Lesekompetenz nur mittelmäßig: Fakt oder Meinung? Mehr als die Hälfte der 15-jährigen Schüler erkennt den Unterschied nicht

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BERLIN. Lesen war mal reine Papiersache. Inzwischen spielt sich vieles nur noch am Bildschirm ab und die zugängliche Menge an Information, Falschinformation und Meinung wächst immer weiter. Infos richtig einzusortieren, fällt Schülern schwer, wie eine Studie zeigt.

Die sozialen Medien haben unter Jugendlichen eine gewaltige Reichweite. Foto: Shutterstock / Primakov

Viele Schüler in Deutschland haben beim Lesen von Texten Probleme, zwischen Meinung und Fakt zu unterscheiden. Das geht aus einer Sonderauswertung der aktuellsten Pisa-Studie von 2018 hervor, die von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) nun veröffentlicht wurde. Im Vergleich zu anderen Ländern sind 15-Jährige Schülerinnen und Schüler in Deutschland auch weniger fit bei der Informationssuche im Netz. Zudem ist die Lust am Lesen in den vergangenen Jahren immer mehr gesunken. Auf dieses bereits bekannte Ergebnis der Pisa-Studie wies die OECD noch einmal hin und forderte mehr Anstrengungen, um Kinder mehr zum Lesen zu animieren und so ihre Lesekompetenzen zu stärken.

«Die Lesefreude der Schüler*innen hat in Deutschland zwischen 2009 und 2018 deutlich abgenommen»

Wörtlich heißt es in der Studie: «Die Lesefreude der Schüler*innen hat in Deutschland zwischen 2009 und 2018 deutlich abgenommen. Nur zwei andere Länder verzeichneten einen ähnlich starken Rückgang – Finnland und Norwegen. Deutschland zählte 2018 zu den PISA-Teilnehmerländern mit den größten geschlechtsspezifischen und sozioökonomischen Unterschieden bei der Lesefreude.» Mädchen lesen im Schnitt deutlich besser als Jungen – und: Es gibt einen systematischen Zusammenhang zwischen den Schülerleistungen im Bereich Lesekompetenz und dem sozioökonomischen Status der Schülerinnen und Schüler.

Theorie und Praxis klaffen bei deutschen Schülern der Studie zufolge auseinander. Zwar gab ein relativ großer Teil der 15-Jährigen in der Pisa-Erhebung 2018 an, zu wissen, wie mit zweifelhaften Quellen im Internet oder betrügerischen E-Mails umzugehen ist. Beim praktischen Test am Text, wo die Schüler einordnen mussten, ob es sich um Fakten, Meinungen oder Behauptungen handelt, habe es aber gehapert, sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher.

«Im 21. Jahrhundert finden wir bei Google Tausende konkurrierender Antworten und niemand sagt uns, was richtig oder falsch ist»

Nur 45 Prozent der 15-Jährigen konnten demnach einordnen, was Fakt oder Meinung ist. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) nannte das bei der gemeinsamen Vorstellung der Studie «bedenklich». Schleicher forderte die Schulen dazu auf, in dem Bereich mehr Kompetenzen zu vermitteln. Knapp die Hälfte der Schüler (49 Prozent) gab bei Pisa an, in der Schule gelernt zu haben, was Meinungen von Fakten unterscheidet oder ob Informationen aus dem Netz vertrauenswürdig sind.

«Im 21. Jahrhundert finden wir bei Google Tausende konkurrierender Antworten und niemand sagt uns, was richtig oder falsch ist. Lesekompetenz ist nicht mehr die Extraktion von Wissen, sondern die Konstruktion von Wissen», sagte Schleicher. Im «strategischen» Umgang mit dem Netz zeigten sich deutsche Schüler nach OECD-Angaben im Ländervergleich mittelmäßig fit. Schülerinnen und Schüler aus China, Japan oder Singapur wissen demnach deutlich besser, wie sie im Internet gezielt nach Informationen suchen und wie sie mit Unsicherheiten umgehen.

Mit der Studie wurde zudem noch einmal grundsätzlich auf einige besorgniserregende Ergebnisse der vergangenen Pisa-Erhebung aufmerksam gemacht: Rund jeder fünfte 15-Jährige in Deutschland hatte im Bereich Lesen gerade einmal Grundschulniveau erreicht. Die Lesefreude war im Zehnjahresvergleich deutlich zurückgegangen. Die Hälfte der Befragten gab an, nur zu lesen, wenn es sein muss. Zudem hatte Pisa gezeigt, dass die Lesekompetenz sehr von der sozialen Herkunft abhängt.

Die von der OECD organisierte Pisa-Studie ist der größte internationale Schulleistungsvergleich. Im dreijährigen Abstand werden dabei 15-Jährige Schülerinnen und Schüler getestet. Standardmäßig geht es um Aufgaben aus den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften. In Deutschland hatten knapp 5500 stichprobenartig ausgewählte Jugendliche teilgenommen und am Computer Fragen gelöst und beantwortet. Daneben werden aber auch persönliche Daten und Einschätzungen der Jugendlichen per Befragung erhoben, die ebenso wie Einzelaspekte aus der Gesamtstudie in regelmäßigen Sonderauswertungen veröffentlicht werden.

«Lesen ist und bleibt eine Basiskompetenz zum Verständnis der Welt»

In der aktuellen Sonderauswertung weisen die OECD-Experten nun darauf hin, dass Schüler auch dann besser mit Texten umgehen, diese einordnen, verstehen und sich darin zurechtfinden können, wenn sie noch gedruckte Bücher und auch längere Texte lesen. Es reiche nicht nur, irgendwo Schlagzeilen zu lesen, sondern es komme darauf an, dass Tiefenverständnis komplexer Texte mitzunehmen.

«Lesen ist und bleibt eine Basiskompetenz zum Verständnis der Welt», erklärte der hessische Bildungsminister Alexander Lorz (CDU) für die Kultusministerkonferenz der Länder. Lesefreude zu vermitteln, sei eine der ganz entscheidenden Stellschrauben dafür, dass Kinder wieder mehr lesen und mehr Lesekompetenz entwickeln. OECD-Bildungsdirektor Schleicher sieht hier auch die Eltern in der Pflicht: Was zu Hause passiere, sei einer der wesentlichsten Einflussfaktoren. Er rief Eltern dazu auf, mit ihren Kindern zu lesen. News4teachers / mit Material der dpa

Hier geht es zur vollständigen Auswertung der Ergebnisse für Deutschland.

Politische Bildung: Das Internet rangiert als Informationsquelle für Jugendliche weit vor der Schule – trotz der Allgegenwart von Fake News

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80 KOMMENTARE

  1. Das gleiche Problem scheint bei der Vergabe von KuMi-Stellen kein Problem – ja sogar eher ein wichtiges Einstellungskriterium zu sein.
    „Schulen sind sicher“
    „Kinder sind keine Treiber der Pandemie“
    „Lüften ist viel besser und effektiver als Luftfiltergeräte“

    Vielleicht sollten an der Stelle nochmal gezielte Förderangebote zum Lesen von wissenschaftlichen Abhandlungen gemacht werden…ich meine, irgendwo muss ja man mit dem Kompetenzaufbau beginnen. Und bekanntlich stinken Fische von Kopf her.

  2. „Schleicher forderte die Schulen dazu auf, in dem Bereich mehr Kompetenzen zu vermitteln.“

    Müsste man nach 21 Jahren Pisa mittlerweile nicht begriffen haben, dass solche Aussagen nichts bringen? Ich weiß nicht, ob man einfach nicht verstehen will, dass die Schulen ganz offensichtlich hierfür nicht die Ursache tragen oder was eigentlich immer das Problem ist.

