Studie: Lehrer und Erzieher wissen zu wenig über gesunde Ernährung – Klöckner kündigt Konzept an

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BERLIN. Früh übt sich: Damit Deutschland gesünder lebt, sollen schon Kinder über die richtige Ernährung gut Bescheid wissen. Doch Schulen und Kitas tun sich schwer mit dieser Aufgabe. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will handeln.

Viele Lehrer und Erzieher wissen nicht genug über gesunde Ernährung, um Kinder auf diesem Gebiet fit zu machen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur «ernährungsbezogenen Bildungsarbeit», die jetzt in Berlin an Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) übergeben wurde. Die Forscher der Universität Paderborn stellen darin fest, dass ernährungswissenschaftliche Kompetenzen in der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte «nur unzureichend verankert» seien.

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Großaufnahme von Julia Klöckner
Gesunde Ernährung ist in der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte bislang nur ein Nebenthema. Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner will das ändern. Foto: Stefan Kröger / Wikimedia Commons

Klöckner kündigte deshalb ein Konzept an, um das Thema Ernährung stärker als bisher in Ausbildung, Studium und Fortbildung unterzubringen. «Der Grundstein für eine gesunde und ausgewogene Ernährung wird im Kindesalter gelegt», erklärte die Ministerin. Nach Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts haben in Deutschland 26 Prozent der Fünf- bis Siebzehnjährigen Übergewicht, fast zehn Prozent sind sogar fettleibig. Ärztepräsident Klaus Reinhardt hatte deshalb kürzlich ein Schulfach «Gesundheitsförderung» angemahnt.

Der neuen Studie zufolge sind Ernährungsfragen in den entsprechenden Lehramtsstudiengängen häufig eher ein Randthema. Zudem zeigten Lehrer wenig Interesse an ernährungsbezogenen Fortbildungen und in Schulbüchern gebe es bei diesen Themen häufig fachliche Mängel.

Schon in den Fachbüchern zur Ausbildung von Erziehern finden sich nach Darstellung der Forscher inhaltliche Fehler. So werde etwa behauptet, es sei ein Irrglaube, dass Calcium aus der Milch dem Körper beziehungsweise den Knochen guttue. Mängel werden auch in jedem vierten Schulbuch festgestellt. So seien die Ernährungsempfehlungen oft nicht auf dem aktuellem Stand. In einem Fall werde etwa Milch sehr negativ dargestellt. «Diese Darstellung entspricht bei weitem nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft.»

Gleichzeitig ergab eine Befragung unter Hunderten Kitaleitern, dass das Interesse der Mitarbeiter an ernährungsbezogenen Fortbildungen überschaubar sei. Als hemmende Faktoren werden Zeitmangel, Personalmangel und andere Prioritäten genannt. Außerdem haben Mitarbeiter in Kitas demnach wenig Interesse am Thema Essen und Ernährung beziehungsweise fänden es unwichtig für ihre Arbeit. (dpa)

• Schlussbericht «Ernährungsbezogene Bildungsarbeit in Kitas und Schulen»

Gegen Fastfood: Klöckner will bessere Ernährungsbildung an Schulen

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9 KOMMENTARE

  1. ” Mängel werden auch in jedem vierten Schulbuch festgestellt. So seien die Ernährungsempfehlungen oft nicht auf dem aktuellem Stand. In einem Fall werde etwa Milch sehr negativ dargestellt. «Diese Darstellung entspricht bei weitem nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft.»”
    Dann muss sich Frau Klöckner vielleicht mal mit den Kultusministern unterhalten, in deren Häusern die Schulbücher geprüft werden. Offenbar ist dort der Wissensstand über Ernährung nicht hoch genug, aber die Mängelliste wird helfen, in Zukunft ein besseres Auge auf diese Thematik zu haben. Womöglich braucht es ähnliche Mängellisten in anderen Bereichen und eine erheblich verbesserte Überprüfung von Schulbüchern sowie sämtlicher neuer Auflagen, sofern mehr als 3 Seiten verändert wurden.
    Hinzu sollte eine Überprüfung sämtlicher Unterrichtsmaterialien zu diesem Themenbereich kommen, die von Firmen wie Schnellimbiss-Ketten, Supermärkten und Lebensmittelkonzernen erstellt und verteilt werden.

