Videokonferenzen mit Drittklässlern – ein Abenteuer. Wie eine Lehrerin sich gemeinsam mit ihrer Klasse digitalen Unterricht erschloss

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BAD VILBEL. Wie läuft es mit dem Fernunterricht? Nachdem der Bericht des Stuttgarter Realschullehrers Alessandro Totaro vor einigen Wochen auf News4teachers viel Interesse geweckt hat (Link unten), wollten wir wissen: Lassen sich die positiven Erfahrungen auch auf die Grundschule übertragen? Grundschülerinnen und Grundschülern fehlen womöglich die Grundlagen, um mit digitalen Formaten lernen zu können. Stimmt auch – sagt die Grundschullehrerin Christiane Stricker aus dem hessischen Bad Vilbel. Sie selbst hatte bis dato wenig Erfahrung mit digitalen Lehrmitteln, ließ sich notgedrungen dann aber auf das Abenteuer Videokonferenzen mit den Schülern ihrer dritten Klasse ein. Und: Sie selbst hat viel dabei gelernt.

Die Motivation von Grundschülern im digitalen Unterricht scheint bemerkenswert hoch zu sein (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

News4teachers: Wie waren Ihre Vorerfahrungen mit digitalem Unterricht? Wie war bei Ihnen die Situation vor den Schulschließungen?

Christiane Stricker: Vor der Corona Schulschließungen fand bei mir ehrlicherweise digitaler Unterricht nicht statt. Mir war lediglich die Nutzung von PCs, Beamer, Mobiltelefon und Laptop vertraut. Meine Klasse hatte bis auf eine Einheit zum Internet ABC keinen regelmäßigen Umgang mit PCs und erst recht keinerlei Erfahrungen mit Distance Learning.

In unserer Schule ist jeder Klassenraum mit zwei PCs ausgestattet, welche auch Internetzugang haben. Weiterhin gibt es einen Computerraum, welcher mit 18 Desktop PCs ausgestattet ist. Diese Geräte wurden von den SchülerInnen vor der Corona Schulschließungen für unterschiedliche Lernprogramme verwendet. Sie dienten daher eher als Tool und nicht als digitales Medium. Manchmal wurden PCs auch für Internetrecherche verwendet. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Medienbildung als unzureichend zu beschreiben war.

News4teachers: Wie sind Sie darauf gekommen, mehr Kommunikation zu ermöglichen, als nur Aufgaben zu verschicken?

Neu auf News4teachers

Wie sind die bisherigen Erfahrungen mit der digitalen Bildung? Woran hapert es? Was klappt denn vielleicht schon gut bei der Digitalisierung von Schulen? Überhaupt: Wohin soll der Weg denn führen? Was ist sinnvoll? Was nicht? News4teachers stellt sich immer wieder solchen Fragen – und widmet dem Zukunftsthema Nummer eins in der Bildung ab sofort ein eigenes Ressort.

Dort bündeln wir unsere Beiträge zum Thema – künftige, aber auch schon die, die wir in den vergangenen zwei Jahren dazu gebracht haben: nach wie vor aktuelle Praxisreportagen, Interviews (etwa mit dem berühmtesten Bildungsforscher der Welt, Prof. John Hattie, der sich der Frage widmet, was digitaler Unterricht tatsächlich bringt), Service, Hintergrundberichte. Stöbern Sie doch mal durch. So manches Highlight lässt sich dort entdecken – hier geht’s zur Übersicht.

Und wenn Sie als Lehrkraft, Schulleitung oder Kita-Fachkraft selbst Erfahrungen mit digitalem Unterricht gemacht haben, von denen Sie berichten möchten, dann kontaktieren Sie uns gerne: redaktion@news4teachers.de

Christiane Stricker: Zur Beantwortung möchte ich kurz auf meinen regulären Unterricht eingehen, da ich denke, dass dieser erst das digitale Klassenzimmer ermöglicht hat. Mein Präsenzunterricht ist geprägt von offenen Aufgaben, welche individuelles Arbeiten mit unterschiedlichen Lernständen ermöglicht. Auch unterrichte ich mit Hilfe von Wochenplänen, daher sind die Kinder selbstständiges Arbeiten gewöhnt. Jedoch heißt selbstständig für mich nicht allein lassen. Ich verstehe mich als Lernbegleiter meiner SchülerInnen. Sie lernen ihre Aufgaben zu bearbeiten und wenn sie Hilfe brauchen, dann haben wir ein Helfersystem etabliert. Das Helfersystem besteht aus MitschülerInnen und mir.

Jedoch war es den Kindern durch die Schulschließungen nicht mehr möglich, auf ihre bekanntes Unterstützungssystem zurückzugreifen. Ich entschied mich zunächst, meine Homepage zur Lernplattform für Kinder zu entwickeln, welche ich für ein Flipped Classroom Modell verwenden wollte. Diese Homepage alleine erschien mir jedoch nicht ausreichend, da sie keine echte Kommunikation ermöglichte, lediglich ein Chat habe ich auf dieser anbieten können. Der Elternbeiratsvorsitzende meiner Schule brachte mich darauf, eine Videokonferenz mit meinen SchülerInnen auszuprobieren. Er unterstütze mich dabei ein datenschutzkonformes Tool zu finden und zu testen und so war die Idee des digitalen Klassenzimmers geboren. Bereits nach zwei Wochen der Schulschließungen stand mein Konzept zum digitalen Klassenzimmer. Ich lud, auf freiwilliger Basis, alle SchülerInnen meiner Klasse ein. Innerhalb von nur einem Tag hatte ich 13 Kinder von 15 dabei. Mein Angebot wurde unglaublich dankbar angenommen. Dies ermutigte mich, meinen Selbstlernprozess zu fördern. Ich eignete mir täglich mehr Wissen an und lernte mit meinen SchülerInnen gemeinsam. Was zunächst als Austauschmedium gedacht, entwickelte sich innerhalb einer Woche zu täglichem Unterricht, welcher aus dem Alltag meiner Klasse nicht mehr wegzudenken war.