    Glaubt wirklich noch jemand, dass man in Schulen die Zeit hat, immer noch mehr zu fordern, ohne zu investieren? Das funktioniert nicht, wir versuchen jetzt schon aus Scheiße Gold zu machen (ich entschuldige mich schon einmal bei meinen Schülern für diesen Ausdruck, meine Schüler haben die Dinge, die ihnen in fachlichen Kompetenzen fehlen z.B. im sozialen Bereich).

    Wenn man gleichzeitig feststellt, dass Mädchen dabei deutlich besser sind als Jungen, dann liegt es doch auf der Hand, dass die Schule nicht der Grund dafür sein kann, immerhin haben wir seit Jahrzehnten überwiegend Koedukation in Deutschland.

    Vielmehr sollte man in Deutschland anfangen, vielen Eltern wieder ins Boot der Erziehung mit aufzunehmen und ihnen nicht alles permanent abzunehmen. Es kann doch nicht sein, dass sich in Deutschland vor einem Jahr nach 3 Tagen erstem Lockdown, die ersten Eltern reihenweise beschweren, weil sie IHREN KINDERN mal etwas beibringen sollen. Ebenso kann es nicht sein, dass in der 5. Klasse einige Schüler nicht in der Lage sind, sich die Schuhe zu binden oder eine Uhr zu lesen, oder dass 8. Klässler nicht in der Lage sind Bus zu fahren oder einen Busfahrplan zu lesen. Schule kann einfach nicht für das Versagen einiger Eltern aufkommen und alles kompensieren, die meisten Schulen sind eh schon Ganztagsschulen, mehr geht nicht
    Das Traurige ist, dass Schule solch eine Massenveranstaltung ist, dass alle anderen Kinder von normalen Eltern auch darunter leiden, weil man sich wegen der paar anderen nur um diese Dinge kümmern kann.

    Hört also endlich auf, der Schule die Schuld für das teilweise Totalversagen von Eltern und Politik und Verwaltung zu geben.

    • @Heinz…stimme dem zu…und Überlegungen, wie just aktuell der im Bundestag diskutierte „gesetzliche Anspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen“ tragen letztlich dazu bei.

      Warum entscheiden sich Menschen dazu, Kinder zu bekommen, wenn diese dann im Alter von zwei bis drei Jahren in die GanztagsKita, dann im Alter von fünf bis sechs Jahren in die Ganztagsgrundschule und im Anschluss daran an eine weiterführende Ganztagsschule gegeben werden…die paar Stunden, die Eltern mit „ihren Kindern“ zuhause verbringen (müssen?) kann man doch auch problemlos mit nem Goldhamster, nem Aquarium (das ist auch noch schön leise) oder – wer sich erzieherisch richtig was traut – mit dem Hund verbringen.

      Interesse am Zusammen(er)leben scheint bei vielen nicht besonders ausgeprägt zu sein… (so…Provokationsmodus aus!)

      • @Andre Hog

        „wer sich erzieherisch richtig was traut – mit dem Hund verbringen.“
        Stimmt.

        Wer kein „Einzelkind“ halten mag und auch sich auch den Umgang mit Diversität zutraut: Ich empfehle Hund und Katze zusammen, die leben einem vor, wie blöde und unnütz Vorurteile sein können. Und es gibt jede Menge Spaß!

        • Die Ansprüche sind aber auch bedeutend höher als früher.

          Wenn ich an meine Eltern denke, die sind nachdem sie damals ein Haus gebaut haben jahrzehnte in ollen alten Klamotten rummgelaufen, und die hatten auch nur ein Auto. Die Kinder hatten früher auch keine Designerklamotten an, das ist aber eher ein soziales Problem dann, weil man das bei seinen Kindern nicht einfach weglassen kann unter Umständen.

          • Wir hatten kein Auto, keinen Fernseher und fuhren nur in D in Urlaub, ganz sparsam, mit dem Fahrrad.
            ABER ALLE 4 GESCHWISTER HABEN ABITUR GEMACHT!
            Es scheint, dass viele heutige Eltern andere Prioritäten haben und vor allem die Meinung, man müsse alles, was nötig ist, vom Staat bekommen (Rechtsanspruch!!) – sonst bleibt für den Spaß ja kein Geld mehr übrig!

        • Leider nein…aber ich glaube, dass da noch nie in der Form garantiert wurde…im Moment natürlich perverse Blüten treibt. („Ich bin Teil des neuen Jobwunders….es wurden 1,5 Millionen neue Jobs geschaffen …. und ich alleine habe vier davon.“)
          Aber dieses wirtschaftliche Problem wurde auf dem Rücken der gesamten Gesellschaft ausgetragen. Und das kritisiere ich hier ausdrücklich. Eine 40Std-Stelle, von der ich meinen Lebensulterhalt nicht bezahlen kann lässt die entsprechenden Rückschlüsse auf unser ausbeuterischen Wirtschaftssystem zu.
          Das ist aber v.a. Aufgabe der Gewerkschaften und Unternehmer.

    • Ja, Eltern sind eigentlich für Lebenskunde verantwortlich.
      Steuererklärungen, welche Versicherungen haben die Eltern und warum, wie sieht eine Nebenkostenabrechnung der Wohnung aus, etc.

      Irgendwann müssen wir Lehrkräfte noch vielleicht in Physik die Schüler in Waschmaschine und Waschgänge unterrichten.
      Oder den Gebrauch eines Dosenöffners erklären.

      • @BK-Lehrkraft

        Dosenöffner???
        Herr im Himmel, @BK-Lehrkraft, sind Sie denn des Wahnsinns?! Wissen Sie denn wirklich nicht, wie gefährlich Dosenöffner sein können?
        (Solche Einwände muss man sich nicht vorstellen, die kennt man bereits aus der Realität in und außerhalb von Schule.)
        Können die Kinder nicht erstmal den Dosenöffner-Führerschein machen, bevor sie so einen Gegenstand vorsichtig berühren dürfen?
        😉

        • Hier mitten im Herzen der rheinischen Nordfrohnatur war es gang und gebe, dass die Schüler auf dem Rasen eines Gymnasiums Speer werfen übten.

          Wir sind hier lokal also gewappnet für Dosenöffnerkunde. Und nachdem das gemeistert ist, wird Sektöffnerkunde angeboten. Aber vorher ist Weinentkorkungskunde obligatorisch.
          (Wir sind Spartaaa)
          Milchtütenaufschneiden ist ja nicht mehr gefragt, seit den neuen Schraubverschlüssen.

          • @BK-Lehrkraft

            Man muss mit der Zeit gehen und trotzdem die Traditionen wahren können.
            Daumen hoch!

