiteren verlangen die Betriebe, das man lebt um zu arbeiten und nicht umgekehrt. Das ist Kapitalismus-Gehorsam.

            Gehorsam können Sie mit Respekt übersetzen, Mut im Sinne von Rückgrat, Pflichtgefühl im Sinne von Durchhaltevermögen und Ehrgeiz. Das hat mit Militär erst einmal nichts zu tun, aber mit Dingen, die Sie, Bernd, und Ihre Peergroup verabscheuen.

          • @Bernd
            Dann können wir ja froh sein, dass so viele der heutigen Kinder und Jugendlichendie Sekundärtugenden wie (Selbst)Disziplin, Gehorsam, Ordnung, Fleiß, Höflichkeit, Pünktlichkeit, Pflichtgefühl…usw. kaum mehr kennen.
            In Ihrem späteren Berufsleben wissen das die Vorgesetzten sicher auch zu schätzen.

          • So ein Quatsch, xxx – Wie Sie die Nazi-Erziehung von anno-Tobak uminterpretieren, zeigen Sie: Sie haben von Geschichte keine Ahnung, von Erziehung nicht und lassen hier auch noch Ihren AfD-Sülz von der “Kanzler-Diktatorin” ab. Ist Ihnen klar, dass Sie Staatsbediensteter sind – also ein Büttel jenes Systems, das Sie hier immer wieder in die Nähe einer Diktatur rücken?

            Wenn ich was verabscheue, dann ist das Dummheit, die sich anmaßt, die Welt erklären zu wollen. Fangen Sie erst mal an, in Ihrem Kopf aufzuräumen, bevor Sie hier Weiseheiten von sich geben.

          • Ich finde das Zitat von Antoine Comte de Rivaról vom “Leben aus dem, was immer gilt“ gut. Ich kann auch nicht erkennen, wieso daraus Nazi-Erziehung, KZs und der Tod in Schützengräben folgen sollte. Vielleicht sind Ihre Assoziationen doch ein wenig zu weit gespannt?

          • Die Assoziationen mit dem Zitat sind nicht nur “vielleicht” zu weit gespannt, sondern ganz sicher. Meiner Meinung nach sind sie sogar mal wieder völlig aus der Luft gegriffen.

  6. Anna: Ich will ja gar nicht widersprechen in Sachen Grobmotorik und Feinmotorik. Da gibt’s gewiss einen Zusammenhang.

    Nur: Stimmt es dass Mädchen grundsätzlich eine bessere Feinmotorik haben, obwohl sie normalerweise weniger herumtoben (das sagt man so) ?

    Und was ist mit den Kitas? Lernen die Kinder da auch nichts mehr in Sachen Motorik (die eine oder die andere) ? Haben wir nicht mittlerweile Betreuungsquoten von 50-70 % ?

    Könnte es sein, dass die Migrantenkinder doch irgendwie die Sache beeinflussen ? Also dass bei denen manches anders ist hinsichtlich der Motorik bzw. deren Entwicklung ?

    http://www.kindergartenpaedagogik.de/1199.html

    Was zum Schmunzeln (zitiert nach Wikipedia):
    “1851 wurde der Kindergarten „wegen atheistischer Tendenzen“ in Preußen verboten.”

    • Was mit den Kitas ist? Schauen Sie sich mal die Personal- und Belastungssituation der Beschäftigten in den Kitas an (einschließlich des exorbitant hohen Krankenstands) – das beantwortet die Frage.

      http://www.news4teachers.de/2013/08/arbeit-von-erzieherinnen-das-sind-tatsachlich-extreme-belastungen/

      Ob Mädchen über eine bessere Feinmotorik verfügen? Kann sein – sie scheinen jedenfalls im Schnitt weniger unter motorischer Unruhe zu leiden wie Jungen (sie sind etwa auch deutlich seltener von ADHS betroffen). Ob Kinder aus Migrantenfamilien mehr Schwächen in der Schreibmotorik aufweisen, kann ich nicht sagen.

      • Anna: “– das beantwortet die Frage.”