News4teachers: Wie sahen die ersten Schritte aus? Gab es Schwierigkeiten, vielleicht auch lustige Pannen?

„Bauserfenster, hä?“ Viele Begriffe waren den Schülern nicht geläufig

Christiane Stricker: Der erste Schritt zum digitalen Klassenzimmer war, wie bereits beschrieben, die Entwicklung meiner eigenen Homepage als Lernplattform. Da mir jedoch das Wichtigste von Schule fehlte, der Lehrer-Schüler Austausch und die Lehrer-Schüler-Beziehung, entstand die Idee des täglichen Videochats, unserem digitalen Klassenzimmer. Mit Hilfe der Unterstützung des Schulelternbeiratsvorsitzenden teste ich ein Videochattool, welches als datenschutzkonform galt (jitsi-meet). Dieses Tool diente von nun an als digitales Klassenzimmer. Selbstverständlich gab es eine Reihe von Pannen. Ohne die Unterstützung einiger Eltern wäre es sicherlich nicht umzusetzen gewesen. Hürden waren vor allem die neuen Begriffe, die den Kindern nicht geläufig waren. Ein paar Beispiele möchte ich nennen: „Welchen Knopf muss ich drücken?“ „Wo ist das was, das Bauserfenster (Browserfenster)?“ „Bei mir geht das nicht… Ich höre nichts.“ „Ich kann nichts sehen…“ „Was ist ein Blog?“

Ehrlicherweise, vielleicht aber auch weil ich noch keine Erfahrung mit dieser Form des Unterrichts hatte, empfand ich es als sehr anstrengend. Aus diesem Grund kann ich Lehrkräfte verstehen, die sich der Thematik eher zögerlich nähern oder sogar eine ablehnende Haltung zeigen. Inzwischen weiß ich, dass es einfacher wird, wenn man Routine bekommt und auf Erfahrungen von Lehrkräften zurückgreifen kann, die sich bereits auskennen und als Multiplikatoren eingesetzt werden. Ich habe eine Kollegin eingewiesen, die sich durch meine Erfahrungen und Unterstützung sehr schnell einfinden konnte, obwohl sie auch keinerlei Vorerfahrungen mit dieser Lernform hatte.

News4teachers: Wie sieht Ihre technische Ausstattung aus – und die Ihrer Schüler? Ist die Verbindung stabil?

Die Installation des Systems bei den Schülern war holprig

Christiane Stricker: Meine technische Ausstattung ist mein privates Eigentum. Ich besitze einen Laptop (MacBook Pro), einen Drucker, ein Mobiltelefon und eine stabile Internetverbindung. Meine SchülerInnen nutzen unterschiedliche Endgeräte: Smartphone, Tablet, Laptop, Desktop PC. Eigentlich ist alles vertreten. Kinder, die kein Endgerät zur Verfügung hatten, wurden mit Geräten von unterstützenden Eltern ausgestattet. Jitsi meet lief leider nicht immer stabil. Daher suchte ich schnell nach einer Alternative. Über ein Gesuch über meine eigene Homepage trat Pilotschulen.de an mich heran, die mir BigBlueButton über einen eigenen Server anboten. Seither ist die Verbindung stabil. Die Installation bei den SchülerInnen war etwas holprig, da es ein paar Einstellungen zu beachten galt. Eine Kollegin und ich fuhren zu den Familien, bei welchen sich Probleme zeigte und nahmen die Installation selbst vor. Hierzu verwendete ich meinen eigenen Laptop, stellte eine Internetverbindung über mein Mobiltelefon her und konnte vor Ort testen, ob der Zugriff zum Klassenzimmer funktionierte.

News4teachers: Haben Sie sich mit dem Datenschutz beschäftigt?

Christiane Stricker: Datenschutz war vom ersten Tag an, dank der Unterstützung des Schulelternbeiratsvorsitzenden, ein wichtiges Thema. Er ist sehr medienaffin und konnte mich sehr gut beraten. Da meine Elternbeirätin mich ebenfalls sehr unterstützte, erhielt ich innerhalb weniger Stunden alle Einverständniserklärungen der Eltern, so dass wir gut aufgestellt waren.

News4teachers: Wie läuft der Unterricht jetzt konkret ab? (Mittlerweile sind die Grundschulen in Hessen wieder vollständig im Präsenzunterricht – Frau Strickers Antwort bezieht sich auf die Zeit davor, d. Red.)

