Welches digitale Werkzeug hilft wirklich im Unterricht? Forscher wollen Lehrern Orientierung geben (für Mathe schon mal)

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BERLIN. Mit Milliarden aus dem Digital-Pakt können Schulen deutschlandweit digital aufrüsten. Doch sind Roboter und digitale Lerntafeln immer sinnvoll? In Berlin wollen Wissenschaftler in einem Testlabor Orientierung bieten – für den Mathe-Unterricht jedenfalls.

Das Angebot an digitalen Bildungsmedien ist groß – aber was davon ist sinnvoll? Illustration: Shutterstock

Miniroboter, interaktive Tafeln und Lern-Apps halten Einzug in viele Klassenzimmer. Doch wie sinnvoll sind die digitalen Helfer wirklich? In einem neuen Labor in Berlin, dem «math.media.lab» können Lehrer und Schüler digitale Geräte für den Mathe-Unterricht testen. Außerdem soll das Labor für die Lehrer-Ausbildung genutzt werden. Initiatorin Katja Eilerts von der Humboldt-Universität will für mehr Orientierung sorgen. «Schulen sollen zwar digitale Lehr- und Lernmethoden im Unterricht verwenden, sind aber unsicher, welche Geräte, Apps und Vorgehensweisen geeignet sind», sagt die Expertin für Mathematikdidaktik in der Grundschule. An diesem Freitag wurde das Labor offiziell eröffnet.

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Bislang werde vieles digitalisiert, ohne vorher die Potenziale für den Unterricht eingehend zu prüfen, sagt Eilerts. «Es gibt Roboter, die ein perfektes Dreieck zeichnen können. Warum aber soll ich 2500 Euro in etwas investieren, dass den Kindern beim Erwerb mathematischer Fähigkeiten überhaupt nicht weiterhilft?» Andere Anwendungen wiederum könnten den Unterricht sinnvoll ergänzen, wie zum Beispiel Lernhilfen, die an den Bedarf angepasst werden können: «Es gibt Erklärvideos in Gebärdensprache für hörgeschädigte Kinder. Das sind inklusive Ansätze, die den Unterricht bereichern.»

Im Labor stehen die Roboter Ozobot und Bob3, der Minicomputer Calliope, Lego-Bausätze, iPads mit diversen Mathe-Apps, ein interaktiver Tisch und andere Geräte bereit. Zum Angebot gehören zudem eine Techniksprechstunde, eine Geräteausleihe, Workshops für Schulklassen, Seminare für Studenten und Lehrerfortbildungen. Außerdem wollen Eilerts und ihr Team eine eigene Lern-App entwickeln.

Unterricht sinnvoll ergänzen

Es gehe darum, digital mündig zu werden, so Eilerts. «Wir wollen das Analoge nicht vollständig durch das Digitale ersetzen, sondern den analogen Unterricht sinnvoll ergänzen und dabei mathematischen Mehrwert generieren. Digitales sollte dabei nicht einfach als gegeben hingenommen, sondern auch aktiv gestaltet werden», betont die Professorin. Laut Eilerts gibt es bereits andere Lernwerkstätten und private Initiativen mit ähnlichen Angeboten. Das Besondere am Berliner Labor sei, dass es in die Lehrerausbildung integriert sei.

In den kommenden Jahren können die Schulen in Deutschland mehr als fünf Milliarden Euro abrufen, um schuleigenes WLAN aufzubauen, interaktive Tafeln anzuschaffen – sogenannte Smartboards – oder auch Tablets zu kaufen. Möglich ist dies durch den Mitte Mai in Kraft getretenen Digitalpakt Schule des Bundes. Immerhin sollen ab dem Sommer für jede der etwa 40.000 deutschen Schulen rechnerisch rund 120.000 Euro zur Verfügung stehen – und so endgültig das Ende des Tageslichtprojektors einläuten.

Kaufen viele Schulen erstmal nur ein?

In Karlsruhe sind Smartboards und schnelles Internet an einer digitalen Musterschule schon jetzt Alltag. Schulleiter Micha Pallesche sieht den Digitalpakt zwar grundsätzlich positiv. Er geht aber davon aus, dass viele Schulen mit dem Geld erstmal einfach einkaufen. Doch die neuen Geräte bringen seiner Erfahrung nach nicht zwangsläufig immer einen Mehrwert. Das neue Berliner Labor sei ein sehr guter und sinnvoller Schritt. «Ein solcher Lernort ermöglicht die Vernetzung von Theorie und Praxis und nimmt dabei nicht nur Lehrkräfte und angehende Lehrkräfte in den Blick, sondern vor allem auch Schülerinnen und Schüler», betont der Rektor der Ernst-Reuter-Schule. dpa

Hier gibt’s weitere Informationen zum math.media.lab

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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9 KOMMENTARE

  1. Der Tageslichtprojektor habe also ausgedient. Wenn ich nur ein Bild zeigen will, warum sollte ich dann ein Gerät hochfahren, einen Beamer anschließen und eine Datei suchen, immer mit der nicht geringen WS dass irgendwas nicht funktioniert??

    • Wenn ich ein Bild zeigen will, dann klick ich mein Tafelbild kurz weg, öffne meinen Ordner und dann die Datei. Zeitfaktor: 5 Sekunden. Einen OHP muss ich ausrichten, mit Strom versorgen, scharf stellen und kann das Bild dann nichtmal in mein Tafelbild kopieren, wenn ich es denn möchte. Und nervigerweise müsste ich noch vorher eine Folie erstellen.

