Studie zur Inklusion: Im gemeinsamen Unterricht herrscht mehr Lärm und weniger Disziplin

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KÖLN. Die Inklusion sorgt für mehr Lärm und weniger Disziplin im Unterricht. Dies ist das Ergebnis einer Befragung von Lehrerinnen und Lehrern aus den Fachbereichen Sport, Englisch und Deutsch durch das „Zentrum für LehrerInnenbildung“ (ZfL) der Universität Köln und das „SportlehrerInnen-Ausbildungszentrum“ der Deutschen Sporthochschule Köln. Danach wird auch die größere Heterogenität der inklusiv zusammengesetzten Lerngruppen als problematisch empfunden. „Lehrkräfte in inklusiven Klassen sind demnach objektiv belasteter“, so schlussfolgern die Wissenschaftler. Allerdings geben die befragten Pädagogen an, mit den zusätzlichen Belastungen gut umgehen zu können.

Weil die Sonderschulpflicht für behinderte Kinder mit der Inklusion entfallen ist, können Förderschulen nur als zusätzliches Angebot betrieben werden - und das ist extrem teuer. Foto: Shutterstock
Gemeinsamer Unterricht ist für Lehrkräfte eine zusätzliche Belastung. Foto: Shutterstock

Ausgangspunkt der Untersuchung war die Überlegung, dass mit der Inklusion zusätzliche Anforderungen einhergehen dürften, die zu einer negativen Beanspruchung der einzelnen Lehrkraft werden können. „Bei entsprechend dispositionierten Menschen besteht – gerade bei einer Summation von belastenden Faktoren – die Gefahr einer Manifestation von psychischen und physischen Erkrankungen sowie letztlich negativen Auswirkungen auf die Unterrichtstätigkeit“, so heißt es in einer Mitteilung der Uni Köln. Die Forscher vermuteten insbesondere bei Sportlehrern, die ohnehin stärker als andere Fachlehrer durch Lärm belastet sind, Hinweise auf Überlastungen durch die Inklusion.

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Folgende Fragestellungen wurden im Rahmen des Forschungsprojekts, an dem sich 574 Lehrkräfte beteiligten, vor allem untersucht:

  • Unterscheidet sich das Beanspruchungserleben zwischen Regelschullehrkräften, die in inklusiven Klassen unterrichten von Regelschullehrkräften, die in nicht inklusiven Klassen unterrichten?
  • Nehmen Regelschullehrkräfte im inklusiven Unterricht andere Belastungsfaktoren wahr als Regelschullehrkräfte im nicht inklusiven Unterricht?
  • Lassen sich diesbezüglich fachspezifische Unterschiede finden?

Als Ergebnisse halten die Forscher fest: „Entgegen der Erwartungen sind Sportlehrkräfte vom Thema Inklusion nicht anders betroffen als ihre Deutsch beziehungsweise Englisch unterrichtenden KollegInnen.“ Eine fachspezifische Entlastung von Lehrkräften verschiedener Fächer im Zusammenhang mit Inklusion erscheine demnach nicht notwendig.

„Weiterhin kann festgehalten werden, dass die Inklusion über die untersuchten Fächer hinweg zwar eine vermehrte Belastung hinsichtlich der Heterogenität der Klassen sowie der Disziplin in den Klassen mit sich bringt, diese Belastungen von den betroffenen Lehrkräften aber nicht als höhere subjektive Beanspruchung empfunden wird. Sie haben demnach das Gefühl, mit diesen Faktoren gut umgehen zu können. Zu beachten ist hier allerdings, dass nicht über einen längeren Zeitraum erhoben wurde, daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine höhere Belastung über lange Zeit auch zu erhöhter Beanspruchung führt.“

