Symposium zum Handschreiben – KMK-Präsident Lorz: “Erlernen der verbundenen Handschrift in unseren Schulen ist aktueller denn je”

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BERLIN. Brauchen künftige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weiterhin die Handschrift? Was bedeutet das für den Unterricht – in Zeiten zunehmender Digitalisierung? Diese Fragen diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreterinnen und Vertreter von Schulverwaltung und Schulpraxis aus fünf europäischen Staaten, die beim 3. International Symposium on Handwriting Skills 2019 am 11. Oktober in Berlin zusammenkommen. Die Schirmherrschaft für das Treffen – das vom VBE sowie vom Schreibmotorik Institut veranstaltet wird – hat KMK-Präsident Alexander Lorz (CDU) übernommen. Wir sprachen mit dem hessischen Kultusminister im Vorfeld.

Hessen Kultusminister Alexander Lorz will das Handschreiben wieder stärker in den Fokus rücken. Foto: HKM / Manjit Jari

News4teachers: Ist es Ihrer Meinung nach wichtig, dass Kinder eine Handschrift erlernen? Und, wenn ja, warum?

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Lorz: Unbedingt, denn es gibt nichts Persönlicheres als die individuelle Handschrift. Das Erlernen einer Schreibschrift, unserer zentralen Kulturtechnik, ist wichtig, um flüssig, zügig und gut lesbar schreiben zu können. Das handschriftliche Schreiben sehen wir dabei nicht nur als Mittel, um Informationen festzuhalten und sich anderen mitzuteilen, sondern zugleich als Instrument, um sich die eigenhändig formulierten Texte und Inhalte besser einprägen zu können. Deshalb nimmt das Schreibenlernen an unseren Grundschulen einen derart großen Raum ein.

News4teachers: Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung. Ist Handschreiben da nicht ein bisschen antiquiert?

Lorz: Ganz im Gegenteil. Es geht letztlich darum, die Chancen der Digitalisierung im Unterricht zu nutzen, ohne auf Altbewährtes zu verzichten. Jüngere Untersuchungen belegen im Übrigen übereinstimmend, dass Kinder vor allem haptisch lernen und Buchstaben im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal begreifen müssen. Gerade diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das Erlernen der verbundenen Handschrift in unseren Schulen aktueller denn je ist.

News4teachers: Lehrkräfte beklagen, dass immer mehr Kinder Schwierigkeiten damit haben, eine gute Handschrift zu entwickeln – was ist Ihrer Meinung nach dagegen zu tun?

Lorz: Einige Kinder verfügen bei der Einschulung über nicht altersgemäße grob- und feinmotorische Fähigkeiten und haben deshalb Schwierigkeiten, eine strukturierte Handschrift zu entwickeln. Die Herausbildung einer gut lesbaren Schrift ist in Hessen deshalb von Beginn an unverzichtbarer Bestandteil des Unterrichts. Und wie im Sport gilt auch hier der althergebrachte Grundsatz „Übung macht den Meister!“.

News4teachers: Es gibt keinen Lehrstuhl in Deutschland, der sich mit dem Thema Handschreiben beschäftigt. Auch große Schülerleistungsstudien schauen zwar auf die Rechtschreibung, interessieren sich aber nicht für die Handschrift. Verdient das Thema mehr wissenschaftliche Aufmerksamkeit?

Lorz: Sicherlich wäre es begrüßenswert, auch von wissenschaftlicher Seite diesem Thema erhöhte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, denn erst die Verknüpfung von wissenschaftlicher und schulpraktischer Expertise ermöglicht eine erfolgreiche Weiterentwicklung unseres Kenntnisstandes über die Handschrift. Ich appelliere deshalb auch ein stückweit an den Forschungssektor, sich verstärkt dem Thema zu widmen.

News4teachers: Mit welchen Erwartungen blicken Sie auf das Symposium?

Lorz: Das Symposium wird hoffentlich dazu beitragen, einen größeren Kreis innerhalb des Bildungsbereichs und vielleicht auch darüber hinaus zu sensibilisieren. Die Liste der geladenen Referentinnen und Referenten klingt in jedem Fall vielversprechend und wird für anregende Diskussionen sorgen.

News4teachers: Sie haben für Hessen bereits einen „Tag der Handschrift” ausgerufen. Wie möchten Sie das Thema voranbringen?

Lorz: Sich schriftlich mitteilen zu können ist eine der Schlüsselqualifikationen zur Teilhabe an unserer heutigen, mehr denn je auf Kommunikation ausgerichteten, Gesellschaft. Deshalb haben wir dem Schreiben mit der Hand und der Entwickelung einer gut lesbaren Handschrift einen besonderen Stellenwert in unserem aktuellen Koalitionsvertrag eingeräumt. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden zudem durch Fortbildungsangebote für Grundschullehrkräfte in die Schulen hineingespiegelt. Der Tag der Handschrift dient gleichsam als Leuchtturmprojekt, um breitere Bevölkerungsschichten auf das Thema aufmerksam zu machen. Die bisher gemachten Erfahrungen sind bereits jetzt sehr erfolgversprechend.

News4teachers: Gibt es im Rahmen der Kultusministerkonferenz Bestrebungen, das Handschreiben verstärkt zu thematisieren?

