Mehrarbeit! Lehrer protestieren – Piazolo pocht auf seine Anordnungen

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MÜNCHEN. Aus Protest gegen die angeordnete Mehrarbeit zur Bekämpfung des Lehrermangels sind in München mehrere Hundert Lehrkräfte auf die Straße gegangen. Aufgerufen von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) protestierten die Pädagogen unter dem Motto «Jetzt reicht’s! Wir ziehen die Notbremse!» gegen die vom bayerischen Kultusministerium Anfang Januar angeordneten Maßnahmen. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) verteidigte diese unterdessen. „Ich verstehe, dass betroffene Lehrkräfte auch mit Unmut reagieren. Wir haben uns die Maßnahmen aber sehr sorgfältig überlegt“, erklärte er gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“.

Setzt auf harte Maßnahmen – statt auf A13: Bayerns Bildungsministerer Michael Piazolo. Foto: Andreas Gebert / StMUK

So sollen viele Grundschullehrer ab dem kommenden Schuljahr eine Stunde mehr pro Woche unterrichten – bekommen das aber auf einem Arbeitszeitkonto gutgeschrieben. Ebenso wie ihre Kollegen aus den Mittel- und Förderschulen dürfen sie künftig erst ab 65 Jahren in den Vorruhestand gehen. Bei Teilzeitverträgen steigt die Mindeststundenzahl, und Sabbatjahre werden abgeschafft. An der Demonstration am Mittwoch beteiligten sich nach Angaben eines Sprechers der Polizei rund 300 Menschen. Die Veranstalter sprachen von etwa 400 Teilnehmern.

„Der Lehrermangel ist hausgemacht“

«Man muss es immer wieder klar und deutlich sagen: Der Personalmangel an Grund-, Mittel-, und Förderschulen ist hausgemacht und Folge einer verfehlten Planung», betonten die Organisatoren der Kundgebung. Die GEW habe seit Jahren auf den sich ankündigenden Personalmangel hingewiesen. Die Gewerkschaft fordert statt Mehrarbeit unter anderem eine vorübergehende Reduzierung der Stundentafel sowie das erneute Aussetzen der externen Evaluation.

„Wir wollen die Qualität hochhalten in den Schulen und deshalb setzen wir im Gegensatz zu anderen Bundesländern nicht auf unqualifizierte Seiteneinsteiger, kürzen Unterricht oder lassen Stellen unbesetzt, sondern setzen auf unsere hochqualifizierten Lehrkräfte“, erklärte Piazolo.

Vorruhestand erst ab 65? „Kein gesetzlicher Anspruch“

Dass betroffene Lehrer künftig erst ab 65 in den Vorruhestand gehen dürfen, sorgt für  besonderen Unmut. In der Vergangenheit hätten die Schulbehörden den Antragsruhestand mit 63 oder 64 Jahren genehmigt, sagte Piazolo nun. „Aber dabei handelt es sich nicht um einen gesetzlichen Anspruch. Es ging immer nur um die Frage, ob jemand früher als gesetzlich vorgesehen in den Ruhestand gehen kann. Solche Anträge sind ’nach dienstlichen Belangen‘ zu entscheiden. Und ‚dienstliche Belange‘ verlangen jetzt, dass solche Anträge auf vorzeitigen Ruhestand um ein Jahr nach hinten verschoben werden. Wobei es immer noch eine Einzelfallprüfung und Ermessensentscheidung gibt.“ News4teachers / mit Material der dpa

Hier geht es zum vollständigen Interview in der „Augsburger Allgemeinen“.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Was das “Piazolo-Paket” für betroffene Lehrer bedeutet: Manche müssen plötzlich 60 % mehr arbeiten – für andere platzt der baldige Ruhestand

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