Darüber hinaus zeige sich, dass – ähnlich wie in anderen Berufsgruppen – sowohl persönliche Ressourcen wie ein guter Umgang mit Stress, aber auch schulbezogene Faktoren wie der Grad der Autonomie bei Entscheidungen oder die Anerkennung durch Kollegen, Schüler und Eltern eine Rolle spielen, um ein berufliches Wohlbefinden aufrecht zu erhalten. „Workshops mit Lehrkräften zum adäquaten Umgang mit Stress, aber auch ein Hinterfragen der allgemeinen Umgangskultur in den Schulen hinsichtlich der Autonomie der Lehrkräfte und der Anerkennung von Engagement könnten demnach dabei helfen, unabhängig vom Thema Inklusion die Beanspruchung der Lehrkräfte zu reduzieren sowie die Motivation und Hingabe für den Beruf über die Zeit abzusichern. Dass dabei weder geschlechtsspezifisch noch fachspezifisch gearbeitet werden muss, da die Bedürfnisse und Defizite letztendlich gar nicht so unterschiedlich sind, lässt sich ebenfalls aus den Projektergebnissen ableiten“, so heißt es. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Eine unterschätzte Wahrheit: Inklusion kann nur dann funktionieren, wenn sich Schüler und Lehrer im Unterricht wohlfühlen

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14 KOMMENTARE

  1. Zitat: “Die Inklusion sorgt für mehr Lärm und weniger Disziplin im Unterricht.”

    Mich hätte auch interessiert, warum das so ist / sein soll. Dazu lese ich nichts. Sind also die “Inklusionskinder” schuld an mehr Lärm und weniger Disziplin?

    • Gute Frage, zumal Inklusionsklassen im Idealfall kleiner sind als gewöhnliche Regelklassen ohne Inklusionsschüler. Falls nicht, wovon die Inklusionsbefürworter sicherlich pochen, müssten sie erklären, weshalb kleinere Klassen undisziplinierter sind als größere.

      • Hahahaha, die Klassen sind kleiner? Der war gut.

        Wir sind seit vielen Jahren Inklusionsschule, und es kommt immerwieder vor, dass in einer Inklusionsklasse mit zieldifferenten Schülern 28/29 Schüler sitzen.
        Für jede andere Form der Inklusion ist es fast schon egal. Schüler mit emotional-sozialem Förderbedarf sitzen auch in Klassen mit 30 Schülern.

          • Ja, aber nur bei der Klassenbildung im 5. Jahrgang. Und da werden auch nur die Kinder berücksichtigt, deren AOSF-Verfahren in der Grundschulzeit abgeschlossen worden sind.

            So kommen also in die neue Klasse 5 statt max. 30 Kinder nur 24 Regelschüler sowie drei anerkannte Kinder mit Inklusionsbedarf. Im Laufe der ersten beiden Jahhre an der weiterführenden Schule werden dann für die 24 Regelschüler noch mindestens sechs AOSF-Verfahren beantragt, da diese Kinder Förderbedarf nötig hätten. Von den sechs Verfahren, die mit Zustimmung der Eltern durchgeführt werden können, werden voraussichtlich vier Verfahren mit der Anerkennung des Förderbedarfes abschließen. Folglich hat die Klasse jetzt sieben I-Kinder und 20 Regelschüler.

            Bei der Bildung von Kursen im weiteren Schulalltag wird die Zahl der I-Kinder ebenfalls nicht berücksichtigt. Das gilt für fachleistungs- und neigungsdifferenzierte Fächer an Schulen des längeren gemeinsamen Lernes, die ja in erster Linie i-Kinder beschulen müssen, da es den GY an entsprechenden ressourcen mangelt …

          • “formal” sagt das der Erlass, bildet aber die Realität nicht ab, die dem Erlass und den Vorgaben nicht entspricht.

            “organisatorische Zwänge verhindern das offensichtlich in ihrem Fall.”
            … wie in vielen anderen auch:
            a) Vor der Einschulung ist das Feststellen eines sopäd Förderbedarfes zumeist schwierig, möglich vor allem bei körperlicher Beeinträchtigung (KM, Hören, Sehen) oder bei Kenntnis einer starken geistigen Beeinträchtigung.

            b) Nach der Einschulung gibt es Vorgaben, wer wann mit wessen Zustimmung und welchen Unterlagen melden darf… oder eben nicht – meines Wissens in NRW erst in Klasse 3 oder 4 … so lange gilt also keine Doppelzählung, wohl aber eine inklusive Beschulung.
            In Nds. sind die Bestimmungen andere, dennoch kann es dauern, bis eine Anerkennung des Förderbedarfs erfolgt.

