„Generation Rücksichtslos“ – Forscher schlagen Alarm: Jedes 5. Kind und jeder 3. Jugendliche zeigen kaum Mitgefühl für andere

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LEVERKUSEN. Ein bedenklicher Teil der Kinder und Jugendlichen zeigt Mängel in ihrem Sinn für das gemeinschaftliche Miteinander. Schlimmer noch: „Ein Drittel aller Jugendlichen hat keinen Gemeinschaftssinn.“ Zu diesen besorgniserregenden Befunden kommt eine aktuelle Studie der Bepanthen-Kinderförderung und der Universität Bielefeld. Dabei ist bereits von einer „Generation Rücksichtslos“ die Rede. Die Untersuchung zeigt allerdings eklatante Unterschiede im sozialen Bewusstsein von Mädchen und Jungen auf – die Mädchen weisen deutlich mehr Sinn fürs Soziale auf. Und: Das Elternhaus spielt eine entscheidende Rolle.

Das Ego im MIttelpunkt: Ein nennenswerter Teil der Kinder und Jugendlichen zeigt keinen Gemeinschaftssinn. Foto: Shutterstock

Gemeinschaftssinn ist einer der tragenden Pfeiler unserer Gesellschaft. Zu seinen Grundlagen gehören Kompetenzen wie Empathie, Solidarität, Respekt, Hilfsbereitschaft und soziale Integration. Diese Grundlagen werden größtenteils in der Kindheit und der frühen Jugend erfahren und erlernt. Doch wie steht es um den Gemeinschaftssinn der heranwachsenden nächsten Generation? Diese Frage steht im Mittelpunkt der aktuellen Studie, die von der Universität Bielefeld im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung durchgeführt wurde.

Der Sozialpädagoge Prof. Dr. Holger Ziegler hat untersucht, wie Kinder (6 bis 11 Jahre) und Jugendliche (12 bis 16 Jahre) mit verschiedenen Aspekten des Gemeinschaftssinns, wie Empathie und Solidarität, aber auch mit Gleichgültigkeit und der Abwertung von Schwächeren umgehen. Das Ergebnis zeigt, dass die heutigen Heranwachsenden zu einem großen Teil über einen positiven Sinn für das menschliche Miteinander verfügen. Allerdings haben 22 Prozent der befragten Kinder hier bedenkliche Defizite. Bei den Jugendlichen fällt sogar ein Drittel (33 Prozent) durch unterdurchschnittlich entwickelten Gemeinschaftssinn auf.

„Wir haben vergleichend das Gefühlsleben sowie den Gefühlshaushalt von Kindern und Jugendlichen in Deutschland betrachtet – und deren Auswirkungen auf den Gemeinschaftssinn“, so Studienleiter Prof. Dr. Holger Ziegler. „Dabei orientiert sich unsere Untersuchung an der Definition von Gemeinschaftssinn als einem Gefühl des Wohlwollens und der Sympathie gegenüber Menschen in einer Gemeinschaft – unabhängig von Unterschieden in Tradition, Religion, Nationalität oder sozioökonomischem Status. Hinzu kommt die Anerkennung der moralischen Gleichwertigkeit der Ansprüche anderer. Wenn Jugendliche hier Defizite entwickeln und diese weitertragen, kann sich das verheerend auf das gesellschaftliche Klima auswirken.“

Mädchen mit sozialem Vorsprung

Eine bemerkenswerte Erkenntnis aus der Studie ist die Tatsache, dass in beiden untersuchten Altersgruppen die Mädchen durchweg einen besseren Sinn für das soziale Miteinander aufweisen. Die positiven Aspekte des Gemeinschaftssinns von Jungen liegen bereits von Kindesalter an in einer Schieflage. Wie stark dieser soziale Vorsprung ist, zeigt sich, wenn man die für die Studie untersuchten Einzelaspekte von Gemeinschaftssinn näher betrachtet.