Lorz: Die Vermittlung der Bildungssprache Deutsch ist Grundlage jeglichen schulischen Erfolgs. Vor dem Hintergrund der Herausforderungen, denen wir hierbei aktuell gegenüberstehen, habe ich dieses Themenfeld ganz bewusst als Schwerpunkt unserer diesjährigen KMK-Präsidentschaft gewählt. Derzeit ist eine entsprechende Empfehlung in Abstimmung, die voraussichtlich im Dezember verabschiedet werden kann. Auch wenn bereits einiges auf den Weg gebracht wurde, hoffe ich, dass die Länder die Empfehlung nutzen und das Schreiben mit der Hand in Zukunft weiter stärken werden. Agentur für Bildungsjournalismus

Lehrer-Umfrage: Jede 3. Schülerin und jeder 2. Schüler hat Probleme mit dem Handschreiben – Zeit für Förderung fehlt

 

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45 KOMMENTARE

  1. Ich finde die Aussagen in diesem Interview von Herr Lorz fast schon peinlich. Ich stimme in 2 Punkten zu:

    1. Handschriftliches Schreiben kann beim Lernen unterstützen
    2. Haptisches Lernen ist wichtig.

    Das ist meine persönliche Meinung. Wie im Interview deutlich wird, fehlt dazu einfach die wissenschaftliche Basis. Insofern könnte daran auch nichts sein. Es ist sogar wahrscheinlich, dass nicht jeder Mensch über handschriftliches Schreiben und Haptik lernt.

    Darüberhinaus kann man doch nicht ernsthaft versuchen das Handschreiben schön zu reden. Es ist völlig aus der Zeit und für die meisten Arbeitnehmer höchstens beim Notizen machen relevant. Wenn man ein solch langes Interview führt und es nicht schafft auch nur ein einziges, stichhaltiges Argument zu liefern, zeigt es doch, dass es da mehr um persönliches Empfinden als um Realpolitik geht. Gerade die berechtigte und wichtige Frage der Redaktion “Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung. Ist Handschreiben da nicht ein bisschen antiquiert?” wurde nicht beantwortet.

    • Was erwarten Sie denn als Antworten und Erklärungen von Bildungspolitikern, wie Herrn Lorz, , wenn selbst die marginale vorhandene Grundlagenforschung der Grundschulpädagogik sich nur einfachster Konstrukte bedient, wie der Formulierung von Ideen, die dann auch noch durch zweifelhaften Kleinststudien Bestätigung suchen, ohne eine wissenschaftliche Anerkennung zu verdienen, oder ältere Kleinststudien in ihren Zielen umzudeuten, um die eigenen, kreativen Ideen, zu stützen.

  2. Völlig aus der Zeit? Zum Glück gibt es da deutlich differenziertere Betrachtungen. Ein wichtiger vernachlässigter Bereich für das in meinen Augen wichtige Schreibenlernen ist das feinmotorische systematische Vorbereiten . Hauke Stehn hat dazu wichtige Anregungen, die ich im ersten Schuljahr gerade regelmäßig einbeziehe. www. feinmotorikpraxis.de

    • Wo bin ich denn nicht differenziert? Dann begründen Sie doch ihre Meinung, statt mich grundlos anzugreifen. Anregungen sind sicherlich keine wissenschaftlich-eindeutige Erkenntnisse. In den meisten, fast allen (!), Berufen ist die Handschrift bedeutungslos geworden. Die Entwicklung dahin wird noch stärker werden. Ich sage nicht, dass Handschrift nicht auch nützlich sein kann, wer jedoch behauptet, wie Lorz, dass die Handschrift wichtiger sei, als das Schreiben auf Tastatur verkennt die Realität. Insofern trifft die Aussage “Völlig aus der Zeit” zu. Da muss man als Nostalgiker auch mal drüber stehen.

      Die Frage ist: Warum lernen wir die Handschrift? Weil es früher unabdingbar war. Es gibt jedoch keine Belege dafür, dass es in der heutigen Zeit auch noch notwendig ist. Insofern müssen Sie mir einen Beweis dafür finden, dass die Handschrift nicht antiquiert ist. Herr Lorz ist im Interview ja schon daran gescheitert.

  3. Es geht doch nicht darum, ob man die Handschrift später im Beruf noch benötigt. Es geht darum, dass die Handschrift beim Lernen hilft, da sie im Gehirn mehr Spuren hinterlässt als das Tippen auf einer Tastatur.
    Übrigens – dieses haptische Lernen (das Erkunden von Gegenständen mit den Händen) muss bis zum Alter von 11 Jahren im Vordergrund stehen. Wer Gegenstände selbst mit der Hand im Raum bewegt hat, kann diese später auch gedanklich im Raum drehen.

    • Meinung oder wissenschaftlich eindeutig nachweisbar? Ich empfinde das zwar auch so, aber einen wirklichen Nachweis, was eine Notwendigkeit zur Folge hätte, gibt es meines Wissens nach nicht.

