Physikalische Gesellschaft: Hohe Infektionsgefahr in Schulen, wenn nur über Fenster gelüftet wird

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BAD HONNEF. In einem offenen Brief setzt sich die Deutsche Physikalische Gesellschaft für den verstärkten Einsatz technischer Lösungen bei der Belüftung von Klassenräumen ein. Die Gesellschaft hat ausgerechnet, wie hoch das Infektionsrisiko in einem Klassenzimmer ist, wenn nur über die Fenster gelüftet wird: Sie liegt für jeden im Raum bei zwölf Prozent – in nur drei Tagen.

Luftreiniger mit einem Filter der Klasse H14 reduzieren die Virenbelastung in der Raumluft. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Die Kultusministerkonferenz setzt in der Corona-Pandemie auf offene Fenster. «Um sich vor infektiösen Partikeln zu schützen, sollte pro Stunde ein dreifacher Luftwechsel erfolgen. Das bedeutet, dass die Raumluft dreimal pro Stunde komplett gegen Frischluft von außen ausgetauscht wird», schreibt das Umweltbundesamt im Auftrag der KMK in einem vierseitigen Leitfaden für Lehrer. In der kalten Jahreszeit soll demnach während des Unterrichts alle 20 Minuten mit weit geöffneten Fenstern für 3 bis 5 Minuten gelüftet werden – sogenanntes Stoßlüften. Zudem solle während der gesamten Pausen gelüftet werden. Mehr ist angeblich nicht nötig, um die Bedrohung durch Corona-verseuchte Aerosole, kleinste Schwebeteilchen in der Atemluft also, zu beseitigen. (News4teachers berichtete ausführlich über das „Lüftungskonzept“ der KMK.)

Die heftige öffentliche Diskussion um die Lüftungskonzepte an Schulen in Kitas in der kalten Jahreszeit ist in Zeiten überwiegenden Distanzunterrichts zwar gerade etwas abgeflaut. Dennoch kommt in der noch andauernden Pandemie der ausreichenden Lüftung der Klassenzimmer nach wie vor große Bedeutung zu. Die Zahlen der trotz Lockdowns in Präsenz unterrichteten bzw. betreuten Kinder und Jugendlichen ist insgesamt weiterhin beträchtlich und auch nach der Pandemie müssen Klassenräume natürlich möglichst optimal belüftet werden. Bildungseinrichtungen betreiben dementsprechend derzeit immer noch großen Aufwand, um Lüftungskonzepte umzusetzen.

In einem „offenen Brief“ setzt sich jetzt die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) dafür ein, bei der Belüftung von Klassenzimmern auf technische Lösungen zu setzen, die einen kontrollierten Luftwechsel gewährleisten. Der Einsatz technischer Geräte zur Belüftung ist nach Ansicht der Fachgesellschaft jeder Art passiver Lüftung durch bloßes Öffnen von Fenster und Türen weit überlegen, da bei der technischen Belüftung der Luftaustausch bzw. die Luftreinigung in kontrollierter Art und Weise geschieht. Bei der momentan empfohlenen passiven Lüftung von Klassenräumen mit Außenluft über die Fenster sei dies in einem typischen Klassenzimmer dagegen nicht zu erreichen, da diese stark von Faktoren wie Wind, Temperatur, Fensteröffnungen oder der Lage der Heizkörper abhänge.

Wenn alle zwanzig Minuten eine fünfminütige Lüftung pro Stunde durchgeführt werde, rechnet die DPG vor, ergeben nach einem Schultag mit sechs Unterrichtsstunden in einer Klasse mit 30 Schülerinnen und Schülern bei Erkrankung der Lehrkraft ein Tagesrisiko von ca. vier Prozent. Der dabei angenommene zehnfache Luftaustausch mit Frischluft sei dabei noch idealisiert. Laut Messungen des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation zeige sich in der Realität vielmehr eine Variation des natürlichen Luftwechsels von 2- bis 20-fach pro Stunde innerhalb eines Tages.

Nach drei Tagen unerkannter Krankheit betrage im Rechenbeispiel das Risiko der Erkrankung eines Schülers oder einer Schülerin bereits zwölf Prozent. Somit hätten sich insgesamt etwa drei Schülerinnen oder Schüler angesteckt, die ihrerseits die Personen in ihrer nächsten Umgebung unerkannt gefährdeten.

