Geschichtslehrer sehen ihr Fach durch mehr MINT-Bildung an den Rand gedrängt

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MAINZ. Die rund 300 organisierten Geschichtslehrer in Rheinland-Pfalz haben eine neue Verbandsspitze gewählt. Der langjährige Vorsitzende Ralph Erbar blickt zurück auf Licht und Schatten.

«Eine Gesellschaft aber, die nicht die Fehler der Vergangenheit kennt, ist verdammt, diese zu wiederholen»: Gedenkstätte im ehemaligen KZ Auschwitz. Foto: Shutterstock

Nach 20 Jahren Vorsitz im Geschichtslehrerverband Rheinland-Pfalz hat Ralph Erbar eine insgesamt positive Bilanz gezogen, sorgt sich aber auch um die künftige Bedeutung des Schul- und Studienfachs. «Wer es in der Schule versäumt, historisches Bewusstsein anzubahnen, wird dies später kaum noch korrigieren können», sagt Erbar im Gespräch.  «Eine Gesellschaft aber, die nicht die Fehler der Vergangenheit kennt, ist verdammt, diese zu wiederholen.»

Kritisch sieht Erbar die Zusammenlegung der Fächer Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde zum Fach Gesellschaftslehre an den Integrierten Gesamtschulen (IGS). «Das ist eine große Katastrophe, weil es für dieses Fach Gesellschaftslehre keine Ausbildung gibt, weder an den Universitäten noch im Referendariat.» Geschichte werde damit auch als späteres Studienfach entwertet, weil die Schülerinnen und Schüler inhaltlich kaum noch einen persönlichen Zugang dazu entwickeln könnten. An den Realschulen plus gibt es die Möglichkeit, entweder die drei Einzelfächer oder Gesellschaftslehre zu unterrichten.

„Man beklagt zunehmende Geschichtsvergessenheit, tut aber nichts dazu, den Geschichtsunterricht zu stärken“

Der Geschichtsunterricht habe insgesamt an Stellenwert eingebüßt, sagt Erbar, der in Bingen an der Hildegardisschule des Bistums Mainz unterrichtet und am Studienseminar Bad Kreuznach Referendare ausbildet. «Auf der einen Seite beklagt man diese zunehmende Geschichtsvergessenheit, auf der anderen Seite tut man nichts dazu, den Geschichtsunterricht zu stärken.» Einen Grund dafür sieht Erbar darin, dass die MINT-Fächer – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – «seit Jahren im Auftrieb begriffen sind, weil sie scheinbar viel relevanter für die Wirtschaft sind».

Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) weist diesen Vorwurf des Verbands zurück. Auch der Unterricht in den MINT-Fächern trage zur Demokratiebildung bei. Gerade in den aktuellen Diskussionen über die Eindämmung der Corona-Pandemie komme es darauf an, naturwissenschaftliche Fakten richtig einschätzen zu können. «Es ist aber unser Ziel, auch die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer weiter zu stärken», sagt Hubig. In den Klassenstufen 5 bis 10 der Gymnasien umfasst der Unterricht sieben Stunden Geschichte in der Woche. Dies soll weiter so bleiben. Der Sozialkunde-Unterricht soll aber künftig von drei auf fünf Stunden aufgestockt werden.

Positiv sieht Erbar im Rückblick, «dass sich das Unterrichtsfach Geschichte in den letzten Jahren stark gewandelt hat vom ehemaligen Paukfach zu einem Denkfach». Das Auswendiglernen von Daten und Ereignissen sei längst passé. Das Eintauchen in die Vergangenheit bringe die Begegnung mit grundlegenden Fragen des Zusammenlebens und mit Lösungsansätzen. Diese könnten zwar nicht eins zu eins auf die Gegenwart übertragen werden. «Aber die Schülerinnen und Schüler werden geschärft in ihrem Denken, in ihrem kritischen Bewusstsein.»