    Und wenn sie sich treffen, können sie ja auch gleich die Studie gemeinsam lesen und sich mal gegenseitig erklären,
    – wie die konkrete Versorung mit grundständig ausgebildeten Lehrkräften aussieht und welche Möglichkeiten zur Freistellung für Fortbildungen das nach sich zieht
    – welche Themen derzeit von Lehrkräften bei Fortbildungen lieber als dieses gewählt werden und welchen Hintergrund die Nachfrage nach Inklusion, Classroom-Management, Zeitmanagement und rechtlichen Themen hat … zumal es zahlreiche gibt, in denen “Gesunderhaltung” im Lehrerberuf angesprochen wird und darlegt, dass Lehrkräfte sich ums Kerngeschäft kümmern, sich von anderen Themen aber offenbar besser abgrenzen müssen
    – welche zusätzlichen außerunterrichtlichen Aufgaben von Lehrkräften bewältigt werden müssen und was die ständige Überlastung hinsichtlich weiterer Forderungen bedeutet, weshalb die Rücklaufquote dieser Studie ja auch nicht zufriedenstellend und die Aussagekraft nicht ausreichend war
    – wer das geforderte Engagement zusätzlich honoriert und wer die zeitliche Entlastung finanziert und personell bewerkstelligt

    Vielleicht erkennt Frau Klöckner dann, dass sie wesentlich weiter damit käme,
    – eine Ernährungsampel durchzusetzen und dazu medial aufzuklären,
    – den Einsatz von Zucker in bestimmten Lebensmitteln zu begrenzen und die Menge auszuweisen,
    – sich nicht von persönlichen Interessen leiten zu lassen und ihre Berater nicht in den weltweit größten Lebensmittelkonzernen zu suchen

    Ansonsten steht zu befürchten, dass die Darstellungen in den Schulbüchern und die dazugehörigen Lehrpläne in Zukunft von der Lebensmittelindustrie gestellt werden.

  2. Das Thema ist doch kaum noch eine Frage mangelnden Wissens. Wie bei so vielen Themenbereichen WISSEN wir was für uns, unsere Gesundheit, unsere Umwelt (Mitwelt) gut wäre, ABER wir VERHALTEN uns nicht danach. Das hat Gründe, die es gilt heraus zu finden – individuell und kollektiv.
    Und es wäre schon einiges gewonnen, wenn es nicht auch noch in den Schulen Kioske gäbe, in denen Süßgetränke, Süßigkeiten und fettige und minderwertige Backwaren aller Art verkauft werden.
    Satt den Lehrkräften und Erzieherinnen immer mehr Aufgaben aufzubürden, sollte Frau Klöckner zusammen mit dem Bildungsministerium dafür sorgen, dass an jeder deutschen Schule ein wirklich gesunder Mittagstisch kostenfrei angeboten wird. Da wäre das Geld gut investiert, statt wieder Programme aufzulegen, die Pädagogen zu Fortbildungen aufrufen (die die Erzieherinnen im übrigen aufgrund des hohen Personalmangels in den Kitas u.a. anderen Einrichtungen gar nicht mehr bewilligt bekommen).
    Aber dass die Ministerien mal übergreifend zum Wohle der Menschen zusammen arbeiten, das würde ich schon noch sehr gerne mal erleben (ich bin Ende 50 und arbeite im päd./bildenden Bereich).

  3. Viele Eltern haben meist auch keine Zeit um gesund zu kochen bzw keiner macht sich unbedingt Gedanken. War bei uns genauso aber habe inzwischen die perfekte Lösung gefunden da ich herausgefunden habe was Ernährung wirklich ausmacht und wie wichtig es ist. Und das würde ich gerne mit jeder Familie teilen wollen!
    https://bit.ly/2GcOai2

  4. Ganztagsschulen gelten ja als der Inbegriff der “modernen Schule”. Aber wie gesund ist eigentlich das in den Kantinen angebotene Mittagessen, das von einer gewinnorientierten “Catering GmbH & Co KG” angeliefert wird? Zeit zum Kochen haben mittags wohl nur jene Mütter, die nicht berufstätig sind. Abends selber kochen ginge eher, aber was machen die Kinder dann mittags? Vielleicht gehen sie zum Imbiss und verzehren die beliebte Currywurst mit Pommes sowie einem Schlag Mayonnaise obendrauf.

    • Oh, Sie glauben ja nicht wie viele Erziehungsberechtigte, die obwohl sie keiner geregelten Arbeit nachgehen, es nicht schaffen ihren Kindern ein Frühstück zu bereiten oder als Pausenfrühstück mitzugeben. Und Sie glauben wirklich, dass diese Klientel warme Mahlzeiten zubereitet, die dann auch noch qualitativ höherwertig sind als das Mensaessen?

      Es gehen vor allem die Kinder und Jugendlichen im gebundenen Ganztag zum Imbiss, denen das “gesunde Essen” in der Mensa gegen den Strich geht.

  5. Frau Klöckner, was wissen Sie eigentlich über gesunde Ernährung?????
    Nach der Beratung durch die Lebensmittelindustrie????
    Die Pädagoginnen und Pädagogen dieses Landes “freuen” sich, dass ihnen eine weitere Aufgabe zugeschoben werden soll. Die Unterstützung durch Materialien liefern dann womöglich Nestlé & Co.?
    Sie diskreditieren sich selbst, Frau Ministerin.

  6. Vor ein paar Jahren wurde noch progagiert: Lieber kleine Mahlzeiten, aber dafür öfter. Das erweist sich mittlerweile als komplett überholt und steht sogar im Verdacht Diabetes zu verursachen. An welche Richtlinien soll man sich halten? Richtlinien, die Frau Klöckner von Nestle diktiert werden???

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