Niedersachsen erwägt Corona-Einschränkungen auch an Kitas und Grundschulen

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HANNOVER. Nach einer Verlängerung der Weihnachtsferien sieht es zwar nicht aus. Zum Schulstart plant Niedersachsen aber wohl weitere Einschränkungen auch für Grundschulen. Nach den Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Krise soll es am Dienstag Klarheit geben.

Kann sich Regelunterricht derzeit nicht vorstellen: Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Foto-AG Melle, derivative work Lämpel / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

Niedersachsen hat nach den Beratungen der Kultusminister über die Corona-Lage an den Schulen einen Neustart nach den Ferien – allerdings mit verstärkten Einschränkungen auch für Grundschulen – in Aussicht gestellt. Klar sei, dass es bei einer Fortsetzung des Lockdowns nicht bei den bisherigen Beschränkungen bleiben könne, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Montag in Hannover. Deren Grundlage sei ein Ende des Lockdowns gewesen, nun sieht es angesichts weiter hoher Corona-Fallzahlen nach einer Verlängerung bis Ende Januar aus.

Vor den Weihnachtsferien hatte Tonne noch Präsenzunterricht für Grundschüler angekündigt

Er könne sich nicht vorstellen, dass Grundschüler in voller Klassenstärke in den Präsenzunterricht zurückkehren, sagte Tonne. Auch in den Kindertagesstätten seien Einschränkungen zur Kontaktreduzierung nötig. Eine teilweise diskutierte Verlängerung der Weihnachtsferien über das kommende Wochenende hinaus brachte der Minister nicht zur Sprache.

«Je nach Infektionslage und aktueller Inzidenz sind unterschiedliche Varianten denkbar», bemerkte Tonne. Die Kultusministerkonferenz habe keine einheitliche Empfehlung abgegeben, sondern zur Vorbereitung der Beratungen von Bund und Ländern an diesem Dienstag mehrere Modelle genannt. Der Konferenz sei insofern nur eine beratende Funktion zugekommen und keine mit Entscheidungscharakter.

Vor den Weihnachtsferien hatte Tonne zunächst angekündigt, dass Grundschüler bis Halbjahresende weiterhin alle zusammen unterrichtet werden sollen, allerdings mit Maskenpflicht. Präsenzunterricht sollte es auch für angehende Abiturienten geben, die übrigen Klassen sollten im Wechselunterricht in geteilten Klassen nach dem sogenannten Szenario B unterrichtet werden. Nun werden auch Schulschließungen nicht ausgeschlossen.

Die exakten Vorgaben für Schulen und Kindertagesstätten will das Ministerium am Dienstag nach den Beratungen von Bund und Ländern zur Verlängerung des Lockdowns bekanntgeben. «Für Niedersachsen gilt, dass wir für den Fall der Verlängerung des Lockdowns mehrere umsetzungsreife Varianten vorbereitet haben», sagte Tonne. «Welche Schritte konkret gegangen werden, wird heute und morgen beraten und dann sehr zügig kommuniziert.»

In Bremen bleibt die Schulpräsenzpflicht in der Woche vom 11. bis 15. Januar unterdessen weiterhin aufgehoben. Das heißt, dass Erziehungsberechtigte und volljährige Schülerinnen und Schüler selbst entscheiden, ob sie am Präsenzunterricht teilnehmen.

CDU-Chef Althusmann: Ferien um mindestens zwei Wochen verlängern

Niedersachsens Vize-Ministerpräsident Bernd Althusmann hatte zuvor einen späteren Schulstart vorgeschlagen. «Am sichersten wäre womöglich ein verzögerter Gesamtbeginn um mindestens 14 Tage. Erst dann können wir die tatsächliche Infektionslage seriös einschätzen», sagte der CDU-Politiker und Wirtschaftsminister der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung». Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte am Wochenende mit Blick auf Schulen und die Kinderbetreuung gesagt, dass bei einer Verlängerung des Lockdowns «auch dort Einschränkungen zu erwarten» seien.

Der FDP-Abgeordnete Björn Försterling plädierte angesichts der aktuellen Infektionszahlen in Niedersachsen für einen Schulstart im Wechselmodell. «Eine Verlängerung der Ferien oder weitere Schulschließungen wären fatal für die Schülerinnen und Schüler, die bereits in den letzten Monaten der Pandemie von harten Einschnitten betroffen waren.» Auch in Pandemiezeiten müsse es eine Bildungsgarantie des Staates geben. Die Landesregierung müsse endlich in mehr Schutzmaßnahmen an den Schulen investieren und digitale Bildungsangebote ausbauen.

Landesschülerrat: Unterrichtsstart nach den Weihnachtsferien – aber im Wechsel

Der Landesschülerrat rief das Kultusministerium dazu auf, am geplanten Unterrichtsstart nach den Weihnachtsferien festzuhalten. Wie angekündigt, sollten die meisten Jahrgänge im Wechselunterricht, dem Szenario B, unterrichtet werden, forderte der Schülerrat am Montag in Hannover. «Wir haben gesehen, wie schwerwiegend die Folgen der Schulschließungen im Frühjahr für die psychische Gesundheit und den Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler waren», sagte der Schülerratsvorsitzende Florian Reetz. «Schulschließungen müssen dringend vermieden werden.» Nötig sei auch eine langfristige Planung für das zweite Halbjahr, das Anfang Februar beginnt.

Auch der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL/VDR) sprach sich für langfristige, klare und praktikable Vorgaben für den Schulbetrieb nach den Weihnachtsferien aus. «In Anbetracht der teilweise weiterhin recht hohen Inzidenzwerte in unseren Kreisen und Städte erscheint es sinnvoll und notwendig, über den Januar hinaus nachzudenken», sagte der Landesverbandsvorsitzende Torsten Neumann. dpa

Kultusminister einigen sich auf „Stufenplan“ – ohne Stufen und ohne Plan: Weder Grenzwerte noch Termine werden genannt

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1 KOMMENTAR

  1. „Die Kultusministerkonferenz habe keine einheitliche Empfehlung abgegeben, sondern zur Vorbereitung der Beratungen von Bund und Ländern an diesem Dienstag mehrere Modelle genannt.“ Häh??? In welcher Konferenz war der denn? Ich dachte, das supi-dupi-Stufenmodell von gestern war dasjenige, auf welches sich die KuMi geeinigt haben? da waren sie doch noch so stolz drauf. Jetzt kommt er auf einmal mit „mehreren Modellen“ um die Ecke, ohne diese genau zu benennen… Ich fasse es nicht!

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