          • Nicht nur das Milchtütenaufschneiden ist obsolet geworden,, sondern eigentlich auch die Dosenöffnernutzung, seit fast alle diesen Zipper haben.
            Btw.: Was waren die letzten Worte des Sportlehrers?
            „Alle Speere zu mir!“

          • Das mit den Speeren machen wir hier nicht mehr, seit ein Kollege zum Ende einer Sportstunde die unglückliche Aufforderung „Alle Speere zu mir!“ über den Platz gerufen hat…tja „famous Last words“

            Aber zum Thema Lesekompetenz:
            Es ist doch auch erschütternd, wenn man zum Beispiel zu Beginn eines Artikels bei Spiegel-online oder bei Spektrum die erwartbar Lesezeit angezeigt bekommt. Ein Artikel z.B. zumThema „Wikinger -die Missionierung durch des Katholizismus führte zu ihrem kulturellen Untergang“ wird mit einer Lesezeit von 4 min angekündigt…eh, ja … wie ergiebig mag die Darstellung hier wohl werden??
            Und noch besser ist es, wenn man zunehmend feststellen kann, dass sogar von einer Vorlesezeit geschrieben wird…resp. man sich Artikel im Netz per se vorgelesen lassen kann.
            Ich verstehe den inklusiven Ansatz dabei…den finde ich gut … aber die weite Verbreitung dieser technischen Möglichkeiten verführt doch auch dazu, nichts mehr konzentriert und sinnentnehmend zu lesen. Und was ich nicht regelmäßig übe oder was mir nicht modellhaft von zuhause selbstverständlich ist, das lerne ich nicht, das kann ich irgendwann nicht mehr oder das kommt in meinem Handlungshorizont gar nicht mehr vor.

            Sorry….wollte gar nicht die wohltuende Blödelebene verlassen…
            Also – in dem Sinne:
            „Alle Speere zu mir!!“ 😉

          • Ja, ja, man springt niemals zweimal in den gleichen Fluss – und dank Klimaänderungen in mehr versiegende oder kurzzeitig Hochwasser führende.

        • „Irgendwann müssen wir Lehrkräfte noch vielleicht in Physik die Schüler in Waschmaschine und Waschgänge unterrichten.
          Oder den Gebrauch eines Dosenöffners erklären.“

          Waschgang in Waschtrommel : Rotationsenergie -> Energiearten
          Dosenöffner : Hebel -> Hebelgesetz/Drehmoment -> Kraft

          Passt also wunderbar in den Physikunterricht.

    • @Heinz

      „dass in der 5. Klasse einige Schüler nicht in der Lage sind, sich die Schuhe zu binden oder eine Uhr zu lesen“
      Darauf kann man auch noch stolz sein, dabei gilt scheinbar keine Altersbeschränkung und auch sonst zeigt sich die Grundhaltung „Mein Elend – Boomerschuld“ ganz gut unter einem anderen Artikel, da muss man aber nichts mehr kommentieren, das wurde schon erledigt und der Rest erklärt sich von selbst:
      https://www.news4teachers.de/2021/04/uhr-auf-winterzeit-schueler-duerfen-abiklausur-wiederholen/ (besonders rundum-originell: Formoras 4. Mai 2021 um 16:53)

      Eigenverantwortung ist ja sowas von „yesterday“! Die Folgen sieht man mittlerweile als Spitze des Eisbergs.
      Und wer jetzt bei dem Wort Eisberg denkt „Ich nehme Erdbeer!“ hat zwar Kompetenzlücken allerorten, aber das ist an sich nicht schlimm, weil bestimmt bald wieder die Ansprüche gesenkt werden – also nicht traurig sein und lieber gleich zwei Kugeln Erdbeer nehmen.
      So erhält sich das Grundproblem von selber, weil man lieber niemandem wehtun möchte – schade, dass es am Ende viel doller wehtun wird und dass es mit dieser andauernden Flickschusterei viel Geld kostet, um letztlich das Problem selbst zu päppeln. (Diese Strategie führt ja auch zur dauernden „Spielzeitverlängerung“ in Sachen Pandemie.)

      Allerdings gibt es auch da großes Leid auf Seiten der Kinder und Jugendlichen, nur will DAS niemand sehen: „dass alle anderen Kinder von normalen Eltern auch darunter leiden, weil man sich wegen der paar anderen nur um diese Dinge kümmern kann.“
      @Heinz, das haben Sie ganz richtig benannt.
      Man würde sich im Wahlkampf ja auch lächerlich machen, wenn man jetzt auch noch die Kinder „sehen“ würde, denen es ja „gut“ geht, aber deren Eltern sind halt nicht laut genug.

      Viele Kinder wollen (!) tatsächlich immer noch lernen, trauen sich aber kaum noch das zu zeigen – sie zeigen auch nicht, was sie schon alles können und außerhalb der Schule, eben Zuhause, schon gelernt haben – nur um nicht „unangenehm aufzufallen, damit ich von den anderen keinen Druck kriege“. Das ist in dem Fall ein mir unvergessliches Originalzitat eines Jungen. Dieses Zitat ist jetzt schon mehr als 10 Jahre alt (Also kommt mir jetzt nicht mit Corona!) und hat sich bei mir tief eingeprägt, so sehr hat mich das damals noch schockiert.
      Es wurde mir von etlichen SuS seitdem in ähnlicher Form immer öfter gesagt.
      Leute, DAS ist es was mir persönlich große Sorgen bereitet!
      Da müssen Kinder und Jugendliche schon in jungen Jahren ein Doppelleben führen, weil deren Eltern sich Zuhause kümmern, ihnen auch viel Nützliches beibringen und in der Schule stellen sie sich notgedrungen (Ja!) extra dumm an, damit ihnen kein Mobbing droht oder schlichtweg damit sie auf dem Heimweg nicht verprügelt werden. (Jaja, früher gab es auch mal Haue nach Schulschluss, aber es hatte andere Gründe, niemand wurde dermaßen mit System „fertig gemacht“, weil er Verstand hatte! Und was es auch noch nicht gab, waren die Videos davon, die auf ewig im Netz kursieren werden.) Zusätzlich wollen sie sich niemandem anvertrauen, auch nicht den Eltern, denn die sollen sich ja keine Sorgen machen und keine Angst haben. Lieber hält man es aus. Heraus kommt es dann, wenn die Noten – scheinbar – völlig unerklärlich und plötzlich – in den Keller rauschen. Wie viel „Druck“ hat ein Kind bis dahin schon ausgehalten?
      Und fragt mal jemand, was DAS mit einer Kinderseele macht? Diese Kinder sind eben nicht stumpf, die können sich heute schon ausmalen, dass sie später mal diejenigen finanzieren sollen, die ihnen heute das Leben schwer machen!
      Was macht DAS mit einer Kinderseele?
      DA freue ich mich aber schon auf konstruktive !!! Lösungsvorschläge.

      Dieses ewige Wegschauen und Wegreden und die ganze Abstumpfung ist das Problem.
      Auch da funktioniert leider ebenso das was man vielleicht mancherorts Zuhause vorgelebt bekommt – Kinder lernen nämlich zuerst im Familienverbund, das ist buchstäblich ein natürlicher Prozess und beginnt lange vor Kita und Schule.
      Und um sofort den üblichen Missverständnissen vorzubeugen: Das ist ein Problem, das NICHT von den Einkommensverhältnissen abhängt! Unsoziales/asoziales Verhalten findet man im vorgeblich „feineren“ Vorort ebenso wie im 20. Stock eines Hochhauses – ebenso kann man an beiden Orten auch viel Menschlichkeit und die Grundhaltung des „Miteinander und Füreiander“ finden.
      Es ist lediglich die Frage ob das tatsächlich gelebt wird oder ob es „gespielt“ wird, so lange wie man glaubt Zuschauer zu haben.
      Wie gesagt: In den meisten Familien funktioniert das noch ganz gut – aber wenn Nachbars „Klops mit den dicken Fäusten“ jetzt einen großen Teil „meines“ Kinderlebens dominiert, weil wir – welch Glück? – Ganztagsschulen haben, dann kann das auch eine viel zu große Bürde sein für jemanden, der keine „Kirmesboxer-Moral“ hat.
      Wenn jetzt alle aufrechnen, wie lange 1 Jahr Pandemie anteilig ist im Leben eines Siebenjährigen (große Rechenleistung, toll) und welche Folgen das für das Kind hat … wie groß ist der Anteil am Leben und wie groß sind die Folgen, wenn ich als Kind nichts anderes erinnere als Angst und Doppelleben?
      Und der Anteil dieser Kinder nimmt eklatant zu! (Nein, es gibt keine Studie, die ich spontan verlinken kann. Es handelt sich hier lediglich um eigene Beobachtungen über einen Gesamtzeitraum von über 20 Jahren und viele, viele Beratungsgespräche mit SuS und Eltern. Wer Studien möchte, muss jetzt wirklich mal selber googeln.)