Ideal für Klassenräume ist nach Ansicht der DPG die Mischlüftung mit einer Kombination aus Außenventilator und Raumluftreiniger

Nach Ansicht der DPG gibt es ausreichend technische Lösungen, die mit überschaubarem Kosten-, Installations- und Betriebsaufwand sowie mit ausreichender Wartung in Schulen und öffentlichen Gebäuden realisierbar sind.

Bei den technischen Lösungen ist laut DPG grundsätzlich zwischen Stoßlüftung, Verdrängungslüftung und Mischlüftung zu unterscheiden. Die Stoßlüftung sei kontrolliert nur mit einem Außenventilator an Fenster oder Wand möglich. Die Stoßlüftung führe in der kalten Jahreszeit jedoch zu großen Temperaturunterschieden im Raum. Bei der Verdrängungslüftung wird kalte Luft in den Raum eingebracht und die von den Personen erwärmte warme Luft oben abgesaugt. Diese Art der Lüftung könne sowohl mit lokalen Deckenabzügen wie auch durch einen Außenventilator gesteuert werden. Ein derartiges Verfahren sei allerdings nur möglich, so lange die Außentemperaturen wesentlich geringer sind als die Raumtemperaturen.

Ideal ist nach Ansicht der DPG die Mischlüftung mit einer Kombination aus Außenventilator und Raumluftreiniger. Hierbei wird die Raumluft turbulent im Raum vermischt und permanent mit Frischluft oder gereinigter Luft verdünnt. Eine Kombination von Abluftventilator und Reinluftfilter könne dabei so berechnet werden, dass die Ansteckungswahrscheinlichkeit deutlich geringer bleibt als bei passiver Lüftung. Viele Untersuchungen und Studien hätten gezeigt, so die DPG, dass technische Lösungen mit kontrolliertem Luftwechsel eine Verringerung der Aerosole im Raum gewährleisten könnten. (zab, pm)

Wie ein Klassenraum mit gutem Corona-Schutz für Schüler und Lehrer aussieht

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32 KOMMENTARE

  1. Mal wieder typisch, dass vom infizierten Lehrer ausgegangen wird. Ja es gibt auch Schüler älter als 12, die genauso oft, laut Studien sogar häufiger als Erwachsene andere anstecken!

    • Warum nur Schüler älter als 12?
      Selbst in den Kitas gibt es massenhaft infizierte Kleinkinder, die aufgrund einer symptomlosen Infektion aber oftmals nur dann gefunden werden, wenn gezielt gesucht wurde.

      Im Freundeskreis wurde z.B. die mit im Haus wohnende Oma von ihrem Grundschul-Enkelkind angesteckt (und ist mit Notarzt, Krankenwagen und Sauerstoffgabe im Krankenhaus gelandet) nachdem es einen größeren Ausbruch in der dortigen Dorfgrundschule gab.

    • Das ist doch nur ein Beispiel – man muss sich doch nicht über alles sinnlos empören. Es geht hier darum, den Infektionsschutz in Klassenräumen zu verbessern. Auch für Lehrkräfte.

    • Aber sicher geht es vom Lehrer aus… er wird sich wahrscheinlich bei seinem Kind angesteckt und es dann in die Schule getragen haben. [/Sarkasmus aus]

    • Ich denke, man ging evlt. vom ungünstigsten Szenario aus. Das wäre hier der infektiöse Lehrer, da er/sie die Räume und Klassen wechselt. – In dem Brief beziehen sie sich an der Stelle auch auf eine Studie, welcher vermutlich eben dieses Szenario zugrunde liegt.

      • Das ist aus der Sicht einer Risikobewertung das beste, was man tun kann. Die Politik geht eher vom günstigsten aller Fälle aus.

  2. Ohne Impfungen für Schüler und Lehrer bleibt doch keine Alternative!

    Im Winter ist Fenster auf unzumutbar und obendrein je nach Wind/Windrichtung wenig effektiv, im Sommer bringt das offene Fenster bei den hohen Außentemperaturen quasi nichts.
    Durchzug ist in den meisten Räumen nur zum Flur möglich, wenn überhaupt – also Virenmischung dort…

    Es wird Zeit!
    Es braucht eine klare Empfehlung, welche Geräte nutzen udn ausreichen – und dann müssen Schulträger verpflichtet werden.
    Warum nicht auch die Krankenkassen und Krankenversicherungen einbinden im Sinne von „Prävention kostet weniger als Behandlung“?

