Hamburgs Schulfrieden soll weitere fünf Jahre währen (G9 ist damit ausgeschlossen)

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HAMBURG. 2010 hatten sich die SPD, CDU, Grüne und FDP auf einen Schulfrieden geeinigt. Dem seitdem geltenden Zwei-Säulen-Modell aus Stadtteilschule und Gymnasium sollte Zeit zur Entwicklung gegeben werden. Und so soll es auch weitergehen. Damit ist G9 erst mal wieder vom Tisch.

Unter den Rathaus-Parteien in Hamburg kreist, bildlich gesprochen, die Friedenspfeife. Foto: Shutterstock

In Hamburg soll der seit 2010 geltende Schulfrieden um weitere fünf Jahre verlängert werden. Laut dem am Dienstag von den Fraktionen von SPD, Grünen, CDU und FDP vorgelegten Entwurf für eine Rahmenvereinbarung soll an der bestehenden Struktur aus Grundschule, Stadtteilschule und Gymnasium bis 2025 nichts verändert werden – unabhängig davon, wer künftig regiert. Zugleich sind darin Maßnahmen zur Verbesserung der Unterrichtsqualität sowie eine Entlastung und gleiche Besoldung der Lehrer aller Schulformen vorgesehen. Schulsenator Ties Rabe (SPD) begrüßte die Einigung, die es ermögliche, eine «vernünftige und unaufgeregte Schulpolitik» in Hamburg fortzusetzen.

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“Mehr Zeit für das Wesentliche: den Unterricht”

Auch eine von der CDU wieder ins Spiel gebrachte Rückkehr zu G9 – also neun Schuljahren bis zum Abitur an Gymnasien – ist mit der Einigung vom Tisch. Die Zustimmung der CDU zu der Rahmenvereinbarung erfolge allerdings vorbehaltlich eines entsprechenden Beschlusses der Parteibasis, sagte der Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl, Marcus Weinberg. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Parteimitglieder dem von der Fraktion verhandelten Entwurf auch angesichts der darin enthaltenen Maßnahmen zur Verbesserung der Unterrichtsqualität zustimmen werden. «Damit bleibt mehr Zeit fürs Wesentliche: Den Unterricht in den Klassenzimmern.»

Unter anderem ist eine Verkleinerung der Klassen an den Gymnasien geplant. Dort, wo dies aus räumlichen Gründen nicht möglich ist, sollen zusätzliche Lehrkräfte eingesetzt werden. Mehr Verwaltungspersonal soll Lehrern mehr Zeit für Unterricht und pädagogische Arbeit verschaffen, der Unterrichtsausfall durch ein «Vertretungsmanagement» reduziert werden.

Außerdem sollen die Bildungspläne in Deutsch, Mathe und Englisch bis zum Schuljahr 2021/22, die übrigen bis 2023/24, überarbeitet werden, um Unterrichtsinhalte und gefordertes Fachwissen für die jeweiligen Jahrgangsstufen verpflichtend festzuschreiben. Die Qualität des Abiturs soll sich verbessern, indem die Zahl der einzubringenden Oberstufenkurse von derzeit 32 bis 36 auf 40 erhöht wird – wie es in vielen Bundesländern bereits üblich ist.

Den Stadtteilschulen soll es weiterhin überlassen bleiben, ob sie Schüler mit unterschiedlichem Leistungsniveau in den Kernfächern im Klassenverbund mit unterschiedlichen Anforderungen oder in nach Niveau getrennten Kursen unterrichten. Allerdings müssen Lehrerkonferenz, Eltern- und Schülerrat in die Entscheidung über die sogenannte innere oder äußere Differenzierung eingebunden werden.

Die Verlängerung des Schulfriedens stelle sicher, dass die erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre fortgesetzt werden könne, sagte SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf. «Anstelle überflüssiger Debatten zur Schulstruktur wird auch in Zukunft Qualität im Mittelpunkt stehen.»

Erfolge bei Schulleistungsvergleichen

Die Erfolge der bestehenden Schulstruktur seien messbar, sagte der Vorsitzende der Grünen-Fraktion, Anjes Tjarks, und verwies darauf, dass sich die Schulabbrecherquote in den vergangenen Jahren halbiert und die Leistungen der Hamburger Schüler im bundesweiten Vergleich deutlich gebessert hätten.

Schüler, Lehrer und Eltern könnten echte Verbesserungen erwarten, sagte die FDP-Fraktionsvorsitzende und Bildungsexpertin Anna von Treuenfels-Frowein. «Die Schulen können weiter verlässlich arbeiten und sich auf das Vermitteln von solidem Grundwissen konzentrieren, das Leistungsprinzip gilt endlich, der Unterrichtsausfall wird reduziert, und Lehrer können sich jetzt auf Unterricht statt auf Verwaltungsaufgaben konzentrieren.»

Laut Schulsenator Rabe kosten die Verbesserungen jährlich knapp 50 Millionen Euro, davon entfielen allein 35 Millionen auf die Vereinheitlichung der Besoldung auf A13 für alle Lehrer. Da diese Angleichung aber erst ab dem 1. August 2021 in drei Schritten erfolgen werde, schlage sich die volle Summe erst im Haushaltsjahr 2024 komplett nieder.

Die Linke kritisiert den Schulfrieden

Die Linke kritisierte, nicht in die Gespräche eingebunden worden zu sein und sprach von «Geheimverhandlungen». «Wenn dieser Schulfrieden kommt, wird die Ungleichheit im Bildungssystem weiter verstärkt», sagte die Bildungsexpertin der Fraktion, Sabine Boeddinghaus. «Der Entwurf gibt so gut wie keine Antworten auf die drängenden Probleme, die gerade der vorgelegte Referenten-Entwurf des Schulentwicklungsplans belegt.» dpa

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5 KOMMENTARE

  1. Ostdeutschland zeigt(e), dass man das Abitur ohne inhaltliche Abstriche auch nach 12 Jahren ablegen kann. Ostdeutsche Ärzte, Lehrer, Juristen sind nicht schlechter als westdeutsche. Warum die das im Westen nicht schaffen / zu schaffen glauben, verstehen wir hier nicht.

  2. A13 nun auch in HH! Handelt in NRW oder ihr bekommt Dienst nach Vorschrift sowie einen uneinholbaren Lehrermangel.

    Jetzt wird irgendwann auch Niedersachen nachziehen müssen, denn Bremen und HH werden keine Probleme mehr haben, Sek1 Lehrer und Grundschullehrer zu gewinnen .

    Was dann, liebe NRW Regierung ?

    • Niedersachsen wird nachziehen müssen, weil Hamburg und Bremen A13 haben? Das ist – vorsichtig formuliert – nicht durchdacht.

    • Naja, da ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Alle Bundesländer zahlten schon immer unterschiedliche Lehrergehälter. Das waren auch immer schon einige hundert Euro! Zu Massenabwanderungen hat das nie geführt.!

      Wegen ein paar hundert Euro mehr verkauft man nicht sein Haus, fährt man nicht 100km täglich zur Arbeit, gibt man nicht seinen Freundeskreis auf, sucht eine neue Schule für die Kinder usw.-usf.

    • Würde die Logik stimmen, dass alle Lehrer dahin gehen, wo sie am besten verdienen und verbeamtet werden, hätte Ostdeutschland bis vor wenigen Jahren “lehrerleer” sein müssen, aber nee, die hatten sogar vielerorts Zwangsteilzeit, um niemanden entlassen zu müssen!

      Eigentlich kann ich ja stolz darauf sein, die meisten von uns sind nicht so “geldgierig”, wie manche uns weismachen wollen.

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