Empathie, also Mitgefühl für andere zu haben, sich in ihre Lage versetzen zu können, ist eine Grundbedingung für das Gelingen eines gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Inwieweit dies bei den befragten Kindern zutrifft, wurde mit Aussagenwie „Es macht mich traurig, wenn es anderen Kindern schlecht geht“ oder „Wenn ein anderes Kind traurig ist, versuche ich, es zu trösten“ erfragt. Ein Fünftel der befragten Kinder (21 Prozent) zeigt hier nur ein geringes Empathievermögen. Auffällig ist, dass die Jungen im Vergleich zu den Mädchen deutlich schlechter abschneiden (30 Prozent zu 12 Prozent). 49 Prozent der befragten Kinderzeigen jedoch starke Empathie. Dabei haben 61Prozent der Mädchen und nur 37 Prozent der Jungen überdurchschnittliches Mitgefühl.

Bei den Jugendlichen ist das Bild noch deutlicher: Über die Hälfte (54 Prozent) der befragten Jugendlichen reagieren auf Aussagen wie: „Es nimmt mich mit, wenn ich sehe, dass ein Tier verletzt wird“ oder: „Es macht mich traurig, ein Mädchen/einen Jungen zu sehen, das/der niemanden zum Spielen findet“ nur unterdurchschnittlich empathisch – 76 Prozent der männlichen Jugendlichen und nur 31 Prozent der weiblichen Jugendlichen finden sich hier. Im Gegenzug zeigen zwei von drei Mädchen (69 Prozent) –aber nur einer von vier Jungen (24 Prozent) – starkes Mitgefühl. Über die gesamten Altersklassen von 6 bis 16 Jahren zeigen sich in der Tendenz bei den Mädchen stetig steigende, bei den Jungen stetig sinkende Empathiewerte.

Fehlende Solidarität zeigt sich früh

Ob Kinder sich gegenüber Gleichaltrigen solidarisch verhalten, wurde mit Aussagen zur Hilfsbereitschaft untersucht: „Es kommt oft vor, dass ich anderen Kindern helfe“ oder: „Ich helfe anderen Kindern, wenn sie ungerecht behandelt werden“ waren einige der Fragen, auf die ein Fünftel der Kinder keine positive Antwort hatte. Auch hier liegen die Jungen zurück: Beinahe jeder dritte Junge (30 Prozent) zeigt sich unsolidarisch. Von den Mädchen sind es nur 16 Prozent. Die Fragestellungen bei den Jugendlichen waren etwas anders gelagert: „Ich helfe gerne, wenn andere verletzt, krank oder traurig sind“, „Ich teile gerne mit anderen“ wurden von insgesamt mehr als einem Drittel (36 Prozent) der Befragten abschlägig beantwortet. Nahezu die Hälfte (47 Prozent) der Jungen stimmen mit dieser ablehnenden Haltung überein, demgegenüber nur etwa ein Viertel (24 Prozent) der Mädchen.

„Selber schuld“ statt Hilfestellung

Geht es um die Gleichgültigkeit gegenüber den Problemen anderer, zeigt sich ein bedenkliches Bild: Fast drei Viertel aller befragten Kinder (70 Prozent) sind zumindest teilweise gleichgültig gegenüber Leidtragenden und haben für deren Problemlagen lediglich ein „selber schuld“ übrig. Ein Fünftel der Kinder (22 Prozent) ist sogar stark überzeugt von dieser Haltung. Aussagen wie: „Wenn ein anderes Kind Probleme in der Schule hat, ist es meistens selber schuld“ oder: „Wenn andere Kinder traurig sind und ich nicht schuld bin, ist mir das egal“ finden bei mehr als einem Viertel der Jungen starke Zustimmung, aber nur 16 Prozent der Mädchen sehen das auch so. Immerhin 34 Prozent der Mädchen stehen dieser Haltung sehr skeptisch gegenüber –im Vergleich zu 26 Prozent der Jungen.

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Von den befragten Jugendlichen tendiert ein gutes Fünftel (21 Prozent) zu dieser „Selber-schuld“-Haltung. Auch hier zeigen sich die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. 27 Prozent der Jungen zeigen überdurchschnittliche individualisierte Schuldzuweisung im Kontrast zu 14 Prozent der Mädchen.

Abwertung im Trend?

