Berlin: Jüdischer Gymnasiast von Mitschülern beleidigt

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BERLIN. An einer Berliner Schule ist ein neuer Fall von Antisemitismus bekanntgeworden. An der Ernst-Reuter-Schule in Wedding soll ein jüdischer Gymnasiast bei einer Diskussion über den Nahostkonflikt von Mitschülern antisemitisch beleidigt worden sein. «Mit Betroffenheit und in klarer Ablehnung müssen wir mitteilen, dass es in der letzten Woche in unserer Schule zu einem antisemitischen Vorfall gekommen ist, bei dem ein Schüler unserer Schule Diskriminierungen erleben musste», teilte der Schulleiter bereits am Mittwoch auf der Schul-Website mit.

Wie die «Jüdische Allgemeine» berichtet, soll der 18-Jährige bei der Diskussion in der Schulmensa mit Sätzen wie «Ihr seid Kindermörder», «Euch sollte man die Köpfe abschneiden» und «Wallah, Hitler war gut!» attackiert worden sein. Laut der Zeitung, die den Namen der Schule nicht nennt, hatte sich der Junge an die Schulleitung gewandt und muss in den Pausen nicht mehr auf den Hof – zu seiner Sicherheit. Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) erklärte, sie erwarte eine transparente Aufklärung des Falls.

Der Nahostkonflikt erhitzt auch in Deutschland die Gemüter. Foto: Soman / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.5)
Der Nahostkonflikt erhitzt auch in Deutschland die Gemüter. Foto: Soman / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.5)
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Der neue Fall erinnert an die Vorkommnisse an einer Schule in Berlin-Friedenau. Dort war im April ein 14-jähriger Schüler gemobbt worden, weil er Jude ist. Die Eltern warfen der Schulleitung vor, zu spät auf Beleidigungen und Angriffe türkisch- und arabischstämmiger Schüler reagiert zu haben. Sie nahmen ihren Sohn von der Schule. Bereits am Mittwoch war ein weiterer Fall von Judenhass in Berlin-Schöneberg bekannt geworden. Ein Passant hatte den Besitzer eines israelischen Restaurants antisemitisch beschimpft. dpa

Junge verlässt Berliner Schule wegen antisemitischer Anfeindungen

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14 KOMMENTARE

  1. Juden in den Pausen nicht mehr auf den Hof ? die Berliner Lösung. Man bleibt ein wenig sprachlos zurück. Sprachlos oder doch sehr blass und unbestimmt bleibt auch die Politik. Die Medien ernten, was sie über Jahre gesät haben.

  2. Cavalieri
    Danke für den Artikel, begründet er doch das Abhören derartiger Einrichtungen durch den Verfassungsschutz, sowie das Einschleusen von verdeckten Ermittlern in diese Kreise.
    Was wohl unsere gender-Anhänger zu dem Problem des geschürten Hasses sagen?

  3. Bei einem Gymnasiasten der Oberstufe erwarte ich, dass er weiß, was er sagt und wenn er etwas sagt, dass er es auch aus Überzeugung tut. Da hilft dann auch keine Ausflug zu einer Gedenkstätte oder ein (Besinnungs-)Referat; ich glaube nicht, dass man solche zum Umdenken anleiten kann, da hilft nur der sofortige Ausschluss von der Schule mit dem klaren Signal, dass Antisemitismus nie mehr geduldet wird. Wer anderen Menschen den Tod, die Enthauptung, die Schoah wünscht und Hitler zu seinem persönlichen Helden erkoren hat, der verdient kein Abitur, der hat das Bildungsziel offenkundig nicht erreicht.

  4. Ob es sich um den sog. neuen oder den sog. alten Antisemitismus handelt ist hierbei eigentlich egal. Ich ging jetzt davon aus, dass der junge Mann und die junge Frau etwa im gleichen Alter seien, ein Alter, in dem ein (historisch) reflektiertes Handeln vorauszusetzen sein sollte. Ich denke auch, dass im Nahost-Konflikt bestimmt die Emotionen auf beiden Seiten zuweilen überkochen, das rechtfertigt jedoch noch nicht, dass man Menschen den Kopf abschlagen oder alle Juden vernichten sollte. Ich meine, der Satz “Hitler war gut” lässt wenig Spielraum zur Interpretation.
    Im Schulgesetz des Landes Berlin heißt es im ersten Absatz: “Ziel muss die Heranbildung von Persönlichkeiten sein, welche fähig sind, der Ideologie des Nationalsozialismus […] entschieden entgegenzutreten”, wenn dieses Ziel so offensichtlich nicht erreicht wurde, sehe ich – um jetzt auf Ihre Frage zurückzukommen – keine Berechtigung für den höchsten Schulabschluss unseres Landes.

    • “… keine Berechtigung für den höchsten Schulabschluss unseres Landes.”
      Ob die Juristen das auch so sehen?
      Ich fände es ja schon einen Fortschritt, wenn die Schulordnung da eine klare Sprache sprechen würde und wenn Schüler, die sich so äußern, eben von der Schule fliegen (ohne gleich strafrechtliche oder andere Konsequenzen für den Rest des Lebens), am besten ohne Widerspruchsmöglichkeit (die Schulleitung entscheidet). Aber man scheint sich nicht zu trauen, Schulordnungen straff anzuwenden.
      Eine andere Frage ist natürlich, ob überhaupt Araber in ihrem Judenhass irgendetwas mit der Ideologie des Nationalsozialismus zu tun haben. Vermutlich werden das viele leugnen, auch in unseren Regierungen. Also könnte Ihr Vorschlag schon deshalb ein stumpfes Schwert sein. Damit würde man dann auch deutsche und türkische rechtsradikale Nationalisten mit zweierlei Maß messen. Ich fände das nicht gut.

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