Schüler gefordert, über ihr anstehendes Lernen nachzudenken

Christiane Stricker: Wir treffen uns morgens um 10.00 Uhr zur Begrüßung. Es wird überprüft, welche Kinder anwesend sind, welche fehlen, ganz so, wie die Kinder es auch aus dem realen Klassenraum kennen. Ein lustiges Begrüßungsritual, für welches sich die Kinder wünschen können, wie sie gerne begrüßt werden möchten, ist Teil des Einstiegs. Im Anschluss eröffne ich den Kindern die Tagesagenda, welche wir gemeinsam besprechen. Dies schafft Transparenz und dient dem Überblick. Auch klären wir, welcher Tag heute ist und sagen das Datum. An diese Zeit schließen sich Blitzrechnen und das Wort des Tages an (zur Vertiefung von Rechtsschreibstrategien). Im Anschluss erhalten die Kinder einen Impuls mit Hilfe eines kurzen Films, einer These oder eines Bildes. Wir sprechen über das neue Thema, knüpfen an Vorerfahrungen an und sprechen über anstehende Aufgaben.

Hieran schließt sich eine Zeit des „Was nehme ich mir heute vor?“ an. Diese Zeit ist sehr wichtig, da sie die Kinder fordert, über ihr anstehendes Lernen nachzudenken. Sie versuchen sich selbst einzuschätzen und setzen sich Tagesziele, welche zum Ende des Schultages in einer Reflexionsphase überprüft und besprochen werden. Nach dieser Phase beginnt die Einzel- oder Gruppenarbeit in Breakout-Räumen. Ich bleibe den Vormittag über online, um jederzeit als Ansprechpartner für die Kinder da zu sein.

Dieses Angebot wird rege wahrgenommen. Meine Unterstützung ist sehr vielfältig, ganz nach den individuellen Bedürfnissen der SchülerInnen. Sie reicht von Begleitung bei konkreten Aufgaben bis hin zur gemeinsamen Entwicklung neuer, kreativer Ideen. Diese Zeit ist nicht planbar, da sie ganz von den SchülerInnen und deren individuellen Voraussetzungen abhängt. An diese Zeit schließt sich die Reflexionszeit an, welche um 12.30 Uhr beginnt. In dieser sprechen wir über gesetzte Tagesziele, klären, wie zufrieden jeder mit seiner Eigenaktivität und den Ergebnissen ist und überlegen bei Problemen, wie diese zu lösen sind. Hierdurch entwickelt sich eine Leistungskultur. Die Kinder nehmen sich und ihre Lernaktivität wahr und ihr Handeln wird wertgeschätzt. Ich empfinde diese Zeit immer als sehr wertvoll, da die Kinder in ihrem Lernprozess wahrgenommen werden und sich mit mir darüber austauschen, wie der Vormittag für sie gelaufen ist. Das Lernen wird ernstgenommen und die Einzelaktivität gewürdigt.

News4teachers: Wie sieht’s mit der Motivation der Schüler aus? Und wie mit Ihrer?

Christiane Stricker: Die Motivation meiner SchülerInnen war vom ersten Tag an sehr hoch. Im digitalen Klassenzimmer stellte sich eine Lernhaltung ein, die im realen Klassenraum nicht zu spüren ist. Das Lernpensum übertraf interessanterweise zu jeder Zeit das sonst gewohnte. Vor allem die Leistungsschwächeren liefen zunehmend zu Höchstformen auf. Eine ganze Weile war mir völlig unklar, wieso dies so sein kann, da die Kinder doch durch ihr gewohntes häusliches Umfeld vielleicht sogar eher abgelenkt sein könnten. Aber vielleicht liegt es an mehreren Faktoren. Zum einen denke ich, dass die Ablenkung durch die MitschülerInnen weitaus geringer ausfällt als im Klassenraum, zum anderen ist kein direkter Vergleich mit den anderen möglich, es sei denn ich stelle dies aktiv her. Es könnte aber auch eine Rolle spielen, dass die Kinder eine individuelle Lernhaltung eingehen können, sie liegen teilweise auf dem Sofa, sitzen auf ihren Betten oder hüpfen zeitweise im Raum herum. Dies ist im Klassenraum so nicht möglich, eröffnet den kinästhetischen Lernern jedoch große Chancen. Manche Kinder haben Haustiere, die sie die komplette Unterrichtszeit im Arm hielten. Auch dies scheint großen Motivationscharakter zu haben und spricht für Tiere im Klassenraum als pädagogische Unterstützung. Meine eigenen Tiere, zwei Katzen und ein Hund, sind auch immer dabei. Die Kinder begrüßen diese täglich.

Meine Motivation konnte ich bisher stets aufrechterhalten, da mir die Ergebnisse der Kinder Bestätigung sind. Zugegebenermaßen ist digitales Lernen zu Beginn für alle sehr anstrengend, deshalb baue ich für die Kinder und mich permanent kleine Bewegungs- und Ruhepausen ein.

„Selbstverständlich können Kinder den Fernunterricht stören“

News4teachers: Können Schüler den Fernunterricht stören? Wenn ja: Wie?