        Nein, das lenkt nur ab mit oberflächlichen Argumenten. Es beantwortet überhaupt nicht die Frage, warum die Kita-Kinder dort durch Spielen keine Grobmotorik mehr entwickeln. Das tun sie doch auch ohne detaillierte Aufsicht. Der von Ihnen zitierte ZEIT-Artikel postulierte doch, die Kinder sollten auf den Straßen und Plätzen ohne Aufsicht herumtoben. Da sind dann auch keine Erzieherinnen dabei. Auf einem Kitagelände ist in der Regel genug Platz für allerlei körperliche Aktivitäten und Spiele. Und das Bobby-Car ist nach meiner Kenntnis der verbreitetste Autotyp im Lande. Meine Kinder hatten auch eins.

        Ich kann mir die Probleme mit Grob- und Feinmotorik nur noch so erklären, dass das eben vorwiegend diejenigen Kinder betrifft, die nicht in eine Kita gegangen sind und von ihren Eltern überbehütet wurden. Das könnte man aber empirisch erforschen.

        Die Mädchen leiden vielleicht weniger unter motorischer Unruhe a l s Jungen. Sie könnten theoretisch genauso betroffen sein w i e Jungen. Das bleibt wohl offen.

        • Wann waren Sie zuletzt in einer Kita?

          In vielen Kitas kommen die Kinder kaum ins Außengelände, weil es schlicht nicht genug Erzieherinnen für die Aufsicht draußen gibt (Krankenstand!). Also bleiben sie drinnen.

          Darüber hinaus beschweren sich nicht wenige Eltern massiv, wenn die Kinder beim Abholen verdreckt sind. Die Kinder umzuziehen, dafür haben die Erzieherinnen aber keine Zeit. Also bleiben die Kinder drinnen.

          Und verletzen soll sich auch kein Kind – sonst drohen den Erzieherinnen Klagen von Elternseite. Also bleiben die Kinder drinnen.

          Spielen im Wald? Gibt es kaum noch. Spielzeug selber machen? Kommt so gut wie nicht mehr vor. Die Folgen hat Palim hier ja eindrucksvoll beschrieben. Und das können nicht die Kinder sein, die keine Kita besucht haben. Denn die gibt es ja kaum noch – über 90 Prozent der Kinder gehen doch in den Kindergarten.

          • Ich habe zwei Kinder in der Kita und die sind mit Ausnahme von Regenwetter immer draußen, sobald die Sonne scheint.Außerdem haben die täglich Turnen,jede Menge Turngeräte, Rutschen und sogar einen Fußballplatz.Zusätzlich wird mit denen das Malen und der Umgang mit Scheren,Buntstiften etc. geübt.Also bestehen beste Vorraussetzungen. Und dann folgt die Einschulung mit den Methoden des selbsterforschenden Lernens mit Anlaut-Tabellen, und das kann man vergessen und sollte es den Lehrern untersagen derart Kinder im Stich zu lassen.

          • “… über 90 Prozent der Kinder gehen doch in den Kindergarten.”

            Na, dann schauen Sie mal hier rein:

            https://www.derwesten.de/region/weniger-kita-kinder-mit-migrationshintergrund-in-nrw-id11477309.html

            Ich war das letzte Mal in einer Kita drin, als meine Kinder dort hingingen (jetzt sind sie schon lange raus). Das war ganz anders als Sie beschreiben. Die Kinder hatten eine extra Matschhose, die drübergezogen wurde, wenn Schmutz zu erwarten war. Und sie waren viel draußen. Man konnte das (kleine) Gelände von innen einsehen. Die Tür stand oft offen. Und auch drinnen waren einige Geräte für körperliche Betätigung.

        • PS. Natürlich können Erzieherinnen – anders als Eltern – Kinder nicht einfach unbeaufsichtigt nach draußen schicken. Erzieherinnen sind aufsichtspflichtig! Was glauben Sie, was mit einer Erzieherin passiert, wenn ein Kind, das im Kita-Gelände unbeaufsichtigt gespielt hat, verunglückt?