    • Und Spenden müssten zulassen anstatt verhindert werden.

      Angenommen, eine Kommune oder ein Kreis würde ein Crowdfunding-Projekt für Luftfilter starten mit der Möglichkeit für Firmen, die Kosten von der Steuer abzusetzen und/oder als Spender erwähnt zu werden… dazu noch die Einzelspenden von Eltern/Großeltern/netten Kinderfreunden… ich wette, die Kohle für etliche Klassenzimmer würde innerhalb weniger Tage oder Wochen zusammenkommen.

  3. Wir haben an unserer Schule ein Schulgebäude mit 30 Räumen komplett mit 30 Lüftern ausgestattet. Wir haben verschiedene Messungen mit dem CO²- Messgerät und der Nebelmaschine im Physikunterricht durchgeführt.
    Herausgekommen ist, dass Schüler ab der Pubertät signifikant bedeutend mehr CO2 und somit auch Aerosole produzieren als z.B. Grundschulkinder.
    Auf das Lüften übertragen, bedeutet dies, dass in der Grundschule weniger häufig gelüftet werden muss, als in den höheren Klassen. In der Sekundarstufe besonders ab Klasse 7 reicht 20-minütiges Lüften nicht aus, um unter dem Grenzwert von 1000 ppm zu bleiben. Es ist natürlich auch zu berücksichtigen, wie groß das Klassenzimmer ist und wieviel Schüler dort unterrichtet werden. Hier muss man je nach Wetterlage und Temperatur, manchmal sogar jede 10 Minuten lüften. Deswegen haben wir die Lüfter mit unseren Schülern gebaut und bleiben so immer weit unter dem Grenzwert und müssen nicht frieren. Wir hatten in diesem Gebäude nach dem Einbau auch keinen Coronafall.
    Hier noch der Link, wie wir das Lüftproblem gelöst haben.

    https://www.drs.de/ansicht/Artikel/lueftung-marke-eigenbau-7890.html

    • Der Luftaustausch dürfte bei dieser Anlage nur an der Fensterseite stattfinden oder liegt die Fensteröffnung zur Nachströmung gegenüber der Ventilatoren? Der Fall kommt bei Schulgebäuden nur selten vor. Zudem wird es ziemlich unbehaglich bei niedrigen Außentemperaturen.

    • Inwiefern ist CO2 = Aerosolkonzentration?
      Was nutzt das, wenn das eigene Kind genau neben/vor/hinter einem infizierten Kind sitzt?

      Für mich sind CO2-Messgeräte reiner Aktionismus, die absolut null gegen Virenaerosole bringen.

    • Die Aerosol-Menge korreliert nicht mit dem Co2-Ausstoß, hängt dagegen mit Atemvolumen und der Menge an Sputum im Atemtrakt zusammen. Viel Speichel, viel Aerosol. Tiefes Atmen, viel Aerosol. Flaches Atmen, wenig Aerosol.

  4. Tja Physiker…, die gehen davon aus, dass Schule nur aus Unterricht besteht.

    „Bezeichnet die DPG ihren Einsatz auch als „handhabbaren Vorschlag“, macht die Fachgesellschaft in ihrem „offenen Brief“ keine konkreten Umsetzungsvorschläge.“

    Luftfiltergerät plus dezentrales Zu- und Abluftgerät mit Wärmerückgewinnung und Lufterhitzer – ca. 10.000 € pro Klassenraum freundlich geschätzt. Dazu noch reichlich Betriebskosten.

    • Das sollten wir wert sein. Laut Professor Kähler sind es ja auch eher 3000 Euro. Aber wie auch immer, es würde sich auch wirtschaftlich rechnen, da es das Ende des Lockdowns beschleunigen würde. Aber wie man ja auch beim Impfstoff sieht: In Deutschland wird gerne am falschen Ende gespart. Und wenn es doch mal darum geht, dass Geld für Schulen aushgegeben werden soll, dann gibt es erstmal eine Studie

    • Richtig, Klaus,
      Dann machen wir lieber gar nichts.
      Sollen sich doch alle anstecken, dann brauchen wir auch keine Impfungen mehr.
      Alsdann, fröhliches Viruswichteln!
      Und wenn dann immer mehr Lehrer dem Long covid zum Opfer gefallen sind, unterrichten die Kinder sich halt gegenseitig.
      Ironie off.