      • Hier ein paar Anregungen:
        https://www1.wdr.de/wissen/mensch/handschrift-104.html

        https://www.deutschlandfunk.de/handschrift-schreiben-statt-tippen-gut-fuers-hirn.680.de.html?dram:article_id=400352

        https://www.zeit.de/wissen/2018-04/schreiben-handschrift-digitalisierung-hirnforschung-neurologie/seite-2

        Natürlich braucht man im Beruf die Handschrift nicht mehr (so oft).
        Aber: brauchen wir im Beruf Musik? Brauchen wir im Beruf Sport? Für die meisten Berufe könnte man Musik und Sport aus den Lehrplänen streichen. Allerdings haben Sport und Musik viele “positive Nebenwirkungen” für die Entwicklung des Gehirns – und das braucht man in jedem Beruf (hoffentlich).

        • Und nun? Sie können genauso auch Aussagen finden, die das angeblich widerlegen. Es gibt da keine eindeutigen Erkenntnisse zu. Punkt.

          PS: Im ersten Artikel spricht eine Graphologin. Ich hege da doch sehr starke Zweifel an der Objektivität.

          Sehr witzig ist auch folgende Aussage:
          “Dann sollten sie das Gefühl wieder erleben, wie es ist, wenn der Kugelschreiber oder Füllfederhalter auf dem Papier das ausdrückt, was der Kopf hergibt.”

          Geht es nun um Gefühle oder um Wissenschaft?

          • Können Sie mir Links dazu angeben?
            Ich kenne noch keine Studie, die belegt, dass die Handschrift unnötig ist bzw. ohne Handschrift genau so gut oder besser gelernt wird.
            Nachgewiesen ist zumindest, dass sich diejenigen Studenten Inhalte besser merken können, wenn sie diese handschriftlich mitgeschrieben haben als diejenigen die auf Laptop oder Tablet mitgetippt haben.

            In ein paar Jahren werden wir es an den Pisa-Ergebnissen Finnlands sehen, die haben ja die Handschrift abgeschafft, wenn ich richtig informiert bin.

          • @GriasDi Wie wäre es denn, wenn Sie für ihre Behauptungen erstmal auch nur eine Quelle benennen? Sie haben hier mehrfach behauptet, dass es eindeutig nachgewiesen sei.

            “Nachgewiesen ist zumindest, dass sich diejenigen Studenten Inhalte besser merken können, wenn sie diese handschriftlich mitgeschrieben haben als diejenigen die auf Laptop oder Tablet mitgetippt haben”

            Und wer hat das eindeutig nachgewiesen? Quelle einfach angeben, wenn man das behauptet.

            Ich stelle mal die steile These auf, dass es dazu mehr als 1 Studie gibt und alle kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

            “Ich kenne noch keine Studie, die belegt, dass die Handschrift unnötig ist bzw. ohne Handschrift genau so gut oder besser gelernt wird.”

            Das habe ich ja schließlich auch nicht behauptet. Ich habe gesagt, dass jeder Mensch anders lernt und eben die Aussage “mit der Handschrift lernt man besser” so allgemein formuliert eigentlich nur falsch sein kann. Es würde mich stark wundern, wenn es unter Milliarden von Menschen niemanden gäbe, der ohne Handschreiben nicht auch gut oder gar besser lernen kann.

          • Übrigens Felixa
            ich bin wirklich interessiert an Studien, die belegen, dass man mit Computern besser lernt, bzw. was man mit Computern besser lernt als mit bisherigen Methoden. Allerdings habe ich solche Studien noch nicht gefunden. Ich wäre Ihnen also wirklich dankbar, wenn Sie mir dahingehend weiterhelfen könnten.

          • @GriasDi was wollen Sie denn von mir?

            Sie haben es geschafft 2 Studien zu ihrer Aussage zu finden. Herzlichen Glückwunsch. Mit wenig Anstrengung und einer kurzen Recherche auf Google Scholar oder Researchgate werden Ihnen noch deutlich mehr Studien dazu angezeigt. Genauso wird es andersherum auch Studien geben, die Ergebnisse gegen ihre Aussagen liefern. Das gehört zur Arbeit der empirischen (Bildungs-)Forschung.

            Sie nennen hier 2 (!) Studien. Hattie hat in seiner Erstveröffentlichung der Hattie-Studie über 800 (?) Metastudien ausgewertet. Dennoch gab es berechtigte Kritik oder Nachfragen, die ungeklärt blieben.

            “ich bin wirklich interessiert an Studien, die belegen, dass man mit Computern besser lernt, bzw. was man mit Computern besser lernt als mit bisherigen Methoden.”

            Was ist ihre Aussage?
            1. Mit Stift lernt man besser als mit Tastatur?
            2. Handschriftliches Schreiben auf Papier ist besser als andere Lernmethoden?
            3. …

            Was ist denn der Computer? Was sind die bisherigen Methoden?

            Das ist alles sehr ungenau, was sie hier äußern.

            Nur um ein paar Beispiele zu nennen:
            – ein visueller Lerntyp wird mit dem Handschreiben schlechter lernen als mit einem Tafelbild, erstellt durch die Lehrkraft.
            – ein auditiver Lerntyp würde mit einem Hörbuch besser lernen können als mit dem Handschreiben.

