Corona-Krise: Niedersachsen verzichtet auf mögliche Angleichung der Lehrergehälter

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HANNOVER. Die große Koalition in Niedersachsen möchte angesichts der Corona-Krise auf die in Erwägung gezogene weitere Angleichung der Lehrerbesoldung sowie auf ein Weihnachtsgeld für Pensionäre verzichten. Das sagte CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer bei der gemeinsamen Vorlage einer Bilanz zur Hälfte der Regierungszeit mit der SPD-Fraktionsvorsitzenden Johanne Modder am Mittwoch in Hannover.

Eine Angleichung der Lehrergehälter wird es in Niedersachsen auf absehbare Zeit nicht geben. Foto: Shutterstock

Unter dem Eindruck der Corona-Krise haben SPD und CDU in Niedersachsen zur Halbzeit der großen Koalition eine erste Kursbestimmung für die zweite Hälfte der Regierungszeit vorgenommen. Die Herausforderung sei, den Neustart der Wirtschaft sowie bestehende Themen wie den Klimawandel und die Zukunft der Landwirtschaft gleichermaßen anzugehen, sagte CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer bei der Vorlage einer Zwischenbilanz am Mittwoch in Hannover. Es gehe darum, die Wirtschaft in Schwung zu bringen, ohne sich kaputt zu sparen, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Johanne Modder.

«Vieles, was noch auf der Agenda stand, wird ganz neu bewertet werden müssen», betonte Toepffer. Mit Blick auf die riesigen Finanzlöcher in Folge der Krise kündigten die Fraktionschefs an, auf die bislang in Erwägung gezogene weitere Angleichung der Lehrerbesoldung sowie ein Weihnachtsgeld für Pensionäre verzichten zu wollen.

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Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warf der Koalition eine Vernachlässigung des Bildungswesens vor. Lehrer fehlten, seien überlastet und würden nicht angemessen bezahlt. Wenn die Anpassung der Besoldung jetzt ausgesetzt werden solle, werde die Gewerkschaft entschiedenen Widerstand leisten. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Schwesig spendiert Grundschullehrern A13 – Weil nicht. In Niedersachsen gibt’s für sie nur 94 Euro monatlich mehr. Brutto

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19 KOMMENTARE

  1. Das ist jetzt natürlich eine praktische Ausrede der Politik! Anstatt diese besondere Situation, die zeigt, dass es gerade auf das besondere Engagement der Lehrer ankommt, zu nutzen, um endlich eine verfassungsgerechte Besoldung von A13 für alle zu beschließen, wird die Corona-Krise missbraucht, um es bei dem lächerlichen „ersten Schritt“ von Weil zu belassen. Frech!

  2. Warum müssen Lehrer eigentlich jede gesellschaftliche Fehlentwicklung mit ihrer Arbeit und mit ihrem Geldbeutel auffangen?

    Der Staat hat ohne Ende Geld und ausgerechnet an jenen, die hier hervorragende Arbeit leisten, wird gespart.

    • Der Hinweis auf elterliche Pflichten und eine zu schlechte Abiturquote würde der eigenen Partei Wählerstimmen und dem Land bzw. dem Schulträger Geld kosten. Außerunterrichtliche Zusatzaufgaben für Lehrkräfte sind kostenneutral.

  3. … und am Ende schreien Landesregierungen, Schulaufsicht, Schulverwaltungen, Eltern, Steuerzahler, dass es zu wenig Lehrer gibt… immer noch… komisch… woran das wohl liegen mag…???

    Den Kollegen geht es nicht um Geld allein, sondern um ein endlich einmal deutliches Zeichen von Wertschätzung nach Jahrzehnten, in denen Lehrergehälter als Steinbruch für andere Baustellen genutzt wurden, in denen wir im Beruf und im Privaten mehr oder minder deutlich gespiegelt bekamen, dass Lehrer für viel zu viel Geld viel zu wenig tun… und das nach einer 50-Stunden-Woche plus 10 Stunden Fahrtzeiten.
    Es fällt schwer, dabei auf Dauer und immer wieder ruhig zu bleiben, vor allem, wenn alle, die sich besser auskennen mit meinem Job (in ihren Augen)/meiner Berufung (in meinen Augen) als ich, mir dann erklären wollen, wie ich meine Arbeit zu machen habe und dass man selbst ja eh alles besser machen würde…
    Auch verbale Gewalt und Difamierung gegen Lehrer ist Gewalt – beides gibt es gratis obendrauf!

    Aber vielleicht haben wir die Phase der Obrigkeitshörigkeit und Gottesfürchtigkeit früherer Zeiten noch nicht überwunden, in denen Menschen „für Gotteslohn“ Gutes tun und sich um Kinder, Alte, Kranke kümmern „durften“?!