    • Angenommen die Kinder bekommen dauerhafte Organschäden, die aber erst im höheren Alter Probleme machen. Dann werden aus Rentenzahlern unter Umständen Sozialleistungs oder Rentenempfänger. Das wäre naturlich viel teuerer für die Gesellschaft aber auch für die Kinder sehr schlimm.

    • Es ist doch überhaupt nicht absehbar, wie lange die Pandemie noch geht. Wenn man naiv denkt „Im Sommer ist alles vorbei“, mag die flächendeckende Anschaffung solcher Anlagen wirklich teuer anmuten. Doch was, wenn es eine Mutation gibt, gegen die die Impfung nicht wirkt? Das wissen wir doch alles nichts.
      Außerdem werden uns solche Anlagen helfen, bei ganz normalen Grippe- und Erkältungswellen gesund zu bleiben. Da Schulen bereits in den letzten Jahren personell kaputt gespart wurden, kommt es regelmäßig bei solchen Wellen zu massivem Unterrichtsausfall, weil einfach nicht genug Kolleginnen und Kollegen da sind um die Lücken der Kranken zu kompensieren.

      • @Anni

        Ich denke ebenso wie Sie, dass sich das langfristig rechnen würde:

        Weniger „normalen Grippe- und Erkältungswellen“
        = schlecht für einige Bereiche des Gesundheitswesens, insbesondere für die Pharma-Industrie.
        Aber
        = gut für SuS, weil Gesundheit mehr Spaß macht
        = gut für SuS, weil ein regelmäßiger Schulbesuch einfach sinnvoll für den Lernprozess ist. (Jeder Prozess, der Störungen unterliegt, ist im Ergebnis entweder schlechter oder bedarf viel größerer Mühen.)

        Und ganz klar:
        = gut für LuL, weil Gesundheit mehr Spaß macht!

    • Es gibt Studien der Bundeswehrhochschule in Neubiburg, und der Universität der Bundeswehr in München, die Luftreinigungsgeräte empfehlen und ihre Effizienz getestet haben. Was aber noch ein Problem ist, sind die Schulbusse die immer überfüllt waren und die Reiseunternehmen sind in Kurzarbeit. Also mit Willen könnte man Erzieher, Kinder schützen und die Eltern wären auch zufrieden.

  5. Ohne Bezugsgrößen wie Rauminhalt, Fläche der geöffneten Fenster zu Raumgrösse und Personenzahl kann eine Aussage wie
    „alle zwanzig Minuten eine fünfminütige Lüftung pro Stunde durchzuführen“
    auch lauten „nachts ist es kälter als draußen“.

    • Bei uns können die Fenster nur gekippt werden. Und in der Mensa sitzen die Schüler aus verschiedenen Klassen ohne Maske in einem Raum, der gar nicht gelüftet werden kann.

    • Exakt! – Und ohne das reale Geschehen in Klassenzimmern zu berücksichtigen, nämlich was da abgeht, wenn kein Lehrer drin ist in den Pausen usw., ist das ganze Lüftungskonzept ein großes theoretisches Kasperlestück.

  6. Ich kann nur alle Ermutigen, sich so ein Lüfter selbst zu bauen und es in der Praxis ausprobieren.
    Bei uns hat hat es perfekt funktioniert. Besser als ich es mir in der Theorie vorgestellt habe. Materialkosten pro Klassenraum unter 150 Euro.

    • Dafür wirst du niemals eine Betriebserlaubnis bekommen. Der Brandschutz erlaubt nur bestimmte TÜV-geprüfte und besonders zertifizierte Geräte. Es gab ja auch Schulen, da haben Eltern großzügig Luftfilter gespendet, die dann auch nicht betrieben werden durften.

  7. Es sei wieder einmal darauf hingewiesen, dass das Lüftungskonzept des Umwelt-Bundesamtes mit folgendem Absatz endet:

    „In Schulen ist auch bei Umsetzung der Lüftungsempfehlungen auf eine konsequente Anwendung der AHA-Regeln (Abstand, Händehygiene und Alltagsmaske) entsprechend der jeweiligen Vorgaben zu achten. Also: AHA + „L“ für Lüften.“
    https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/2546/dokumente/umweltbundesamt_lueften_in_schulen__0.pdf

    Man beachte die Worte:
    konsequente Anwendung der AHA-Regeln … Abstand … entsprechend der jeweiligen Vorgaben

    Der Abstand nach Vorgaben bzw. nach AHA-Regeln war immer 1,5m zur nächsten Person in jeder Richtung. In voller Klassenstärke und in durchschnittlichen Klassenzimmern konnte also das Lüftungskonzept des Umwelt-Bundesamtes niemals vollauf erfüllt werden!