      @Heinz, Ihren letzten Satz möchte ich mal gerne in der BILD als Titelthema sehen – und wenn sich das auf diese Weise verbreitet, soll’s mir diesmal recht … und billig … sein.
      („billig“ hat mehr als 1 Bedeutung, Siri oder Alexa wissen das bestimmt, einfach mal fragen.)
      😉

      Und ich wüsste auch ganz gerne, was der schlaue OECD-Bildungsdirektor Schleicher KONKRET als Lösung anbietet, kein allgemeines Blabla.
      Nein nein, ich meine „KONKRETE Lösung“ – nicht Studie, für die man ja erst einmal wieder über Jahre hinaus jede Menge Geld „gut anlegt“.

      Wahrscheinlich fragt man da doch besser Siri oder Alexa …

      • Mein lieber und überaus geschätzter Pit:

        Ich kann gar nicht so viele X’e oder Delta 🙂 machen, wie es deine Ausführungen, Beobachtungen und Einschätzungen verdient haben.
        Vielen Dank für den Rundumschlag zum eigentlichen Problem. Du hast es bereits getan und ich tue es auch nochmal…auch dir – Heinz – ein dickes Dankeschön für die wohlgesetzten Worte.

      • @Pit 2020 und Heinz

        Wieder mal Volltreffer – auch ich mache seit etwa 20 Jahren diese Beobachtungen und Erfahrungen.

        Das Einzige was hilft – alles vor die Wand fahren! Lieber heute als morgen.

        Ich bin auch inzwischen kein Freund mehr von Inklusion/Integration. Die, die was können, müssen alleine lernen. Die, die das nicht können, stören aus lauter Langeweile den Unterricht (und die Lerner), die, die nicht alleine lernen können, kriegen jede Stunde eins in die Fresse – weil selbst die Nichtlerner mehr können. Und die treten nach unten.

        Und den „Erfolg“ dieses Niedergangs sieht man an allen Ecken und Enden.
        Corona macht es nur endlich für mehr als die Lehrkräfte und EuEs deutlich.

      • Viele Kinder wollen (!) tatsächlich immer noch lernen, trauen sich aber kaum noch das zu zeigen – sie zeigen auch nicht, was sie schon alles können und außerhalb der Schule, eben Zuhause, schon gelernt haben – nur um nicht „unangenehm aufzufallen, damit ich von den anderen keinen Druck kriege“. Das ist in dem Fall ein mir unvergessliches Originalzitat eines Jungen. Dieses Zitat ist jetzt schon mehr als 10 Jahre alt (Also kommt mir jetzt nicht mit Corona!) und hat sich bei mir tief eingeprägt, so sehr hat mich das damals noch schockiert.
        „Es wurde mir von etlichen SuS seitdem in ähnlicher Form immer öfter gesagt.
        Leute, DAS ist es was mir persönlich große Sorgen bereitet!
        Da müssen Kinder und Jugendliche schon in jungen Jahren ein Doppelleben führen, weil deren Eltern sich Zuhause kümmern, ihnen auch viel Nützliches beibringen und in der Schule stellen sie sich notgedrungen (Ja!) extra dumm an, damit ihnen kein Mobbing droht oder schlichtweg damit sie auf dem Heimweg nicht verprügelt werden.“

        Es passierte unserer Tochter in der Grundschule Die Lehrerin hat sie aus diesem Grund immer bloßgestellt, sogar Streberin genannt.

        Klassenkammeraden haben es nur das Beispiel der Lehrerin gefolgt, wie auch einige Eltern. Jetzt ist sie 5. Klasse.

        Die Grundschulzeit hat sie so stark ausgeprägt, dass sie manchmal immer noch zögert z.B. in der Konferenz „zu schlau“ zu sein.

        Dabei hat uns gerade ein Jahr Homescholing enorm geholfen, diesen Grundschullast mildern.

    • @ Heinz, die Eltern sind immer schon im Boot, was Bildung und Erziehung und Schule anbelangt. Es ist nicht nur ihr Recht, sondern ihre Pflicht (Verfassung) und viele Eltern mischen gerne mit. Ein Problem sind lediglich die, die sich ebenso gerne aus der Verantwortung stehlen und die gab es immer schon !!!! Bildung und Erziehung klappen am besten, wenn Elternhaus und Schule Hand in Hand arbeiten und nicht gegeneinander. Das ist eine Binsenweisheit. Jeder Lehrer erlebt das täglich. Aber auch Lehrer dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen und meinen, sie würden nur für die Wissensvermittlung zuständig sein, für die Erziehung sei das Elternhaus alleine verantwortlich. Stimmt genauso wenig. Ein Blick in die Schulgesetze reicht!

      Dass manche Eltern in den Corona-Krise mit dem Heimunterricht überfordert sind, ist nur zu verständlich und ganz natürlich. Eltern sind keine ausgebildeten Lehrer und keine ausgebildeten Erzieher. Naturtalente mag es geben, sind aber nicht die Regel. Dass es sehr, sehr, sehr auf Methodik und Didaktik ankommt, kann man an vielen Quereinsteigern sehen, die ein enormes Fachwissen, aber keine methodischen, didaktischen, pädagogischen Kenntnisse und Fertigkeiten haben und deshalb im Unterrichtsalltag grandios scheitern.

      Eltern haben also auch Recht, wenn sie sagen: Schule ist Sache der Schule – und nicht meine/unsere!

      • @Honigkuchenpferd

        Die Eltern haben eine Pflicht – jau! Selten so gelacht. Sie nehmen aber nur ihre Rechte in Anspruch. (Ja, alle über einen Kamm geschert – zum Glück gibt es auch die anderen Eltern!!!).

        Es geht vielleicht auch gar nicht so um Schulinhalte (Mathe, Deutsch, Geschichte..). Vorrangig geht es um Sozialverhalten. Das sollte zu Hause im kleinen Rahmen eintrainiert sein. Nein heißt Nein – oder diskutieren Sie, wenn Ihr Kind die Stricknadel in die Steckdose steckt?! Ach, die sind alle gesichert?! Und es wird auch nicht gestrickt – aha.

        Erziehung fängt zu Hause an – wehret den Anfängen, wie es so schön heißt.

        Ein Bullenkalb ist süß, wenn es auf einen zurennt und sich gegen einen schmeißt vor Freude.
        Bei einem ausgewachsenen Bullen sieht das ganz anders aus.
        Beide machen dasselbe – die Folgen unterscheiden sich erheblich.

        „Viele Eltern mischen gerne mit.“ Ja, sie nehmen pädagogische Entscheidungen von Lehrkräften zurück. Ganz prima.
        Oder sie sind echt „betroffen“. Auch lustig – zu Hause hat das Kind das Sagen und hier wird gelogen. Kriegt Kind mit – macht Kind auch. Super Vorbild, das Elternteil.
        Passen die Noten nicht zur Wunschzahl der Eltern – dann wird ganz kräftig mitgemischt. Zig Tests nicht unterschrieben, auf Hausaufgabenbriefe nicht reagiert….. aber Rechtsanwalt einschalten. Schließlich muss Eltern ja zeigen, dass Eltern das Kind unterstützen

        Und zum GLÜCK gibt es die anderen! Das sind die, deren Kinder untergehen, Bauchweh bekommen, lernunlustig werden, weil ihre nicht oder noch nicht oder vielleicht später mal erzogenen Schüler sie nicht in Ruhe lernen lassen.

