MAINZ. Trotz deutlich steigender Corona-Infektionszahlen sollen die Schulen und Kitas nach Auffassung der Kultusministerkonferenz (KMK) möglichst lange offen bleiben. «Lüften bleibt dabei das A und O», sagte die KMK-Präsidentin Stefanie Hubig (SPD) am Freitag in Mainz nach zweitägigen Video-Beratungen der 16 Landes-Minister. Bei höheren Infektionszahlen könne es zwar sinnvoll sein, die Maskenpflicht auch im Unterricht anzuordnen – ein Automatismus mache aber keinen Sinn. Damit stellt sich die KMK gegen eine Empfehlung des Robert-Koch-Instituts.
«Ein Automatismus macht aus unserer Sicht aber keinen Sinn», sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin. Diese Entscheidung müsse von der Situation vor Ort abhängig gemacht werden. In Baden-Württemberg wird die Maskenpflicht an weiterführenden Schulen ab kommender Woche auf den Unterricht ausgeweitet. Die Kultusminister wollen Ende nächster Woche erneut zusammenkommen.
Kultusminister: Anschaffung von Luftfiltern für Klassenräume ist zu teuer
«Räume, die man nicht lüften kann, können auch nicht für den Unterricht genutzt werden», erklärte Hubig. Gekippte Fenster reichten zum Lüften nicht aus. In diesen Räumen müsse geprüft werden, ob zusätzliche Geräte Sinn machten, sagte sie. Die Bundesländer seien sich einig, dass Lüftungsgeräte nur ergänzend sinnvoll seien. Im WDR erklärte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), dass die Anschaffung der Geräte für alle Schulen zu teuer sei. Rund 3.000 Euro – umgerechnet rund 100 Euro pro Schüler – veranschlagen Experten pro Klassenraum. Die KMK verwirft damit den Rat von Wissenschaftlern (News4teachers berichtete ausführlich über die Diskussion – hier geht es hin).
Bisher hat nur Bayern ein Finanzierungsprogramm für solche Geräte aufgelegt. CO2-Ampeln seien nach Einschätzung des Umweltbundesamtes nicht notwendig, könnten jedoch in Erwägung gezogen werden, um das Lüftungsverhalten einzuüben, so Hubig – solche Ampeln zeigen an, wie viel Luft verbraucht wurde. Die Behörde empfiehlt drei Mal pro Stunde intensives Lüften und hat aktuell eine Handreichung herausgebracht, die Lehrern das Lüften erklären soll (News4teachers berichtet auch darüber – hier).
Die meisten Infektionen gingen auf Partys und Familienfeiern zurück – sagt Hubig
Alle 16 Minister seien sich einig, dass das Recht auf Bildung oberste Priorität haben müsse, sagte Hubig. «Die Schulen sind nicht die Treiber der Pandemie.» Die meisten Infektionen gingen auf Partys und Familienfeiern zurück. (Das stimmt, jedenfalls nach einer aktuellen Erhebung von NRW-Gesundheitsämtern, nicht mehr – aktuell dazu auf News4teachers: der Bericht.) Hubig appellierte an die Bürger, möglichst darauf zu verzichten, und wo das nicht gehe, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Die Minister seien sich auch einig gewesen, dass eine Verlängerung der Weihnachtsferien kein Beitrag sei, um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen.
Das Robert-Koch-Institut hatte in dieser Woche Empfehlungen für den Schulbetrieb herausgegeben – und darin lediglich festgestellt: „Kinder und jüngere Jugendliche sind (..) seltener betroffen als Erwachsene und nicht Treiber der Pandemie.“ (Hier berichten wir groß über das Papier.) Dass Schulen nicht die Treiber der Pandemie seien, davon ist in dem Papier keine Rede. Im Gegenteil: Das RKI bestätigt, dass es mittlerweile „Ausbrüche in Schulen nach Wiedereröffnung der Bildungseinrichtungen in zunehmendem Ausmaß“ gibt.
Die Empfehlungen des RKI münden in einem Stufenplan für den Schulbetrieb, in dem Schwellenwerte benannt werden:
Bei einer Inzidenz von mehr als 35 Fällen binnen sieben Tagen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer kreisfreien Stadt oder innerhalb eines Landkreises sollen…
- Schulaktivitäten mit potenziell erhöhter Infektionsgefährdung (Chor, Bläserorchester, Kontaktsportarten) weitgehend unterbleiben,
- Maskenpflicht auch im Unterricht der weiterführenden Schulen gelten,
- eine Verkleinerung der Klassen sowie Schulschließungen mit Distanzunterricht zumindest „optional“ geprüft werden.
Bei einer Inzidenz von mehr als 50 Fällen sollen…
- Masken im Unterricht aller Jahrgangsstufen getragen werden,
- die Klassen (durch Teilung oder Wechselunterricht) geteilt werden, so dass Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann,
- Schulschließungen geprüft werden.
Davon, dass “ein Automatismus keinen Sinn macht”, wie Hubig meint, ist beim RKI keine Rede. Andersherum: Die KMK geht mit keinem Wort auf den RKI-Stufenplan ein. News4teachers / mit Material der dpa
Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.
Sicherer Unterricht für 100 Euro pro Schüler: Zu viel verlangt, Kultusminister?
