Umfrage: Lehramtsstudium ist mehr als ein Notnagel – die meisten werdenden Lehrer sind intrinsisch motiviert

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DRESDEN. Darüber, warum jemand Lehrer werden will – oder geworden ist, kursieren viele Vorurteile. Die TU-Dresden hat rund 1.000 Studienanfänger befragt.

Das Lehramtsstudium gilt, wie im Übrigen die Betriebswirtschaftslehre auch, vielfach als Notnagel für Unentschlossene. Nicht jeder Studienanfänger, so heißt es, nimmt das Studium mit dem Wunsch auf, tatsächlich einmal Lehrer zu werden. Sehr viel stärker als das BWL-Studium zielt jedoch das Lehramtsstudium stark auf einen bestimmten Beruf hin. Dementsprechend landen viele der vermeintlich „unmotivierten“ Absolventen schließlich doch einmal im Lehramt.

Die Motivation, ein Lehramtsstudium aufzunehmen ist nicht bei allen Studierenden das Ziel Lehrer zu werden. Foto: Times Up Linz / flickr (CC BY-SA 2.0)

Studien zufolge tragen sich mitunter bis zu einem Drittel der Lehramtsstudierenden nicht von Anbeginn mit dem Berufswunsch Lehrer (News4teachers berichtete). Welche Folgen das für die Betroffenen und ihre späteren Schüler hat, in einem Beruf, der stärker als die meisten anderen auch Berufung sein müsste, ist schwer zu ermitteln und kaum untersucht.

Hoffnung macht in diesem Zusammenhang eine Meldung aus Dresden: Jeweils zu Beginn des Wintersemesters befragt das Zentrum für Lehrerbildung, Schul- und Berufsbildungsforschung (ZLSB) der TU Dresden seine Lehramtsstudienanfänger nach Studienwahlmotiven, Bewerbungsverhalten, Bildungsbiografie sowie geografischer Herkunft.

Berufsziel Lehrer klar vor Augen

Für das vorangegangene Wintersemester gab die große Mehrheit an, das Berufsziel Lehrer klar vor Augen und sich aus pädagogischen Beweggründen für ein Lehramtsstudium entschieden zu haben. Das Lehramtsstudium als Notlösung kam hingegen kaum vor.

Zudem zeigten die Befragten eine überaus starke regionale Verwurzelung: Mehr als drei Viertel der ZLSB-Studenten kommen aus der Region Dresden und den ostsächsischen Landkreisen und beabsichtigten, auch nach Abschluss des Studiums in Sachsen zu bleiben. Studierende, die aus dem ländlichen Raum stammen, können sich der Befragung zufolge zudem häufig auch eine spätere Berufstätigkeit in dieser Region vorstellen.

Gelinge es, das Potenzial dieser regionalen Identität oder Verwurzelung auszuschöpfen, wäre dies ein wertvoller Beitrag zur Deckung des Lehrerbedarfs in Sachsen insgesamt, insbesondere im ländlichen Raum, so das ZLSB in einer Pressemitteilung. Von Studierenden aus anderen Bundesländern wurde hingegen nach derzeitigem Stand häufig eine Rückkehr in die Herkunftsregion favorisiert. Jeder Fünfte schloss einen Verbleib in Sachsen gänzlich aus.

Mit knapp 1.000 Studienanfängern stellen die Lehramtsstudiengänge auch im aktuellen Wintersemester 2019/20 erneut die größte Gruppe unter den Erstsemestern an der TU Dresden. Mehr als jeder siebte Studienanfänger ist in einem der vier Lehramtsstudiengänge an Grundschulen, Oberschulen, Gymnasien und berufsbildenden Schulen immatrikuliert. (zab, pm)

Schule? Nein danke! 30 Prozent der Lehramtsstudenten wollen gar nicht Lehrer werden. Verschärft das den Lehrermangel nochmal drastisch?

 

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5 KOMMENTARE

  1. Ohne intrinsische Motivation sollte man den Lehrerberuf nicht angehen. Das Ausbluten des ländlichen Raumes gerade in den neuen Bundesländern wird auch die regionale Verwurzelung nicht verhindern, weil diese bei maximal 30km Entfernung von der nächstgelegenen Groß- oder sogar Universitätsstadt enden wird.

  2. Natürlich sollte jemand, der nicht grundsätzlich vor hatte Lehrer zu werden, besser kein Lehrer werden, aber es ist wohl ein Märchen zu glauben, dass sich genügend Leute finden lassen, die diesen Job wirklich machen wollen, wenn es schon nicht genügend gibt, bei denen die Motivation nicht vorhanden ist.
    Die aktuelle Situation ist doch so dramatisch, was unterrichtet denn aktuell alles Schüler? Vertretungslehrer, die teilweise von nichts ne Ahnung haben, in ihrem regulärem Beruf nichts gefunden haben, und dafür dann teilweise nicht geeignet sind. Es gibt Ausnahmen, Quereinsteiger, die wirklich gute Lehrer sind, aber diese sind selten, was an unsere Schulen kommt wird hingegen immer schlimmer, und es werden immer mehr, weil das normale Kollegium unter der hohen Arbeitsbelastung einfach wegbricht und der Krankenstand immer höher wird.

    Mir sind, so blöd das jetzt klingen mag, Kollegen, die wenigstens noch Lehramt studiert haben, auch wenn sie eigentlich gar nicht so richtig Lehrer werden wollten, immer noch 100mal lieber, als das, was momentan als Vertretungslehrer überall genommen wird!!!!

  3. Man befragt Studenten, ob sie ihr Fach wirklich studieren wollen, und die antworten mit großer Mehrheit: „ja, wirklich.“ „Das Lehramtsstudium als Notlösung kam hingegen kaum vor.“ Krass.

  4. Ich würde eher sagen, dass diejenigen, die verrückt genug sind, Lehrkraft werden zu wollen, dies bewusst auswählen.

  5. Spätestens mit dem Belastungstest Realität werden viele über einen Berufswechsel nachdenken. Ein Gedanke der mich inzwischen auch wieder häufiger trifft.

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