Kabinett vertagt Planung für Oberstufe an Gemeinschaftsschulen

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STUTTGART. Im Schuljahr 2018/2019 sollen die ersten Oberstufen an Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg eingerichtet werden. Eigentlich wollte die grün-schwarze Regierung am kommenden Dienstag die rechtlichen Anpassungen dafür auf den Weg bringen. Geplant ist offenbar auch eine bessere Besoldung der betroffenen Schulleiter. Doch nun ist das besonders von der CDU ungeliebte Thema erst einmal wieder von der Tagesordnung des Kabinetts.

Das grün-schwarze Kabinett soll bald die rechtlichen Anpassungen zur Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an ausgewählten Gemeinschaftsschulen auf den Weg bringen. Der Plan sieht unter anderem eine bessere Besoldung für Schulleiter und ihre Stellvertreter an Gemeinschaftsschulen mit gymnasialer Oberstufe vor. Zudem wird eine Stundentafel für die Oberstufe eingeführt. Sie regelt, wie viele Stunden welches Fach unterrichtet werden soll.

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Baden-Württembergs grün-schwarze Landesregierung hatte sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, an bis zu zehn Standorten gymnasiale Oberstufen an Gemeinschaftsschulen einzurichten. Foto: thomas stein /flickr (CC BY-SA 2.0)
Baden-Württembergs grün-schwarze Landesregierung hatte sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, an bis zu zehn Standorten gymnasiale Oberstufen an Gemeinschaftsschulen einzurichten. Foto: thomas stein / flickr (CC BY-SA 2.0)

Im Schuljahr 2018/2019 sollen die ersten Oberstufen eingerichtet werden. Die Genehmigung dafür haben bislang die Gemeinschaftsschule West in Tübingen und die Gebhardschule in Konstanz erhalten. Darüber berichteten auch «Heilbronner Stimme» und «Mannheimer Morgen» (Donnerstag). Das Thema stand bereits für Dienstag (28.11.) auf der Tagesordnung des Kabinetts, wurde aber heute wieder runtergenommen. Der Grund: Die CDU hat dem Vernehmen nach noch Klärungsbedarf beim Punkt Fremdsprachenunterricht angemeldet.

Die grün-rote Vorgängerregierung hatte die neue Schulart eingeführt. Mittlerweile gibt es 302 Gemeinschaftsschulen, die aber nur bis Klasse zehn gehen. Die derzeitige grün-schwarze Landesregierung hatte sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, gymnasiale Oberstufen an Gemeinschaftsschulen einzurichten, wenn sie die vorgeschriebene Mindestschülerzahl von 60 erreichen. Dabei gingen Grüne und CDU davon aus, dass dies an nicht mehr als zehn Standorten der Fall sein wird.

Die CDU hatte die Gemeinschaftsschule zu Oppositionszeiten heftig bekämpft. Sie stand auch der Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe sehr kritisch gegenüber. Befürworter sehen in der Gemeinschaftsschule eine Möglichkeit, allen Kindern und Jugendlichen dieselben Bildungschancen einzuräumen. Kritiker meinen, die Gemeinschaftsschule sei vor allem unter Grün-Rot finanziell zulasten anderer Schularten bevorzugt worden, und das Lernniveau der Schüler sinke insgesamt.

FDP-Bildungsexperte Timm Kern hielt der CDU vor, eingeknickt zu sein. «Noch am 20. Mai 2014 beantragte die CDU-Fraktion die Streichung der dreijährigen gymnasialen Oberstufe an Gemeinschaftsschulen im Schulgesetz.» Die FDP halte die Oberstufen an Gemeinschaftsschulen für eine kostspielige und unnötige Konkurrenz zu den Beruflichen Gymnasien. «Diese führen sehr erfolgreich junge Menschen von der Mittleren Reife zum Abitur und haben aus unserer Sicht keine Schwächung, sondern eine Stärkung verdient.» Die FDP werde noch einmal beantragen, auf die Oberstufe in Gemeinschaftsschulen zu verzichten und die Mittel den beruflichen Gymnasien zu geben. (dpa)

Regierungsfraktionen (immer noch) uneins in Sachen Oberstufe an Gemeinschaftsschulen

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