      • Mâdchen sind feinmotorisch und damit graphitmotorische ca ein Jahr weiter als Jungen. Dazu gab es entsprechende Untersuchungen an großen Schülergruppen.Und hilft eben nur ein gezieltes und strukturiertes Üben.

  7. Milch der frommen Denkungsart

    @AvL:

    Zuviel der Ehre, Sie Schusterpoet 😉

  8. graphomotorisch

  9. Milch der frommen Denkungsart

    @Bernd:

    Ihr natürlich bewußt provozierender, aber ja bekannt blinder Rigorismus, mit der Sie insbesondere die deutsche Geschichte ausleuchten, ist letztlich von derselben selektiven Qualität, die Sie sonst permanent (teils zurecht) der AfD entrüstet um die Ohren hauen; wer aber von anderen so vehement einfordert, daß Meinung an Moral gebunden sein müsse, sollte selbst zuerst die eigenen ideologischen Fesseln abwerfen.

    • Das ist, basierend auf seine Haltung, für Bernd lebensbedrohlich, weil er nur durch die Fesseln zusammengehalten wird. Das ist ähnlich wie bei dieser Mainstream-Ideologie: Sobald man darüber logisch nachdenkt, fällt sie wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

      Liebe Milch, bitte nicht lachen. Das ist so ziemlich das Maximum, was ich an Sprachgewandtheit aus meinem hochrationalen Hirn herausquetschen kann.

      • Milch der frommen Denkungsart

        @xxx:

        Wieso sollte ich Sie denn auslachen ? Ratio und wohlgeformte deutsche Sätze sind doch nicht wie Kain und Abel .

      • @xxx
        Ihr Bild von den ideologischen Fesseln, die für manche Menschen das Ich aufrecht- und zusammenhalten, gefällt mir. Sie aufzugeben wäre für die Psyche, insbesondere das Selbstbewusstsein, im Extremfall tatsächlich lebensbedrohlich.
        Viele dürften schon die Erfahrung von quälenden Selbstzweifeln gemacht haben, wenn Gewissheiten ins Wanken geraten, die für die Ausrichtung des eigenen Lebens und die Behandlung anderer Menschen von entscheidender Bedeutung waren.

    • Bernd: Wenn Sie doch bekanntlich immer so für die progressive Pädagogik eintreten und anderen hier vorhalten, wie reaktionär sie doch sind, dann möchte ich Sie fragen, was Sie eigentlich von dem Erziehungsstil in den Parallelgesellschaften halten, die uns ja unzweifelhaft aus fernen Ländern zugewandert sind. Da kommen Kinder mit der deutschen Sprache gar nicht erst in Berührung, bis sie eingeschult werden. Man bleibt unter sich und spricht türkisch, arabisch oder anderes. Da vermittelt man den Kindern als Werte mittelalterliche gesellschaftliche Traditionen und Aberglauben wie z.B. den Jungfräulichkeitswahn und die Familienehre, die Prügelpädagogik feiert ein Comeback (in der Wissenschaft heißt es dann vornehm “gewaltaffine Erziehung”). Schon Grundschulmädchen tragen Kopftücher und werden auf eine künftige Rolle als Hausfrau und Mutter gedrillt, und jede Form von Individualität oder Anderssein wird erstickt von der umgebenden Community, weil sie als Bedrohung der Familie wahrgenommen wird. Imame gelten als höhere Autoritäten als Lehrer. Manche Eiferer schicken sich schon an, den Schulstoff einer Art “religiösen Zensur” zu unterwerfen.
      Gleichzeitig wird von unseren Oberpädagogen gepriesen, diese Kinder sollten durch (unsere!) Bildung aufsteigen und außerdem vor “Radikalisierung” geschützt werden. Ich könnte das alles durch Zitate belegen (aber keine, die was mit der AfD zu tun haben).
      Ich wäre gespannt auf Ihre Einschätzung. In letzter Zeit habe ich von Ihnen keinen Beitrag wahrgenommen, der eine sinnvolle Diskussion zur Folge hätte haben können. Hier ginge es mal um die zeitgemäße progressive Pädagogik in den Familien (natürlich in “vertrauensvoller Zusammenarbeit” mit den Schulen).