  8. „Ideal für Klassenräume ist nach Ansicht der DPG die Mischlüftung mit einer Kombination aus Außenventilator und Raumluftreiniger.“ Leider interessiert das niemanden im Kreise derjenigen, die etwas zu entscheiden haben. Also: Fenster auf! Lüften! Weiter frieren und sich anstecken!

  9. Jeden Tag werden Milliarden Steuergelder vertantelt, anstatt eine Kombination verschiedener Maßnahmen zu ergreifen, die das Infektionsrisiko drastisch reduzieren würden. Gibt ja nicht nur Corona. Seit Maskenpflicht und strikten Hygiene Maßnahmen, sind wir bis jetzt nicht an Husten usw. erkrankt. Von wegen Erkältung. Ständig hab ich mir in der Schule was eingefangen. Mein Kiga Kind aber könnte ich nicht guten Gewissens schicken. Da Schmieren alle rum und Hygiene passiert sporadisch…. Dann halt nicht reinschicken! Aber nur zur Erinnerung! Was wurde sich damals reingesteigert allein wegen Maskenpflicht und dessen Unsinn in der GS!

  10. Warum immer diese negative/destruktive Kritik?
    Studien zeigen (Teil-)Lösungen auf. Wissenschaft wird genutzt um systematisch Lösungen zu erarbeiten. Eine Maßnahme alleine hilft nichts, ein Paket aus Maßnahmen muss her.
    Hier einige Hintergründe zur Entscheidungsfindung, Wirksamkeit von Maßnahmen und Betrachtungen aus der Risikoforschung:

    Das wissenschaftliche Arbeiten erfordert die systematische Untersuchung der Einflussparameter und ihrer Wirkungen. Dabei werden komplexe Systeme vereinfacht, um diese untersuchbar zu machen. Hierbei sind Annahmen zu treffen und Hypothesen aufzustellen, die durch sachgemäße Untersuchungen überprüft werden müssen und entweder bestätigt oder widerlegt werden (falsifizieren). Gewisse Zusammenhänge sind bekannt und wiederum andere nicht oder zumindest nicht genau. Hier kommt es dann auf den Untersuchungsgegenstand, das Ziel der Untersuchung und die zugehörige Modellierung an. Ein Modell kann immer nur einen Ausschnitt des Ganzen betrachten, da die Vielzahl an Elementen, deren Dynamik und Rückkopplungen dann zu komplexen Verbindungen führen würden, die sich nicht mehr so einfach untersuchen ließen. Um Maßnahmen miteinander vergleichen zu können, sollte deren Wirksamkeit zu bestimmen sein. Die Entscheidung, welche Maßnahme gewählt werden soll, hängt jedoch nicht alleine von der Wirksamkeit, sondern auch von deren Effizienz (Kosten-Nutzen-Faktor), sekundären Wirkung oder Akzeptanz und weiteren Faktoren ab. Die Metrik zur Bewertung ist dabei auch ein wichtiges Element. – Anzahl Infizierter absolut, Anzahl Infektionen mit schwerem Verlauf, Anzahl der unbemerkten Verbreitungsmöglichkeiten, Kosten für Behandlungen/Prävention, …; Einfluss auf Gesundheit, Leben, Freiheit, Wirtschaft, … – Ist es egal, wieviel etwas kostet, Hauptsache es hat einen positiven Einfluss? – Betrifft dies nur eine Person oder eine ganze Gruppe? – Bewerten kann man dies mit Hilfe einer Risikoabschätzung (Risiko = Eintrittswahrscheinlichkeit und Folgen). Betrachtet werden kann hier das individuelle oder kollaterale Risiko, die Dauer und Intensität von Maßnahmen oder Gefahren, die subjektive und objektive Wahrnehmung, zeitliche Wirkung von Maßnahmen (präventiv, interventiv, postventiv) oder die betroffenen Ebenen der Gesellschaft. Die Folgen können in Kosten (monetär) oder Anzahl qualitativ wie quantitativ gemessen werden. Die negativen Folgen werden oft als Kosten aus den potentiellen Schäden (technisch: Verluste durch Ausfall und Kosten durch Instandsetzung und Wiederaufbau) betrachtet, die unter gewissen Wahrscheinlichkeiten eintreten könnten. Da uns die Wahrscheinlichkeiten aber nicht immer bekannt sind, werden oft Szenarien zur Hilfe genommen. Die Szenariotechnik wird dazu genutzt „worst case“ und „best case“ Szenarien aufzustellen – und irgendwo zwischen diesen angenommenen Szenarien werden wir wohl liegen. (Im o.g. Beispiel aus der Studie: der Lehrer, der die Schüler infiziert.) Trotzdem wissen wir nicht, wie wahrscheinlich eines dieser Szenarien absolut ist, trotzdem hilft dies bei einer Abschätzung möglicher Folgen. Diese können dann herangezogen werden, um die möglichen Maßnahmen zu prüfen. Dies müssten aber objektiv und messbar (quantifizierbar) sein. Auf viele unterschiedliche Szenarien – hier bezogen auf Konstellationen im Schulalltag – angewandt, ließe sich daraus eine Aussage über ein anzuwendendes Maßnahmenpaket ermitteln. Das Risiko kann dann zur Priorisierung von Maßnahmen genutzt werden. Nur ist es problematisch, wenn Entscheider und Kostenträger unterschiedliche Parteien sind.