„Es kommt darauf an, an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler anzuknüpfen, an das, was sie direkt berührt“

Zur Nachfolgerin an der Verbandsspitze wurde die Geschichtslehrerin Katharina Kaiser aus Nackenheim (Kreis Mainz-Bingen) gewählt, Stellvertreterin ist Anne Sophie Schumacher aus Speyer. Als wichtige Aufgabe nannte Kaiser neben der Digitalisierung der Verbandskultur auch die Förderung von Geschichtskultur im digitalen Raum. «In der Vermittlung von Geschichte kommt es darauf an, an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler anzuknüpfen, an das, was sie direkt berührt.» Den Verband mit seinen rund 300 Mitgliedern sieht die 33-jährige Lehrerin als ein Bindeglied zwischen Schule, Universität mit dem Studienfach Geschichte und Gesellschaft. «Dabei öffnen wir uns für die Zusammenarbeit mit anderen geschichtskulturellen Initiativen.» dpa

Immer mehr Provokationen in KZ-Gedenkstätten – auch von Schulklassen. „Der Hass aus dem Netz bricht sich Bahn.“

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36 KOMMENTARE

  1. Ein kurzer Schweigemoment bitte für Schulen und Kitas angesichts dieser Worte:

    „Gerade in den aktuellen Diskussionen über die Eindämmung der Corona-Pandemie komme es darauf an, naturwissenschaftliche Fakten richtig einschätzen zu können.“ (St. Hubig)

    Amen.

    • Das hat sie offenbar nicht gelernt. Am besten geht sie nochmal in die Schule zurück, zweiter Bildungsweg und so. Vielleicht wird ja dann mal was aus ihr.

  2. Das muntere Zusammenlegen und die Erschaffung „neuer“ Fächer/-verbünde, zu denen es keine oder kaum gezielt ausgebildete Lehrer*innen gibt, gefällt mir nicht. Realschulen in BaWü hatten Jahre lang NWA infolge der Mint-Welle. Vor wenigen Jahren wurde es wieder in die nat.wiss. Stammfächer zerlegt; hatte sich nicht bewährt. Am BaWü-Gymnasium wird seit über 15 Jahren NWT angeboten als Kern/Hauptfach. Gezielt studiert hat das kaum jemand. Informatik in Klasse 5+7 ebenso.

    M.E. brauche ich zuerst die qualifizierten, ausgebildeten Fachleute, bevor ich Fächer erschaffe, nicht andersrum. Die Wirksamkeit von Fortbildungen hat ihre Grenzen, zumal man für die Einarbeitung in neue Fach-/Sachbereiche keine Extrastunden kriegt.

    • Die naturwissenschaftlichen Verbünde sind in erster Linie eine Folge des Lehrermangels, insbesondere der Physiker, weil es genug Biologen gibt. Ansonsten gebe ich Ihnen recht.

      • Ja, es sind viel zu wenige Lehrer mit Ph und Informatik, auch mit Ch. Echte Technik-Lehrer sollten gerade in NWT auch rein. Und das neu herbeigezauberte Wahl-Kernfach IMP (Informatik, Mathematik, Physik) in BaWü hat sicher auch kaum neue Informatiker oder Physiker gefunden.

    • „M.E. brauche ich zuerst die qualifizierten, ausgebildeten Fachleute, bevor ich Fächer erschaffe, nicht andersrum.“

      Physik, Chemie, Mathematik, Informatik sind doch mittlerweile uralte Fächer (ja, auch wenn manch einer glauben mag, dass Computer erst 2013 in „Neuland“ erfunden wurden: Informatik gehört dazu).

      Da geht es doch gar nicht darum erst Lehrer vor der Einführung von Fächern auszubilden. Zum Einen, wie ich bereits sagte, sind die Fächer uralt und zum Anderen ist es doch genau andersherum: wie sollen Fachleute in Fächern ausgebildet werden, von denen sie gar nichts wissen (weil es sie noch nicht gibt)?

      Und selbst das würde nicht funktionieren, denn bei Physik, Chemie, Informatik weiß jeder was gemeint ist, woran er ist und kann sich entsprechend an der Uni einschreiben, aber fragen sie mal nach was NWA, NWT oder IMP bedeuten soll! Alleine schon diese Abkürzungen sind total unsexy.

      Bei mir, müsste ich mich noch einmal für ein Studienfach entscheiden, wäre angekommen, dass das nix Halbes und nix Ganzes ist und ich damit rechnen müsste, dass diese Fächer (und damit ich) in ein paar Jahren (womöglich vor einer festen Einstellung) durch die neueste Trendkreation, die durchs Dorf getrieben wird, ersetzt werden und ich in die Röhre schaue.
      Und von der Qualität eines nix-Halbes-nix-Ganzes-Faches reden wir an dieser Stelle noch nicht mal.

