Philologen-Chefin Lin-Klitzing lehnt bundesweites Zentralabitur ab, fordert aber mehr Vergleichbarkeit – „und mehr Niveau“

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BERLIN. Die Bundesvorsitzende des Philologenverbands, Prof. Susanne Lin-Klintzing, hat sich für mehr Vergleichbarkeit im Abitur ausgesprochen – aber gegen ein bundesweites Zentralabitur, wie es Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) gefordert hatte. Mit Blick auf die Schülerproteste wegen angeblich zu schwerer Mathe-Aufgaben im gemeinsamen Aufgabenpool und unterschiedlicher Reaktionen einzelner Bundesländer darauf (News4teachers berichtete) meinte sie: “Das Matheabi mahnt uns, nicht weiter planlos mit dem Schulabschluss unserer Schüler herumzuexperimentieren!“

Sieht beim Abitur Luft nach oben: Prof. Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Philologenverbands. Foto: Deutscher Philologenverband

„Um unserer Schülerinnen und Schüler willen: wir brauchen mehr Vergleichbarkeit jetzt – aber auch mehr Kritik, mehr Klarheit und mehr Niveau in unserer Diskussion um das Abitur”, erklärte Lin-Klitzing. “Was wir nicht brauchen, ist ein Bundeszentralabitur, von dem niemand genau weiß, was das eigentlich ist. Kein Populismus also in dieser für unsere Schüler so wichtigen Frage, sondern Sorgfalt und solides Nachdenken über notwendige und längst überfällige Verbesserungen.”

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Philologen fodern: Ende der Beliebigkeit beim Abitur

Der Deutsche Philologenverband fordere von den verantwortlichen Politikerinnen und Politikern daher, ein Ende “der Beliebigkeit bei der Anzahl der Prüfungsfächer im Abitur, bei der Dauer der Abiturprüfungen und bei der Auswahl der Hilfsmittel!”

Konkret heißt das: “Nicht jedes Bundesland kann wählen, ob es vier oder fünf Prüfungsfächer im Abitur gibt, sondern fünf werden für alle festgelegt!“, fordert Lin-Klitzing. „Keine Wahlfreiheit, ob ein Taschenrechner benutzt wird oder nicht, ob ein ein- oder zweisprachiges Wörterbuch in der Abiturprüfung benutzt wird oder nicht, sondern ein einsprachiges für alle wird festgelegt! Gleiche Prüfungsbedingungen für alle! Das ist machbar und eine Frage von ernsthafter Detailarbeit und klarem Entscheidungsvermögen!“, so die Bundesvorsitzende weiter.

Es bedürfe einiger “überfälliger Entscheidungen”, die der Deutsche Philologenverband jüngst in seinen Briefen an die KMK angemahnt habe. „Die Diskussion um das diesjährige Matheabitur und der Aufschrei von Kultusministerin Eisenmann nach einem Bundeszentralabitur belegen die Forderungen unseres Verbandes. Allerdings braucht es für deren Erfüllung gar kein Bundeszentralabitur“, so die Verbandsvorsitzende Lin-Klitzing weiter, „zumal ein Bundeszentralabitur weder inhaltlich noch organisatorisch auch nur ansatzweise in naher Zukunft realisierbar wäre. Vielmehr brauchen wir endlich Landesabiture mit bundes- und landeszentralen Aufgabenstellungen, festgelegten einheitlichen Prüfungsbedingungen und klar festgelegten einheitlichen Korrekturmodi. Das ist überhaupt kein Hexenwerk, sondern dazu bedarf es solider gründlicher, detaillierter ´handwerklicher´ Arbeit. Das kann in zwei Jahren umgesetzt werden, wenn die Kultusministerkonferenz es denn wollte – und bei dem momentanen Druck auf sie wird das hoffentlich auch geschehen!“

“Klare Entscheidungen für die Bedingungen, unter denen das Abitur stattfindet”

Der Philologenverband fordert zudem ein Ende der Orientierung am unteren Niveau bei der Anzahl der für die Abiturwertung einzubringenden Kurse aus der Oberstufe für die Abiturwertung, nämlich nicht minimal 32 von rund 55 möglichen, sondern mindestens 40 sollten es für alle sein. Und unter den 40 dürfen auch nicht noch maximal 20 Prozent durchgefallene Kurse akzeptiert werden, sondern nur noch maximal zehn Prozent in allen Bundesländern. Lin-Klitzing: “Mit klaren Detailentscheidungen für die Bedingungen, unter denen das Abitur stattfindet, kommen wir weiter. Diesen ‘Zumutungen’ muss sich die Kultusministerkonferenz jetzt stellen.”

Die bisherige Fokussierung auf den bundeszentralen Aufgabenpool sei inzwischen zu einem Problem geworden: Es fehle an Erfahrung mit kompetenzorientierten Aufgabenstellungen, insbesondere sei nicht klar, inwiefern eindeutige Vergleichbarkeit und Kompetenzorientierung miteinander vereinbar seien. „Das wird sich nicht schnell lösen lassen, auch und gerade nicht von den engagiertesten Befürwortern eines Bundeszentralabiturs“, so Lin-Klitzing weiter. Der Philologenverband will mit einer Aktion “Mondays for matura” für die geforderten Reformen trommeln – jeden Montag in der Sommerzeit werde eine konkrete umsetzbare Forderung nach mehr Vergleichbarkeit auf höherem Niveau als bisher an die Kultusministerkonferenz gestellt. News4teachers

Eisenmann prescht vor: “Wir brauchen in Deutschland ein zentrales Abitur” – Philologen: Ja, aber auf bayerischem Niveau

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4 KOMMENTARE

  1. In der Tat scheint es wichtiger zu sein, die Spielregeln fürs Abitur insgesamt zu vereinheitlichen, als dieselben Aufgaben in allen Bundesländern zu stellen. In manchem Bundesland (z.B. Bayern) ist eine Matheklausur Pflicht, in einem anderen (z.B. Berlin und Baden-Württemberg) aber nicht. Das führt insgesamt doch nicht zu einer Vergleichbarkeit. Es gibt weiterhin ein Chaos der unterschiedlichen Spielregeln.

    • Es geht auch um die Kurs, die im Vorfeld eingebracht werden müssen. Thüringen treibt z.B. die Abiturergebnisse nach oben, weil hier kaum Pflichtkurse (z.B. Naturwissenschaften) eingebracht werden müssen, dafür aber ganz viel Sport, Kunst und Erdkunde.

  2. Eine Vereinheitlichung auf bloßer formaler Ebene hat noch nie einen Qualitätsgewinn gebracht,- da soll sich die Philologenverbandsvorsitzende keinen Illusionen hingeben. Ob man das Abitur in vier oder fünf Fächern machen muss, ob man 38 oder 40 Halbjahrsleistungen einbringen muss, sagt gar nichts darüber aus, was in den Prüfungsfächern und in den Kursen verlangt wird.
    Ohne gleiche Abiturprüfungen in ganz Deutschland schafft sich das Abitur als Eintrittskarte in die Universität demnächst selbst ab.

  3. Die KMK wird das mit dem einheitlichen Abitur nicht hinkriegen. Ich hoffe, dass mit dem Nationalen Bildungsrat demnächst mehr Druck in Richtung Bundeszentralabitur entsteht.
    Gibt es eigentlich vom Philologenverband ein Konzept, wie ein vergleichbares Abitur aussehen soll? Ich habe im Netz nur verschiedene sich widersprechende Vorschläge von Landesverbänden gefunden.

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