      • Was verstehen Sie denn unter “progressiver Pädagogik”, für die ich hier “bekanntlich” angeblich eintrete? Ich trete für eine Pädagogik des 21. Jahrhunderts ein, die sich den aktuellen Herausforderungen in einer modernen Gesellschaft stellt – und nicht für irgendeinen völlig ahistorischen Blabla von “tausendjährigen Erfahrungen” und den Schönheiten militaristischer und autoritärer Erziehung.

        Im Gegensatz zu den kulturpessimistischen und soziopathischen Meckeropas (und Meckeromas) hier stehe ich aktuell in der Verantwortung als Familienvater, meine Kinder auf die Teilhabe an einer globalisierten und digitalisierten Welt vorbereiten zu müssen – mit dem ewigen selbstgerechten Lamento “früher war alles besser” (was falsch ist!) wird das nicht gelingen. Und mit Ausländerfeindlichkeit, Cavalieri, auch nicht. Klar gibt es Fälle die wie von ihnen beschriebenen – es gibt auch bescheuerte, nicht-integrierte Deutsche, die ihre Kinder mit nationalistischen Parolen traktieren.

        • Sehr geehrte/r xxx,

          wir machen keine Werbung für rechtspopulistische Blogs – und verlinken auch nicht darauf. Deshalb schalten wir Ihren Kommentar, der entsprechende Links enthielt, nicht frei.

          Mit freundlichem Gruß
          Die Redaktion

          • Danke für den Hinweis. Dass dieser Blog rechtspopulistisch ist, ist mir neu und hat auch eine (kurze) Recherche nicht ergeben. Gegen den Mainstream ist er auf jeden Fall, allerdings fehlt auch ein Impressum, weshalb ich Ihre Entscheidung toleriere.

          • Hallo, Redaktion,
            es herrscht offenbar eine Unsicherheit in diesem Forum über Blogs, die von Ihnen als rechtspopulistisch eingestuft werden.
            Könnten Sie die für Sie wichtigsten nicht einfach mal bei Namen nennen, damit jeder weiß, was er an Meinung Links dazu vermeiden sollte?

          • Sehr geehrte/r U. B.,

            wenn Sie selbst nicht wissen, ob die Quellen, auf die Sie hinweisen möchten, seriös sind oder nicht – dann können wir Ihnen nicht helfen. Wie bieten keine Beratung in Sachen Medienkompetenz an. Für den Einstieg hilft ein Tutorial von tagesschau.de: http://faktenfinder.tagesschau.de/fakenews-erkennen-tutorial-101.html

            Was die Veröffentlichung von Links auf News4teachers betrifft, so gilt, was auch für Inhalte im Forum gilt: Wir, die Redaktion, sind presserechtlich verantwortlich – üben also quasi das Hausrecht aus. Und wir entscheiden im Einzelfall, ob wir einen Post bzw. Link veröffentlichen. Niemand hat einen Anspruch darauf, auf dieser Seite Inhalte anonym und nach seinem Gusto veröffentlichen bzw. bewerben zu können.

            Herzliche Grüße
            Die Redaktion

        • Von den “Schönheiten militaristischer und autoritärer Erziehung” hat hier kein Mensch geredet.
          Mich stören immer wieder Ihre Falschaussagen und bewussten Fehldeutungen.

          • So, so, kein Mensch.

            Zitat xxx: “Ob Verteidigung im Kriegsfall oder nicht, es wurde noch zu „Gehorsam, Ordnung, Fleiß, Mut und Pflichtgefühl“ erzogen”

            Welche Zeit ist denn wohl mit “im Kriegsfall” gemeint?

          • Mit dem Kriegsfall habe ich mich auf Ihren eigenen Kommentar bezogen. Von daher müssen Sie diese Frage schon selbst beantworten. Ansonsten haben Sie das Zitat von mir aber gehörig aus den Zusammenhang gerissen.