  4. Vielleicht muss man das, was noch so auf der Agenda steht, dann auch als Lehrkraft mal ganz neu bewerten.
    Digitalisierung? Ja, auf Dienstrechnern, die von Fachpersonal beschafft, eingerichtet und gewartet werden, mit Dienstsoftware und auf landeseigenen Lernplattformen (Niedersächsische Bildungscloud), Zustellung von Informationen ansonsten auf dem Postweg über die Sekretariate,
    Inklusion? Ja, mit Förderschullehrkräften bei festgelegter Lehrende-Lernende-Relation, deren nicht-Einhaltung eine nicht-Beschulung bedeuten muss
    Notbetreuung? Ja, bei sofortiger Erhebung der Arbeitszeit samt Überstundenausgleichs in festgelegter Form
    Außerunterrichtliche Aufgaben? Ja, an Arbeitsplätzen im Schul- oder Verwaltungsgebäude unter Wahrung der dafür notwendigen Vorschriften
    Öffnung von Schulen während der Pandemie? Ja, nach erfolgreicher Abnahme des Schulgebäudes durch externe Arbeitssicherheits-Beauftragte und das Gesundheitsamt, da kann man auch gleich die lange angemahnten Umsetzungen zur Arbeitssicherheit endlich angehen!

    Es ist unverständlich, warum immer wieder Dienst und Treuepflicht groß geschrieben werden, Fürsorge des Dienstherren aber nicht.
    Unter dieser Neubewertung muss man dazu kommen, dass Lehrkräften seit Jahrzehnten vorenthalten wird, was rechtens wäre,
    und die Entlohnung gerne durch unterschiedliche Maßnahmen gesenkt wird.

    Auch wenn Bildung seit vielen Jahren offenbar nicht zählt, rufen gerade jetzt viele nach der baldigen Öffnung von Schule.
    Wem das alles nicht wichtig genug ist, der sollte es klar benennen und weiter am Bildungssystem sparen, auch an einer gerechten Entlohnung der GS- und SekI-Lehrkräfte.

    • „Wem das alles nicht wichtig genug ist, der sollte es klar benennen und weiter am Bildungssystem sparen, auch an einer gerechten Entlohnung der GS- und SekI-Lehrkräfte.“
      Das sehe ich auch so. Ehrlichkeit wäre hier besser. Man sollte, statt uns GS-Lehrern wieder und wieder die Gleichwertigkeit und Wissenschaftlichkeit unseres Studiums u. Zweiten Staatsexamens abzusprechen, ehrlich sein und sagen: Liebe Grundschullehrer, wir wissen, dass ihr genauso viel leistet, wie alle anderen Kollegen. Euer Studium endet mit Master und Zweitem Staatsexamen und ist gleichwertig. Aber ihr seid halt einfach viele und es ist uns zu teuer, euch genauso zu bezahlen, wie alle anderen Lehrer.

      • „Liebe Grundschullehrer, wir wissen, dass ihr genauso viel leistet, wie alle anderen Kollegen. Euer Studium endet mit Master und Zweitem Staatsexamen und ist gleichwertig. Aber ihr seid halt einfach viele und es ist uns zu teuer, euch genauso zu bezahlen, wie alle anderen Lehrer.“

        Made my Day!

        Vielen Dank für die perfekte Zusammenfassung!

      • Hallo Grunschullehrer,

        Deine Gedanken sind durchaus richtig, auch wenn sie uns eher nicht passen wollen. Ich mache mal ein anderes Paradgima auf! Hier in NDS werden Gymnasiallehrer unter Umständen dazu verpflichtet, für eine gewisse Zeit 1-2 Jahre an einer Grundschule oder HS oder RS zu unterrichten. Sie bekommen dann, soweit mir bekannt, A13 o. Z. Nach dieser Frist kommen sie an ein Gymnasium oder eine IGS/KGS. Eigentlich ist das doch schon A13 für die Grundschullehrer, denn mit der Zeit wird der Mangel an Grundschullehrern dazu führen, dass man sich auf Seiten der Laschu/Behörde dazu entschließen muss, die neu eingestellten Lehrkräfte nach A13 zu bezahlen. Die bedeutsame Frage lautet dann: „Wird das auch auf die „A12“er Lehrkräfte übertragen. Was meint Ihr/Du

        • Die Gymnasiallehrkräfte erhalten ihre üblichen Bezüge, also A13 oder A14, auch wenn sie an Grundschulen abgeordnet werden.
          Handelt es sich um eine überhälftige Tätigkeit, werden also mehr als die Hälfte der Stunden in der Grundschule erteilt, müssen die Gymnasiallehrkräfte dann für eine Vollzeitstelle insgesamt 28 U-Std. erteilen, wie es in der GS üblich ist. Diese Abordnungen gelten für ein halbes oder ganzes Jahr, selten länger. Dann gehen diese Lehrkräfte zurück an ihre Stammschule.

