Qualifizierungen abgesagt – bak Lehrerbildung warnt vor Einschnitten

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HANNOVER. In Niedersachsen haben Seminar- und Fachleiterinnen ein Konzept erarbeitet, um die Ausbildenden von künftigen Lehrkräften weiterzubilden. In einem eigens entwickelten Curriculum und mehrtägigen Veranstaltungen geben sie grundlegendes Wissen weiter und bereiten auf den praktischen Einstieg vor. Die vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) begleitete Weiterbildungsinitiative wurde im vergangenen Jahr mit dem Cornelsen Zukunftspreis ausgezeichnet – jetzt ist das innovative Projekt bedroht. Der Verband bak Lehrerbildung zeigt sich besorgt.

Bekommen Lehrerausbilder noch die Weiterbildung, die sie benötigen? (Symbolbild). Foto: Shutterstock

„Ohne ausreichend qualifiziertes Personal in der Lehrerausbildung kann keine gute Lehrerausbildung und damit kein guter Unterricht in den Schulen stattfinden“ – meint Heinz Kaiser, niedersächsischer Landessprecher des Bundesarbeitskreises (bak) Lehrerbildung. Der Anlass: Geplante Veranstaltungen der preisgekrönten Qualifizierungsmaßnahme für neue Ausbilder wurden nach Weisung des Kultusministeriums nur wenige Tage vor den Terminen abgesagt, obwohl der Schulbetrieb in Niedersachsen nach wie vor läuft – und die Treffen unter Einhaltung von Abstandsregeln in Kleingruppen stattfinden sollten.

Schlüssiges und belastbares Planungskonzept fehlt aus Sicht des bak Lehrerbildung

„Aus Sicht des bak fehlt auf politisch verantwortlicher Seite ein schlüssiges und belastbares Planungskonzept“, so Kaiser. Dies spiegele sich in der Kurzfristigkeit der Absage ebenso wider wie in der Ankündigung des NLQ, die Basisqualifizierung für die Fachleitungen in einzelnen sogar auf lange Sicht (aktueller Wortlaut: bis Sommer 2021) auf Eis zu legen. Die vage Aussicht, möglicherweise Ergänzungsmodule auf der Grundlage von Digitalformaten von einer noch einzurichtenden Arbeitsgruppe erarbeiten zu lassen, die im zweiten Schulhalbjahr 2020/21 zum Einsatz gelangen könnte, „hinterlässt bei den Teams der Referentinnen und Referenten Irritationen hinsichtlich der weiteren gemeinsamen Arbeit und Fragen nach Zuständigkeit und Ressourcen“. Gegen digitale Formate sei grundsätzlich ja nichts einzuwenden – als ergänzende Maßnahmen. „Bei einer etwaigen prioritären Transformation der genannten Qualifizierungsbereiche ins Digitale sehen wir aber deutliche Grenzen hinsichtlich erreichbarer Qualität und Wirksamkeit“, sagt Kaiser.

„Wenn die Aufrechterhaltung des Schulbetriebs für systemrelevant gesehen wird, so kann das nicht minder für den Ausbildungsbetrieb der Lehrkräfte und dessen Qualitätssicherung gelten. Die politische Verantwortung für das eine sollte für das andere denselben Prinzipien folgen, denn ein Nachlassen in Sachen Ausbildungsqualität ist gerade in diesen Zeiten großer Einschränkungen und neuer, bislang in dem Umfang nicht gekannter Herausforderungen definitiv die falsche Antwort – bei aller gebotener Vorsicht im Umgang mit den Gefahren des Virus“, betont Kaiser.

bak Lehrerbildung hält weitere Präsenzformate für unverzichtbar

Er erklärt: „Die gegenwärtig zu bewältigenden großen Probleme in der Lehrerausbildung durch coronabedingt stark reduzierte praktische Erprobungen im Real-Unterricht, durch Prüfungsformate ohne zugrundeliegenden durchgeführten Unterricht etc. stellen außerordentlich hohe Anforderungen in den Bereichen Beratung und Beurteilung der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst dar – und dies ganz besonders für die in der Lehrer-ausbildung neu gestarteten Kollegen/-innen. Insofern hätte gerade jetzt die Realbegegnung in einer Präsenzveranstaltung eine entlastende und stärkende Funktion gehabt.“

Der bak-Niedersachsen hält die weitere Durchführung der geplanten Präsenzformate für unverzichtbar, „selbstverständlich mit uneingeschränkter Berücksichtigung aller gültigen Sicherheitsstandards“. Kaiser: „Die Teilnehmenden haben einen Anspruch auf die Wahrnehmung aller vorgesehenen Ausbildungsmodule in Präsenz. Digitale Ersatz- oder Ergänzungsformate können die Konzepte von Lernen und Lehren in Abhängigkeit von Austausch und Teilhabe, welche hinlänglich erprobt und evaluiert worden sind, nicht substituieren.“ News4teachers

Wenn Seiteneinsteiger in den Lehrerberuf ohne pädagogische Qualifikation vor der Klasse stehen… Verband bak Lehrerbildung schlägt Alarm

 

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