Studie: Weiterbildung fördert die Innovation – wenn das Arbeitsumfeld passt

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FRANKFURT: Dem Weltwirtschaftsforum zufolge ist Deutschland das innovativste Land der Erde. Eine mögliche Erklärung liefert das Frankfurter Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie in einer neuen Studie.

Politiker und Wirtschaftsvertreter tragen es wie ein Mantra vor sich her: Bildung, Weiterbildung und lebenslanges Lernen sind entscheidende Faktoren für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Doch nicht in allen Unternehmen ist es um die Weiterbildungskultur gut bestellt. Dass sich Betriebe tatsächlich erheblich schaden, wenn sie ihren Mitarbeitern Steine in den Weg legen, eine Weiterbildung zu besuchen, haben Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FIBS) belegt.

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Die Kombination aus komplexen Arbeitsaufgaben, Lernen am Arbeitsplatz und zusätzlichen Weiterbildungsmaßnahmen fördert die Innovationsleistung in einem Unternehmen deutlich. Foto: rawpixel / Pixabay (CC0 1.0)
Die Kombination aus komplexen Arbeitsaufgaben, Lernen am Arbeitsplatz und zusätzlichen Weiterbildungsmaßnahmen fördert die Innovationsleistung in einem Unternehmen deutlich. Foto: rawpixel / Pixabay (CC0 1.0)

In ihrer Studie „Adult education and Innovation“ zeigen Dieter Dohmen und Galiya Yelubayeva, dass die Teilnahme von Arbeitnehmern an beruflicher Weiterbildung einen signifikant deutlichen Einfluss auf wirtschaftliche Innovation besitzt. Weiterbildung allein wirkt sich allerdings nicht automatisch förderlich auf Innovation aus. Voraussetzung für eine innovative Wirkung ist ein Arbeitsumfeld, das durch komplexe Aufgabenstellungen, eigenverantwortliche Entscheidungskompetenzen und Lernen am Arbeitsplatz gekennzeichnet ist.

Für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes sind Innovationen ein entscheidender Faktor. Dies setzt jedoch Mitarbeiter voraus, die nicht nur eigenverantwortlich und kreativ handeln, sondern zugleich auch kontinuierlich ihre Kompetenzen weiterentwickeln. Bislang existieren allerdings nur wenige Untersuchungen dazu, ob und inwieweit Weiterbildung Auswirkungen auf die Innovationskraft eines Landes hat.

Die Ergebnisse der Studie weisen nach Ansicht ihrer Autoren eindeutig darauf hin, dass die Kombination aus komplexen Arbeitsaufgaben, Lernen am Arbeitsplatz und zusätzlichen Weiterbildungsmaßnahmen zur Innovationsleistung beiträgt. Dagegen zeigten Arbeitsumgebungen mit geringerer Eigenverantwortlichkeit und Aufgabenkomplexität sowie mit weniger Lernmöglichkeiten erhebliche negative Auswirkungen auf die Innovation. Die Studie stützte sich dabei auf Daten aus verschiedenen europäischen Studien zur Weiterbildung und zu Arbeitsbedingungen.

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Um den Einfluss der Weiterbildung auf die Innovationskraft isolieren zu können, wurde in Studie der Innovationsindex von 28 europäischen Ländern betrachtet. Dabei wurden mittels statistischer Verfahren die Auswirkungen verschiedener Weiterbildungsindikatoren (beispielsweise die Teilnahme der Arbeitnehmer; der Anteil der Unternehmen, die Weiterbildung anbieten; Kosten und Umfang) und des Arbeitsumfelds auf das jeweilige Innovationsniveau untersucht. Gleichzeitig wurden in der Untersuchung PISA-Ergebnisse der jeweiligen Länder, der Anteil an Hochschulabsolventen, die Forschungs- und Entwicklungsausgaben sowie das Brutto-Inlandsprodukt pro Kopf als weitere mögliche Einflussfaktoren berücksichtigt.

„Die Studie belegt damit erstmals, dass Weiterbildung einen positiven Einfluss auf die Innovationsfähigkeit von Ländern hat,“ so FIBS-Direktor Dieter Dohmen. „Bisher ging man davon aus, dass insbesondere die Arbeitsorganisation wichtig für Innovation ist. Wird diese komplexe und flexible Arbeitsorganisation aber durch Weiterbildung ergänzt, dann verbessert sich der Erklärungsgehalt noch einmal deutlich“. (pm)

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