Brennpunktzulage – erst nur für Lehrer, jetzt auch für Kita-Erzieher geplant

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BERLIN. Wer an sozialen Brennpunkten als Lehrer oder Erzieher arbeitet, hat oft einen schwierigen Job. Fachkräfte sind schwer zu finden. Eine Zulage soll der Berliner Bildungsverwaltung dabei helfen – nach den Schulen nun auch in den Kitas.

In sozialen Brennpunkten - wie hier Berlin Neukölln - sind Migrantenquoten von 70 Prozent aufwärts in Schulen keine Seltenheit. Foto: Sascha Kohlmann / flickr (CC BY-SA 2.0)
In sozialen Brennpunkten – wie hier Berlin Neukölln – sind die Herausforderungen für Lehrkräfte besonders groß. Foto:
Sascha Kohlmann / flickr (CC BY-SA 2.0)

Berliner Kita-Erzieher in sozialen Brennpunkten bekommen ab Mitte 2021 eine Zulage. Sie soll rund 300 Euro monatlich betragen und dazu beitragen, in Zeiten von Fachkräftemangel mehr Menschen für den Erzieherberuf zu gewinnen, wie Familiensenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Dienstag mitteilte.

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Nach Schätzungen könnten von etwa 30 000 Kita-Erziehern rund 4600 an mehr als 400 Einrichtungen in den Genuss der Brennpunktzulage kommen. Finanziert wird sie zumindest in den ersten beiden Jahren mit 25 Millionen Euro vom Bund. Das Geld stammt aus dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz.

Kitas mit vielen Migrantenkindern und Kindern aus Hartz IV-Familien

Die genauen Kriterien für die Zulage stehen Scheeres zufolge noch nicht fest. Generell geht es um Kitas, in denen viele Kinder mit Migrationshintergrund, mit sprachlichen Defiziten oder aus Hartz IV- Familien betreut werden. Dort ist der Erzieherjob oft besonders schwierig. Brennpunktzulagen erhalten seit kurzem bereits Lehrer und Erzieher an bestimmten Schulen (News4teachers berichtete).

Insgesamt gibt der Bund den Ländern aus dem Gute-Kita-Gesetz von 2019 bis 2022 etwa 5,5 Milliarden Euro. Auf Berlin entfallen 239 Millionen Euro. Der Vertrag dazu, dem der Senat am Dienstag zustimmte, wird am 2. Oktober unterzeichnet. Der Senat will damit mehr als ein Dutzend Vorhaben finanzieren, um die Kita-Qualität weiter zu erhöhen.

So sollen Beschäftigte in der Kindertagespflege ab 2020 deutlich mehr Geld bekommen. Kita-Leitungen sollen entlastet, die Räume moderner werden. Geplant ist auch, die berufsbegleitende Ausbildung von Quereinsteigern im Erzieherberuf zu vertiefen.

Debatte um Kitapflicht für Kinder ab vier Jahren

«Da die Berliner Kitas schon komplett gebührenfrei sind, können wir die Gute-Kita-Mittel für die weitere Verbesserung der Kita-Qualität nutzen», sagte Scheeres. «Mit den nun vereinbarten Maßnahmen setzen wir deutliche Schwerpunkte bei den Kita-Fachkräften und der Kindertagespflege.»

Scheeres äußerte sich auch zu einem Vorstoß des SPD-Kreisverbandes Tempelhof-Schöneberg, eine Kitapflicht ab vier Jahren einzuführen. «Man muss ganz klar sagen, dass es ein Grundgesetz gibt, und das Grundgesetz eine Kitapflicht in diesem Rahmen nicht möglich macht.»

Einige Tausend Kinder besuchen keine Kita

Hintergrund des Vorstoßes ist die Tatsache, dass einige Tausend Kinder, darunter viele mit ausländischen Wurzeln, keine Kita besuchen, und gerade diese dann ohne ausreichende Deutschkenntnisse in die Schule kommen. Eigentlich sind solche Kinder zur Sprachförderung in der Kita im letzten Jahr vor der Schule verpflichtet, wenn sie einen Sprachstandstest nicht bestehen. In der Praxis jedoch setzen manche Bezirke das nicht durch.

Die Regel müsse, notfalls auch mit Hilfe von Bußgeldern, besser durchgesetzt werden, forderte Scheeres, denn: «Hier geht es um die Entwicklung von Kindern.»

In Berlin gibt es laut Familienverwaltung rund 177.000 Kita-Plätze, darunter 6100 in der Tagespflege. Momentan sind um die 18.000 Plätze frei, aber viele davon schon reserviert. Generell ist der Druck im System hoch, weil in der wachsenden Stadt jedes Jahr mehr Kinder dazukommen und mehr Plätze geschaffen werden müssen. Daher werden pro Jahr auch 1500 bis 2000 zusätzliche Erzieher gebraucht. «Es ist eine angespannte Situation», räumte Scheeres ein. Pro Jahr gibt der Senat rund 1,7 Milliarden Euro für Kinderbetreuung aus. dpa

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2 KOMMENTARE

  1. Mehr Geld zahlen ist einfacher als mehr qualifizierte Mitarbeiter einstellen und viel! einfacher als bessere Rahmenbedingungen schaffen.

    • Genau. Das ist es!

      Man kann sagen, “wir tun was”, aber außer einer Gehaltserhöhung tut sich nichts weiter. Der Berliner Senat investiert lieber in Gehälter als in die Arbeitsbedingungen. So ist denn auch die Teilzeitquote an Berliner Schulen in den letzten Jahren von rund 24 auf rund 29% gestiegen. Man kann es sich nach den satten Gehaltserhöhungen auch mehr leisten (seit 2013 Einstellung mit Stufe 5, seit 2018 A/E 13 für alle = macht rund 5300,- brutto). Der Lehrermangel wurde also weiter forciert. Ist das nicht absurd?

      Und wie Brennpunktzulage bekommen nur ausgewählte Schulen. Ist man 1% unter den Grenzwerten, bekommt man nichts, hat aber auch nicht weniger Stress. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit geht anders!

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