Die Abwertung von Randgruppen und Schwächeren ist ein Problem, das sich in seinen Grundzügen ebenfalls schon im Kindesalter zeigt. Hier nimmt sie meist eher mobbingartige Ausprägungen an. Insgesamt haben mehr als ein Viertel (26 Prozent) der Kinder schon Erfahrungen mit mobbingähnlichen Situationen gemacht. 17 Prozent der befragten Kinder haben schon Mobbing aus der Opferperspektive erlebt. Und hier gibt es ausnahmsweise keinen signifikanten Unterschied zwischen Mädchen und Jungen.

Von den Jugendlichen neigen 29 Prozent zu einem starken Abwertungsverhalten. Die Studienteilnehmer wurden mit Aussagen wie: „Wir nehmen in unserer Gesellschaft zu viel Rücksicht auf Versager“, „Es gibt Gruppen in der Bevölkerung, die weniger wert sind als andere“ oder: „Es ist ekelhaft, wenn Schwule sich in der Öffentlichkeit küssen“ konfrontiert. Diesen und ähnlichen deklassierenden Aussagen stimmen mehr als ein Drittel der Jungen (36 Prozent) und 22 Prozent der Mädchen zu. Abgemildert wird dieses Ergebnis durch die Tatsache, dass immerhin 78 Prozent der Mädchen und 64 Prozent der Jungen eine solche Haltung ablehnen.

„Verheerend“: Sozialdädagogik-Professor Holger Ziegler. Foto: Bepanthen-Kinderförderung

Mädchen sind offenbar deutlich gemeinschaftsorientierter als Jungen. Sie sind mitfühlender, hilfsbereiter, weniger gleichgültig und weniger abwertend. Ziegler erläutert die Ergebnisse: „Das Ausmaß, in dem die Mädchen den Jungen in allen Aspekten eines gemeinschaftlichen Miteinanders voraus sind, war stärker, als wir erwartet hatten. Insgesamt deutet das darauf hin, welch hohe Last Mädchen und Frauen in der Gesellschaft tragen.“

Bei aller sozialen Kompetenz sind Mädchen eher unzufrieden mit sich und ihrem Leben als Jungen. Im Jugendalter liegen sie sowohl in der Beurteilung der eigenen Lebens-zufriedenheit als auch des Selbstwertgefühls hinter den Jungen zurück. Dagegen zeigen die Jungen trotz –oder gerade wegen –ihrer offensichtlich geringeren sozialen Ausrichtung in beiden Bereichen höhere Werte (Lebenszufriedenheit: Jungen 66 Prozent versus Mädchen 56 Prozent; Selbstwertgefühl: Jungen 66 Prozent versus Mädchen 57 Prozent). Geht es um die Integration in Gruppen Gleichaltriger, liegen die Jungen ebenfalls, wenn auch deutlich knapper, vorn.

Einfluss hat das Umfeld vor allem auf negative Eigenschaften

Die Studie zeigt auch: Empathie und solidarisches Verhalten der Befragten entwickeln sich unabhängig vom sozioökonomischen Status der Familie. Aber: Betrachtet man die negativen Aspekte, zeigt sich ein anderes Bild. Die Hälfte (50 Prozent) der Jugendlichen mit niedrigem sozioökonomischen Status neigt deutlich stärker dazu, Randgruppen und Minderheiten abzuwerten, als ihre Altersgenossen aus besser gestellten Haushalten (16 Prozent). Bei der Gleichgültigkeit gegenüber anderen zeigt sich ebenfalls ein signifikanter Unterschied: 33 Prozent der Jugendlichen mit niedrigem sozioökonomischen Status weisen Gleichaltrigen in Problemlagen die individuelle Schuld zu. Ihre Altersgenossen aus besser gestellten Haushalten zeigen dieses Verhalten auch hier nur zu 16 Prozent.