        ABs verschwinden, Arbeitsmaterial fehlt völlig oder wird zerstört (Schere – falls vorhanden – kann Radiergummi – falls vorhanden – in Kleinstteile zerlegen).

        Man kann hier ewig hin- und herschreiben oder es lassen. Ich habe längst aufgegeben, dass sich etwas ändert. Ich kann gar nicht mehr überblicken, wieviele Eltern mir versprechen, sich um ihr Kind zu kümmern, es dabei unterstützen, selbstständig zu werden – Ranzen packen gehört u.a. dazu.

        Eltern haben die Pflicht, sich um ihre Kinder zu kümmern. Das bedeutet vor allem Erziehung. PS4 kaufen gehört nicht dazu.
        Eltern haben das Recht, sich in der Schule zu informieren – über Sozialverhalten und Noten. Das ist keine Bringschuld der Schule – nur bei Zeugnissen.

        Es ist unglaublich, was von Fremden – denn das sind LuLs und EuEs – erwartet wird. Wenn das Kind dann auch noch mehr Vertrauen zu uns hat als zu den Eltern, ist das auch nicht in Ordnung. Viele Kinder wollen auch ihre Eltern nicht in die „Pfanne hauen“. Sie lieben ihre Eltern und nehmen sie in Schutz, lügen für sie und über ihre häusliche Situation. Dabei sollten die Eltern die Kinder schützen – und dazu gehört Erziehung und die Anleitung zur Selbstständigkeit. PUNKT.

        • @Riesenzwerg

          Ich mach’s mal kurz: YES!!!

          „Wenn das Kind dann auch noch mehr Vertrauen zu uns hat als zu den Eltern, ist das auch nicht in Ordnung.“
          In diesem Satz steckt so einiges drin, u.a.: Besonders oft ist das ein Problem, wenn Eltern sich selbst aufreiben zwischen „Ich will eine gute Mutter/ein guter Vater sein.“ (prinzipiell ehrenwert) und „Ich bin die beste Freundin/der beste Freund meines Kindes.“ Genau da wird es sehr sehr schwierig, am meisten für das Kind. Orientierungslosigkeit ist da noch eines der kleineren Folgeprobleme. Wie soll ein Kind sich denn da später mal abgrenzen (Stichwort Pubertät)?
          Und mal ganz ehrlich: Hätten wir, die wir jetzt Erwachsene sind, Zuhause Eltern haben wollen, auf die man sich verlassen kann, die einem Orientierung und Hilfe geben (auch wenn einem das nicht immer gut gefallen hat) oder hätten wir „Freunde“ haben wollen, die auf eigentümliche Art vieeeeel zu alt für uns waren und sich – in unseren Augen – manches Mal unerklärlich aufgeführt hätten?

    • „Es kann doch nicht sein, dass sich in Deutschland vor einem Jahr nach 3 Tagen erstem Lockdown, die ersten Eltern reihenweise beschweren, weil sie IHREN KINDERN mal etwas beibringen sollen.“

      Eigentlich sollte es doch stutzig machen, wenn Eltern das alles genauso gut können wie Lehrer. Wozu bräuchten dann Lehrer rund 7 Jahre Ausbildung?

      Und das mit den 3 Tagen ist doch pur polemisch. Nach 3 Tagen beschwerten sich Eltern noch nicht reihenweise! Aber es als es nicht aufzuhören schien!!! Und von wie vielen Lehrern hörte man, dass sie sich locker ins Privatleben zurückzogen, ein paar Arbeitsblätter pro Woche schickten und fertig war der Lack! Das gab es eben auch, Heinz!

      • Liebes Honigkuchenpferd,
        es ist eine deutsche Untugend, die Welt in Schwarz-Weiß einzuteilen. Genau diese Sichtweise verschärft jedes unserer gesellschaftlichen Probleme … auch schulische!
        Wir alle sollten uns also davor hüten.

        Ja, es gibt überall schwarze Schafe, auch unter den KollegInnen, aber ich mache seit Monaten eher die Erfahrung, dass wir (in der Grundschule) täglich 10 – 14 Stunden arbeiten, um die Kinder in Distanz irgendwie sinnvoll und differenziert zu „beschäftigen“ – neben der Notbetreuung und anderen Baustellen!
        Vom Wochenende war da noch gar nicht die Rede!

        In Bezug auf Eltern, die Kinder genauso gut unterrichten können, kenne ich kaum welche! Ich habe zum großen Teil tolle Eltern, doch auch von Ihnen kommt immer mal wieder: So wie Sie kann ich das nicht erklären und mein Kind sagt das auch so.
        Abgesehen von den Eltern, die gar nichts erklären können, weil ihnen die sprachliche Kompetenz fehlt – aus welchem Grund auch immer!

        Eltern zu Hause könnten in der Regel auch nicht mit einem methodisch didaktischen Blick die Aufgaben auswählen, die zu Hause mit einem Übungs- bzw. Lernerfolg einhergehen können. Usw. Das machen immer noch wir LehrerInnen.

        Hören wir also auf mit gegenseitigen pauschalen Verurteilungen – wobei das nicht nur an Sie gerichtet ist!

        • @simmiansen

          „es ist eine deutsche Untugend, die Welt in Schwarz-Weiß einzuteilen. Genau diese Sichtweise verschärft jedes unserer gesellschaftlichen Probleme … auch schulische!
          Wir alle sollten uns also davor hüten.“

          Dieser Untugend habe ich mich eben auch sehr schuldig gemacht.

          Ich sehe das ein wenig anders als Sie. Denn wenn ich die extremen Gegensätze deutlich aufzeige – aufgezeigt bekomme – kann es gelingen, die goldene Mitte zu finden.

          Das kann Annäherung von allen Beteiligten bedeuten.
          Denn: Anders funktioniert es nicht.

          Wenn ich überlege, was ich schon alles an Vereinbarungen mit Eltern und Schülern getroffen habe – ich muss dahinter her sein, dass die beiden Mitunterschreiber das einhalten. Auch hier sind die Eltern ein Vorbild – allerdings ein schlechtes.

          Es fängt ja schon mit der „Bedürfnisorientierung – total“. Bedürfnisorientierung ist wichtig und richtig – muss aber dem Alter und den Entwicklungssschritten des Kindes angepasst sein. (Siehe Beispiel weiter oben mit dem Bullenkalb).

          Ein Sechsjährer muss nicht SOFORT auf die Toilette. Er kann sicher auch warten, bis er bei einer Toilette ist (in meinem Beispiel war die Toilette etwa 200 m entfernt – dennoch pisste das Gör mit Hilfe der Mutter mitten auf den Weg des Campingplatzes! Auch im Wohnwagen gab es eine Toilette….).

          Mein Hund darf das nicht! Er hat gelernt, wo es erlaubt ist und wo nicht. Wieso? Übung und Training und jede Menge Zuwendung.

          Unsere gesamte Gesellschaft scheint mir immer weniger zur Gemeinschaft fähig und bereit – gelobt ist der Individualismus um jeden Preis.

          Im Klassenzimmer ist das mit der Bedürfnisorientierung um jeden Preis und – da nicht gelernt – unabhängig von Alter und Entwicklungsstand – kontraproduktiv, sondern vielmehr gemeinschaftszerstörend.

