Besser schlafen ohne soziale Medien – Entzug verändert die Einstellung von Jugendlichen

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ERLANGEN. Wie reagieren Jugendliche auf die Trennung von Sozialen Medien? Dieser Frage gingen Erlanger Bildungsforscher nach – auf einem Segelschiff.

Soziale Medien spielen im Alltag von Jugendlichen eine enorm große Rolle. 97 Prozent von Ihnen nutzen täglich das Internet. Das wichtigste Motiv für die Nutzung ist mit 82 Prozent „Spaß“, dicht gefolgt von „nützlich für den Alltag“ mit 80 Prozent, „Denkanstöße bekommen“ und „Information“ mit jeweils 79 Prozent und „mitreden können“ mit 78 Prozent.

Drei Wochen ohne WLAN können für Schüler entlastend sein. (Symbolbild) Foto: luebke.veddel / flickr (CC0 1.0)
Drei Wochen ohne WLAN können für Schüler entlastend sein. (Symbolbild) Foto: luebke.veddel / flickr (CC0 1.0)
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Was passiert mit Jugendlichen, wenn sie keinen Zugang zum Internet haben und drei Wochen lang komplett auf Soziale Medien verzichten müssen? Das untersuchten Bildungsforscher bei der Jubiläums-Fahrt des „Klassenzimmers unter Segeln“ (KUS), eines Forschungsbereichs des Instituts für Erziehungswissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Sechs Monate lang waren 34 Schüler der 10. Jahrgangsstufe auf einem Dreimaster unterwegs und entdecken im Unterricht fremde Länder. Verzichten müssen sie dafür zum Beispiel auf WLAN.

Wie es ihnen damit geht, ermittelten Projektleiter Thomas Eberle und Zinaida Adelhardt in einer Reihe von Erhebungen. Vor, während und nach der Reise füllten die Jugendlichen standardisierte Fragebögen aus und nahmen an Interviews teil. Darüber hinaus schrieben die Teenager kurze Essays über ihre Erfahrungen. „Die Ergebnisse sind ungewöhnlich und hoch interessant“, freut sich Eberle. „Bisherige Studien untersuchten nur sehr kurze Offline-Zeiten von ein paar Stunden oder einem Tag. In unserem Projekt dagegen hatten wir Offline-Zeiten von bis zu drei Wochen.“

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Die Jugendlichen reagierten sehr unterschiedlich auf die dreiwöchige Offline-Phase. Einige Schüler berichteten, dass sie ruhiger schliefen und sich über mehr Lebensqualität freuten. „Sie sprachen sogar von einer großen Entlastung, weil sie nicht ständig online sein müssen“, so Zinaida Adelhardt.

Andere fieberten den seltenen Landgängen entgegen, um sich ins WLAN einzuloggen und über soziale Medien zu kommunizieren. Bei ihnen spielte einerseits die „fear of missing out“ (fomo) – also die Angst vor dem Verpassen – eine große Rolle. Andererseits übten auch die Erwartungen von Eltern, Geschwistern und Freunden zu Hause einen Druck auf die befragten Schüler aus. „Sie hatten das Gefühl, dass sie sich immer so bald wie möglich melden müssen“, erläutern die Wissenschaftler.

Die dritte und letzte Gruppe war schon vor dem Törn sehr wenig im Internet aktiv. Sie blieb erwartungsgemäß auch weiterhin skeptisch-kritisch gegenüber sozialen Medien.

Auch andere Jugendliche, die vor der Reise eine positive Einstellung zu Sozialen Medien hatten, wurden unterwegs zunehmend kritisch. „Innerhalb von nur drei Wochen nach Medienisolation nahmen die negativen Einstellungen gegenüber Sozialen Medien bei den Schülern signifikant zu“, fassen Eberle und Adelhardt zusammen. „Die positiven Einstellungen nahmen dagegen deutlich ab.“ Wie diese Einstellungsänderungen das Verhalten der Jugendlichen und deren Nutzung der Sozialen Medien langfristig beeinflussen werden, wird sich im Laufe der nächsten Untersuchungen zeigen, die bis zu einem halben Jahr nach Ende der Reise stattfinden werden. (zab, pm)

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