      Und anstatt die Qualität der Fächer (und somit des Unterrichts und somit des Bildungssystems und somit der Bildung der Gesellschaft) herunterzufahren, sollte man sich doch eher fragen warum man nicht genügend Fachlehrer für die ursprünglichen Fächer bekommen kann und was die daraus zu ziehenden Konsequenzen wären, um das zu ändern.

  3. Sehe ich ganz genauso: Das auch auf anderen Ebenen praktizierte Zusammenlegen von Fächern entwertet die Einzelfächer, demotiviert die Lehrer und schafft wenig aussagekräftige Noten.

  4. Diese Fächerverbünde sind eine Mogelpackung: Man packt verschiedene Fächer und deren Inhalte zusammen, alle Lehrer der ursprünglichen Fächer unterrichten nun alles. Der Bio-Lehrer unterrichtet dann ach Chemie und Physik.
    Warum?
    Man bekommt kaum ausgebildete Physik-Lehrer, und auf diese Weise wird der Mangel kaschiert.

    Aber tolle Leistung von Hubig: In Physik wird natürlich auch Demokratiebildung betrieben. Oh Gott. Wie bescheuert ist das denn? Liebe Kindlein stimmen wir ab. Fällt das Gewicht nach unten oder nach oben?

    Demokratiebildung – das macht man in Rheinland-Pfalz in Physik. Danke SPD. Die verfolgten Sozialdemokraten drehen sich im Grabe um.

  5. St.Hubig: „In den Klassenstufen 5 bis 10 der Gymnasien umfasst der Unterricht sieben Stunden Geschichte in der Woche.“

    Erstaunlich! Stimmt das so? Wo ist der Haken?

    Nur einmal als Projekt und dann nicht mehr im Rest des Schuljahres?

    • Vielleicht meint sie dass durch den Unterrichtsausfall 7 Stunden pro Woche Geschichte sind?

      Natürlich gibt es nicht wöchentlich 7 Stunden Geschichte, sondern die Stunden sind auf die Jahrgangsstufen 7 bis 10 zu verteilen. In 5-6 gibt es 3 Stunden zu verteilen.
      Das mit den Stundentafeln ist aber auch kompliziert.

      Immerhin stimmt die Zahl teilweise. 🙂

      Heutzutage reicht das.

  6. Ich finde, dass an klassischen Gymnasien der GEschichtsunterricht einen ausreichend hohen Stellenwert hat und auch an vielen Realschulen. Das Problem des Fächerverbundes Gesellschaftslehrer besteht gerade an den Gesamtschulen. Da wird richtiger Geschichtsunterricht erst ab der Oberstufe eingeführt. Vorher kommt Geschichte daher schnell zu kurz.
    Die Dominanz der Naturwissenschaften sehe ich für die Gesellschaftswissenschaften nicht als „Bedrohung“, da diese immer parallel weiterlaufen. Aber bei den Fremdsprachen besteht das Problem viel eher, dass da zugunsten der NaWis gekürzt wird. Das empfinde ich als äußerst tragisch. Gerade heutzutage in der glaobalisierten Welt sollte das gegenseitige Verstehen auf allen Ebenen – sprachlich wie kulturell – stärker fokussiert werden. Es kann nicht sein, dass SchülerInnen das Abitur erhalten, die weder Französisch als Amtssprache der EU, unseres Kulturraums, beherrschen, noch Latein, das uns „zurück zu den Wurzeln“ führt.

  7. „Gerade in den aktuellen Diskussionen über die Eindämmung der Corona-Pandemie komme es darauf an, naturwissenschaftliche Fakten richtig einschätzen zu können.“
    Ich breche hier vor Lachen gerade zusammen! Unfassbar, wie verschoben Selbstwahrnehmung von der erlebten Realität sein können.
    Gehört zu Mint auch das Lügen, Verleugnen von wissenschaftlichen Ergebnissen und das „über Leichen gehen“ dazu???