Christiane Stricker: Selbstverständlich können Kinder den Fernunterricht stören. Eine wichtige Grundregel aus meinem Unterricht lautet, dass wir Regeln brauchen und diese immer im demokratischen Miteinander aufstellen. So können sich die Kinder mit ihren eigenen Regeln identifizieren. Auch im digitalen Klassenzimmer gilt es Regeln einzuhalten.  Beispielsweise hatten wir das „Reinrufen“ schnell eliminiert, da es die anderen Kinder massiv beeinträchtigt. Ich brauchte in dieser Angelegenheit nicht viel zu sagen, die Kinder regelten dies unter sich. Jedoch gibt es Störungen, die im Regelunterricht nicht gibt. Beispielsweise ist es möglich, dass sich die Kinder in einem Privatchat schreiben, nebenbei im Internet surfen, recherchieren oder Spiele spielen. Daher muss hierauf durch die Lehrkraft besonders geachtet werden. Da ich jedoch mit den Kindern immer wieder über ihre Lerneinstellung spreche, unterlassen die Kinder Störungen zumeist schnell von selbst, da sie wissen, dass die Zeit des Lernens wichtig ist. Ich spreche immer von einer Leistungskultur und einem Arbeitsbündnis, das jede/r SchülerIn mit mir eingeht.

News4teachers: Wie lief die Zusammenarbeit mit den Eltern – immer reibungslos?

Christiane Stricker: Die Zusammenarbeit lief sehr gut. Ich hatte vom ersten Tag an Unterstützer, die sich mit Rat und Tat einbrachten. Vielleicht lag es an der Angst, dass ihre Kinder sonst gar keine Lernzeit haben würden, vielleicht lag es auch daran, dass die Eltern rasch merkten, dass diese Form des Unterrichts gut funktioniert und sie Vertrauen in meine Arbeit haben konnten. Ich kann es ehrlicherweise nicht sagen, obwohl ich aus der Erfahrung der Vergangenheit eher sehr skeptische Eltern habe und ich mit Widerstand gerechnet hätte.

News4teachers: Was würden Sie Kollegen empfehlen, die sich auf den Weg machen möchten?

Christiane Stricker: Ich würde jedem Kollegen empfehlen, sich umfassenden Rat zu suchen bei Lehrkräften, die bereits Erfahrungen haben. Gemeinsam ist es immer einfacher. Schließen Sie sich zusammen, helfen sie sich gegenseitig und sie werden begeistert sein, was man alles erreichen kann. Inzwischen findet man im Internet umfassende Erklärungen und Unterstützungen, welche man in Anspruch nehmen kann, um sich in diese Welt einzufinden.

News4teachers: Benötigen Sie für den neuen Unterricht neues Material – oder können Sie mit Ihrem bestehenden arbeiten?

Christiane Stricker: Guter Unterricht möchte vorbereitet sein, daher plane ich meinen digitalen Unterricht genauso wie meinen realen. Für den digitalen Unterricht benötige ich jedoch keine Zusatzmaterialien, sondern eher viel Internetrecherche, ggf. erstelle ich eigene Lernvideos, wenn mir inhaltlich etwas fehlt. Ich würde sagen, dass vor allem die Flut an Material entfällt, von welcher ich sowieso nicht überzeugt bin.

Auch kollaborative Lernformen sind möglich – nicht nur Frontalunterricht

News4teachers: Gibt es andere Möglichkeiten, als im Frontalunterricht zu arbeiten? Wenn ja: Wie sehen die aus?

Christiane Stricker: Selbstverständlich bietet Distance Learning auch kollaborative Lernformen. Es ist möglich, Räume anzubieten, in welchen Gruppenarbeiten möglich sind. Ich habe mit den Kindern sehr projektorientiert gearbeitet. Wir haben einen Film zum Zauberlehrling produziert, ein eigenes Buch geschrieben und Internetseiten gemeinsam erstellt. Aktuell bin ich in einem gemeinsamen Projekt mit Klaus Adam, dem Geschichtenerzähler von Kidspods.de. Es gibt unfassbar viele Möglichkeiten, es bedarf der Kreativität der Lehrkräfte und der Ideen der Kinder.

News4teachers: Nutzen Sie andere digitale Materialien für Ihren Unterricht? Wenn ja: Welche?

Christiane Stricker: Neben meinem Videochat nutze ich ein Whiteboard, erstelle PDF-Dateien, die ich den Kindern zur Verfügung stelle oder produziere Lernvideos für ein Flipped Classroom Modell.

News4teachers: Was meinen Sie – inwieweit werden Erfahrungen wie Ihre den Unterricht auch in der Zeit nach Corona beeinflussen?

Christiane Stricker: Ich bin überzeugt davon, dass meine Erfahrungen und die vieler andere mit dieser Form des Unterrichts großen Einfluss auf die weitere Zeit haben wird. Es ist Kindern und Eltern klargeworden, dass der Raum keine Rolle spielt, wenn es um das Lernen geht. Es ist zu jeder Zeit möglich, Unterricht anzubieten. Stellen Sie sich vor: Lehrkräfte erkranken. Es wird möglich, mehrere Klassen gleichzeitig mit nur einer Lehrkraft über Beamer und Videochat zu versorgen. Kinder, die längerfristig erkrankt sind, können an ihrem Unterricht per Videoübertragung teilhaben. Elterngespräche können einfacher und unkomplizierter stattfinden als bisher. Stellen Sie sich Eltern mit kleinen Kindern vor, die ihre Wohnungen für Gespräche nicht mehr verlassen müssen, um wichtige Kommunikation zu ermöglichen. Letztlich bietet der Einsatz digitaler Medien weit mehr als nur Kommunikation. Es eröffnet vielfältige Lernzugänge und schlussendlich werden die Kinder auf ihre Zukunft vorbereitet. Sie werden medienkompetent und sicher im Umgang, können die Gefahren erkennen und die Vorteile nutzen.