Eine dem Gemeinschaftssinn abgewandte Einstellung der Eltern (erhoben durch Befürwortung einer Abwertung schwächerer Gruppen, Rücksichtslosigkeit gegenüber Minderheiten und Traditionalismus) hat auf Gleichgültigkeit und abwertendes Verhalten der Jugendlichen ebenfalls einen signifikanten Einfluss. Unter diesen familiären Bedingungen weist jeder dritte (32 Prozent) Jugendliche anderen individuelle Schuld zu, wohingegen es bei denjenigen von Eltern mit positiver Einstellung nur gut jeder Zehnte (13 Prozent) ist. Auch werten Jugendlichehier weitaus häufiger ab als diejenigen von Eltern mit positiver Einstellung (51 Prozent versus 10 Prozent). Auf Empathie oder Solidarität hat eine negative Einstellung der Eltern keinen nennenswerten Einfluss.

Generation „Rücksichtslos“ – positiver Einfluss ist gefordert

Die heutige Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Aktuelle Themen wie Inklusion, Diversität und Nachhaltigkeit erfordern Umdenken und persönliche Kompetenz,um zu einer funktionierenden pluralen Gesellschaft beizutragen. Die Lebensrealität und das Bewusstsein vieler Kinder und Jugendlicher spiegelt dies jedoch nicht wider.  Holger Ziegler sieht hier eine Problemlage mit langfristigen Auswirkungen: „Die Daten deuten darauf hin, dass wir hier kein Randgruppenphänomen, sondern potenziell einen Flächenbrand sehen. Die gezeigte Entsolidarisierung führt im Ergebnis zu einer gesellschaftlichen Degenerationsspirale. Das Prinzip der Solidargemeinschaft als Grundlage für eine gelingende Gesellschaft läuft Gefahr zu kippen.“ News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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32 KOMMENTARE

  1. Geliefert wie bestellt: viele Einzelkinder, Erziehung zum Pascha bzw. zur Prinzessin, individuelle Förderung (im Sinne von kein gemeinschaftliches Arbeiten erforderlich), Daddeln

    • Guten Morgen und grüß dich erstmal ganz lieb! Naja, So pauschal über „Einzelkinder“ zu urteilen, geht an der Sache irgendwie vorbei. Unser Sohn ist auch als Einzelkind großgeworden, hatte aber immer feste Aufgaben in der Familie, immer entsprechend seiner Fähigkeiten. Mit seinem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit hat er sich stets um Kinder gekümmert, die nicht so gut zurecht kamen. Zudem ist er mit Tieren aufgewachsen, in deren Pflege ich ihn immer eingebunden habe.
      Jetzt, als junger Erwachsener, hat er für jeden ein offenes Ohr und Herz.
      Wir haben ihm immer vorgelebt, respekt-, rücksichts- und liebevoll in der Familie und mit anderen Menschen umzugehen.
      Wie Kinder sich entwickeln, liegt in allererster Linie an uns Eltern.

      • Sie sollten sich nicht für die unterstellten Charaktereigenschaften ihres Einzelkindes rechtfertigen, nur weil uninformierte Kommentatoren so etwas einfach behaupten. Es gibt mittlerweile einige Studien, die mit diesen Vorurteilen aufgeräumt haben. Es scheint aber nicht in der Bevölkerung angekommen zu sein. Oder einige wollen es einfach nicht hören, weil sie sich ansonsten, als Geschwisterkind, ihren Gutmensch-Status aberkennen lassen müssten und tatsächlich dann etwas ‚tun‘ müssten.

      • Sicherlich ist es immer sinnvoll, wenn Eltern ihren Nachwuchs so behandeln, dass er sich gut in unsere Gesellschaft einfügt und gleichzeitig eine eigenständige, selbstbewusste Person ist. Nichtsdestotrotz waren die vielen Einzelkinder der frühen 2000er-Jahre für die Entwicklung dieser Kinder sicherlich tendziell mehr als suboptimal. Ein Kind braucht Geschwister, das ist der zuverlässigste Faktor für ein gutes Sozialverhalten.

        • So ein blödsinn! Wenn man geschwister hat, muss man immer teilen. Muss! Einzelkinder entscheiden selbst und teilen gern, wenn sie nicht müssen! Geschwisterkinder passen immer auf ,dass sie bloß nicht zu wenig abbekommen. Das größte stück kuchen, mehr gummibärchen, mehr aufmerksamkeit….. es kommt immer auf die eltern und deren erziehung darauf an. Für mich steht aber fest, geschwisterkinder sind neidischer als einzelkinder. Sie müssen sich ihre stellung immer “erkämpfen“. Es sei denn, die eltern sind so kompetent und behandeln alle kinder gleich. Gleich heißt,,entsprechend ihren individuellen erfordernissen. Und das “schaffen“ höchstens 10% der eltern….. höngt wiederum von deren erziehung ab…..

