Lehrerverband: Personalpolitik der vergangenen Jahre rächt sich nun doppelt

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ERFURT. Thüringens Lehrkräfte starten nach Einschätzung des Lehrerverbandes geschafft in die Weihnachtsferien. Die Corona-Pandemie habe für die Lehrer eine zusätzliche Belastung bedeutet, sagte Rolf Busch, Vorsitzender des Thüringer Lehrerverbandes. Gerade der sogenannte Distanzunterricht, bei dem die Schüler zu Hause lernen und zum Beispiel per Videokonferenzen mit ihren Lehrern Aufgaben besprechen, sei für die Lehrkräfte anstrengend und erfordere viel Vorbereitung. «Wenn wir nicht noch diesen eklatanten Lehrermangel hätten, könnten wir das auch besser abfedern», sagte Busch.

Der Lehrermangel macht sich bemerkbar. Foto: Shutterstock

Seiner Meinung nach räche sich die Personalpolitik der vergangenen Jahre in der Corona-Pandemie nun doppelt.

Obwohl die Weihnachtsferien für die rund 245.000 Schüler in Thüringen erst an diesem Mittwoch beginnen, sind die Kinder und Jugendlichen bereits seit mindestens einer Woche zu Hause. Grund ist die Corona-Pandemie. Im Zuge des harten Lockdowns wurden im Freistaat auch Kitas und Schulen weitgehend geschlossen. Schüler sollten von zu Hause aus lernen. In anderen Bundesländern wurde der Beginn der Weihnachtsferien teils vorgezogen, Thüringen entschied sich jedoch anders.

Auch nach den Weihnachtsferien ist zunächst keine Rückkehr in die Klassenräume geplant – die jetzt gültigen Regeln sollen noch bis mindestens 10. Januar bestehen bleiben.

Busch forderte mit Blick auf die Zeit nach den Weihnachtsferien klarere Regeln für die Notbetreuung. In der vergangenen Woche konnten nicht nur Eltern bestimmter Berufsgruppen ihre Kinder in die Notbetreuung geben, sondern alle, die glaubhaft machen konnten, dass sie ihre Kinder nicht regelkonform selbst betreuen können. Die Entscheidung darüber sollten die Schulleitungen treffen.

Busch nannte diese Regelung realitätsfern. In der Praxis bleibe den Schulleitungen meist nichts anderes übrig, als jeden Antrag der Eltern auch zu akzeptieren. «Von der Politik erwarte ich, dass sie klare Regeln gibt, mit denen vor Ort auch tatsächlich gearbeitet werden kann», sagte er. dpa

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5 KOMMENTARE

  1. Ein wichtiger Beitrag zum „eklatanten Lehrermangel“. Gibt es aber eine EINZIGE Maßnahme (außer mehr Studierende aufzunehmen), die Lehrkräfteausbildung zu verbessern? Ich sehe KEINE! Fakt ist z. B., dass eine angesehene und beliebte „Professorin auf Zeit“ (Grundschulbereich, Schreiben und Lesen, bes. auch LRS) ihr Koffer packen muss (ohne Folgestelle!), die Professur vakant ist und nun zum zweiten Mal ausgeschrieben werden muss. Andere Professuren an anderen Unis sind komplett weggefallen und/oder sind in Jun.-Professuren umgewandelt worden. Seltsamerweise scheint dieser StellenABbau keinen zu interessieren …
    Ich wünsche trotzdem allen ein schönes und gesundes Weihnachtsfest und viel Kraft fürs neue Jahr.

    • Es scheint keinen zu interessieren, dass Stellen in der Lehrerausbildung wegfallen? Ist doch klar, der Lehrermangel wird doch einfach nur benutzt, um Forderungen durchzusetzen, die man sowieso immer schon hatte (mehr Geld). Die wirklichen Gründe interessieren dabei nicht. Es geht nur darum.

  2. Ich kann aus meiner Erfahrung aus der Lehramtsausbildung berichten, dass allein diese schon Abschreckung genug ist. Das Studium ist sowas von praxisfern und von Wunschdenken erfüllt, da sieht jeder, das kann nichts werden. Im Referendariat ist man der Fussabtreter der Mentoren und hat genaustens nach seiner Pfeife zu tanzen. Neue Denkansätze oder andere didaktische Wege sind im Lehrerzimmer verpönt. Am Liebsten wäre es den Mentoren gewesen, wenn er noch meine Briefwahlunterlagen ausfüllen dürfte. Zu meinen Kolleginnen wurde einer ständig zudringlich. Antwort der Schulleitung: Er geht ja in 3 Jahren in Pension. Unter solchen Zuständen soll man gerne und gut unterrichten? Alles Neue aus dem Studium wird vom Kollegium sofort als Brunofischer Schrott abgewinkt. So kann moderne Bildung nicht funktionieren. Ich habe meine Konsequenzen gezogen und der Schule den Rücken gekehrt. Heute bin ich in der Aus- und Weiterbildungsabteilung eines Pharmakonzerns tätig. Ich kann mir nichts besseres vorstellen. Dieser Weg steht auch allen motivierten Lehrern offen, wenn ihnen der Schuldienst nicht behagt. Dann können die eingefahrenen Kollegen und Kultusminister schauen wo sie bleiben. Ohne Reform der Lehrerausbildung wird sich nichts tun. Es gibt bis heute keine qualifizierte Evaluation dabei. Bei unseren Azubis und Studenten in der Pharma wäre so etwas undenkbar.

    • Vielleicht ist das ja auch der Sinn einer harten Lehramtsausbildung. Die jungen Anwärter müssen auch lernen sich den älteren und erfahrenen Kollegen unterzuordnen und auch Ratschläge anzunehmen. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder neue Kollege gleich meint er müsse das Rad neu erfinden und ein seit Jahren eingespieltes Team durcheinanderbringen? Das ist schon gut so, dass Sie hart rangenommen werden und nur die guten Anwärter durchkommen. Sie waren ja offensichtlich nicht bereit oder fähig sich den Anforderungen zu stellen. So etwas nennt man Auswahl, das ist eben anders als die Verhätschelei von modernen Azubis.

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