            Nimmt man ihre allererste Aussage “Mit dem Stift lernt man besser als mit Tastatur” müsste man da sicherlich stark differenzieren:
            – Was ist der Zweck vom Stift/Tastatur? Geht es um abschreiben, erarbeiten, einüben, etc.?
            – Wie alt ist die Person?
            – Was lernt diese Person?
            – Wie viel muss die Person schreiben?
            – usw.

            Sie sehen, dass die empirische Bildungsforschung keine einfache Antwort auf die große Frage “Lernt man mit Stift besser als mit Tastatur?” liefern kann. Deswegen sage ich hier ja auch schon mehrfach: Interessant ist die Frage wer, wann und wo mit Stift bzw. mit Tastatur besser lernen kann. Darauf kann man konkrete Antworten liefern.

          • Es dürfte doch wohl unbestritten sein, dass die von Hand geschriebene Schrift ein unverzichtbarer und integraler Bestandteil des Schriftspracherwerbs im Anfangsunterricht ist, unabhängig davon, dass feinmotorische Techniken durch Vermittlung verbundener Schriftsysteme gefördert und befördert werden.

          • @AvL das ist absolut nichtssagend. Unbestritten und empirische Nachweise, die Erkenntnisse zum Lernprozess aufzeigen, sind zwei grundlegend verschiedene Aussagen. Sie argumentieren lediglich wie Lorz, dass die Handschrift ja essentiell war und ist. Warum? Ist halt so.

            Es reflektiert zum Beispiel nicht den Wandel dahin, dass sowohl Handaufzeichungen als auch das gedruckte Buch an massiver Bedeutung verlieren und bereits verloren haben. Warum war denn “die von Hand geschriebene Schrift ein unverzichtbarer und integraler Bestandteil des Schriftspracherwerbs”? Im Beruf waren früher handschriftliche Aufzeichnungen Teil der Arbeit. Insofern hatte es schon einen gewichtigen Grund, warum junge Menschen dies gelernt haben. Es war also Bestandteil des Schriftspracherwerbs, weil dies zum Teil der Kommunikationswege gehörte.

            Schauen Sie sich mal in der Uni um. Da erleben Sie immer mehr Studenten, die nur noch mit ihrem Laptop dort sitzen. Nach ihren Aussagen, dürften diese keine Lernerfolge zeigen oder zumindest schlechter abschneiden, als diejenigen, die mit der Hand Notizen machen. Ich kenne dazu keine Studie, aber ich würde mal behaupten, dass ein mündiger Mensch so arbeitet, wie er oder sie es für sich am besten einschätzt. Insofern befürworte ich die Möglichkeit auch Schüler so lernen zu lassen, wie sie es für sich am besten halten. Solange die Handschrift auch im Alltag noch nicht “ausgestorben” ist, sollte diese auch erlernt werden. Ganz klar, denn sie erfüllt einen Nutzen. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu, dass die Handschrift wirklich immer die effektivste Art des Lernens ist. Das versuchen aber hier einige seit X Kommentaren pseudowissenschaftlich oder einfach über die eigene Meinung zu behaupten.

          • @Felixa
            Arbeiten Sie mit Grundschulkindern oder sind Sie im Bereich einer weiterführenden Schule beschäftigt ?
            Ich beschrieb die Effekte der manuellen Erarbeitung der Schriftsprache mit dem Stift, der Kreide oder dem Füller gegenüber dem Erlernen dieser Techniken an der Tastatur. Es gibt aber auch Schüler, wie jene mit einer spastischen Parese, die erst durch die Tastatur in die Lage versetzt werden, eine Form der Schriftsprache zu entwickeln.
            Eine primär vermittelte verbundene Schriftsprache hat den Vorteil, dass die Feinmotorik der Kinder mit geschult wird.

          • @AvL warum gehen Sie nicht auf meinen Inhalt und meiner Nachfrage nach eindeutigen Erkenntnissen ein?

            Stattdessen wollen Sie mich damit diskreditieren, dass nur Grundschullehrer über ihre subjektiven Wahrnehmungen und Erfahrungen darüber urteilen können?

            “Ich beschrieb die Effekte der manuellen Erarbeitung der Schriftsprache mit dem Stift, der Kreide oder dem Füller gegenüber dem Erlernen dieser Techniken an der Tastatur.”

            Wo? In dem obigen Kommentar zumindest nicht.

            “Es gibt aber auch Schüler, wie jene mit einer spastischen Parese, die erst durch die Tastatur in die Lage versetzt werden, eine Form der Schriftsprache zu entwickeln.”

            Das ist ziemlich offensichtlich, war aber auch kein Thema.

            “Eine primär vermittelte verbundene Schriftsprache hat den Vorteil, dass die Feinmotorik der Kinder mit geschult wird.”

            Ja, das gilt jedoch nicht exklusiv für die Schriftsprache.

          • @FElixa
            Nach meinem Kenntnisstand gibt es auch keine Lerntypen.
            Ich nenne aber jetzt keine Studien, da Ihnen die Anzahl der Studien sicher nicht ausreichen wird. Außerdem gibt es sicher viele Studien, die das Gegenteil beweisen.

          • @GriasDi statt sachlich auf die Inhalte einzugehen wollen Sie nun über Lerntypen diskutieren. Das ist schon ziemlich schwach.

