App, Lückentext und Auslandsreise – wie heutzutage eine Fremdsprache gelernt wird

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POTSDAM. Die Sprachreise nach Spanien, der Abendkurs an der Volkshochschule – braucht man das heute noch, wo man doch per App Vokabeln pauken kann? Nicht unbedingt. Der beste Weg zu einer neuen Sprache hängt aber vom Lerntyp ab, von den eigenen Zielen – und vom Budget.

viele Flaggen
Für viele Berufe ist es von Vorteil, eine Fremdsprache zu beherrschen. Foto: Cesarexpo /Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Uno, deux, tres, four – mit den Zahlen geht es beim Lernen fremder Sprachen meistens los. Da hören die Gemeinsamkeiten dann aber auch schon wieder auf. Denn inzwischen gibt es verschiedene Möglichkeiten, um die Grundlagen und die Feinheiten von Russisch, Portugiesisch oder Arabisch kennenzulernen: Klassische Kurse an Sprachschulen und Sprachreisen mit Intensiveinheiten vor Ort stehen ebenso zur Wahl wie das Lernen mit einem Tandempartner, per App oder im Onlinekurs.

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Um aus den vielfältigen Angeboten das Passende auszuwählen, ist das Ziel entscheidend – je nachdem, ob man die Französischkenntnisse aus der Schule aufbessern will, eine Fremdsprache für den Beruf vorweisen soll oder sich auf den Urlaub in der Türkei vorbereitet.

Wer erste Schritte in einer fremden Sprache machen will, kann dafür eine der zahlreichen Sprach-Apps ausprobieren. «Mobile Apps sind in erster Linie für Anfänger gedacht», sagt Harald Clahsen, Professor am Potsdamer Forschungsinstitut für Multilingualismus (PRIM). Babbel, Duolingo, Rosetta Stone und Co. helfen, die Scheu vor einer fremden Sprache zu verlieren. Auch für Leute, die ihre Sprachkenntnisse auffrischen möchten, bietet sich das Lernen per App an.

Gratis- und Bezahlangebote

Die Basisversion der Programme ist oft kostenlos, für Bezahlangebote werden etwa fünf bis zehn Euro pro Monat fällig. Die Apps funktionieren dabei wie klassische Übungsbücher aus dem Schulunterricht und fragen vor allem den Wortschatz und typische Gesprächssituationen ab. Manche arbeiten mit Bildern oder Audiodateien, andere funktionieren komplett einsprachig. Grammatikwissen und Erklärungen stehen eher im Hintergrund.

Mehr als Basisniveau erreicht man mit solchen Apps aber nicht, urteilt Clahsen. «Spezialwissen muss man in einem herkömmlichen Sprachkurs lernen.» Was den Apps fehlt, ist die direkte Anleitung durch einen Lehrer. Und wenn Rahmen und Zeitplan eines Kurses fehlen, verlässt Lernende schnell die Motivation. «Die Drop-out-Rate bei Apps ist sehr hoch.»

Ein weiteres Problem der Apps ist das Feedback. «Das Programm kann bestimmte Fehler nicht erkennen», sagt Manuela Beck, Leiterin des Goethe-Instituts München. Auch die Sprachpraxis bleibt auf der Strecke, wenn man am Smartphone Vokabeln paukt. Anders ist das bei Sprachreisen ins Ausland. «Es führt im Durchschnitt zu schnellerem Lernerfolg, wenn man von früh bis spät mit der Sprache konfrontiert ist», weiß Beck. Wem dafür Zeit und Geld fehlen, kann sich zu Hause auch einen Muttersprachler als Tandempartner suchen. Vermittler dafür sind zum Beispiel die Sprachzentren von Universitäten.

Bei persönlichen Treffen, am Telefon, per Chat oder E-Mail unterhält man sich dann über verschiedene Themen. So lernt man die Alltagssprache kennen. Und das ist etwas, was in Kursen oder beim Durcharbeiten von Übungsheften oft zu kurz kommt, erklärt Fabiana de Lima vom Tandembüro der Universität Leipzig. Lernmaterialien kommen bei der Tandem-Methode meist nicht zum Einsatz, die Partner wählen selbst ihre Schwerpunkte. «Es gibt diejenigen, die nur Grammatik lernen wollen und andere, die nur sprechen möchten», sagt de Lima.

Wirklich sicher mit Sprachkursen

Wer in einer Sprache wirklich sicher sein will oder ein Zertifikat für den Arbeitgeber braucht, kommt um einen Sprachkurs aber kaum herum. Bei der Auswahl ist es wichtig, auf das richtige Niveau zu achten. Dafür gibt es den sogenannten europäischen Referenzrahmen: Der beginnt bei A1 und endet bei C2. Seriöse Anbieter erkennt man dabei unter anderem an einem Einstufungstest, sagt Beck. Welchen Kurs man wählt, ist darüber hinaus erst einmal egal – das entsprechende Zertifikat erhalten Anwärter nach einem Test, der meistens unabhängig vom Kurs stattfindet.

Wer kein passendes Angebot vor Ort findet, kann sich auch im Netz auf die Suche machen: Einige Sprachschulen verlegen den Unterricht bereits ins Internet. «Es gibt Onlinekurse, die Präsenzkursen sehr ähnlich sind», sagt Beck. Das persönliche Gespräch findet dann per Chat oder Videokonferenz statt. Solche Live-Sessions mit direktem Kontakt zu den Lehrenden wechseln sich ab mit geschlossenen Übungsformen wie Vokabeltests oder Lückentexten. «Wir können aus Erfahrung sagen, dass die Bestehensquote bei tutorierten Onlinekursen nicht geringer als bei Präsenzkursen ist», erklärt Beck.

Wer ambitionierte Ziele hat, muss allerdings Zeit und Geld investieren: 750 Euro kostet zum Beispiel ein achtwöchiger Abendkurs am Goethe-Institut. Wer etwa von null auf das B2-Niveau kommen will, eine Sprache also fließend beherrschen will, braucht wohl mindestens ein Jahr Lernzeit, schätzt Beck – und mehrere tausend Euro. «Manche wollen das in sechs Monaten schaffen – das ist schon sehr ambitioniert.» Was nicht heißt, dass es unmöglich ist. «Sie werden für alles jemanden finden, der es auch auf andere Weise gut geschafft hat.» dpa

Jetzt ist’s durch: Eisenmann verschiebt den ersten Fremdsprachenunterricht von der 1. in die 3. Klasse (erlaubt aber Ausnahmen)

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