Auf Christiane Strickers Internetseite (https://www.medienfuerbildung.com/das-digitale-klassenzimmer-ein-proj) ist ein komplettes Tagebuch zum digitalen Klassenzimmer zu finden sowie weitere Informationen zum Blended Learning Konzept aus ihrer Perspektive. 

Wie Fernunterricht als Videokonferenz klappt – und welche Rolle die Eltern dabei spielen: Ein Lehrer berichtet aus seiner Praxis

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24 KOMMENTARE

  1. Schöner Bericht !

    Ich hatte auch viele positive Erfahrungen mit Videokonferenzen. Ich bin im Stoff kaum hinterher.

    Es ist Learning By Doing – einfach machen. Das Gerede um die ganzen Fortbildungen die Lehrer benötigen kann ich nicht mehr hören….

    Wenn man will geht das alles.

    (Der neue SmartTV samt Netflix ist ja auch innerhalb Minuten angeschlossen und der Film läuft…)

  2. Ich kann die Erfahrung nur bestätigen – wir haben im Team unsere Drittklässler 3x pro Woche nachmittags ( damit die Kinder aus der Notbetreuung dabei sein konnten) und es hat toll geklappt. Zudem fiel der Start vor Ort viel leichter, weil wir so in Kontakt geblieben sind.

    • Du bist aber nicht der Durchschnitt.

      Und das Problem an deinem Netföix-Beispiel ist, dass der Smart-TV mit Netflix-App genau das macht, was dir im schulischen Umfeld nicht passieren sollte: Er zieht massiv Telemetrie-Daten ab. Vielleicht ist für einige eine Fortbildung doch nicht das schlechteste Mittel der Wahl, nicht wahr?

  3. Das fand ich sehr interessant: „Vor allem die Leistungsschwächeren liefen zunehmend zu Höchstformen auf. Eine ganze Weile war mir völlig unklar, wieso dies so sein kann, da die Kinder doch durch ihr gewohntes häusliches Umfeld vielleicht sogar eher abgelenkt sein könnten. Aber vielleicht liegt es an mehreren Faktoren. Zum einen denke ich, dass die Ablenkung durch die MitschülerInnen weitaus geringer ausfällt als im Klassenraum, zum anderen ist kein direkter Vergleich mit den anderen möglich, es sei denn ich stelle dies aktiv her. Es könnte aber auch eine Rolle spielen, dass die Kinder eine individuelle Lernhaltung eingehen können, sie liegen teilweise auf dem Sofa, sitzen auf ihren Betten oder hüpfen zeitweise im Raum herum.“ Vielen Dank!

  4. Die Aufgaben, die die ElternvertreterInnen übernommen haben durch die Beratung zum Datenschutz, sind Schulträger- bzw. Ministeriumsaufgaben. Es ist unsäglich, wie wirklich alles auf das Engagement der Lehrkräfte abgewälzt wird. In der freien Wirtschaft undenkbar! Für die Rechtssicherheit ist der Dienstherr zuständig, der in meinem Bundesland die Lehrerschaft völlig alleine lässt. Ob Frau Gebauer auch ihren privaten Laptop mit ins Ministerium bringt und alles persönlich einrichtet?? Ich schwanke: Ist das Engagement der Lehrerin zu loben oder naiv zu nennen?
    Das ermutigende Beispiel habe ich ansonsten mit Interesse gelesen!

    • Katrin G.
      …und Engagement als evtl naiv in Frage zu stellen, tja, wer das so sieht… Es ist eine Meinung. Dass die Dienstherren in die Gänge kommen, darauf zu warten, das ist in der Corona Zeit vielleicht auch naiv. Da warten wir bis zum Sankt Nimmerleinstag . Trotzdem werde ich mich weiter anstrengen, dass meine SuS „was“ lernen.Unter welchen Umständen auch immer. Das ist mein Beruf, auch im fortgeschrittenen Alter. Und es ist doch ziemlich vermessen, einer engagierten Kollegin ihr Engagement madig zu machen. Nehmt euch lieber ein Beispiel!

        • @ dickebank,
          Moin-Moin, ja, hallo! Wessen Schülerinnen und Schüler sollten es sonst sein? Außer mir unterrichtet sie ja seit 3 Monaten niemand …
          Und: Welcher Irrweg? Woher soll er kommen und wohin wird er mich führen?
          Beste Grüße!

          • Es sind SuS der Schule. Ich habe mit denen keine Verträge und bekomme auch keine Provisionen. Die suS bzw. deren Eltern können sich die Schule aussuchen, ich die suS, die in meine Kurse gestzt werden, leider nicht.

            Wenn mir eine Möglichkeit zur Auswahl der Schülerschaft eingeräumt würde, wäre ich bereit von meinen SuS zu sprechen. – Oder glauben Sie der für Sie zuständige Sachbearbeiter beim Finanzamt würde von Ihnen als mein Steuerzahler eprechen?