    Warum die Ars….Löcher in den Führungsetagen kein gesteigertes Interesse an geschichtsbewussten und an der Vergangenheit gebildeten Menschen – eigentlich Untertanen haben??
    Die Geschichte hat in so vielen Lektionen aufgezeigt, wie man Tyrannen, Despoten, absoluten Herrschern den Garaus macht…das versetzt diese Führungseliten zuweilen in Angst und Schrecken….bereits die frühen Liberalen (also die Vorläufer / Vordenker haben in der Zeit des Vormärz massiv vor der Herrschaft des Pöbels gewarnt z.B. der Liberale Pfizer)…vielleicht wacht die ReNo-Gehilfin aus NRW zuweilen mit massiven Nackenschmerzen auf und im Unterbewusstsein ahnt sie, woher die vielleicht kommen könnten?

    • „Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) weist diesen Vorwurf des Verbands zurück. Auch der Unterricht in den MINT-Fächern trage zur Demokratiebildung bei. Gerade in den aktuellen Diskussionen über die Eindämmung der Corona-Pandemie komme es darauf an, naturwissenschaftliche Fakten richtig einschätzen zu können.“
      Dass Hubig nach ihrer verleugnenden Politik der letzten Monate so etwas zu sagen wagt, grenzt an komplettem Realitätsverlust. Aber sie hat wohl recht: Offenbar hat sie einiges in ihrer eigenen Schulzeit verpasst, dass sie Zahngers „Studien“ Glauben schenkt und daher die Schulen mit Präsenzpflicht aufreißt.
      Die irreführende Aufzählung der Stundenzahlen des Geschichtsunterrichts zeigt, dass sie auch zurück in den Mathematikunterricht muss. Dort müsste sich Hubig auch noch einmal mit Exponentialfunktionen befassen. Da scheint mir auch einiges auf der Strecke geblieben zu sein.
      Die Fächer Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde in Gesamtschulen wischiwaschi zusammenzulegen, ist eine Bankrotterklärung für fachspezifisches Wissen und treibt die Zweiklassen-Schulbildung weiter voran – die man ja eigentlich mit der Gesamtschule beenden wollte. Hauptsache die Ideologie stimmt, oder, Frau Hubig?!

  8. Dass der Geschichtsunterricht zurückgedrängt wird, scheint mir auch so. Aber das heißt nicht, dass es dem Mathematikunterricht besser ergeht. In NRW sind am neuen G9-Gymnasium in den Stufen 7-10 zusammen 13 Wochenstunden vorgesehen, also pro Schuljahr 3,25. Und in der Oberstufe gibt’s die 3-stündigen Grundkurse. Das ist für ein Haupt- oder Kernfach ja wohl ausgesprochen mager im Vergleich zu 2 Wochenstunden Religion/Ethik. Geschichte galt noch nie als Haupt- bzw. Kernfach. Und wenn man von NaWi-Fächern insgesamt spricht, dann muss man die Sprachen und die anderen Nicht-NaWi-Fächer insgesamt dagegensetzen. Und die sind insgesamt gut vertreten, nur halt Geschichte nicht, eher Politik, Sozialkunde etc., manche wünschen ja noch Wirtschaft, Demokratieerziehung, irgendwas Interkulturelles usw. Die Fächerverbünde scheinen mir auch eine Mogelpackung zu sein, weil kaum ein Lehrer dabei alles abdecken kann. Aber fachfremd erteilter Unterricht ist ja ohnehin weit verbreitet, auch in Mathematik.

  9. Die Impfstoffe gegen Corona werden nicht von Geschichtslehrern entwickelt, zur Energiewende können sie auch nichts beitragen. Die Priorität der MINT Fächer sind deshalb nicht nur für die „Wirtschaft relevanter“, sondern sichern (hoffentlich) das Überleben der Menschheit.