          • Es tut mir leid, wenn das bei Ihnen so war. Sie haben Recht, auf die Gerechtigkeit (und Liebe) der Eltern kommt es an. Vielleicht haben wir und die Menschen unserer Umgebung einfach nur Glück gehabt? Natürlich gibt es den Geschwisterkampf, aber wir sind deshalb trotzdem solidarisch.

        • Geschwister wachsen allerdings nicht auf Bäumen. Abgesehen davon, dass manche Familien es ökonomisch nicht schaffen, gibt es auch Familien, bei denen es mit dem Nachwuchs einfach kaum klappt. Meine Mutter hatte vor meiner Geburt 2 Fehlgeburten, nach meiner Geburt noch einmal 2. Daher bin ich ein sogenanntes „Einzelkind“, trotz 4 totgeborenen Geschwistern.

    • @XXX

      Pauschlisiertes Denken und Randgruppen Diskriminierungen sind das Problem was in diesem Artikel angesprochen werden entweder fällt Ihnen das Lesen schwer oder Sie haben ein kognitives Problem beim Textverständniss. Denn Sie hab absolut nichts verstanden, das ist aus Ihrem Post klar zu erlesenen. Solche Menschen wie Sie machen das Problem nur noch größer. Hoffentlich haben Sie keine Kinder und bekommen auch keine.

  2. Es ist schon interessant wie hier wieder einmal von Rechtsaußen die individuelle Förderung mit einer Erziehung zu Paschas und Prinzessinnen und Einzelkindern in Verbindung gebracht wird, um die Methodik der Einzelförderung zu diskreditieren.
    Beides miteinander zu vermischen entspricht der Vermischung von Wahrheiten mit persönlichen Deutungen aus einem anderen Zusammenhang.

    Wahrscheinlich liegt eine Ursache der Entwicklung dieser Kinder zu egozentrischen Persönlichkeiten schon darin begründet, dass ein Großteil der deutschen Kinder als Einzelkinder aufwächst, denen die Eltern der deutschen „Projektkinder“ ein dominantes Verhalten einflößen, sowie ein egozentrisches Selbstbewusstsein vermitteln.

    Das gemeinschaftliche Arbeiten in Kleingruppen wurde von dem völkisch-nationalen Reformpädagogen Peter Petersen als Methode entworfen und von den Nationalsozialisten gerne als eine neue Methode aufgenommen, da die Arbeitsweise dem gemeinsamen Handeln und Arbeiten in der Gruppe entsprach.
    Herr Petersen sah auch vor, dass der Lehrer der Steuerer und Lenker im gruppengemeinsamen Lernen blieb, und dass dieser die Inhalte und die Ziele vorgab, die natürlich den Zielen des damals herrschenden politischen Systems entsprachen.
    Was an dieser Art des Arbeitens „modern“ oder evolutionär sein soll, das erschließt sich mir nicht, allenfalls erfolgte ein oberflächliches Abhandeln von Inhalten durch den gruppenbezogenen Zwang Arbeitsinhalte im Sinne der vorgegebenen Ziele zu erarbeiten und zu entwickeln.
    Individuelle Förderung und individuelles Lernen drücken sich anders aus, als dies die Gruppenarbeit bieten könnte !