          Es gibt auch Tugenden wie Geduld, Zurückhaltung, Rücksicht. Scheinen aber bei sehr vielen nicht mehr aktuell zu sein – wenn sie es leisten müssen. Wenn andere auf sie Rücksicht nehmen ist das normal – sonst gibt es Gebrüll wegen UNFAIR und UNGERECHT und „IcH will aber“.

          Das sind Grundlagen, die zu Hause gelernt werden müssen – auch das eine kleine oder größere Gemeinschaft (eigentlich wollte ich schreiben: Ansammlung von Menschen. Das erschien mir dann doch etwas zu heftig.), in der jeder Bedürfnisse hat. Eigentlich müsste es dort mit den o.g. Tugenden auch klappen. Eigentlich…..

          Schwarz-Weiß-Sehen führt meines Erachtens zu sehr vielen Grautönen – und damit zu Lösungsansätzen – falls alle Beteiligten…. Sie wissen schon.

          • “Es gibt auch Tugenden wie Geduld, Zurückhaltung, Rücksicht.“

            Wie wert ist das noch heute, hat uns diese Pandemie gezeigt.

            Allein Rücksicht ist es in einen tiefen Brunnen gefallen.

            Ob ich mich schaffe weiter fest an diesen Tugenden halten, weiß ich nicht mehr.

            Wenn man jemandem das Recht nehmen möchte, ihre Famile zu schützen, dann scheinen diesen Tugenden nur als maltiöse Worte.

        • Ich kann Ihnen teilweise zustimmen.

          Aber z.B…

          Wie man gute Aufsätze schreibt, habe ausschließlich ich meiner Tochter beigebracht, nicht die Grundschullehrerin Ganz im Gegenteil, fast kein Kind in der Klasse könne es gut in der 4. Klasse.

          Auf der Beschwerde einer anderen Mutter, dass die Kinder praktisch wenig bis nichts über das Aufsatzeschreiben gelernt haben, wurde es behauptet, das sei nicht der Fall. Und das war es. Man kann als Elternteil nichts tun, außer die Sache in eigene Hände nehmen. Und das habe ich.

          Heute gibt es hunderte Hefte, wo das Material und Schritte genau, sinnvoll und einfach erklärt wurde. Wenn die Eltern noch selbst etwas Ahnung haben, es kann nicht daneben laufen. Warum genauso es man nicht in der Schule könnte, ist mir ein Rätsel.

          Genauso war es mit der Mathe und HSU. Sehr oft fehlerhaft und mangelhaft. Gut könnten nur diese Kinder, die zu Hause die nötige Unterstützung bekamen.

          Und damit habe ich kein Problem, aber mit dem Selbstlob für etwas, dass man nicht leistet, schon.

          Das ist völlig unnötig und eigentlich schädlich gerade für die Grundschulalter im Bezug auf die Übertritt-Drama.

          Und dann wundern sich alle, wieso so viele Schüler in der 5 Klasse Gymnasium so schwer haben.

          Weil, seien wir einfach mal ehrlich, die Grundschulen alleine die Kinder für das Niveau eines Gymnasiums nicht vorbereiten können.

          Und genau in diesem Punkt kommen dann so viele unsinnige Begründungen seitens des Systems, und dabei leiden wieder mal die Schüler.

      • Leider ist es genauso gewesen. Am 3. Tag hatten die Schulleitungen bereits etliche Emails. Diese Emails kommen mittlerweile auch an die Lehrer, teilweise mit absurden gegensätzlichen Forderungen. Die einen Eltern fordern mehr Videounterricht, die anderen beschweren sich und sind empört, dass man jetzt einfach Stunden per Video macht. Der Ton, den viele Eltern dabei benutzen, hat sich gegenüber der Zeit vor der Pandemie deutlich verschlechtert, vom Wunsch der Zusammenarbeit ist hier bei manchen jedenfalls keine Spur.

        Und deshalb ist es tatsächlich keine reine Polemik, sondern wirklich so gewesen. Das bekommen andere Eltern in der Regel nicht mit, es sind vll. 20% der Schüler und Eltern, die mindestens 80% meiner Zeit in Anspruch nehmen, das war vor Corona auch schon so, das bekommt nur niemand mit, weil man Einzelschicksale nicht in der Klassengemeinschaft ausdiskutiert.

        Und Fakt ist auch, dass andere Schüler, die unauffälligen darunter einfach leiden, weil man kaum mehr Zeit für sie hat.
        Ich habe übrigens durchaus auch Kollegen, die sich nen faulen Lenz gemacht haben, das habe ich niemals abgestritten, genauso wenig, wie ich abstreite, dass es auch gute Eltern gibt, die sich mit einem gesunden Mittelmaß kümmern (zu viel ist leider genauso schlecht).

        ABER und auch das ist vielen Eltern einfach nicht klar. Ihr Kind ist nicht der Nabel der Welt und nicht das einzige Kind, dass wir Lehrer unterrichten. Wir haben durchaus pro Lehrer zwischen 200 und 300 verschiedene Schüler, von denen wir nun neben Videounterricht jede Woche Aufgaben nachsehen müssen. Wer gut im Rechnen ist weiß, dass es da bereits bei 10-15 Minuten pro Schüler Zeitinvestition pro Woche schwierig wird mit der Arbeitszeit!
        Niemand würde von Personen in anderen Berufen verlangen, dass sie sich bitte soweit in ihrer Freizeit aufopfern. Bei Lehrern ist das aber vollkommen ok, da soll der Lehrer am Besten noch einmal pro Woche neben Aufgaben und Videounterricht die Schüler anrufen und sich um deren Probleme kümmern, nebenbei kann er dann auch Probleme klären, die außerhalb des Wirkungsbereichs der Schule z.B. in irgendwelchen privaten Chatgruppen entstanden sind. Auch hier vll. nochmal ein Rechenbeispiel: Bei 200 verschiedenen Schülern (ich und die meisten Lehrer haben mehr) und 30 Minuten Zeitinvestition pro Schüler, landet man bei 100 Wochenstunden.

  3. Bei einem Bekannten von mir hat sich die Deutschlehrerin auf dem Gymnasium bei den Eltern beschwert.
    Aufgabe an die Schüler der Klasse 6: Stellt mal ein Buch vor, dass ihr schon gelesen habt.
    Ergebnis: Viele gute Buchvorstellungen, aber auch Schüler*innen die mit einem Panini Sammel-Heft anrückten. War der einzige Gegenstand in ihrem Besitz der einem Buch wenigstens ähnlich war.
    Ist natürlich die Schuld der Lehrerin, die hätte in ihrer Freizeit oder am Wochenende ja Lesekreise für ihre Schüler organisieren können. Von Eltern kann man so was ja nicht verlangen! Die eigenen Kinder für das Lesen begeistern! In der Freizeit!! Dafür ist das Leben zu kurz!!!