  5. Ach, was bin ich froh, endlich einmal positive Nachrichten zum meist „leidigen“ Thema Home Schooling zu lesen
    Denn bei meiner 4. Klasse lief es ähnlich prima. Die Kids und ich, wir haben alle zusammen jeden Tag etwas auf dem Gebiet dazu gelernt, nicht nur bzgl. des Unterrichtsstoff. Fast allen gefiel das Lernen Zuhause besser und nur 3 Kinder sagten,dass sie sich auf „die Rückkehr in die Schule“ freuten… Meine Klasse hat keine Rückstände und auch die Aussage über die steigenden Leistungen der schwächeren SuS kann ich nur bestätigen.
    Ich habe sonntags gegen Abend den Wochenplan und die Arbeitsblätter per Mail verschickt und 2x in der Woche haben die Kinder ihre Ergebnisse bei mir vorbei gebracht und die korrigierten Aufgaben wieder mitgenommen. Auch Verbesserungen müssten vorgelegt werden! Die, die keinen Drucker hatten, haben die Kopien von mir geliefert bekommen.Jeden morgen, 10 Uhr, war „Meeting“ und wir konnten die Aufgaben besprechen, Fragen wurden gestellt und beantwortet. Bei den Meetings waren häufig die Eltern dabei und wir hatten täglich Regen Kontakt
    Noch nie hatte ich in 44 Dienstjahren ein so schönes und intensives, aber auch entspanntes Verhältnis zu Kindern UND Eltern.
    Das musste jetzt mal erwähnt werden, denn ich kann das ewige Geschimpfe nicht mehr hören! Es geht auch sooo! Und jeder kann dafür etwas beitragen. Mit ein bisschen gutem Willen….

    • Nur einmal aus Interesse: Wie lief bei Ihnen die Notbetreuung? Jeden Morgen 10 Uhr Meeting klingt ja traumhaft, aber bei regelmäßigem Einsatz als Lehrkraft in der Notbetreuung nicht so ohne Weiteres praktikabel…

      • @ misi912
        Da hatte ich irgendwie „Glück“ und „meine SuS“ wohl auch. (Obwohl Herr /Frau dickebank jetzt vielleicht wieder Erbsen zählt, was die Definition betrifft…!? Ja, ich habe es gelesen…)
        Also: Ich war in der Notbetreuung nicht eingesetzt, weil ich „ein Risiko“ bin (haha) mit fast 66 Jahren war ich da erstmal draußen.
        Außerdem hatte ich noch einen Wirbelkörper gebrochen und war von Mitte März bis nach den Osterferien krankgeschrieben. Gearbeitet hab ich trotzdem, denn ich war daheim und die anderen LuL hatten wahrlich genug zu tun.

        • Sehen Sie den Unterschied zwischen Klassenlehrer- und Fachlehrerprinzip?

          Als SekI-Lehrkraft bin ich, wenn ich Glück habe und ein Fach der Fächergruppe I gebe, mit evtl. um die 8 Wochenstunden in der eigenen Klasse eingesetzt. Die anderen zwei Drittel meiner Vollzeitstelle befasse ich mich, sofern mir keine Entlastungsstunden zugestanden werden, mit SuS anderer Klassen oder Kurse.
          Da kommen dann bei zwei-stündigen Fächern der Fächergruppe II ggf. noch einmal 9 Kurse mit bis zu 28 SuS dazu. Die bisher gemachten Aussagen zum Einsatz als Klassenlehrkraft gelten aber nur für die Jahrgänge 5 und 6. Mit dem einsetzen der Fachleistungs- und Neigungsdifferenzierung ab Klasse 7 erreicht eine Klassenlehrkraft dann nur noch Teile der Klasse; hängt davon ab, ob einem der E-Kurs oder der G-Kurs zugewiesen wird. Ein Zehner-KL sieht die Klasse im Klassenverband nur, wenn er/sie diese in Sport, GL, Kunst/Musik oder Bio unterrichtet.

  6. Ich kann das leider nicht bestätigen. Ich habe zweimal Videokonferenz mit Erst-und Zweitklässlern gemacht. Um ein wenig zu erzählen oder die anderen mal wiederzusehen war das in Ordnung. Unterricht könnte ich so nicht machen und ohne Eltern, die mit am Tisch sitzen und die Technik managen wäre das nicht gegangen. Das ist für mich definitiv keine zufriedenstellende Lösung.

    • Danke, dass hier mal endlich nicht jeder in den allgemeinen Videokonferenzenlobgesang einstimmt! Wenn ich schon lese, dass die Kollegin zu den SuS nach Hause fährt, um Technik zu installieren, wird mir ganz anders. Wir schließen die Schulen, um die Infektionsgefahr auch für die LK zu minimieren und dann fährt sie fröhlich von Familie zu Familie?? Ich fasse es nicht!
      Ich habe übrigens keine entspannten 15, sondern 29 Kinder in meiner Klasse. Davon waren 3 komplett „abgetaucht“, weder telefonisch noch brieflich habe ich dort jemanden erreicht. 4 leben in einer Unterkunft für Geflüchtete, deren örtliche Lernvoraussetzungen kann sich jeder vorstellen, dort gibt es auch keinen Internetzugang, von entsprechenden Geräten ganz zu schweigen. 2 haben meine Mails gelesen, aber ansonsten auch nicht reagiert. Für diejenigen, die elektronisch erreichbar waren, habe ich den Plan individuell in eine Cloud gestellt und täglich gelesen, korrigiert und fortgeschrieben. Trotzdem haben einige Eltern die Kinder „ einfach noch ein bisschen üben“ lassen, sprich: Aufgaben, die ich für den Präsenzunterricht vorgesehen hatte, damit ich sie inhaltlich mit allen erarbeiten konnte, waren auf einmal schon bearbeitet ( und leider nicht zwangsläufig richtig…).

