„Gesundheit ist wichtiger als Abschlussprüfungen!“ GEW kritisiert KMK

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BERLIN. Die Entscheidung der Kultusministerkonferenz, an den Abiturprüfungen festzuhalten, kommt bei der Gewerkschaft GEW und den Linken nicht gut an. Der Philologenverband Schleswig-Holstein unterstützt dagegen die Entscheidung der Bildungsminister.

Die Abschlussprüfungen sollen stattfinden. Foto: Shutterstock

Nach der Entscheidung der Kultusministerkonferenz (KMK), die Abiturprüfungen trotz der Corona-Pandemie regulär abzuhalten, hagelt es Kritik von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und von den Linken. Die GEW warf der Kultusministerkonferenz vor, sie habe Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) auflaufen lassen. Prien war am Mittwoch mit ihrem Vorstoß gescheitert, die Abiturprüfungen in diesem Jahr ausfallen zu lassen und stattdessen ein Anerkennungsabitur zu geben auf Grundlage der bisher erzielten Noten der Schüler. «Gesundheit ist wichtiger als Abschlussprüfungen», kritisierte die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke.

„Geballte Verantwortungslosigkeit der KMK“

In Hamburg sprach die schulpolitische Sprecherin der Linksfraktion in der Bürgerschaft, Sabine Boeddinghaus, von einer «geballten Verantwortungslosigkeit» der KMK. «In einer der schwersten Krisen unserer Gesellschaft, wo täglich neue Infizierte vermeldet werden, wo alle Expert_innen von einer Verschlimmerung für die nächsten Wochen ausgehen, wo Schulen am Rande des Nervenzusammenbruchs stehen, bleiben die obersten Hüter_innen des deutschen Bildungsbürgertums beim «business as usual».» Sie sei sich sicher, dass diese Entscheidung keinen Bestand haben werde, «weil die Gesundheit der jungen Menschen und ihrer Lehrkräfte erste Priorität haben muss».

Die Ungewissheit bleibe nach wie vor groß, ob und wie direkt nach den Osterferien die Abi-Arbeiten geschrieben werden können, sagte Henke. Leider blende die KMK die schwierigen Begleitumstände mitten in der Corona-Pandemie völlig aus. «Schwierige Vorbereitung, mögliche gesundheitliche Betroffenheit von Familienangehörigen, Arbeitslosigkeit, Insolvenz oder Kurzarbeit von Eltern.» Von Vergleichbarkeit mit den Anforderungen in den vergangenen Jahren und Gerechtigkeit könne nicht die Rede sein.

Auch von den in Schleswig-Holstein mitregierenden Grünen kam Kritik an der Linie der KMK. Man habe den Vorschlag von Prien, die Prüfungen abzusagen, für richtig gehalten, sagte die schulpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion Ines Strehlau. An den Prüfungsterminen festzuhalten, sei in dieser unsicheren Infektionslage nicht im Sinne der Schüler und Lehrkräfte.

Philologen: Korrigierende Lehrkräfte entlasten

Der Philologenverband Schleswig-Holstein unterstützt dagegen ein Festhalten an den Abiturprüfungen. Er sei jedoch offen für eine Verschiebung der schriftlichen und mündlichen Prüfungen, falls die Entwicklung der Corona-Krise dies notwendig mache, erklärte der Vorsitzende Jens Finger. Bei einer Verschiebung der schriftlichen Prüfung müsse aber sichergestellt werden, dass angesichts der kurzen Zeit bis zu den schleswig-holsteinischen Sommerferien genug Korrekturressourcen vorhanden seien. «Hier fordern wir, dass die korrigierenden Lehrkräfte deutlich und spürbar von unterrichtlichen Aufgaben entlastet werden.» dpa

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