            Dennoch äußere ich mich dazu: habe ich irgendwo behauptet, dass jeder Person ein Lerntyp zuzuordnen ist? Nein. Dennoch hat jeder Präferenzen über welchen Zugang er oder sie am besten Inhalte erarbeiten kann. Das fasse ich für mich als Lerntyp zusammen. Ich kann gut lernen, indem jemand mir etwas vorträgt. Also bin ich für mich ein visuell-auditiver Lerntyp. Mir bringt es dagegen nichts noch etwas mitzuschreiben. Aus der Unizeit kennt jeder Personen, die genauso gelernt haben, andere haben durch das Mitschreiben gelernt, andere hören sich irgendetwas an, usw. Auch bei Kindern stellt man das fest. Manche brauchen etwas zum anfassen, andere reicht der bloße Anblick oder die mündliche Erklärung einer Person.

            Also gehen Sie doch lieber auf meine obigen Äußerungen ein statt nun solch einen Blödsinn zu verzapfen.

            “Ich nenne aber jetzt keine Studien, da Ihnen die Anzahl der Studien sicher nicht ausreichen wird.”

            Darum geht es nicht, scheinbar verstehen sie das nicht. Es wird immer Kritik geben, egal wo. Man kann sich jedoch nicht hinstellen und behaupten “Jede Person lernt so…”, “Mit Stift lernt man besser…”, usw. Das sind auch nicht die Ergbenisse, auch nicht die aus ihren Verlinkungen. Da wurde ein konkretes Forschungsdesign gewählt und dort wurden entsprechende Ergebnisse erzielt. Ändert man das Forschungsdesign wird zu 100% etwas anderes rauskommen. Dadurch kann man aber eben Aussagen machen für welche Lerngruppe, in welchem Alter, in welcher Situation, bei welchen Themen, etc. der Stift geeigneter ist als die Tastatur.

      • Es gibt dazu auch kernspintomographische Untersuchungen, die belegen und dokumentieren, dass beim Schreiben mit der Hand mehr Hirnareale aktiviert werden.
        Entsprechend erfolgt auch eine stärkere Vernetzung sich neu ausbildender neuronaler Verbindungen.
        Wenn jemand mehr erfahren will, wie das menschliche Lernen funktioniert, so lohnt es sich über You tube die Beiträge von Herrn Prof. Onur Güntürkün (Lehrstuhl für Biophysiologie) von der Ruhr-Universität Bochum anzusehen und zu hören, der auch eine Gastprofessur an der Gutenberg Universität Mainz inne hat.
        Diese Beiträge sind geistreich und unter anderem sehr erhellend in der Vermittlung des Verständnis des Lernens.

        • Hirnforscher haben generell schon vieles dazu beigetragen das Gehirn und die Prozesse besser zu verstehen. Das ist nichts neues.

          Zudem ist ihre Aussage unvollständig: “dass beim Schreiben mit der Hand mehr Hirnareale aktiviert werden” Im Vergleich zu was?

          Was ist jetzt aber der konkrete Beitrag zu diesem Thema bzw. das konkrete Ergebnis? Sie sagen, dass “beim Schreiben mit der Hand mehr Hirnareale aktiviert werden. Entsprechend erfolgt auch eine stärkere Vernetzung sich neu ausbildender neuronaler Verbindungen.” Was ist die Schlussfolgerung daraus? War das Ergebnis, dass unabhängig des Themas, der Intention und der Versuchsperson handschriftliches Schreiben immer besser war als das Schreiben mit der Tastatur? Darüber wird ja hier “diskutiert”. Ich vermute, dass Sie aber wieder am Thema vorbei schreiben.

          PS: Wir drehen uns hier seit Tagen im Kreis. Sie und @GriasDi nennen dann irgendeine Studie und meinen dann eine allgemeingültige Antwort gefunden zu haben. Interessanterweise nehmen Sie dann Wissenschaftler, die ihr ganzes Leben diesen Fragen widmen und die keine allgemeingültigen Antworten liefern können.

          Ehrlich wäre zu sagen: “Ich schreibe lieber mit der Hand und lerne so besser” oder “Mit der Tastatur/Vorträgen/Hörspielen/etc. komme ich nicht klar, deswegen lese ich lieber etwas/schreibe etwas auf…”. Das habe ich nämlich zu Beginn gesagt: Ich schreibe am liebsten mit Stift auf Papier und lerne am liebsten über das Zuhören eines Vortrags. Das muss aber nicht für jeden und alles gelten. Das ist eine ehrliche, persönliche Antwort. Die kann dann auch niemand widerlegen. Wenn jemand behauptet, dass er oder sie am besten durch das Schreiben auf Tastatur lernt, wollen Sie doch nicht ernsthaft behaupten, dass die Person im Unrecht liegt?

          • @Felixa
            Die Antwort auf Ihre Frage ergab sich aus dem Gesagten.
            Wenn Sie auf eine Tastatur herumtippen, so werden deutlich weniger Hirnareale aktiviert als dies beim Verfassen verbundener Schriftformen der Fall ist.
            Abstraktion und Einfühlung ist ein Schlüssel zur Erkenntnis.

