Söder gibt Langzeitstudie zu Corona-Ansteckungsgefahr bei Kindern in Auftrag

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MÜNCHEN. Auch wenn einige Kultusminister anderes behaupten: Bislang ist über die Corona-Ansteckungsgefahr bei Kindern wenig bekannt – neue Erkenntnisse soll nun eine Langzeitstudie an Krippen, Schulen und Kitas in Bayern bringen.

Will’s genauer wissen: Bayerns Mininsterpräsident Markus Söder (CSU). Foto: Mueller /MSC – Wikimedia Commons (CC BY 3.0 DE)

Eine flächendeckende Langzeitstudie in Bayern soll die Corona-Ansteckungsgefahr bei Kindern klären helfen. «Bei der Bewältigung der Corona-Pandemie setzen wir auf die Strategie der Umsicht und Vorsicht. Die Infektiosität von Kindern ist dabei eine der Schlüsselfragen», sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag bei der Vorstellung des Forschungsprojekts «COVID Kids Bavaria» in München. Sechs Universitätskinderkliniken begleiten bis voraussichtlich Januar 2021 die Öffnung von Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen im Freistaat wissenschaftlich.

Für den Betrieb von Krippen, Schulen und Kitas sei die Klärung der Frage, ob in diesen Einrichtungen die Gefahr einer unkontrollierten Ausbreitung des Coronavirus bestehe, von großer Bedeutung, hieß es. Außerdem soll die Studie Aufschluss über die Auswirkungen der Pandemie auf die allgemeine Kindergesundheit geben. «Ich erhoffe mir von dieser Studie ein weiteres, großes Puzzlestück im Covid-19-Bild», sagte Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU).

Stichproben in Kitas und Grundschulen zu vier Zeitpunkten

Im Rahmen der Erhebung sollen an insgesamt knapp 140 Krippen, Kindergärten und Grundschulen im gesamten Freistaat zu vier verschiedenen Zeitpunkten stichprobenartig Kinder auf eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus und Symptome getestet werden. «Es wird der Verlauf einer Infektion untersucht, es wird die Auswirkung untersucht und es wird die Übertragbarkeit untersucht», sagte Söder.

Um Infektionswege nachverfolgen zu können, stünden auch die Wechselwirkungen zwischen Kindern und Betreuern wie etwa Erziehern und Lehrern im Fokus, ergänzte Sibler. Die Studienkosten beziffert das Wissenschaftsministerium auf rund eine Million Euro.

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An der Studie sind die Unikliniken Augsburg, Erlangen, Regensburg und Würzburg sowie die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und die Technische Universität München (TUM) beteiligt. Die studienleitenden Ärzte, Christoph Klein und Johannes Hübner von der LMU, rechnen für das Projekt mit insgesamt über 12.000 Corona-Tests landesweit.

Kultusminister berufen sich auf angebliche wissenschaftliche Erkenntnisse

Über die Corona-Ansteckungsgefahr bei Kindern und ihren Einfluss auf die Ausbreitung des Virus ist bislang noch recht wenig bekannt – obwohl sich etliche Kultusminister bei den geplanten Schulöffnungen ohne Abstandsregel nach den Sommerferien auf angebliche wissenschaftliche Erkenntnisse berufen.

Zwar weisen einige Analysen tatsächlich darauf hin, dass Kinder das Virus seltener an andere Menschen weitergeben als Erwachsene und nicht zu den Hauptträgern der Ausbreitungswelle gehören. Das Problem ist allerdings, dass die Daten für diese Studien nach den Schulschließungen erhoben wurden – und Schlussfolgerungen über die Situation im schulischen Normalbetrieb nicht erlauben, wie aktuell das Robert-Koch-Institut (RKI) klarstellt (News4teachers berichtet ausführlich über die politisch wie wissenschaftlich hoch brisante Stellungnahme des RKI – hier geht es zum Bericht).

Durch die Ergebnisse der neuen Studie, so Söder, erhoffe man sich nun eine Erweiterung der Beurteilungsgrundlage für künftige Entscheidungen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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3 KOMMENTARE

  1. Wenn ich das richtig verstehe, geht es auch hier wieder nur um die kleinen Kinder und Grundschüler. Was ist eigentlich mit den Schülern über 10 Jahren? Bis 18/19 an den weiterführenden Schulen usw.? Fürchtet man vielleicht, da auf Ergebnisse zu stoßen, die nicht ins Konzept der vollständigen Öffnungen ohne Abstand und Masken passen? Über diese Altersgruppe wird einfach nicht geredet.

  2. @leseratte
    Diese Frage kann ich nur unterstützen. Ich unterrichte an einer beruflichen Schule mit vielen verschiedenen Schularten. Unsere Schülerschaft ist sehr, sehr heterogen, auch was das Alter betrifft: die jüngsten Schüler sind 16 Jahre alt, die ältesten sind über 40! Jahre alt.

  3. Richtig.
    Am besten wäre es, wenn man diese Altersgruppen bei der Studie auch berücksichtigt.
    Wenn nicht, dann bitte nicht von dieser einen Gruppe auf die älteren Schülerinnen und Schüler schlussfolgern.
    Für ein Virus sind doch rechtliche Altersgrenzen egal.
    Entscheidend ist die Biologie – und da stellen sich mit der Pubertät nun einmal Veränderungen im Körper ein. Diese Veränderungen sind es, die möglicherweise einen Einfluss auf das Virusgeschehen haben.

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