Umfrage: Corona-Krise hat Lernzeit von Schülern halbiert

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MÜNCHEN. Die Zeit, in der sich Kinder täglich mit Schule und Lernen beschäftigen, hat sich einer Umfrage zufolge während der coronabedingten Schulschließungen in etwa halbiert: Statt 7,4 Stunden waren es auf dem Höhepunkt der Krise nur noch 3,6 Stunden. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten bundesweiten Befragung des Ifo-Instituts von mehr als 1000 Eltern hervor.

Schwupps, da war die halbe Lernzeit weg. Foto: Shutterstock

Die fehlende Schule wurde durch das Lernen zu Hause also nicht annähernd kompensiert. Dagegen verbrachten Kinder und Jugendliche im Schnitt 5,2 Stunden mit Fernsehen, Computer- oder Handyspielen und sozialen Medien. Zuvor waren es 4 Stunden.

Auffällig ist: Bei Leistungsschwächeren ging die Zeit für Schule und Lernen stärker zurück – von 7,4 auf 3,4 Stunden. Bei Leistungsstärkeren waren es 7,5 und dann 3,9 Stunden. Dagegen stieg die Zeit, in der Leistungsschwächere mit Fernsehen, Computer- oder Handyspielen und sozialen Medien verbrachten, von 4,6 auf 6,3 Stunden. Bei Leistungsstärkeren war es ein Anstieg von 3,8 auf 4,8.

Erstaunlich: Fast alle Familien kamen mit den Schulschließungen gut zurecht

Unter dem Strich kamen die Familien in Deutschland der Befragung zufolge aber mehrheitlich gut mit den Schließungen zurecht, nämlich 86 Prozent. Allerdings gaben 38 Prozent der Befragten auch an, die Zeit sei für Kinder und Eltern psychisch belastend gewesen.

«Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, dass wir unter Beachtung der Schutzmaßnahmen wieder zum normalen Schulunterricht zurückkehren. Wo Schließungen unvermeidlich sind, sollten die Schulen direkt auf Online-Unterricht umstellen«, sagte der Leiter des Ifo-Zentrums für Bildungsökonomik, Ludger Wößmann, bei der Vorstellung der Studie. dpa

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5 KOMMENTARE

  1. Kunststück!
    In unserem Bundesland gab es klare Richtwerte zur Lernzeit, in der GS 90 bzw. 120 min.
    Dabei musste man dann noch kommunizieren, dass ein Richtwert keine Angabe genauer Arbeitszeit ist, sondern ggf. auch mal über- oder unterschritten werden kann.

    In anderen Bundesländern gab es Vorgaben, dass man nur wiederholen und üben lassen dürfe oder dass die Aufgaben in keinem Fall zu bewerten oder zu kommentieren seien. Das kommt dann bei Eltern und SuS so an, als seien die gestellten Aufgaben egal und die Lehrkräfte würden sie gar nicht beachten.

    Wären die Vorgaben andere gewesen, hätte man die Angebote vielleicht auch anders aufgestellt.

  2. Palim, ich danke Ihnen für diese Info (keine Ironie!) Bei uns hat der Distanzunterricht ganz gut geklappt, (auch wenn unser Sohn der Meinung war, er müsse mehr tun, als wenn er im
    Unterricht wäre…), es wurden nach der Wiederholung des Stoffes sogar neue Themen selbständig erarbeitet
    Dass es in dieser Hinsicht Vorgaben gab, war uns nicht bekannt.

    • Das wird ja nun in der Studie offenbar auch nicht benannt, die erhobenen Zeiten aber als Indiz dafür gesehen, dass die Schulen zum Regelbetrieb zurückkehren müssen, weil die Lernzeit so gering war.
      Man hätte auch einfach mal die Vorgaben hinterfragen können.

      • Die Tatsache, dass hier in NRW die Fortführung des Unterrichtes in der Phase des „Lernen auf Distanz“, den meisten überhaupt nicht bekannt ist, verwundert wenig. Die z.T. widersprüchlichen Details versteckten sich in diversen Schulmails und haben die Schulen ja auch erst erreicht, als die SuS schon am 16.03. nach hause geschickt worden waren. Als Kommunikationsmittel der ersten Wahl (des MSB) war ja der Kontakt per Email vorgesehen, weshalb am letzten Schultag in aller Windeseile die Accounts der SuS bzw. derer Eltern überprüft und ggf. nachgetragen werden mussten.
        Was die Inhalte anging, es durfte keine Fortführung des laufenden Unterrichtes sein. Vorrangig sollten wiederholende Übungen zu vorausgegangenen Themen vor allem der Hauptfächer gestellt werden, ohne Überprüfung, ohne Bewertung, mit zeitlicher Beschränkung und ohne Konsequenzen, wenn die Aufgaben nicht erledigt worden sind.
        Was die Erreichbarkeit von Lehrkräften angeht, keine Lehrkraft ist gezwungen, die privaten Telephonnummern heraus zu geben oder private Email-Accounts zu nutzen. Die Speicherung von personenbezogenen Daten – wozu eben auch die Email-Adresse gehört – auf den privaten Endgeräten ist Lehrkräften bei Strafandrohung verboten. Eine telefonische Erreichbarkeit über die Schule ist nicht gegeben (Anrufweiterleitung), da Lehrkräfte keinen Arbeitsplatz mit Durchwahl an der Schule haben.
        Die Nutzung der Ressourcen in den Schulen musste ausbleiben, da die viele Kommunen als Schulträger die Lehrkräfte, die nicht in der Notbetreuung eingesetzt waren, von der Nutzung der Schulgebäude ausgeschlossen hatten. Das Betreten des Schulgebäudes war nur nach vorheriger Anmeldung bei der SL statthaft, dei darauf zu achten hatten, dass nicht zu viele Personen sich im Gebäude trafen.

        Wer schon einmal versucht hat, Aufgaben, die einem als Photodokument zugeschickt worden sind – wobei dann jede Seite einzeln abphotographiert worden ist – durchzusehen, zu korregieren und einzeln zurückzuschicken, der weiß, warum Musterlösungen herausgegeben worden sind, damit die SuS ihre Arbeitsergebnisse eigenständig korrigieren konnten. Etwas Anderes findet im Unterricht bei dre besprechung der Aufgaben ja auch nicht statt.

  3. Die noch stärkere soziale Streuung habe ich auch bemerkt. Die geringere Lernzeit bei den Leistungsschwächeren wirkt sich doppelt negativ aus, wobei hier Minus x Minus nicht gleich Plus ist:

    – Sie lernen weniger
    – Aufgrund ihrer Leistungsschwäche brauchen sie mehr Lernzeit als die Leistungstärkeren.

    Alles in Allem ist es eher eine Frage der Arbeitseinstellung.

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