  4. Woher weiß Herr Lorz eigentlich, dass eine “verbundene” Handschrift das Beste fürs Handschreibenlernen ist? Wissenschaftler sind nach Sichtung aller dazu vorliegenden Studien zu einem anderen Urteil gekommen: „Das Schreiben mit der Hand spielt in der Grundschule eine wichtige Rolle und sollte den Kindern weiterhin vermittelt werden. Ob sie aber die Druckschrift oder die Schulausgangsschrift erlernen und nutzen, ist für den Schreibprozess und die Entwicklung der Schreibfähigkeiten nicht entscheidend.“ Quelle: https://www.news4teachers.de/2019/09/soll-die-handschrift-in-der-schule-trotz-digitalisierung-noch-vermittelt-werden-sprachwissenschaftler-sie-bleibt-wichtig/

    Das Bekenntnis des KMK-Präsidenten zur Wissenschaft wirkt vor diesem Hintergrund wenig überzeugend. Es scheint eher wie immer zu sein: Die Ideologie bestimmt die Haltung.

    • “Wissenschaftler sind nach Sichtung aller dazu vorliegenden Studien zu einem anderen Urteil gekommen”
      Donnerwetter, alle dazu vorliegenden Studien gesichtet? Was für eine Leistung!
      Oder soll diese probate Behauptung mal wieder mehr an Beweiskraft suggerieren als vorhanden ist?
      ALLE sagen, ALLE wissen, ALLE Experten sind derselben Ansicht, ALLE denken wie ICH…
      Genügt es nicht, mit dem eigenen Standpunkt zu argumentieren?

      • Auch wenn diese Seite überwiegend Akademiker anzieht, so fällt es doch vielen schwer wissenschaftliches Arbeiten zu interpretieren. Insbesondere die empirische Forschung wird, auch hier, gerne missverstanden.

    • Anna, Sie benennen mit dem von Ihnen angewandten und allumfassenden Begriff “Wissenschaftler” keine einzige Person aus einem Bereich der Grundschulpädagogik, die in keiner Weise auch nur andeutungsweise wissenschaftlich arbeitet an Untersuchungen der Vermittlung und des Erwerbs der Schrift.
      Die weitaus meisten veröffentlichten Untersuchungen zur Vermittlung der verschiedenen Druckschrifttypen im Vergleich zu den verbundenen Schreibschriften sind in ihren Stichprobenumfängen zu klein oder auch zu inhomogen in der Zusammensetzung, weil meist in der Zusammensetzung im Verhältnis von Mädchen zu Jungen ungleichmäßig, oder sie wurden missbraucht, um von der primären Zielsetzung abweichend, als Stütze für gewagte Interpretationen zu dienen.
      Auf der Internetseite http://www.grundschrift.info kann man mehr über den wissenschaftlichen Gehalt dieser Studien zum Schriftspracherwerb,sowie ihre unkorrekten Umdeutungen und Fehlinterpretationen durch die entsprechenden Protagonisten erfahren.

  5. Die meisten von uns schreiben mit einer mehr oder minder verbundenen Schreibschrift (ja, natürlich schreiben wir sehr viel am Computer). Das ist für jeden von uns selbstverständlich und dass man nun einfach für folgende Generationen “beschließt” und sagt: “Das braucht ihr nicht”, das wäre m. E. eher unwissenschaftlich. Leider, leider, leider gibt es zu vielen wichtigen Fragen keine ausreichenden wissenschaftlichen Erhebungen! Aber daraus im Umkehrschluss abzuleiten, dass wir etwas nicht brauchen, erscheint mir vorschnell und noch unwissenschaftlicher, oder?

  6. Handschrift ist kostenlos, energiefrei und unabhängig. Kulli aus dem Baumarkt, Altpapier, so konzipiere ich ohne CO-2. Die Namen meiner Schüler bleiben besser im Kopf, wenn ich sie handschriftlich notiere. Tatsächlich sehe ich die Grafiken vor meinem geistigen Auge. Das passiert beim Eingeben auf einer Tastatur nicht.

    Gestern Abend im Stenografie-Unterricht war es wieder eine wahre Pracht, wie die Schüler mit farbigen Holzstiften ihre neu erlernten Kürzel bildhaft gestalten. Dieser grafomotorische Spaß bietet die Technik nicht.

    • Die verbundenen Schrifttypen der “Schulausgangsschrift” und der “Lateinischen Ausgangsschrift” ermöglichen es, an der Grundlinie entlang, schreibstabil die überwiegenden kleinen Buchstaben flüssig in ihrer Silbenstruktur ,und damit auch in den sich wiederholenden Spracheinheiten der Silben, sinnhaft und automatisiert zu verbinden (hier einige wenige Beispiele zur Silbenstruktur von zweisilbigen Wörtern, die verbunden sinnhafte Wörter ergeben können: be-,ra-, bei-, bau-,beu-,bi. rei-, lei-,-len,-ler,-ten, -ser, -sen, -gen ,-ger,-ter, -ten, etc.). Die Automatisierung im Schriftspracherwerb wird durch die Verbindung der Silben damit auf der nächst höheren Ebene der Automatisierung beschleunigt.
      Menschliche Schrift- und Sprachsysteme unterliegen keiner naturwissenschaftlichen und “natürlichen “Logik, da sie von Menschen geschaffene Konstrukte sind, die sich natürlichen Gesetzmäßigkeiten, wie etwa dem Erlernen des Laufens unter dem Einfluss der Schwerkraft (ein falsch gesetzter Schritt führt eventuell zu einem Sturz oder Stolpern mit dieser Fehlerrückmeldung durch die Gravitation der Schwerkraft) , entziehen.
      Fehlerhafte eingeschliffene Schreibungen beim selbstständig propagierten Erlernen des Schreibens verlangsamen den Lernprozess und die Automatisierung beim individuellen Lernprozess des Einzelnen. Eingefügte eigenen Regeln der Schüler, führen zu abweichenden Schreibweisen der Schüler von der vorgeblich angestrebten normierten Schreibweise nach orthographischen Schreibregeln, die einfach durch automatisierende Übungen zu vermitteln wären.
      Die Schreibkatastrophe wird somit erst durch Methoden, wie dem Spracherfahrungsansatz und Lesen durch Schreiben nach Reichen erst möglich und entwickelt sich dann zur eigentlichen Schreibkatastrophe Vieler, die dann ihren Niederschlag in den desaströsen Ergebnissen der IQB und anderen überregionalen Studien finden.