      • Kritisch sehe ich vor allem die Teilnahme der Eltern an Videokonferenzen. Alle Eltern bekommen von allen Kindern der Klasse alles mit, sehen also auch, wer unüberlegte Antworten gibt, sich nicht konzentrieren kann, wie es bei anderen im Kinderzimmer oder der Wohnung aussieht und und und. Finde ich tatsächlich sehr bedenklich.

  7. Guten Tag, ich möchte in diesem Forum gerne meine Sicht aus Elternperspektive darlegen (Frau Stricker ist unsere Klassenlehrerin und hat freundlicherweise den Link geteilt): Das digitale Klassenzimmer ist für die Kinder gerade in der Krise eine Bereicherung, da es ein Stück Normalität bietet. Auch für uns Eltern bedeutet es eine große Unterstützung und vor allem auch Schutz vor Überforderung – gerade hinsichtlich des Home Schoolings. Der tägliche aktive Dialog hat nicht nur den Klassenverband der Kinder gestärkt, sondern auch den Zusammenhalt innerhalb der Elternschaft. Mit Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts beginnt sich dieser Effekt bereits wieder zu verlagern- was ich als Verlust empfinde. Wir erlebten ein Stück Gemeinschaft und es war faszinierend zu beobachten, wie die Kinder lernen und nach kürzester Zeit auch souverän die Technik beherrschten. Den Zauberlehrling von Goethe als Projekt zu vertonen und zu bebildern machte mich zunächst skeptisch. Umso mehr begeistert das Ergebnis (www.mediefuerbildung.com/Projekte).

    Ich danke Frau Stricker für das beherzte und innovative Engagement und hoffe, dass sich viele andere inspirieren lassen. Das digitale Klassenzimmer war für uns alle eine wertvolle Erfahrung, auf die wir gemeinsam stolz sind und die wir nicht missen wollen! Viele Eltern unserer Schulgemeinde wären gerne beteiligt gewesen und wünschen sich ein schulweites Konzept- das die Coronakrise überdauert.

  8. Wow. Frau Stricker, Mama51 respekt!
    Wer will der kann.

    Nun Schade, dass meiste Lehrer an Engagement fehlt.

  9. Ich finde die Homepage von Frau Stricker interessant und schon einmal ein guter Anhaltspunkt, wenn man für sich und seine Bedingungen etwas herausziehen will. So ist es doch immer: Sämtliche pädagogischen Erfahrungen anderer lassen sich nicht eins zu eins übertragen, da das Setting immer ein anderes ist. 15 Kinder und engagierte Eltern sind natürlich Traumbedingungen, die nicht jeder hat. Aber man kann sich immer Impulse holen und schauen, was einem liegt und was für sein ganzes schulisches Setting zielgerichtet ist. Je mehr Ideen da sind, um so mehr Auswahl hat man für sich selbst. Schließlich wollen und wollten wir alle so viel wie möglich Kinder mit auf den Weg nehmen, sodass hier der Bruch nicht allzugroß ist.
    Wichtig finde ich ebenso, wie Anke schrieb, dass man eine Möglichkeit findet, wie man die Klasse im Distanzlearning zusammenbringt. Auf diese Erkenntnis kam ich mit der Zeit nämlich auch. Zuerst versuchte ich es über verfügbare Kanäle von Apps, die wir an der Schule haben. Danach habe ich das Padlet als Möglichkeit entdeckt. Ich habe das anders genutzt wie viele andere. Die Schüler waren die Akteure: Sie mussten ins Padlet eintragen, z.B. Lösungen von Aufgaben, Gedanken, auf andere Kinder eingehen, sich austauschen. Dazu hatte ich drei thematische Padlets. Ab dem Zeitpunkt, als ich dieses Tool eingeführt hatte, genossen es die Kids richtiggehend, sich mit anderen auszutauschen – es wurden sogar Bilder von Arbeitsergebnissen, die die Kinder stolz in der Hand hielten, hochgeladen ohne dass das eingefordert wurde. Das war mir auch lieber als Chats, denn da habe ich das so eingestellt, dass ich die Einträge immer erst genehmigen musste. Das konnte ich gut moderieren.
    Mit Videokonferenzen habe ich immer gewartet, weil es hieß, dass die, die datenschutzmäßig unbedenklich sind, überlastet sind und wir Teams bekämen. Doch als das so weit war, waren wir dann teilweise wieder im Präsenzunterricht.
    Da ich bestimmte Kinder im permanent im Homeschooling habe, versuchte ich diese zumindest mit dem Halten von Referaten präsent mit meinem Laptop, das ich im Klassenzimmer aufstelle, teilnehmen zu lassen. Doch da mussten wir bei einem Kind den Versuch wegen einer instabilen Internetverbindung abbrechen. Außerdem verstand das Kind seine Mitschüler schlecht. Da hätte ich persönlich meine eigene Ausstattung aufrüsten müssen. Schwierigkeiten ergeben sich auch, dass Eltern Videokonferenzen nicht so betreuen können wie im Artikel angeklungen ist oder sie zu der Zeit nicht zur Verfüung stehen. Dann gibt es wieder Probleme, dass das ältere Geschwisterkind an Konferenzen seiner Klasse teilnehmen muss (in den weiterführenden Schulen ist das bei uns ziemlich verbreitet) und dann zuhause keine Kapazitäten mehr frei sind.