  4. Ich glaube zwar nicht, daß Eltern heutzutage Komplettversager sind, was die Erziehung ihrer Kinder angeht. Da gibt es, wie überall, solche und solche. Das Problem ist, meiner Meinung nach, unser Gesellschaftssystem, das darauf ausgerichtet ist, Eltern nach der Geburt eines Kindes so früh wie möglich an den Arbeitsplatz zurückzuholen. Die Wirtschaft braucht Eltern als Arbeitskräfte. Hinzu kommt die Anspruchshaltung hinsichtlich des Lebensstandarts, die enorm gestiegen ist. Um diesen hohen Anspruch erfüllen zu können, glauben viele Eltern, so schnell wie möglich wieder arbeiten zu müssen. Dabei bleibt aber zwangsläufig so einiges auf der Strecke. Z. B. die Erziehung des Nachwuchses. Die wird ausgelagert und in die Hände von Kitas und Schulen gelegt. Wir können aber nicht alles, was zu Hause vielleicht zu kurz kommt, ausgleichen oder aufholen.
    Die primäre Verantwortung für die Entwicklung von Basiskompetenzen liegt nach wie vor bei den Eltern. Die sind mit Beruf, Haushalt und Erziehung aber auch oft überlastet.
    Meiner Meinung nach hat unser derzeitiges Erziehungs- u. Bildungssystem, daß fast nur noch auf institutionelle Betreuung der Kinder setzt, ausgedient.
    Schon hinsichtlich der momentanen Lage mit Corona, sollten wir uns genau überlegen, ob wir wirklich weiter auf flächendeckende Fremdbetreuung schon der Allerkleinsten setzen wollen. Corona wird möglicherweise nicht die letzte Pandemie sein, die uns heimsucht. Wollen wir das Funktionieren unserer Wirtschaft u. Unserer Gesellschaft wirklich davon abhängig machen daß Kindererziehung so früh wie möglich an öffentliche Institutionen abgegeben werden kann. Wohin das führt, sehen wir momentan, wo die öffentliche Betreuung eben nicht mehr verläßlich zur Verfügung steht. Kinder brauchen wieder Eltern, die sich Zeit für sie nehmen. Die auch mal wieder Bücher mit ihnen anschauen und Geschichten vorlesen. Die Alltagstätigkeiten gemeinsam mit ihnen verrichten. Kinder lernen durch diese einfachen Dinge unglaublich viel , scheinbar ganz nebenbei.
    Würden wir alle unsere Ansprüche ein wenig herunterschrauben, würden wir unser Heil nicht mehr ausschließlich im Geld verdienen und der beruflichen Karriere suchen, würden wir alle ein bißchen nach dem Motto: „Weniger ist mehr“ leben – ich glaube viele unserer heutigen Probleme würden sich lösen.

    • Sehe ich auch so. Jedoch wird aus der aktuellen Situation wieder ein ganz anderer Schluß gezogen. Giffey sieht die (oft verständliche) Überforderung vieler Familien als Grund die Fremdbetreuung noch weiter auszubauen. Hier geht es nicht primär um die Stärkung der Familien als Einheit, sondern um die Trennung der Lebenswelten nach Generationen und Funktionalität bzw. Kosten für die Wirtschaft. Dabei sind die wirklichen Bedürfnisse einer Familie unbedeutend. Die Wirtschaft braucht bedürftige Menschen als Humankapital und Konsumenten. Die Politik erlebe ich als Erfüllungsgehilfe. Je mehr Eigenverantwortung den Familien abgenommen wird, desto abhängiger werden sie. Ich habe den Eindruck, dass die Menschen immer mehr von sich selbst und den ureigensten menschlichen Grundbedürfnissen nach Geborgenheit, Schutz und Zuwendung (physisch und psychisch) entfernt werden. Dadurch entsteht Platz Ersatzbedürfnisse zu suggerieren und somit wird aus dem Humankapital auch der ideale Konsument. Ein perfekter Kreislauf. Zufriedene Menschen, die ihre Grundbedürfnisse mit wenig befriedigen können, gefährden halt das Wachstum. Daher macht es wirtschaftlich auf mehreren Ebenen Sinn, Familien als Lebensmittelpunkt und Schutzraum zu entwerten.

        • Der Buchtitel klingt sehr interessant, man kann online (eigentlich über jede Buchhändler-Homepage) einen kurzen Abriss zum Inhalt bekommen:
          „Die betreute Generation
          Irgendwas läuft hier falsch. Wie sonst ist das wachsende Unbehagen von Eltern zu erklären, die ihre Kinder kaum noch sehen, weil sie im Büro sitzen, vorgeblich um sich selbst zu verwirklichen? Wie die Untersuchungen zu Stresshormonen bei Krippenkindern, die hier locker mit Topmanagern mithalten? Warum überlassen immer mehr Eltern die Verantwortung für ihre Kinder ganz selbstverständlich fremden Menschen? Eltern, die in ihrer Jugend noch »We don’t need no education« riefen. Eltern, die ihren Kindern Pippi Langstrumpf vorlesen. Rainer Stadler, Journalist und Vater, macht sich auf die Suche nach Gründen für den Sinneswandel und erkennt ein System: Aus kühl kalkulierten ökonomischen Gründen propagiert eine Koalition aus Politik und Wirtschaft seit Jahren den massiven Ausbau der Kinderbetreuung und hat das Leben der Familien und der Gesellschaft insgesamt tiefgreifend verändert. Wer sich gegen die verordnete Ganztagsbetreuung stellt, ist auch gegen Emanzipation und Förderung, jeder leise Zweifel wird damit im Keim erstickt. Rainer Stadler stößt eine längst überfällige Diskussion an. Sie betrifft uns alle.“
          ISBN 978-3-453-28061-8
          Interessant ist auch das Erscheinungsdatum: 27.10.2014 !

          • Tja, wieder eines der vielen guten Bücher, die nicht gekauft und gelesen werden … und wenn sie gelesen werden, dann haben sie Rezpienten es mal wieder nicht verstanden … oder sind nicht in der Position, solche grundsätzlich guten Gedanken in sinnvolle Politik zu kleiden ….oder was noch schlimmer und wahrscheinlich die Regel ist… die für die die entsprechenden Politiker*innen zuständigen Lobbyisten lassen das Wachsen solcher Gedanken durch die Vergabe von Zuwendungen oder späteren Aufsichtsratversprechungen nicht keimen. Also: „Alles bleibt, wie es ist, weil die Politik dem Lobbisten aus den Händen frisst!“

          • Können wir nicht einfach mal von „Mutti ist die allein glücklich machende Sonne, um die die Kinderlein kreisen“ und „Betreuung ist schädlich“ Abstand nehmen? Das ist sowas von hintervorgestern. Diesen Thesen zufolge müssten alle Franzosen tiefgestört und schlecht sozialisiert sein.
            Viele Menschen sind aus wirtschaftlichen Gründen darauf angewiesen, und wenn Mutti daheim nur Cappucino schlürft und Nägel lackiert, hat das Kind auch nix von Muttis Daheim sein.
            Es kommt nicht auf die Dauer an, die man mit seinem Kind verbringt, sondern auf die Intensität, Zuwendung usw.
            Qualität statt Quantität.
            außerdem können Kinder von guten ErzieherInnen Vieles lernen, was die Eltern vielleicht nicht mitbringen.
            Entscheidend sind meines Erachtens die Vorbildfunktion der Eltern und „Konsequenz“ (Kinder lernen aus den Folgen, Jan Uwe Rogge, auch ein gutes Buch). Leider wird Konsequenz nur allzu oft mit Strafe verwechselt, als solche abgelehnt und als unzumutbare Härte aufgefasst. Statt dessen wird lieber geschwafelt. Das geht den lieben Kleinen aber hier rein und da raus.
            Außerdem ist es erstmal anstrengend konsequent zu sein.
            Das beobachte ich leider auch bei KuK: schwafeln, appellieren, debattieren, statt die SuS die Folgen ihres Handelns spüren zu lassen.
            Wenn sie erst im Berufsleben lernen müssen, dass ihr Fehlverhalten sanktioniert wird, wird’s bitter.
            Just my two cents. Und jetzt reg‘ ich mich wieder ab…

          • @Hellus
            „Viele Menschen sind aus wirtschaftlichen Gründen darauf angewiesen, und wenn Mutti daheim nur Cappucino schlürft und Nägel lackiert, hat das Kind auch nix von Muttis Daheim sein.“

            Das ist ein sowas von hintervorgestern Klischee.

