Tullner schließt sich Ruf nach Zentralabitur an

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MAGDEBURG. Eigentlich sind Ferien, doch die Debatte darum, wie die Abi-Noten von Schülern aus verschiedenen Ländern vergleichbarer werden können, läuft weiter. Sachsen-Anhalts Bildungsminister Tullner sagt: Ohne Zentralabitur «machen wir uns überflüssig».

Seit Jahren ringen die Länder um eine größere Vergleichbarkeit der Abiturnoten, jetzt wird wieder der Ruf nach einem echten Zentralabitur laut: Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) hat sich für eine echte Vereinheitlichung der bundesweiten Abiturprüfungen ausgesprochen. Das Ziel müsse letztlich ein «inhaltlich zentral vorgegebenes Abitur» sein.

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Ohne Zentralabitur überflüssig? Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU). Foto: Verbraucherzentrale Bundesverband / flickr (CC BY 2.0)
Ohne Zentralabitur überflüssig? Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU). Foto: Verbraucherzentrale Bundesverband / flickr (CC BY 2.0)

Damit sprang Tullner seiner Amts- und Parteikollegin Susanne Eisenmann aus Baden-Württemberg bei. Sie hatte sich dafür ausgesprochen, dass in wenigen Jahren deutschlandweit die gleichen Prüfungsaufgaben gestellt werden – und auch die gleichen Regeln gelten müssten, welche Noten aus den letzten beiden Schuljahren in die Abiturnote einfließen. Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) begrüßte den Vorstoß.

Seit Jahren ringen die Länder um mehr Vergleichbarkeit. Sie entscheiden in jeweils eigener Hoheit über ihre Schulsysteme und Bildungsinhalte. Doch beim Kampf um begehrte Studienplätze wie Medizin und Jura zählt nur der Abidurchschnitt – auch wenn je Land dafür unterschiedliche Prüfungen und Anforderungen gelten.

Seit wenigen Jahren gibt es deswegen die Verabredung, dass die Länder sich für die Abitests in Mathe, Deutsch und Englisch aus gemeinsamen Aufgabenpools bedienen. Das Verfahren soll bald auf weitere Fächer ausgeweitet werden. Das könnte für mehr Vergleichbarkeit der Abschlussnoten sorgen – eigentlich.

Eine Debatte um anspruchsvolle Matheaufgaben aus dem diesjährigen Pool ergab, dass die Länder die Verabredung unterschiedlich auslegen. Nachdem Schüler in mehreren Bundesländern, darunter vereinzelt auch in Sachsen-Anhalt, moniert hatten, die Aufgaben seien zu schwer gewesen, kam heraus: Einige Länder verwenden nur Aufgaben aus dem Pool, andere verwenden sie nur teilweise oder gar nicht. Sachsen-Anhalt hatte einem Ministeriumssprecher zufolge für das Mathe-Abi ausschließlich Pool-Aufgaben genutzt.

Bildungsminister Tullner kritisierte die Abweichler. «Klar ist, dass Sonderwege unterbleiben müssen, wollen wir unsere jahrelangen Bemühungen nicht selbst torpedieren», sagte er. Stattdessen müsse der Weg zu mehr einheitlichen Standards weiterverfolgt werden – bis das Ziel Zentralabitur erreicht ist. «Erreichen wir dieses Ziel nicht, machen wir uns überflüssig», so Tullner. (dpa)

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6 KOMMENTARE

  1. Na endlich kommt Bewegung in diese Sache. Gut, dass auch immer mehr Vertreter der Länder einsehen, dass das mit den unterschiedlichen Abiprüfungsanforderungen so nicht weitergehen kann.
    Mir hat auch noch niemand schlüssig erklären können, wieso bei den Prüfungen zum Hauptschulabschluss und zur Mittleren Reife verbindliche schriftliche Prüfungen in Mathe und Deutsch vorgesehen sind, Abiturienten sich aber ihre Prüfungsfächer weitgehend frei aussuchen können. Ist doch klar, dass die Klagen der Unis über immer schlechtere Deutsch- und Mathe-Fähigkeiten der Studienanfänger zunehmen. Ausgerechnet die Fächer, die am meisten über Studierfähigkeit aussagen, sind gar nicht verpflichtender Bestandteil der Abiprüfungen. Das sagt dich alles.

    • In NRW muss man aktuell von Deutsch, fortgeführte Fremdsprache, Mathe zwei im Abitur haben. Das Schmalspurabitur Kunst, Biologie, Religion, Sport von zu meiner Schulzeit ist somit glücklicherweise nicht mehr möglich.

      • Dabei betonen Sie selbst doch immer, dass die Anforderungen früher so viel höher gewesen wären.
        War es wirklich so, dass man mit Ku, Bio, Reli, Sport sein Abitur schaffen konnte?
        Wie waren die Anforderungen damals in diesen Fächern und wie sind sie heute?

        D, Ma und Fremdsprache musste und muss man zudem ohnehin einbringen oder gibt es BL, in denen das nicht der Fall ist? Da wäre eine Übersicht der unterschiedlichen Vorgaben wirklich interessant.

        Wenn man sein Abitur quasi ohne Mathe schaffen kann, finden das viele offenbar nicht weiter schlimm. Das spiegelt sich in der Bedeutung, die diesem Fach neulich in einer Umfrage gegeben wurde – etwas mehr als 50%.
        Wenn man sein Abitur mit schwachen Rechtschreibleistungen schafft, einem kleinen Teilbereich des Deutschunterrichts, schreien sehr viele laut auf.
        Es ist offenbar wichtig, das zu fordern, was man selbst gut kann.

        • Die Anforderungen in jedem Fach waren höher. Ich hätte zum Beispiel Mathematik noch nach Klasse 12 abwählen können. Einbringen musste man diese Fächer auch damals, ich bezog mich auf die Prüfungsfächer.

  2. Ich bin Mathematiklehrer in NRW. So lang die im Abitur verwendeten Hilfsmittel schon nicht gleich sind (Beispiel: In NRW wurde im Fach Mathematik der graphikfähige Taschenrechner genau in dem Jahr eingeführt, als Baden-Württemberg ihn abschaffte, da er sich in der Praxis nicht bewährt hatte), sind einheitliche Prüfungsaufgaben völlig undenkbar.

    • So sehe ich das auch. Den Grafikrechner könnte man meiner Meinung nach sofort wieder abschaffen, weil viel zu teuer und ohne Mehrwert, wenn man Geometriesoftware im Unterricht einsetzt. Im Deutschabitur wird ja auch nicht die Bedienung von Präsentationssoftware abgeprüft.

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