    Ein Hinweis an die Autorin:
    Meetzi hat vieles, was sich die Autorin wünscht. Das ist der Raum, den ich gerade für die Dauerhomeschoolingkinder versuche zu nutzen.

    • @ysnp
      Wir haben an unserer Schule auf Padlet verzichtet, nachdem andere SL uns auf datenschutzrechtliche Bedenken hinwiesen. Es wäre wohl auf Grund der Nutzung ohne weiteres möglich, die Standorte der Schüler-PC zu orten….

      • Das wäre mir neu, dass das Padlet eine unsichere Sache ist im Vergleich zu anderen Tools. Wenn sich die Schüler einloggen müssen – das gibt es auch beim Padlet – dann kann man darüber diskutieren. Aber man kann das Padlet so einstellen, dass sich niemand einloggen muss und man dennoch Beiträge schreiben kann.
        Normalerweise können Dienste, soweit ich das mitbekomme, wenn man sich im Internet bewegt, immer das Endgerät einigermaßen orten.

      • Das total spannend zu lesen! Da gibt es eine Krise, die uns nötigt neu zu denken, neue Wege zu gehen. Eine Videokonferenz mit Grundschulkindern?- Da hätte ich maximal ein „Naja, das funktioniert halbwegs…!“ erwartet.
        Aber so wie ich das sehe, gibt es hier sogar einen echten Gewinn und Erkenntnisse, die uns weiter bringen!?
        „Vor allem die Leistungsschwächeren liefen zunehmend zu Höchstformen auf.“, „… sie liegen teilweise auf dem Sofa, sitzen auf ihren Betten oder hüpfen zeitweise im Raum herum“.
        HIER erkenne ich mich wieder! Genau das!!! trifft auf mich zu! Ich war in der Grundschule und Mittelstufe auch keine Leuchte, eher so einer von der Sorte „vier gewinnt“. Heute, mit ü40 sehe ich die Sache so:
        Ich hatte auch meine eigene, ganz individielle Lernhaltung. Ich kann mich bis heute daran erinnern, wie mit das Sitzen in der Grundschule und auch in der Mittelstufe buchstäblich weh getan hat. Ruhig sitzen zu müssen war ein Schmerz wie ein Wadenkrampf – ich musste mich bewegen. Genau das war in der Schule im Unterricht aber weniger gefragt…
        Zu Hause habe ich auf dem Fußboden gelernt, ein Kissen zum Abstützen, dazwischen immer mal wieder aufgestanden und herumlaufen, so ging es mit gut! Da konnte ich arbeiten, das war mein Ding! So etwas wie den Unterricht per Videokonferenz – das hätte ich mir gewünscht!
        Liebe GrundschullehrerInnen, nur Mut! Niemand erwartet Wunder. Mit Pioniergeist habt ihr und eure Kinder vielleicht sogar Spaß daran?

        • Eines meiner Kinder konnte sich bei den Mathe-Hausaufgaben extrem schlecht konzentrieren. Ich schickte ihn dann in den Garten. Er schaukelte eine Zeitlang, dann war „der Akku wieder geladen“. Wenigstens für ein paar Aufgaben….
          Ich muss dazu sagen, seine Lungenfunktion war zu der Zeit auf Grund einer chronischen Erkrankung auch sehr schlecht.
          Bewegung fördert die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff.

  10. Vielen Dank für die wertschätzenden Beiträge.
    Einen Nachtrag möchte ich gerne ergänzen:
    Ja, ich bin zu den Kindern nach Hause gefahren. Dies fand im Sinne der Kinder statt, um Benachteiligung und Ungleichheit zu überwinden. Vor Ort hat die Unterstützung in folgender Weise stattgefunden:
    Wir trafen uns mit viel Abstand vor der Haustür oder im Garten, niemals in einem Raum. Die Eltern haben mir ihr technisches Gerät (Laptop, Smartphone, Tablet) gezeigt und ich habe mit Hilfe meines Rechners die Probleme im Freien gelöst. Dies entsprach absolut jeder Hygienevorschrift. Ich hätte es im Bericht genauer beschreiben sollen, ging nicht wirklich daraus hervor.
    Selbstverständlich bleibt es jeder Lehrkraft selbst überlassen, wie Sie ihrer Lehrverpflichtung nachkommt und ja, ich hätte mir auch Unterstützung durch meinen Dienstherrn gewünscht. Aber darum ging es doch primär nicht, sondern um die Kinder, die weder für „soziale Isolation“ noch für „ich lerne das Wissen für mein Leben selbstständig“ gemacht sind. Menschen sind soziale Wesen, die das Miteinander und den Austausch brauchen. Wie man dieses Miteinander herstellt? Dafür gibt es sicherlich viele Wege und jeder davon ist richtig oder wichtig. Dies war mein Weg.

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