    Bei einigen Maßnahmen, kennen wir zum Ausgangszeitpunkt deren genaue Wirkung nicht. Wir wissen auch nicht, wie sich unbekannte oder noch nicht betrachtete Zusammenhang auf die Zukunft auswirken werden, können diese aber durch Untersuchungen abschätzen. Wir wissen zwar, dass sich Lüftungsanlage sicher positiv gegen andere Infektionskrankheiten einsetzen ließen, nur wer soll für die Kosten für Aufbau und Wartung aufkommen? Wie sollen diese Anlagen überhaupt wirken? Wie sind heutige Kosten einer solchen Anlage einerseits mit den psychischen Folgen der Kinder durch z.B. Vereinsamung und anderseits mit möglichen gesundheitlichen Folgen z.B. im Alter zu vergleichen? Was überwiegt?

    Einige Studien liefern uns bereits Antworten auf die genannten Fragen. Einige Dinge sind abschließen nicht geklärt.
    Warum nötige Kosten nicht über ein „Crowdfunding“ (eine Schwarmfinanzierung) gedeckt werden können/dürfen, finde ich auch eine gute Frage. Wer möchte sich aber für so ein Projekt den Hut aufsetzen? Wer ist wem Rechenschaft schuldig? Gibt es bereits Leuchtturmprojekte, die der breiten Öffentlichkeit noch nicht bekannt sind? Berichten unsere Medien zu wenig von tollen Projekten?

    Daher besteht Subjektiv aktuell die „dringliche“ Notwendigkeit solche Systeme einzusetzen, um u.a. den Schulbetrieb mit weniger Ansteckungsrisiko wieder zu ermöglichen. Es gibt aber kein Null-Risiko! – Wieviel Risiko ist also akzeptabel? Klar sind die Langzeitfolgen der Erkrankung heute noch nicht bekannt. Daher sollten mögliche Maßnahmen als Ziel haben, dass sich so wenig wie möglich überhaupt anstecken. Eine Kombination aus unterschiedlichen Maßnahmen, scheint daher sicher sinnvoll zu sein. Nur welche Maßnahmen sollen das sein und wer soll dafür aufkommen?

    Im Allgemeinen müssen Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit, wie auch auf ihre Nebeneffekte geprüft werden. Damit ließe sich überprüfen, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Maßnahmen wie Abstand, Handhygiene, Alltagsmasken und Lüften (AHA + L) kostet in erster Linie nichts und haben trotzdem eine gewisse positive Wirkung. Quarantäne nach möglichen Kontakt, wie auch Reiseeinschränkungen helfen dabei die Ausbreitung zu verringern. Impfungen helfen gegen schwere Verläufe bei Infektion und möglicherweise auch zur Verringerung der Verbreitung. Für technische Maßnahmen sind der Faktor Zeit, Zuständigkeiten und auch Bürokratie bestimmt entscheidend. Einfach ins Blaue hinein etwas zu entscheiden, ist dabei auch nicht hilfreich, auch wenn es auf dem ersten Blick einen positiven „Output“ gäbe!