    • Vollkommen richtig, aber ein ausgebildetes Demokratieverständnis, das Wissen um Wirkzusammenhänge in politischen Konstellationen und der Transfer bereits gemachter Erfahrungen in die eigene Gegenwart, um offensichtliche Fehler nicht immer wiederholen zu müssen hat auch was mit der grundsätzlichen Erhaltung unseres Staatswesens zu tun. Ich will die anderen Fächer (v.a. die aus dem naturwissenschaftlichen Bereich) gar nicht kleinreden oder sogar abwerten….aber wenn unser demokratisches System über die Wupper geht, weil niemand mehr dazu in der Lage ist, verfassungsbedrohliche Entwicklungen oder sogar verfassungsfeindliche Akteure und ihre toxische Rethorik zu erkennen und zu entlarven, dann nützt auch die beste Naturwissenschaft nix.
      Folgen wir solchen Argumenten, wie Sie sie vorbringen, dann können wir auch Fächer wie Sport, Kunst, Musik und sogar Pädagogik und Rechtskunde abschaffen. In einem totalitären Staat werden erfahrungsgemäß gerade in diesen Feldern klare Vorgaben gemacht, denen man dann nur noch zu folgen braucht…während die Naturwissenschaften in solchen Unrechtssystemen dafür sorgen, dass Systemkritiker ordnungsgemäßund effektiv entsorgt werden… .Zyklon B war keine Erfindung eines Geisteswissenschaftlers…ein klares Signal dafür, dass wir alle Disziplinen brauchen, damit eine gegenseitige Korrektur möglich ist….viel Spaß dabei.

    • Interessant.
      Komisch nur das die Ideen hinter unserer Verfassung und unserem gesellschaftlichen Zusammenleben sich nicht aus den MINT-Fächern ableiten.
      Und dabei hab ich Mal „gehört“, dass diese erst die Grundlage dafür bieten, dass überhaupt gewirtschaftet werden kann.

      Oder um es übertragen mit Kant zu sagen: Wenn man beim Hausbau zuerst mit dem Dach anfängt….

    • Genau. Aus der Geschichte zu lernen, Entwicklungen in der Gesellschaft zu erkennen und kritisch zu hinterfragen, ist ja völlig überflüssig. Hinterher heißt es „wie konnte es soweit kommen?“ und „er ist wieder da“.

    • Das Überleben der Menschheit wird sicher auch durch die MiNT Fächer gesichert, aber ein solider Geschichtsunterricht,der unsere Kinder in die Lage versetzt zwischen Demokratie und Diktatur oder zwischen Menschlichkeit und Ideologiehörigkeit zu unterscheiden, trägt sicher nicht weniger zum Überleben bei. Impfstoffe z. B. müssen nicht nur ( möglichts gewissenhaft) hergestellt werden, sie müssen auch gerecht verimpft werden…Geschichts,Religion u.Ethikunterricht haben doch sicher ihren Anteil an einer sicheren u. gerechten Durchimpfung der Bevölkerung.

      • Richtig! Es geht um die Ethik, nicht so sehr um die durchaus subjektive Wahrnehmung der eigenen Geschichte. Auch wäre erstrebenswert, dass Fächer miteinander anstatt gegeneinander arbeiten. Absolut richtig – die Schüler sollen selbstbewußt unterscheiden können und auch Verantwortung übernehmen zu können – das machen ihnen die Politiker derzeit definitiv nicht vor. Ich fürchte auch eher das Auseinanderfallen der Gesellschaft nach der Pandemie, den einen Rückkehr zu der „Normalität“ wie vorher wird es nie geben können. Das hatten wir ja schließlich auch in Geschichte mehrmals gesehen … Danke!

    • Da haben Sie durchaus Recht. Nur muss dieser naturwissenschaftlicher Unterricht auch Hand und Fuss haben. Da wird Stoff vermittelt, der schon bei mir vor zwanzig Jahren veraltet war. Meinen Mädchen wir in Sachen Energiewende nur ideologischer Quatsch vermittelt und Plakate für FFF gemalt. Die Lehrer schelten gegen jegliche Energieindustrie und sonstige Grossindustrien. Nach der Schule engagieren die sich dann an sämtlichen BIs gegen jedwede Windräder, Wasserkraftwerke und Geothermie. Wunderbar, dann lieber nichts. Ich würde damals in Gemeinschaftskunde in jeder Stunde für eine bestimmte Partei indoktriniert. Auch in diesem Fall lieber nichts.

    • Gerade ihre platter Beitrag (ersetzen sie für die durch sie verwendeten Substantive doch einmal andere – vielleicht fallen ihnen dann historische Parallelen auf) zeigt, dass Geschichtsunterricht eben keine Wunder bewirken kann.