            c) Sind mehrere Schulen zuständig, beobachten wir inzwischen, dass jeder die Arbeit der Überprüfung von sich schiebt. Es gibt eine Menge Verzögerungen in den Verfahren durch Überlastung oder durch nicht vorhandene Absprachen.

            d) Auch in den Grundschulen führt das Überschreiten des Klassenteilers durch die Doppelzählung nach erfolgter Anerkennung nur selten zur Teilung der Klassen. Vor der Einschulung, aber da sind die Verfahren in der Regel nur selten durchgeführt, nach der Einschulung dauert es, es braucht Lehrkräfte und Räume für eine weitere Klasse, es wird zum Halbjahr, eher zum Schuljahr oder nach dem Doppeljahrgang getrennt … also nach der 4. Klasse – sprich: nie.

          • Das meine ich ja mit formal. Die ausbleibende Umsetzung zeigt ja nur ein weiteres Mal, dass die Inklusion als Sparmaßnahme nicht funktionieren kann. Ich verstehe nicht, weshalb Sie, palim, sie trotzdem noch so extrem verteidigen.

          • @xxx
            Ich verteidige nicht die Sparmaßnahme, ich weise darauf hin, dass Inklusion als solche nicht funktioniert.

            Zudem sieht man IN der Inklusion manches erst genauer oder schärfer, dass man vorab nicht konkretisiert hat, was man früher auch schon angemahnt hat, jetzt aber belegen kann: Inklusion erfordert auch, dass Kriterien und Vorgehensweisen sowie daran Beteiligte festgelegt werden. Das ist sogar unabhängig vom Sparpontential so, ohne Festlegungen wird es aber leichter, die Aufgaben von sich zu weisen und weitere Einsparungen, die sogar gegen Erlasse stehen, vorzunehmen.

            Statt am Ende den Lehrkräften den Schwarzen Peter zuzuschieben, sie hätten sich nicht auf die Inklusion einlassen wollen, kann man anhand dieser konkret zu belegenden Aspekte deutlich aufzeigen, dass andere Personen in der Behörden ihre Hausaufgaben nicht machen wollten oder die Unterstützung verweigert haben.

  2. Die Lehrer könnten aber auch die subjektive höhere Belastung verneint haben, um nicht als behindertenfeindlich dazustehen. Der kurze Beobachtungszeitraum, der übliche Idealismus und die ohnehin schon sehr hohe Belastung sind aber auch gute Gründe. 120% oder 130% Auslastung machen kaum einen Unterschied.

  3. Die Fragestellung kann man leider nicht nachlesen, es gibt offenbar nur die Zusammenfassung der Ergebnisse.

    Die messbaren Belastungsfaktoren (Lärm, Mangel an Disziplin) wurden nicht gemessen, sondern die Lehrkräfte befragt.
    Eine Unterscheidung nach unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Belastungen scheint es nicht zu geben, es zählt allein der Unterricht.

    Wissen würde ich auch gerne, ob es nur um Köln ging oder aus welcher Region LuL befragt wurden und wie in dieser Region die i-Kinder auf die Schulen verteilt sind oder werden.
    Auch zu den Förderschwerpunkten wird keine Aussage getroffen.

    • Diese Frage ist durchaus berechtigt, denn in der Sprachförderklasse meiner ältesten Tochter an einer Sprachförderschule sind insgesamt nur 12 Schüler und zwei Mädchen, von denen ein Junge eine autistische Anlage hat, sowie ein weiteres Kind mit einem erhöhten Sprachförderbedarf unterrichtet wird.
      Dabei sind zwei Lernbegleiterinnen ständig anwesend.
      Die anderen Klassen sind alle nicht größer als mit 15 Schülern besetzt, und somit ergeben sich bei der Möglichkeit einen Nebenraum mitzubenutzen sehr viel bessere Fördermöglichkeiten als in einer inklusiven Schule.

  4. Dieser ganze Mist ist nur dazu da, um Geld zu sparen! Nichts anderes ist der Hintergrund. Alle die etwas anderes glauben, sollten lieber die Kirche besuchen.

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