    Maßnahmen müssen auf unterschiedlichen Ebenen durchgeführt werden. Da sind die o.g. Maßnahmen vom Staat getroffen worden. Wir haben aber noch die einzelnen Länder, Regierungsbezirke, Städte und Gemeinden, Schulträger, Krankenkassen, Gesundheitsämter, weitere Behörden und und und. Wie sind deren Zuständigkeiten im Einzelnen?

    Um passende Entscheidungen treffen zu können, müssen die Einflüsse so gut es geht bekannt sein. Zielgerechte Entscheidungen benötigen ein gutes Fundament an Wissen, welches erst durch Studien ermittelt werden kann. Studien können aber auch nur einen Teilbereich beleuchten und sollten das Ergebnis in einen Gesamtkontext bringen. Natürlich sollte deshalb das Gesamtgeschehen im Schulalltag betrachtet werden. Nur lassen sich Erkenntnisse nur unter idealisierten Bedingungen valide bestimmen. Komplexe Zusammenhänge werden in viele kleine einfache Zusammenhänge geteilt und untersucht. Die Interpretation und Einordnung dieser Erkenntnisse und Übertragung auf „komplexe“ Zusammenhänge sind die nächsten Schritte. Pauschalisierungen sind daher nur bedingt oder nur in wenigen Fällen zum Anfangszeitpunkt machbar.

    An einem anderen Beispiel erklärt, an dem sich auch oft viele aufhängen: Was bringt es z.B. Impfstoffe in hoher Zahl zu einem Zeitpunkt zu kaufen, wenn u.a. deren Wirksamkeit noch nicht bestätigt sind. Ist es da nicht sinnvoller auf mehrere Impfstoffe zu setzen, die auch unterschiedliche Preise haben und Firmen deren Produktionskapazitäten ausbauen können?
    Was würde ein Impfstoff bringen, der super wirken könnte, aber nicht geliefert werden kann? Oder was würde ein fast wirkungsloser Impfstoff bringen, der in hoher Zahl vorliegt?
    Unter solchen Umständen Entscheidungen zu treffen, benötigt gute Planung, Wissen und gemeinschaftliches Handeln (z.B. EU-weit und nicht nationalistisch), denn diese Pandemie betrifft die ganze Welt und nicht nur eine Region.

    Der gesamte o.g. Themenkomplex kann unter dem Titel „Entscheidungen unter Unsicherheiten mit Zuhilfenahme von Risiko“ zusammengefasst werden. Dies ist ein Forschungszweig der Risikoforschung und abschließend noch nicht geklärt. Es bedarf Metriken, objektive Bewertung, quantifizierbare Maßnahmen und Folgen sowie nachvollziehbare Entscheidungen und gemeinsame Ziele. – Alleine kann man nicht die Welt retten, nur gemeinsam sind wir stark! Lasst zusammen an Lösungen arbeiten, konstruktive Kritik äußern und als Gemeinschaft wachsen.

  11. Es ist schön, dass es Förderungen für eine gute Raumluft in Klassenräumen gibt, jedoch nicht wenn die Verordnung für die Luftqualität in Klassenräumen herangezogen wird.
    Hierzu haben wir an unserer Grundschule Förderanträge gestellt, da mehrmals wegen Corona die Schule geschlossen wurde. Begründung, ausreichend Fenster zum öffnen, Querlüftung möglich. Die Raumluftverordnung lässt aus diesem Grund keine Förderung für entsprechende Geräte zur Aerosolminimierung zu.
    Ein schlechter Scherz und einfach unverantwortlich im Umgang mit Schülern einer Grundschule.
    Es bedarf hierzu einer dringenden Veränderung und Anpassung der Verordnung bzw., dass Grundschulen anders zu behandeln sind.
    Jahrelanges Kaputtsparen und mangelnde Investitionen an unseren Schulen zeigen sich in einer solchen Zeit.
    Da viele Mängel in unseren Schulen bekannt sind, ist es bedauerlich, dass es immer noch Schönredner gibt, welche die Realität nicht erkennen wollen, da der Aufholbedarf viel Geld kostet und für derartige Ausgaben keiner die Verantwortung tragen möchte.

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