Sommerferien ade: Ganz Deutschland ist zurück im „Schulmodus“ – mit Problemen

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BERLIN. Auch in den letzten Bundesländern geht in der neuen Woche die Schule wieder los. Baustellen gibt es auch in diesem Schuljahr viele, vom Lehrermangel bis zum bröckelnden Putz in der Turnhalle.

Schule hat begonnen. Foto: Shutterstock

Bayern und Baden-Württemberg sind die letzten im Bunde: Am Dienstag und Mittwoch gehen auch im Süden die Sommerferien zu Ende. Dann ist ganz Deutschland wieder im Schulmodus – die großen Themen und Probleme sind im neuen Schuljahr die gleichen wie im alten. Ein Überblick:

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Dauerthema Lehrermangel
Der Geburtenanstieg der vergangenen Jahre und die Zuwanderung haben die Schülerzahlen ansteigen lassen und von den Hochschulen kommen auf absehbare Zeit nicht genügend Absolventen nach, um den Bedarf an Lehrern zu decken, wie Bildungsforscher sagen. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, ist überzeugt: «Wir haben es mit dem größten Lehrermangel der letzten 60 Jahre zu tun.» Er schätzt, dass in diesem Schuljahr deutschlandweit 15 000 Stellen nicht besetzt werden können.

Besonders dramatisch ist die Lage an einigen Grundschulen. Die Vorsitzende des Grundschulverbands, Maresi Lassek, warnt vor einer «Katastrophe, wenn sich Bund, Länder und Gemeinden nicht zu einem gemeinsamen Notprogramm aufraffen». Der Verband fordert, dass schnell mehr Lehrer ausgebildet werden und dass denen, die in Teilzeit arbeiten, zum Beispiel jungen Müttern, attraktive Angebote gemacht werden, damit sie mit ihren Stunden wieder hochgehen. Die Bundesländer versuchen den Bedarf im Moment zunehmend mit Quereinsteigern und reaktivierten Pensionären zu decken.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK) und hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU), sagt: «Die Lage in den einzelnen Ländern stellt sich nach wie vor aber sehr unterschiedlich dar.» Voll ausgebildete Lehrkräfte fehlten nicht überall in gleichem Maße und der Lehrerbedarf unterscheide sich nach Schulformen und Fächern. Weil in den ersten Schulwochen immer noch Stellen nachbesetzt werden, dürfte sich frühestens in den Herbstferien ein klares Bild ergeben.

Digitalisierung
Die ersten Schulen wollen im neuen Schuljahr kräftig in Tablets, Beamer und Smartboards investieren und ihr Schulnetz aufpeppen. Dafür stehen seit Mai Milliardensummen des Bundes aus dem «Digitalpakt Schule» bereit. Großflächig losgehen mit der Modernisierung wird es aber wahrscheinlich erst im nächsten Schuljahr, schätzt Lehrerpräsident Meidinger. Der Grund: Die Schulen müssen das Geld erst einmal beantragen und dafür schlüssige Konzepte vorlegen. Und das geht erst, wenn die Länder sogenannte Förderrichtlinien erstellt haben – also Regeln dafür, wie und unter welchen Voraussetzungen Geld aus dem Digitalpakt an die Schulen vergeben wird. Diese Richtlinien fehlen in einigen Bundesländern noch. Mancherorts wird es also noch dauern, bis die Kreidetafel Konkurrenz vom Smartboard bekommt.

Die Nase vorn bei dem Thema hat offensichtlich Sachsen, dort ist nach Kenntnis der KMK am 8. August der erste Bewilligungsbescheid in Höhe von 3,6 Millionen Euro an den Landkreis Zwickau übergeben worden.

Bröckelnder Putz, marode Turnhalle, kaputte Schulklos
Auch das ist ein Dauerthema: Die aktuellste Befragung der Kreditanstalt für Wiederaufbau unter den Kommunen – das KfW-Kommunalpanel – hatte im Juni gezeigt, dass der Investitionsrückstand bei den Schulen bundesweit im vergangenen Jahr bei 42,8 Milliarden Euro lag. Viele Gebäude stammten aus den 1970er Jahren und seien sanierungsbedürftig. Lehrerpräsident Meidinger bestätigt teils schlimme Zustände: «Natürlich gibt es die Schulen, wo tatsächlich der Putz bröckelt.» Eine moderne technische Ausstattung nütze nichts, «wenn’s hinter dem PC schimmelt».

Vor zwei Jahren hatte die damalige große Koalition ein Programm für Schulsanierungen aufgelegt: 3,5 Milliarden Euro für Schulgebäude in finanzschwachen Kommunen. Rund ein Drittel dieser Gelder ist nach letztem Informationsstand noch gar nicht abgerufen. Das Bundesfinanzministerium hatte nach Rückmeldungen aus den Ländern mitgeteilt, dass 2,4 der 3,5 Milliarden Euro beantragt, bewilligt oder verbaut wurden (Stand 31. März). Endgültig bei den Schulen angekommen seien nur 70 Millionen Euro, hatte die «Bild am Sonntag» im August unter Berufung auf die zuständigen Ministerien der Länder berichtet. Laut KfW-Kommunalpanel liegt das am anhaltenden Bauboom – Handwerks- und Baufirmen kommen mit den Aufträgen kaum noch hinterher – und auch an fehlendem Personal in den Kommunalverwaltungen, was die Auftragsvergabe verlangsamt. (Jörg Ratzsch, dpa)

Unterricht beginnt, Lehrermangel bleibt – Frust an Schulen in Baden-Württemberg

 

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6 KOMMENTARE

  1. Zitat: “Der Verband fordert, dass schnell mehr Lehrer ausgebildet werden und dass denen, die in Teilzeit arbeiten, zum Beispiel jungen Müttern, attraktive Angebote gemacht werden, damit sie mit ihren Stunden wieder hochgehen.”