  7. Es gibt in meinen Augen keine wirklichen Beweise, dass die Handschrift fürs Lernen besser ist als dass man Gedanken irgendwo eintippt.
    Wichtig fürs Lernen ist, dass man die Gedanken aufschreibt, da muss man nämlich besser mitdenken! Man muss sowohl beim Computerschreiben als auch beim Handschreiben inhaltlich mitdenken. Der Vorteil beim Computerschreiben ist, dass man übersichtlicher gliedern kann, zumindest wenn man genug Erfahrung hat.
    Haptisch bzw. feinmotorisch Lernen kann man auch anders: z.B. durch malen, basteln, legen, schneiden….

    Dennoch ist für mich das Erlernen einer Handschrift sinnvoll: Wenn man das nicht mehr könnte, würde man sich abhängig von Medien machen. Schreiben mit der Hand kann ich jederzeit und bin somit unabhängig. Auch könnte man auf Gedrucktes keine handschriftlichen Notizen ( ist manchmal wirklich sinnvoll zum Lernen) machen. Der Verzicht auf die Handschrift würde uns um eine Möglichkeit berauben.

    Allerdings erfordert das richtige, unverkrampfte Schreibenlernen eine Menge Zeit! Die muss man sich in der Grundschule nehmen und darf sie nicht weiter mit noch mehr weiteren Inhalten zustopfen.

    Zu diesem Thema Computerschreiben contra Handschreiben gibt es zu wenig wissenschaftliche Untersuchungen und keine lange Erfahrungen, was das ausschließliche Computerschreiben als grundlegende Schreibmöglichkeit betrifft. Das gehört schleunigst untersucht!

    • “Zu diesem Thema Computerschreiben contra Handschreiben gibt es zu wenig wissenschaftliche Untersuchungen und keine lange Erfahrungen, was das ausschließliche Computerschreiben als grundlegende Schreibmöglichkeit betrifft. Das gehört schleunigst untersucht!”(ysnp)

      aber: “Es gibt keinen Lehrstuhl in Deutschland, der sich mit dem Thema Handschreiben beschäftigt.”(Frage N4t im obigen Artikel)

      Da fragt man sich, woher die wissenschaftlichen Erkenntnisse kommen, die da angesprochen werden.

      Wie auch sonst in der Forschung muss man immer fragen, wer denn Auftraggeber der Studien ist, derer, die noch erfolgen, und derer, die es schon gibt.
      Gibt es tatsächlich ein Interesse an dieser Forschung und wenn ja, von wem?

    • Der bessere Effekt des nachhaltigeren Lernens entsteht beim verbundenen Schreiben durch eine stärkere synaptische Aktivierung bei der Ausführung der schreibmotorischen Bewegungsabläufen im Gehirn, die eine starke Aktivierung bewirken und somit eine bessere synaptische Vernetzung der Neurone im Gehirn bewirken.
      Palim, wer anderes als der Grundschulverband ist denn ihr innerer Auftragsgeber, der Ihnen den Blick auf diese Phänomene der motorischen Übungs- und Lernmöglichkeiten verstellt.
      Lernen wird durch motorische Bewegungsabläufe greifbar nahegebracht, ähnlich den motorischen Bewegungsabläufen beim Laufen, Hüpfen, Rennen, Hürdenlaufen, drei Schritte übenden Bewegungsabläufen beim Korbwürfen des Basketballspiels etc., die als solche automatisiert als Bewegungsabläufe synaptisch im Gehirn durch Übungen spielerhaft eintrainiert und abgespeichert werden.

  8. Wie viel kürzer und leichter lesbar könnte der fettgedruckte Einleitungstext sein, wenn man auf die feministische Geschlechterdopplung verzichtete und wie vor dem Jahr 2000 überall üblich Arbeitnehmer … Wissenschaftler … Vertreter schriebe! Jeder weiß, dass damit alle Geschlechter gemeint sind.

    • @ Pälzer es ist ein minimum an zu erwartendem respekt, sich im sprachgebrauch, der immer wirklichkeit konstruiert, wiederfinden zu können.

      fühlen sie sich nicht gern direkt angesprochen, anstatt irgendwie unterschwellig unausgesprochen mitgemeint zu sein?