  3. „Jeder ist sich selbst der nächste“.
    Und sollte es auch in erster Linie, so ungern ich der Realität hier auch ins Auge sehe, vorerst einmal sein.
    Warum ich das so sehe lässt sich meiner Meinung nach schön am Selbstwertgefühl der Mädchen erkennen, das geringer ausfällt. Und diese sind noch in einem jungen, behüteten Alter.
    Vertrauen wird zwangsweise irgendwann einmal gebrochen, Hilfsbereitschaft ausgenutzt und Verletzungen führen unweigerlich zu Rückzug oder Aufopferung. Dann ist niemandem geholfen. Dann ist da jemand der Hilfe braucht. Und das ist kein schwarz-sehen, sondern nunmal die Realität.
    Selbsthilfe gehört meiner Meinung nach schon lange als Schulfach mit auf den Lehrplan um (Selbst)bewusstes Denken und Handeln zu fördern. Damit vor allem auch diejenigen heranwachsenden befähigt werden auf sich selbst zu achten und sich zu schätzen, die es vom Elternhaus aus nicht werden. Nur wer sich selbst liebt, der kann auch andere lieben.

  4. Das Problem ist das herrschende System, welches den Bürgern vermittelt, sich ohne Rücksicht auf Andere nach oben zu kämpfen! Wer dies nicht mitmacht, bleibt auf der Strecke und wird niedergetrampelt! Denn die Einigkeit des Volkes ist nicht gewollt, weil sie zum Sturz gegen das Unrechtsystem mit all seinen Fasetten führen würde. So schimpft nur jeder hinter verschlossenen Türen, leckt seine Wunden und hofft, dass andere sich erheben. Woher also, soll dieses Bewusstsein für Gemeinschaft kommen, wenn ihnen alles genommen wird, was dies vermittelt?! Identität, Kultur, Sprache und Werte schaffen Verbindungen, die aber seit Jahren komplett von der Politik zerstört werden. Warum wohl?

  5. Der Studie fehlt die Kontrollgruppe zu anderen Generationen. Es ist möglich, dass auch damalige Jugendliche anderer/älterer Generationen bei diesem Test ähnlich abgeschnitten hätten. Hier wird mal wieder mit dem Unmut über „die Jugend von heute“ argumentiert. Diese Problematik ist so alt wie die Menschheit selbst. Bitte in Zukunft mehr Differenzierung bei solchen Beiträgen.

    In den Kommentaren werden Einzelkinder oft mit negativen Charaktereigenschaften in Verbindung gebracht. Bitte informiert euch, Studien widerlegen diese Annahmen.

  6. Kommentar einer Kindergartenleitung auf einen Missstand, dass ein Vorschulkind die 2 Jahre Juengeren ueber mehrere Monate trangsalierte bis hin zum wuergen:“am Schulweg brauchen sie auch Ellenbogen“… Da blieb mir als Mutter nur noch meinem Kind beizubringen „hilf langfristig nur dem, der sich auch dir ggue normal verhält und halte vom Rest Abstand wenn du merkst, dass sie keine Teamplayer“
    Unabhängig davon ist Hilfe im Notfall klar immer zu leisten. Grunderziehung mit Einschränkung…

  7. Schade finde ich, dass in der Studie nicht auf den kulturellen Hintergrund bzw. auf den Migrationshintergrund der Kinder eingegangen wird. Hätte es doch vielleicht geholfen, mit Vorurteilen aufzuräumen.

    Interessant übrigens, dass ärmere Bevölkerungsteile bzw. die Kinder laut der Studie gleichgültiger sind als jene mit, die reicher sind. Denkt man gar nicht und ist genau das Gegenteil meiner Erfahrungen – finde ich auf der einen Seite gut (Kinder aus Elternhäusern mit Geld sind doch nicht so gleichgültig) und auf der anderen Seite sehr schlecht.

    • Beim Thema Vorurteilen wäre das in der Tat super, aber wenn sich ein sehr rückständiges Frauenbild auf das generelle Verhalten überträgt, vielleicht auch gerade nicht. Ob das nicht untersucht wurde, aber hier im Artikel fehlt, ob es aus Forschunggründen oder ob es aus vorauseilendem Gehorsam übergangen wurde. geht aus dem Artikel nicht hervor. Das erste kann passieren, das zweite ist wie Sie schrieben bedauerlich, das dritte unwissenschaftlich, leider nachvollziehbar.

    • „ärmere Bevölkerungsteile bzw. die Kinder“ … das führt direkt hin zur Frage: Wie wurde diese Studie überhaupt durchgeführt? Wo? Wie viele? nur Fragebögen ausfüllen? Vielleicht wissen die „reicheren“ einfach nur besser, welche Antworten von ihnen erwartet werden?

