Auch im Norden fehlen Lehrer – GEW wirft Prien vor, Lehrermangel zu kaschieren

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KIEL. Vor allem auf dem Land fehlen in Schleswig-Holstein weiter Lehrer. Bildungsministerin Prien will diese mit Zulagen nach Dithmarschen locken. Sie peilt eine theoretische Unterrichtsversorgung von 101 Prozent an, die GEW sieht noch einen gravierenden Lehrermangel.

Muss sich mit dem Lehrermangel herumschlagen: die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU). Foto: Frank Peter / Landesregierung

Mit finanziellen Anreizen will Bildungsministerin Karin Prien (CDU) dem Lehrermangel in ländlichen Regionen Schleswig-Holsteins entgegentreten. So erhielten in diesem Schuljahr Referendare in den Kreisen Dithmarschen, Steinburg, Herzogtum Lauenburg und Segeberg erstmals einen Zuschlag von 250 Euro. 20 Lehreranwärter hätten dieses Angebot angenommen, sagte Prien. «Weitere 43 Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst sind in diese vier Kreise gegangen, haben sich aber bewusst gegen den Zuschlag entschieden, weil sie sich nicht für fünf Jahre in die Region verpflichten wollten.»

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Rechnerisch waren an den Schulen im Norden im Oktober noch 130 Lehrerstellen unbesetzt – und damit 36 mehr als vor einem Jahr. «Bei 23 345 Planstellen ergibt das eine Besetzungsquote von über 99 Prozent», sagte Prien. Am Anfang des Schuljahres seien noch 259 Stellen unbesetzt gewesen. Wären alle besetzt, entspräche das einer theoretischen Unterrichtsversorgung von 101 Prozent.

Das Problem des Lehrermangels “möglichst klein erscheinen lassen”

«Die Bildungsministerin versucht immer noch den Lehrkräftemangel zu kaschieren», kritisierte die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke. «Hier eine Zahl und da eine Zahl. Aber immer nur die, die das Problem möglichst klein erscheinen lassen.» Viele Schulen im Lande bekämen ihre Stellen nicht besetzt. Noch drastischer aber falle ins Gewicht, dass immer mehr Schulen auf nicht-ausgebildete Lehrkräfte angewiesen seien. «Es gibt zahlreiche Schulen, da ist jede vierte Lehrkraft nicht voll-ausgebildet!», sagte Henke. Ausgebildete Lehrer würden überbeansprucht, weil sie ihre nicht-ausgebildeten Kollegen «über Gebühr» unterstützen müssten. Die überfällige Entlastung seitens des Ministeriums stehe immer noch aus.

Der Lehrkräftemangel bleibe ein gravierendes und zunehmendes Problem in Schleswig-Holstein, betonte Henke. Lehrer fehlten zunehmend an Grundschulen. Großer Mangel herrsche auch an Sonderschul- und Berufsschullehrern. Besonders krass sei die Situation in den Kreisen Dithmarschen, Steinburg, Ostholstein und Herzogtum Lauenburg.

Ersatzlos ausgefallen sind laut Ministerium zwei Prozent des Unterrichts

Im vergangenen Schuljahr 2018/19 waren laut Ministerium an den allgemeinbildenden Schulen zwei Prozent des Unterrichts ersatzlos ausgefallen, weitere 7,6 Prozent wurden nicht planmäßig erteilt. Stattdessen gab es Vertretungsunterricht oder «organisatorische Maßnahmen», etwa eigenverantwortliches Arbeiten der Schüler.

Regional gibt es beim Lehrermangel deutliche Unterschiede, sagte auch Prien. Während Lehrer besonders in den Ballungszentren offene Stellen suchten, falle es den Schulen in Dithmarschen oder dem Herzogtum Lauenburg schwerer, Lehrkräfte zu finden. «Natürlich fehlen uns vor Ort mehr Lehrkräfte als nur für 130 Planstellen», sagte Prien. Durch Elternzeit oder längere Erkrankungen erteile ein Teil der Lehrer keinen Unterricht, obwohl dieses Personal formal Planstellen hat.

Abhilfe will die CDU-Politikerin mit einem neuen Planungstool schaffen. Damit will das Ministerium den Lehrerbedarf für die kommenden neun Jahre voraus errechnen. «Wir alle konnten in den vergangenen Jahren erleben, dass die Schülerzahlen deutlich über den Erwartungen lagen.»

Die Landesregierung setzt neben den Zulagen seit zehn Jahren vor allem auch auf Quer- und Seiteneinsteiger. Während die mittlerweile 589 Quereinsteiger, von denen allein 126 im laufenden Jahr hinzukamen, auch ein volles Referendariat absolviert haben, verfügen die 336 Seiteneinsteiger im Schuldienst neben einem abgeschlossenen Studium in einem Mangelfach auch über mehrjährige Berufserfahrung.

Um den Lehrermangel zu entschärfen, fordert die GEW unter anderem eine Reduzierung der Arbeitsbelastung der Lehrer und eine zügigere Einführung von A13 für Grundschullehrer. dpa

Lehrermangel: Prien sieht Schleswig-Holstein für steigenden Bedarf gerüstet

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2 KOMMENTARE

  1. ZItat: “So erhielten in diesem Schuljahr Referendare … erstmals einen Zuschlag von 250 Euro. 20 Lehreranwärter hätten dieses Angebot angenommen, sagte Prien. «Weitere 43 Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst sind in diese vier Kreise gegangen, haben sich aber bewusst gegen den Zuschlag entschieden, weil sie sich nicht für fünf Jahre in die Region verpflichten wollten.»”

    Das zeigt auch, dass Geld nicht das Problem ist!

    Wenn alle A 13 bekommen, würde das den Lehrermangel in den ländlichen Gegenden NICHT beseitigen, denn man könnte ja für das gleiche Geld auch im attraktiveren städtischen Raum leben und arbeiten.

    Hier liegt das Problem darin, dass die Politik den ländlichen Raum nicht nur vernachlässigt, sondern verwahrlosen lassen hat! Was ist da nicht alles abgebaut, geschlossen, eingestellt worden, weil es nicht profitabel, mindestens aber zu teuer ist. Da wären mal Steuermillionen angesagt und alle Menschen im ländlichen Raum hätten was davon, aber nein, die will man lieber den gutverdienenden Lehrern zahlen.

    • Auch die 20 sehe ich nicht als Erfolg. Wahrscheinlich gehen in diese Gegenden die, die sowieso dorthin gegangen wären, weil sie von dort stammen oder familiär bedingt sowieso dorthin gezogen wären.

      Das ist auch wieder Geld, das anders (im Bildungswesen) besser eingesetzt gewesen wäre.

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