      • Die Texte werden durch die Anwendung dieser gegenderten Wort-Neuschöpfungen nur länger ohne dass der Textinhalt an Aussagekraft gewinnt.
        Diese Genderneologismen haben bisher nur eine geringe Anwendung im Alltagsdeutsch gefunden, und so braucht man sich erst Recht nicht im schriftsprachlichen Gebrauch umstellen, nur weil ein paar ideologisierte Sprachakrobaten die Sexualisierung der deutschen Sprache vorantreiben wollen..
        Das grammatikalische Geschlecht der Wörter ändert sich doch schon bei der sprachlichen Anwendung des Dativ (siehe der Mutter etc.).

        • @ I. Wrobel als nicht mitgemeinter und damit unbetroffener sich zu äußern, ist bemerkenswert. sie sind, wenn überhaupt nur indirekt betroffen mit dem lesen/hören von mehr buchstaben. sich diesbezüglich dennoch zu äußern, es sei unnötig, ist nicht nur überheblich, es grenzt an ignoranz: diese gipfelt in ihren bemühungen, allgemein sprachlich gültige formeln zu fundamentieren mit anmaßenden formulierungen, wie “was man nicht braucht”…

          • Es handelt sich nicht um eine Respektlosigkeit gegenüber Frauen, wenn ich diese nicht durch gegenderte sprachliche Neubildungen anspreche, da jeder weiß, dass Frauen immer mit gemeint sind, andererseits aber sich die Texte in die Länge ziehen, ohne dass der Gehalt der Aussagekraft erweitert würde.

          • unverzagte, würden Sie ein generisches Feminin genauso vehement kritisieren? Der Plural ist schon weiblich. Fühlt sich irgendwer dadurch diskriminiert?

      • Liebe Unverzagte, Sie wiederholen die Behauptungen der “feministischen Sprachkritik”, welche schon in den 70er Jahren geäußert, aber damals in der allgemeinen Öffentlichkeit als Unsinn angesehen wurden. Erst durch die Lobbyarbeit in Gewerkschaften, linken Parteien und – später – Universitäten wurde die Empfindung immer mehr Menschen eingeprägt, dass nur die Männer gemeint seien, wenn z.B. von Bürgern, Autofahrern oder Wählern die Rede ist. Aber im normalen Deutsch – damit meine ich das, was in den letzten 100 Jahren gesprochen und geschrieben wurde – ist das nicht wahr. Wenn Sie Texte von vor 40 Jahren lesen oder anhören, ist ganz klar: Zumindest im Plural sind alle Geschlechter gemeint. Auch im Alltagsgebrauch reden die Menschen so. Sie wissen durchaus, dass grammatikalisches Geschlecht nichts mit dem natürlichen zu tun hat: dass auch die Tigerinnen zu den Tigern gehören, dass ein Mädchen weiblich ist, dass die Aufsicht auch ein Mann sein kann und dass ein Hörer ein Mann, eine Frau oder ein technisches Bauteil sein kann. Nur wer offizielle Reden hält oder neue Verordnungen z.B. für Stadtverwaltungen entwirft oder sich in der Uni gegen Anfeindungen des ASta absichern muss, der “muss” die Geschlechterdopplung verwenden.
        Ja, der Sprachgebrauch konstruiert Deutungen von Wirklichkeit. Wenn noch lange alle hier “Vertreterinnen und Vertreter” schreiben müssen, werden irgendwann die Menschen meinen, mit “Vertreter” seien immer Männer gemeint. Das wäre schade. Ich würde es gerne andersherum konstruieren: Lehrer, Schüler, Bürger – das sind alle Geschlechter.

    • Und ich auch. Alle Leute, die ich kenne, sind es.
      Ich hoffe, diese Verhunzung unserer Sprache wird eines Tages rückgängig gemacht und Buchautoren weigern sich, bei dieser Erschwerung ihrer Texte sowohl im Schreiben als auch im Lesen mitzumachen.
      Ich werde jedenfalls kein Buch lesen, in dem mir das Lesen holprig gemacht wird und wo ich für so dumm gehalten werde, dass ich nicht bei der Verwendung ursprünglicher Begriffe sofort weiß, welches Geschlecht oder welche Geschlechter es beinhaltet.
      Ich weiß auch bei Fußgängerampeln, ob ich losgehen darf oder nicht, auch wenn sie noch Männlchen zeigen. Mir ist völlig egal, welche Figur sie zeigen, Hauptsache ist Rot oder Grün.
      Die Verschwendung von Steuergeldern auf vielen Gebieten für die sog. Gendergerechtigkeit ist mir allerdings nicht egal. Da geht es um Milliarden, die an anderer Stelle sinnvoller sinnvoller, z. B. für die Sanierung und Renovierung maroder Schulgebäude.

  9. Man könnte auch einfach immer nur die weibliche Form verwenden, die Männer sind dann mitgemeint. Ist eine einfache Änderung, so, wie man nicht mehr „Neger“ oder „Eskimo“ sag (auch wenn man es nie diskriminierend meinte) weil sich die so Bezeichneten durch diesen Begriff herabgewürdigt fühlen. Sprache darf, muss und wird sich immer wandeln.

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