      Ergänzung: Wie das RKI vermeldeten, hatten „immer über 90 Prozent der intubierten, schwerst kranken Patienten“ keinen Nazi- und Schwurblerhintergrund. Ich hoffe, das überfordert sie jetzt nicht.

      • Wenn meinen Sie denn jetzt??

        Ich fühle mich z.B. überhaupt nicht durch Ihre „Kritik“ angesprochen…also kann von einer Überforderung für mich keine Rede sein

  10. @Klaus
    Obwohl ich selbst Mathematik, Physik und Informatik unterrichte, halte ich es nicht für richtig, die verschiedenen Fachbereiche gegeneinander auszuspielen und Geschichte abzuwerten. Ich finde es außerordentlich wichtig, dass wir unsere Vergangenheit kennen und uns bewusst sind, was uns und unsere Kultur geprägt hat.
    Wäre ohnecGeschichtsbewusstsein ein Kanzler wie Helmut Schmidt möglich gewesen, dessen Credo „Nie wieder!“ lautete?
    Mehr integrere Politiker wie ihn würde man sich in heutigen Pandemiezeitem wirklich wünschen.

    • … nur das die politischen Positionen von Helmut Schmidt heutzutage als rassistisch (Multikulti ist eine Illusion), schwurblerisch (Globale Erwärmung hysterisch) und unsolidarisch (pro Studiengebühren, nationale Interessen vor EU) gilt. Dabei war stand die CDU damals noch weiter rechts als die SPD …

  11. Mitunter, an News4teachers Redaktion – ich finde Ihre Information und Berichte super und wirklich auch immer aktuell … aber wäre es möglich nächstes Mal ein anderes Bild für das Thema Geschichte zu wählen? Das Fach Geschichte (egal wie deutschzentrisch betrieben) nur über Auschwitz zu definieren ist verheerend – und selffullfilling prophecy klingt irgendwie mit. Ebenso für die Entwicklung in einer globalen Gesellschaft, zu der wir im 21. Jahrhundert geworden sind, denn es geht um Verständnis und nicht diesen steten aber leider eben oft leeren Zeigefinger der 1980er Jahre. Die jüngeren Generationen sind von ihrem politischen Verständnis komplexer und offener geworden und brauchen ein positives selbstbewußtes Bild, Sinn für Gerechtigkeit (was leider derzeit auf ganz andere Probleme trifft) und allgemein geltende Ethik, Ehrlichkeit und positive Vision; mit Scham und Verängstigung kann man keine verantwortliche Bürger heranziehen und kein Vertrauen in Bildung wecken. Und ja, das sage ich eben aus dem Fach kommend, als Historikerin und Judaistin. Wie wir gerade heutzutage in der Pandemie bei den Politikern und Entscheidungsträgern der „mittleren“ Generationen sehen und hören, hat die Bildung der letzten 40-50 Jahre im Hinblick auf Ethik, Gerechtigkeit und Sinn für das Wohl der gesamten Gesellschaft völlig versagt.

    • Liebe/r tachzelesme,

      dass der Geschichtsunterricht mehr beeinhaltet als den Nazi-Terror, für den Auschwitz sinnbildlich steht – klar. Allerdings ist das zentrale Argument des Geschichtslehrerverbands («Eine Gesellschaft aber, die nicht die Fehler der Vergangenheit kennt, ist verdammt, diese zu wiederholen») in Deutschland nicht ohne Bezug zur braunen Diktatur und zum Holocaust zu verstehen. Deshalb haben wir das Foto von der Gedenkstätte gewählt.

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

  12. Von Politik, Geschichte und Nawi sprechen alle, aber das einzige Fach, dass die verschiedenen Bereich verbindet und an allgemeinbildenden Schulen kritisch die Grundlagen der Wirtschaft unterrichtet kommt immer zu kurz: Erdkunde!

    • Ein gemeinschaftliches Hoch auf „Geographie “ ….habe in unserem Kollegium mal versehentlich „Erdkunde“ gesagt….das wurde fast noch strenger bestraft als das „Jehova-Sagen“ in Monty Pythons „life of Brian“… da folgte nur eine Steinigung 🙂

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