      Sorry, aber so ein Projektor ist Technik des letzte Jahrtausends, wie ein kabelgebundenes Telefon mit Wählscheibe, das benutzt heute auch keiner mehr! Einen OHP braucht bei richtiger Technik im Klassenraum wirklich kein Mensch.

      • “bei richtiger Technik im Klassenraum” ist eine Voraussetzung, auf die man sich nicht verlassen kann.

        Mir wäre ein Beamer an der Decke mit Laptop-Anschlussmöglichkeit per HDMI oder noch besser kabellos in Kombination mit einem privat angeschafften Laptop am liebsten. Das spart den Schulträger auch noch viel Geld, weil Beamer an der Decke erheblich weniger kosten als die elektronischen Tafeln, die ohnehin nur den verpönten Lehrerzentrierten Unterricht fortsetzen.

  2. Der Schwachsinn an der Sache ist doch, dass in Schulen die bereits vorhandenen Dinge nicht funktionieren, weil sie durch Lehrer einfach mal so nebenbei gewartet werden sollen. In allen Betrieben dieser Größe gibt es dafür Leute, die den ganzen Tag nichts anderes machen, deshalb funktioniert in Schulen auch nichts.

    Die können so viele von diesen Lerntafeln anschaffen, wie sie wollen, nach spätestens 2 Jahren werden sie nur noch sporadisch laufen, so dass sich lieber keiner drauf verlassen will.

  3. Diese digitalen Tafeln und Fernseher sowie Smartboards gehören doch auch schon wieder der Vergangenheit an.

    Die beste Lösung momentan ist: Beamer + AppleTV in jedem Klassenzimmer und jeder Lehrer erhält ein iPad + Apple Pencil als Arbeitsgerät. Dann noch die App Goodnotes 5 für 9€ aus dem App Store laden und ihr habt für euren Unterricht alle Möglichkeiten (mehr als mit einem Smartboards).

    Ihr könnt kabellos in jedem Raum mit einem Klick euer Tabletbild an die Wand bekommen (müsst nicht ewig einen Laptop hochfahren), eure Tafelbilder auf dem Tablet schreiben, Bilder einfügen, AB´s einfach fotografieren und auf dem Tablet ausfüllen, Filme über den VLC Player zeigen, weitere Bildungsapps aus dem App Store nutzen und noch Vieles mehr…

    Wir standen vor der Entscheidung Smartboards oder die oben genannte Lösung. Mit der iPad Lösung sind nun alle Lehrer begeistert. Es ist so einfach, niemand kann was falsch machen, die normale Tafel hängt weiterhin für schnelle Aufschriebe, die Lösung ist sehr fehlerarm – das Verbinden funktioniert einfach immer und stabil und flüssig (Smartboards sind sehr fehleranfällig und müssen gewartet werden = hohe Folgekosten), Bild UND Ton kabellos – ihr könnt euch frei im Raum bewegen. Ihr habt eure gesamten Tafelbilder immer bei euch auf dem Tablet dabei.

    Und jetzt noch was Wichtiges:
    Kosten Smartboard-Lösung: 95.000€ für alle Räume
    Kosten: iPad Lösung: 34.000€ für alle Räume (beinhaltet: Beamer, AppleTV, iPad, Apple Pencil für alle Lehrer)

    Ich glaube an vielen Schulen wird die Smartboards-Lösung aus zwei Gründen bevorzugt:
    1) Es sieht besser aus bzw. nach mehr aus (Tag der offenen Tür etc.)
    2) Oft werden IT Firmen nach einer digitalen Ausstattung befragt. Diese schlagen natürlich immer diese “tollen”
    Smartboards-Lösungen vor, weil damit einfach viel mehr Geld verdient werden kann. So einfach…

    Wir haben die iPad Lösung bei uns komplett umgesetzt = alle begeistert!

    • Nicht ganz, weil man auf ipad nicht so gut tippen kann. Die Fläche ist klein oder das große ipad ist sehr teuer. Ein MacBook zusätzlich wäre aber in Ordnung.

    • Schön zu hören, dass es auch diese Findung gibt. Ich kann bei uns gegen Wände reden. Wir schaffen nun jährlich immer mehr Smartboards an. Letztens saßen wir in einer Dienstbesprechung und eine Kollegin wollte eine PowerPoint über das Smartboard zeigen. Da kam dann die Aussage: “Wie bediene ich eigentlich das Ding. Ich habe das noch nie genutzt.” Wohlgemerkt haben wir seit einigen Jahren schon Smartboards bei uns und niemand nutzt die wirklich. Zudem ist es doch bescheuert solch teure Geräte anzuschaffen, um darauf dann höchstens PowerPoint-Präsentationen oder YouTube-Videos zu zeigen.

      Ich habe selbst auch ein iPad, Apple Pencil und ein eigenes Apple TV. In Zukunft werden dann wohl auch in allen Räumen Beamer hängen, wo das Geld für ein Smartboard dann nicht reicht. In den Räumen weiß ich dann wenigstens, dass es mit Beamer und Apple TV reibungslos läuft. Die Smartboards sind echt fehleranfällig.

    • Da habe ich eine Frage, weil ich damit keine Erfahrung habe: Funktioniert das auch, wenn Schüler Lösungen präsentieren sollen und dabei schreiben und gleichzeitig erklären müssen?

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