  8. Ich bekomme bei der Studie erhebliche Kopfschmerzen, die größte Essenz ist doch :Jugendliche haben auffälliges Verhalten, das hatten sie in der gleichen Form schon vor 50 Jahren,es wurde aufgrund der fehlenden sozialen Medien anders ausgelebt aber genauso exzessiv,wenn nicht sogar aufgrund der härteren Erziehung,noch krasser. Fakt ist doch das seit 2008 die Jugendkriminalität um 50 % zurückgegangen ist. Der 2. Punkt der mir sauer aufstößt: Mädchen sind mitfühlender als Jungen ,na wer hätte das gedacht! Hattet ihr 100 Eltern befragt,hattest ihr das gleiche Ergebnis bekommen und viel Zeit und Geld gespart. So wie hier die Jugendlichen beschrieben werden hat sie Sokrates 450 v Christus schon beschrieben, es hat sich also in 2500 Jahren nichts geändert aber gut das wir für den Quatsch geld und Zeit aufgewendet haben . Was haltet ihr davon als nächstes Feuer zu untersuchen und als Ergebnis ist heiß rauszugeben

  9. Die sog. sozialen Erwachsenen machen es ihren Kindern tagtäglich vor. Eigentlich sollte man Sie erstmal in die rechte Bahn bringen.

  10. Eine ordentliche Untersuchung listet im 1. Abschnitt ihre Vorgehensweise auf. Das fehlt hier, aber aus der Art der Darstellungen kann man vermuten, dass es um das Ankreuzen von Aussagen geht, denen man zustimmt oder nicht. Eigentlich misst man also nicht das tatsächliche Mitgefühl (was aussagekräftiger, aber natürlich viel teurer wäre), sondern die Bereitschaft, bestimmten vorformulierten Aussagen zuzustimmen.
    Liebe Redaktion, wäre es möglich, dass Sie uns noch etwas zum Umfang der Stichprobe und dem Umkreis, wo sie durchgeführt wurde, mitteilen?

    • Untersuchungsmethode nach Angaben der Studienautoren: Quantitative Interviews mit 971 Kindern und Jugendlichen sowie 713 Eltern in den Städten Berlin, Leipzig und Köln. Die Studie wurde als bevölkerungsrepräsentativ für Großstädte angelegt. Studienleitung: Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Holger Ziegler.

      • Vielen Dank! „bevölkerungsrepräsentativ für Großstädte“ ist schon mal eine wichtige Information, sehr wesentlich für die Einordnung der Info. Habe ich das im Text oben überlesen?

  11. Wunderts einen? Die meisten Kids dieser Zeit erleben doch nichtmal Familienleben. Da die Eltern arbeiten müssen. Anstatt Familie zu fördern sollen mehr Aufbewahrungsstätten für Kinder her. Und da fängt doch Sozialverhalten an. Die meisten Mütter gehen arbeiten und sind total überfordert. Für die Kinder ist von Geburt an niemand wirklich da. Erzieher in den Kitas sind mit zu vielen Kindern überfordert. Ich selbst habe gesehen, das eine Erzieherin zwei Kinder weinend im Arm hatte, während alle anderen apathisch und übermüdet dasaßen, abends um fünf, wo Kinder zu Hause im Garten spielen sollten. Mit eineinhalb bis zwei Jahren. Erziehung wird vom Staat geregelt und eigentlich haben Kinder mehr Rechte als Eltern, was sie lehrt, daß sie auf nichts und niemanden mehr Rücksicht nehmen müssen. Die Lehrer und unsere Gesellschaft müssen es ausbaden und selbst die Lehrer haben ja keine Rechte mehr und müssen sich alles gefallen lassen. Was will man anderes erwarten?

    • SF
      Das Bild, dass sie da beschreiben, ist vollkommen überzogen und verallgemeinernd überzeichnet dargestellt !
      Die meisten Frauen mit Kindern, die arbeiten gehen, sind in Teilzeit beschäftigt !
      Da braucht man sich nur im Kreise der Mitarbeiter umzusehen, und die bekannten Statistiken darüber belegen diesen Umstand auch.