    Das ist beides richtig, nur wie soll das aussehen?

    Die Lehrerausbildung dauert so lange, wie sie dauert. In der Regel 7 Jahre. (Eine Verkürzung auf 4 Jahre Uni und 1 Jahr Referendariat fände ich sinnvoll, nützt aber momentan auch nichts.) Und wie will man Teilzeitkräften eine Stundenaufstockung schmackhaft machen? Dazu müsste man ja die Belastungen, die zur Teilzeit führten, senken.

    Ich bin vor allem gespannt, was mögliche Kenia-Koalitionen in Brandenburg und Sachsen bewirken. Da würde ja in beiden Bundesländern “das linke Element” gestärkt werden, was vor allem in Sachsen Neuerungen bringen könnte. Was werden SPD und Grüne der CDU abtrotzen? Ich las, dass die SPD die Einführung einer Gemeinschaftsschule und des längeren gemeinsamen Lernens zur “roten Linie” erklärt hat. Das wollen auch die meisten Sachsen, also auch CDU-Wähler, doch die CDU-Oberen scheint es nicht zu interessieren (sogar die AfD will das gemeinsame Lernen bis Klasse 8, ich staune).

    https://www.mdr.de/kultur/themen/ltw-sachsen-positionen-bildungspolitik-100.html

  2. Was ich mich im Zusammenhang mit dem Lehrermangel Frage, wie man es sich leisten kann, Schwangeren monatelang bei vollem Gehalt ein Beschäftigungsverbot zu erteilen? Das ist doch Luxus auf Kosten der Allgemeinheit.

    Sind die nicht anderswo in der Bildungsverwaltung einsetzbar? Die sitzen bis zu 8 Monate bei vollem Gehalt zu Hause und wir vertreten deren Unterricht. Aber die sind doch nicht krank! Die können doch was tun.

    • Erstens: Ich kenne keinen Fall, in dem Schwangere 8 Monate bei vollem Gehalt zu Hause sitzen. Es ist nun mal Gesetz, dass die Schule eine sogenannte Risikoeinschätzung machen und dass das Amt den Impfstatus prüfen muss. Dafür, dass sie auf diesen Amtstermin teilweise mehrere Wochen warten müssen, können die Frauen ja wohl mal gar nichts!! Und sollte eine Ärztin einer Schwangeren ein Beschäftigungsverbot aussprechen, weil sonst das Leben von Kind und / oder Mutter gefährdet ist, dann ist das kein Luxus, sondern eben notwendig!
      Zweitens: Selbst wenn Schwangere in der Wartezeit auf den Amtstermin in der Bildungsverwaltung eingesetzt würden, sehe ich nicht, wie dies etwas gegen den Lehrermangel tun könnte.
      Und drittens: Der Lehrermangel ist kein Problem, dass auf Grund der Schwangerschaften von Kolleginnen entsteht. Der entsteht durch jahrelange Fehlplanung bei den Studienplätzen, durch schlechte Arbeitsbedingungen, die die Kollegen durch Teilzeit versuchen abzufedern, und durch eine schlechtere Bezahlung der GS-Lehrkräfte.

      • Wir hatten letztes Jahr an unserer Schule zwei Lehrerinnen, die kurz nach Bekanntgabe der Schwangerschaft Beschäftigungsverbot erhielten und die restlichen 8 Monate bei vollem Gehalt zu Hause saßen.

        In einem Fall weiß ich, dass der Amtsarzt Arbeitsfähigkeit attestierte, weil die Lehrerin gegen alle Kinderkrankheiten immun war. Was hat sie gemacht? Sie ging dann zur Hausärztin und holte sich dort das gewünschte Beschäftigungsverbot. 8 Monate bei vollem Gehalt! Und das, obwohl wir schon unterbesetzt waren letztes Jahr.

        Wie solidarisch ist das denn?

  3. auch in diesem Artikel muss es wieder so gedankenlose Propaganda geben wie “Mancherorts wird es also noch dauern, bis die Kreidetafel Konkurrenz vom Smartboard bekommt.”
    Auch weiterhin werden vernünftig denkende Lehrer die Kreidetafel im Klassenraum behalten und die elektronischen Medien gemäß ihrem Zusatznutzen einsetzen, nicht als “Konkurrenz” zu dem , was seit Jahrhunderten CO2-neutral und zuverlässig funktioniert.

    • Ich erinnere mich, dass die Lehrer am Ende der DDR, als man “seit Kurzem” nicht mehr nach der 8. Klasse, sondern erst nach der 10. Klasse an die EOS (Abiturstufe) wechselte, davon sprachen, dass diese Umstellung ein Fehler gewesen sei, weil sie die ganze 11. Klasse dafür bräuchten, um “Lücken” nachzuarbeiten und die Schüler an das Arbeiten in der Abiturstufe zu gewöhnen.

      (Ich staune, wie gesagt, wie die AfD auf das längere gemeinsame Lernen gekommen ist. Da hätte ich eher die Verteidigung der Trennung nach Klasse 4 erwartet.)

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