          Die Grundschullehrkräfte, die die Gymnasiallehrkräfte oder andere Abordnungen alle halbe Jahr einarbeiten und im Laufe des Jahres beraten, die sehr viele außerunterrichtliche Aufgaben unter sich verteilen, z.B. Fachkonferenzen, Beauftragungen, Förderschul-Verfahren, Einschulungsverfahren etc., erhalten weiterhin A12.

          Übrigens erhalten auch die Förderschullehrkräfte A13, die Grundschullehrkräfte, die aber gerade in den GS in Niedersachsen, in denen es für vieles nur die winzige Grundversorgung in der Inklusion von pauschal und maximal 2 Std. pro Woche pro Klasse gibt, einen Großteil der Aufgaben selbst übernehmen und sich ab und an mit der FöS-Lehrkraft beraten können, erhalten A12.

          Das ist dem Land aber egal, siehe oben.
          Es hätte sich sicher auch eine andere Ausrede finden lassen, das hat ja die letzten Jahre auch hervorragend geklappt.

  5. Ist ja alles richtig und ich bin auch Grundschullehrer und wünsche mir eine Angleichung. ABER jetzt gerade in der wirtschaftlichen Situation, sorry, da fände ich es egoistisch jetzt auf A13 zu bestehen. Viele Arbeitnehmer haben 67% vom brutto und wir Beamte kriegen 100% usw. Wir sind aktuell hochpriviligiert wie ich auch im Freundeskreis feststelle. Abgesehen davon ist es politisch momentan niemandem vermittelbar warum wir jetzt on top unseres (immer noch hohen Gehaltes! A12 ist schon viel!) noch mehr bekommen sollten. Ich hoffe, dass nächstes Jahr oder übernächstes eine Angleichung in Angriff genommen wird.
    Und nochmal, wir jammern hier auf einem verdammt hohen Niveau!

    • Ja, das tun wir, und ich hoffe, dass möglichst wenige Menschen das mitkriegen. Aus der Sichtweise anderer Arbeitnehmer müssen Forderungen nach Gehaltserhöhungen seitens der Lehrer sehr befremdlich wirken.
      „Der Staat hat ohne Ende Geld“, lese ich in einem Kommentar und wundere mich über so viel Nichtwissen. Der deutsche Staat hatte vor Corona bereits ca. 2 Billionen Euro SCHULDEN und wird durch die Krise nach Schätzungen noch einmal mindestens weitere 1.000 Milliarden (1 Billion) an Schulden aufnehmen müssen. Wenn Kredite (Staatsanleihen) aufgenommen werden, kann man doch nicht sagen, der Staat hätte jetzt „ohne Ende Geld“.

      Danke für Ihre klaren Worte, Steve! Jetzt ist wahrlich nicht die Zeit, dass gut bezahlte Lehrer Neiddebatten führen. In den Augen der Öffentlichkeit tun sie sich damit keinen Gefallen.
      Im Gegenteil, man fragt sich, welche Berechtigung ihre sonstigen Klagen haben und auch ihr häufig geäußerter Wunsch nach mehr Anerkennung.

      • Es ist eine Fehleinschätzung, gerade die Grundschullehrer als „gut bezahlte Lehrer“ zu bezeichnen, wenn diese diejenigen sind, die in vielen Bundesländern, im Gegensatz zu den Kollegen anderer Schulformen E11 statt E13 verdienen, bei einer Arbeitszeit von 50 u. mehr Wochenstunden.I In allen ostdeutsche Bundesländern sind Grundschullehrer mehrheitlich Angestellte und keine Beamten. Zudem ist es fragwürdig, die schon viele Jahre vor der Coronakrise bestehende, legitime Forderung nach einer fairen Entlohnung unter Anerkennung der Qualifikation (Zweites Staatsexamen und Master, insgesamt 6 1/2 bis 7 Jahre Ausbildung) als „Neiddebatte“ zu diskreditieren.