      • „Die meisten Frauen mit Kindern, die arbeiten gehen, sind in Teilzeit beschäftigt !“ Sie haben Recht. Das ist da der Hauptgrund für die laut beklagten Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen.

      • Es ist sehr interessant zu sehen, dass ausgerechnet bei einem Artikel, der Erziehung und Bildung behandelt, die Kommentare von Rechtschreib- und Grammatikfehlern durchzogen sind, die jedem Lehrer die Tränen in die Augen treiben dürften.
        „Das Bild, dass sie da beschreiben[…]“
        Das Bild, das Sie da beschreiben[…]
        Furchtbar.

        • Sie haben diesen unverzeihlichen Fehler gefunden, aber dennoch haben sie unter dem Einfluss ihres Tränenmeeres, sich den Inhalt kognitiv erschließen können – wunderbar.

      • Die Bücher „Manipulierte Maßlosigkeit“ oder „Mut zum Erziehen“ von Christa Meves habe ich vor langer Zeit mit Begeisterung gelesen. Bei mir war Frau Meves keineswegs unbeliebt; aber Sie haben Recht, sie schwamm schon damals mutig gegen den Strom und wurde deswegen oft angefeindet.

  12. In einem Zeitalter, in dem die einen in Luxus frönen, die anderen an der Armutgrenze vegetieren und der Mitte ständig vermittelt wird „ich“ bin das wichtigste, lernen, lernen lernen, es gibt nur Konkurrenz , kann ein „wir“ auf der Strecke bleiben. In einer Gesellschaft, in der Mütter immer noch schief angeschaut werden, weil sie nicht noch zusätzlich eine Leaderposition haben, Werte wie Auto, Haus und andere Statussymbole mehr zählen, als Rücksicht, Empathie, Mitgefühl, Wir, Gemeinschaft, Toleranz, soziale Kompetenz kann genau das passieren. Jedoch gibt es eine Möglichkeit darauf Einfluss zu nehmen, indem wir Erwachsene wieder unsere Vorbildfunktion einnehmen! Ganz nach der Erkenntnis: WIR HABEN NUR EIN LEBEN und „WIR“ das sind alle!

  13. Die Kinder spiegeln uns kaleidoskopisch unsere Welt und unser eigenes Verhalten wieder.
    In erster Linie, so meine bescheidene Meinung, müssen wir als Eltern unseren Job so machen, dass wir für unsere Kinder Vorbilder in Empathie und Rücksichtnahme sind. Dazu gehört vorallem Sie zu (selbst-)BEWUSSTEN Menschen zu erziehen, also Bewusstsein in Ihnen für sich selbst und andere zu schaffen. D.h. wir als Eltern müssen uns die Mühe machen zu reflektieren und ehrlich zu uns selbst zu sein, weil unser eigenes Verhalten den größten Einfluss auf das Gedeihen unserer Kinder hat. Die Schule kann da einen unterstützenden Part leisten, aber nicht die Triebkraft sein. Diesen gesunden Samen menschlicher Existenz müssen wir schon selbst in unseren Kindern anlegen und fördern.

    Wenn wir als Eltern von morgens bis abends voll sind mit Terminen, Zeitdruck, Stress, Überforderung und den daraus resultierenden Störungen in uns, dann bleibt nun mal das Wesentliche auf der Strecke.
    Nämlich einfach nur mal Mensch zu sein und sich damit in seinen vielen Facetten befassen zu können und um fähig zu sein / zu bleiben mit seinen Kindern einen entspannten und freundlichen Umgang zu pflegen, der richtungsweisend, klar und konsequent sein muss, so dass unsere Kinder uns als Erwachsenen-Instanz erleben und so für Ihre Entwicklung einen Leitfaden haben, an dem Sie entlang können.

    Ich plädiere darum sehr stark für das elterliche Vorleben von Werten und dafür, dass man für seine Kinder greifbar ist, d.h. wirklich real da, physisch und emotional anwesend, so gut man kann und so lange man kann. Wir Menschen benötigen Bindung und echte Beziehung – genau das, was uns kollektiv am Meisten abhanden kommt.

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