          • @xxx
            Richtig, den Kriegsfall und die Darstellung der sog. Sekundärtugenden als Tugenden von KZ-Mördern hat Bernd selbst ins Spiel gebracht.
            Mich empört auch immer wieder, zu welch hässlichen Mitteln (Unterstellung, Verleumdung, Verdrehungen der Tatsachen usw.) dieser Diskutant immer wieder greift, um unerwünschte Meinungen und deren Vertreter zu besudeln.

        • “Was verstehen Sie denn unter „progressiver Pädagogik“…?”

          Na, die moderne, gewaltfreie, auf Emanzipation und Toleranz gerichtete Pädagogik, wie sie normalerweise in unseren Kitas praktiziert und wie sie für die “eine Schule für alle” geplant wird. Wir haben doch eine UN-Konvention zur gewaltfreien Erziehung ratifiziert. Aber wer macht denn die schon vorher genannten Kreise mal daauf aufmerksam, dass es diese UN-Konvention überhaupt gibt? Sogar Gerichtsurteile rechtfertigen gelegentlich merkwürdige Prinzipien in diesem Punkte, hier in Bezug auf eine Ehefrau, aber das gab’s auch schon in Bezug auf Kinder (z.B. in England):

          http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-50990541.html

          Und inwiefern diese ethnischen und religiösen Parallel-gesellschaften mit altertümlichen Prinzipien (Sie selbst haben solche der deutschen Vergangenheit herausgestellt) den darin aufwachsenden Kindern förderlich sind, ist eine große Frage. Stimmen Sie zu, dass das prinzipiell wohl nicht so ist? Oder sollen wir das lieber schönreden, nur weil das Gegenteil mit dem pauschalen Etikett “ausländerfeindlich” versehen werden kann? Ist jemand ausländerfeindlich, der ausländische Kinder vor der Gewalt durch ihre ausländischen Eltern schützen will?

          • Ich versteh’ kein Wort – was haben denn jetzt die Themen Ausländer und Erziehung miteinander zu tun? (Außer dass natürlich auch Ausländer Kinder erziehen – manche wahrscheinlich gut, andere schlecht. Wie Deutsche eben auch.)

          • Es geht nicht um gut und schlecht. Wer in Deutschland dauerhaft leben möchte, muss sich zwangsläufig an gewisse Regeln und Gepflogenheiten halten, was sich auch auf die Erziehung der eigenen Kinder auswirken kann. Eine im Heimatland übliche sehr patriarchische Erziehung führt hierzulande zu Problemen.

          • Bernd: Lesen Sie doch einfach nochmal das, was ich oben am 13.11. um 23:45 zum Erziehungsstil geschrieben habe. Das war genau der Ausgangspunkt: Der (ganz normale) Erziehungsstil in diesen Parallelgesellschaften von Einwanderern. Ich denke, der ist den Kindern nicht förderlich. Und das verstehen Sie nicht??

          • Netter Versuch, Ihre offenbar latente Fremdenfeindlichkeit hier unterzubringen. Sie, xxx, haben Ihr Lieblingsaufregerthema Genderforschung ja noch gar nicht hier platziert – die trägt doch sicherlich auch zu einer schlechteren Handschrift bei, oder?

          • Bernd: logisches Denken ist wohl nicht ihre Stärke? Eher motzen und diffamieren?

  10. vielleicht so: Ein Lehrer wurde suspendiert, weil zwei augenscheinlich Schülerinnen im Unterricht mit “Well done girls” lobte. Eines der Mädchen war aber ein transgender Junge, wollte nicht als Mädchen angesprochen werde und die Eltern beschwerten sich. In Wahrheit war der Lehrer den Eltern zu streng und sie wollten ihn loswerden.

    Das kann theoretisch immer passieren, je nach Erziehung schon in der Grundschule.

    http://www.dailymail.co.uk/news/article-5073511/Teacher-suspended-praising-pupil-using-wrong-gender.html

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