      • Es ist die Anforderung einer gerechten Entlohnung, die den GS und SekI-Lehrkräften weiterin vorenthalten wird.
        Ist es Neid, wenn in anderen Berufen Tarifverträge eingehalten werden sollen? Können dort die Arbeitgeber in der Corona-Krise dann sagen: „Der Tarif wird mich auch in Zukunft nicht interessieren!“ und weiterhin unter Tarif bezahlen?
        Kann ein Arbeitgeber auf die Einhaltung von Arbeitszeitregelgungen, Arbeitsschutz oder Hygienestandards verzichten? Werden die gesetzlichen Vorgaben nun durch die Corona-Krise ausgesetzt?

        Der Hinweis darauf, dass man immer auf die anderen zeigen könne, kam in den letzten Tagen mehrfach. Das Ergebnis ist eine Angleichung der Einsparungen auf Kosten der Arbeitnehmer.
        Man sollte sich nicht wundern, wenn dann in Zukunft viele Arbeitgeber ihre Rechte über den Schutz der Angestellten stellen.

        • „Das Ergebnis ist eine Angleichung der Einsparungen auf Kosten der Arbeitnehmer. Man sollte sich nicht wundern, wenn dann in Zukunft viele Arbeitgeber ihre Rechte über den Schutz der Angestellten stellen.“ Stimme zu. Auch in „Corona-Zeiten“ sollte man nicht einseitig den Arbeitgebern das Wort reden. Arbeitgeber haben ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine Verantwortung bezüglich einer fairen Entlohnung und fairen Arbeitsbedingungen. Das sollte für alle Bereiche gleichermaßen gelten. Man sollte nicht in Krisenzeiten dafür argumentieren, dass es doch auch okay wäre, für weniger zu arbeiten. Arbeitgeber, die das hören, werden sich freuen und den Lohn drücken und die Arbeitsbedingungen verschlechtern.

  6. A13 ist schön und gut. Was mir aber deutlich wichtiger wäre, ist die Wertschätzung und das Bewusstsein über die Wichtigkeit unseres Berufs. Man leistet ja in „normalen“ Zeiten schon mehr als man müsste. Jetzt zu Zeiten der Pandemie leistet man ein Vielfaches mehr. Wertschätzung seitens des Dienstherren? Außer einem „freundlichen“ Brief NICHTS. In NRW ist die Fürsorgepflicht am besten zu sehen – Gebauer und Laschet sei Dank. Wertschätzung von Seiten der Gesellschaft? Gibt es in Form von Lehrerbashing à la „Und die faulen Lehrer sonnen sich bei voller Bezahlung im Garten. Also sofortige Öffnung der Schulen!“ Klar gibt es wirklich dankbare Eltern, aber leider liest und hört man immer häufiger wirklich negative Äußerungen von Seiten mancher „Erwachsener“, denen der Einblick in die wirkliche Arbeit der Lehrer fehlt. Viele bemerken im Homeschooling, wie kräftezehrend die (schulische) Arbeit mit dem eigenen Kind sein kann. Und nicht selten wollen diese Eltern ihr Kind wieder ganz schnell in die Schule abschieben – aller Risiken zum Trotz.
    A13 schön und gut. Aber alles Geld nützt nichts, wenn einem seine Arbeit durch das momentane Standing des Lehrerberufs in der Gesellschaft mehr zur Qual als zur Erfüllung wird. Und es ist Fakt: Lehrer sind (u.a.) der Grundpfeiler einer funktionierenden Gesellschaft. Keinen Beruf ohne Bildung – keine Bildung ohne Schule – und keine Schule ohne Lehrer.

    • Die derzeitige Umgang mit den Lehrern trägt leider in keinster Weise dazu bei, diesen Beruf attraktiver zu machen. Und da meine ich nicht die Eltern, von denen erhalten wir an unserer Schule sehr viel Anerkennung, für das, was wir momentan leisten. Die mangelnde Wertschätzung kommt von seiten der Bildungspolitik. E11 versus E13 ist da nur ein Aspekt von vielen.

      • Sicher. Die Politik stärkt den Eltern (und damit meine ich ganz bestimmte) in jeglicher Weise den Rücken. Beschweren sich Eltern in der LSchB, ist der Lehrer dran. Fordert der Lehrer Rückhalt gegenüber einer bestimmten Art von Eltern, passiert nichts.
        Die Politik handelt ja in erster Linie pro Wirtschaft und pro Wählerschaft.

  7. Na ja, Schulbildung schadet ja keinem/keiner, vorallem dann nicht wenn er/sie später etws Gescheites lernt.

    Es ist eindeutig sinnlos die beiden Themen – das berufliche und das gesellschaftliche – Eingruppierung von öffentlich Bediensteten und die aufgaben von Schule innerhalb der Gesellschaft unter den derzeitigen Ausnahmebedingungen miteinander verknüpfen zu wollen. DAs eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

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