            Ich habe eine Freundin, Mutter von drei Töchter, die noch im Kindergarten von anderen Mamas gemobbt wurde, da sie schon um 8 Uhr morgens top gestylt wurde.

            Eine „besorgte“ Mutter fragte sie einmal, wie lange braucht sie wohl nur um die Augenbräune so extravagant zu malen und sich noch nebenbei um ihre Kinder zu kümmern.

            Sie antwortete: „Ganze 60 Sekunden“.

            Nicht einmal habe ich ihre Kinder ohne ein Lächeln auf dem Gesicht gesehen.

          • @Hellus
            „außerdem können Kinder von guten ErzieherInnen Vieles lernen, was die Eltern vielleicht nicht mitbringen“.

            Ja, genau, man muss die Kinder für die Wirtschaftsinteresse vorbereiten.

            Sie müssen unbedingt ganz früh lernen, wie man folgt und ohne viele Fragen die Gewinne für die Riesen einbringt.

            Wie auch immer, eine zufriedene und glückliche Mama ist und bleibt vor allem und als erstes, was ein Kind oder Jugendliche braucht.

          • @Hellus

            Und übrigens Kinder meiner Freundin genau wie meine waren höchst drei Stünden täglich, also bis zum Mittagsessen im Kindergarten, am Freitag überhaupt nicht. Manchmal auch am Montag nicht, manchmal auch ganze Woche oder zwei nicht.

            Wie genau hat sich jedes Kind aus dem Kindergartengruppe entfaltet, hat sich bald in der Grundschule gezeigt.

            Besonderes war es deutlich bei Ganztagkindergartenkinder.

            Einige Kinder aus dem gleichen Jahrgang waren gar nicht in der Kindergarten.

            Nichts haben sie verpasst, ganz im Gegenteil.

            Und je älter sie werden, desto deutlicher die grobe und feine Unterschiede.

          • Der natürliche und ungebundene freie Geist macht Kinder was sie sind, eben Kinder, den wir heute schon in der Kinderkrippe versuchen zu bändigen. Bis zur Grundschule sollte er schon festgebunden sein.

            Die Elternportale sind voll von Fragen z.B. was tun, wenn die Kinder nicht mehr folgen?
            Die Ratschläge von den Eltern und Kinderpsychologen gehen in der Richtung, wie man einen Hund erzieht.

            Und genau deshalb stagnieren wir als Gesellschaft, statt sich weiter zu entwickeln.

            Die Steinzeit Menschen würden uns auslachen.

      • Sehr richtig!
        Und dieses permanente Konsumiere der Bedürftigen zerstört auch noch den Planeten. Ich denke da nur an die Vielfliegerei wegen des Reisezwangs, den sich auch Familien nicht immer entziehen können.Durch die Befriedigung der Ersatzbedürfnisse, zerstören wir also die Lebensgrundlage für unsere Kinder.
        Traurig ist doch auch, dass die Coronakrise nicht genutzt wurde, um den CO2 Ausstoß zu verringern. Wieviel Milliarden hat Lufthansa bekommen, damit das Fluggeschäft wieder zu 100% weiter laufen kann? Seltsam auch, dass Die GRÜNEN oder die Umweltverbände dem nicht widersprochen haben. Die Gruselviren haben zwar kurz für Wirbel gesorgt, sie haben es aber nicht geschafft, uns nachhaltig zur Besinnung zu bringen. Und jetzt?

        • Meine Freundin beschrieb es so, die Grünen sind uns noch einzige vernünftige Wahl geblieben, aber sie müssen noch viel lernen.

          Die sind einzige, die noch lernen möchten.

          Höffentlich bleibt es auch so.

          Die Macht ist ein starkes Opiat, in der Politik, in einem Unternehmen, in der Schule, im Verkehr….ganz egal, besonderes für die klein gestrickte Seelen.

    • „Kinder brauchen wieder Eltern, die sich Zeit für sie nehmen.“
      Kinder brauchen seit immer Eltern, nicht wieder nur wegen der Pandemie.

      Familien und junge Menschen gehen seit Jahren zunehmend kaputt, nicht aufgrund des Virus, nicht aufgrund des Lochdowns.

      Die Kinder haben den Anker bzw. ihre Familie verloren.

      Der Kapitalismus frisst seine Kinder. Wir sind alle von Klein an indoktriniert, instrumentalisiert und manipuliert.

      Manchmal merkt es man erst als Erwachsene, wenn man Kinder bekommt und erste Kontakte mit den Kitas und Schulen aufnimmt, oft nicht mal dann.

      In dem Sinne haben wir auf jeden Fall schon seit langer Zeit Herdenimmunität erreicht.
      Wir denken nicht, wir folgen.
      Und genau dafür sind wir durch die Schulsysteme trainiert, in jedem System weltweit.

      Aber besser wissen wir nicht. Alle Systeme, dass wir als Menschheit ausprobten, im Grunde ähneln einander.

      Das Problem also dringt leider wesentlich tiefer ein.

      Die Menschheit hat ihren höchsten Gipfel der Entwicklung, nicht technologisch, sondern sozialgesellschaftlich, schon längst erreicht.

      Und jetzt drehen wir uns nur noch im Kreis.

  5. «Lesen ist und bleibt eine Basiskompetenz zum Verständnis der Welt», erklärte der hessische Bildungsminister Alexander Lorz (CDU) für die Kultusministerkonferenz der Länder.

    Ganz genau!!!

    • @Honigkuchenpferd

      Wir haben für diese Basiskompetenz – um Lesen attraktiver zu machen – erst Lesepaten und dann Lesehunde eingesetzt.

      Denen sollten die Kinder vorlesen. Die Hunde hatten natürlich alle eine Charakterprüfung hinter sich, versteht sich in Schule von selbst. (Die Lesepaten brauchten das nicht).

      Klappte auch anfangs ganz gut – doch dann wollten die Kids lieber mit den Hunden knuddeln und schmusen und spielen und spazieren gehen. Das musste dann leider wieder eingestampft werden – kostet ja alles Geld.

      Kinder und Hunde verstanden sich übrigens prima – beide Seiten genossen das Miteinander.

      Wir würden die Hunde auch sehr gut für Kids benötigen, die (ja, seufz, jetzt kommen wieder DIE Eltern) keine so gute Beziehung zu ihren Eltern haben. Für sie war/ist es megawichtig, gemocht zu werden, zu kuscheln, Zeit miteinander zu verbringen (mit den Hunden, meine ich jetzt – natürlich noch viel mehr mit ihren Eltern, aber…. ).

      Wir haben auch inzwischen viele Schüler:innen, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen dürfen, sondern in verschiedenen (guten und liebevollen) Einrichtungen untergebracht sind. Für sie wären die Hunde auch eine sehr gute emotionale Unterstützung.

      (ACHTUNG: In diesem Kommentar ist keine Ironie, nur etwas Traurigkeit)

      • @Riesenzwerg

        Zum letzten Absatz:
        Die Zahl der Inobhutnahmen ist in den letzten Jahren rasant gestiegen.
        Nicht immer ist tatsächlich Gewalt gegen Kinder und Jugendliche der Grund – es waren auch durchaus Folgen eines aus dem Ruder gelaufenen Streits, dessen Ursache „läppisch“ war, z.B.: Kinder wollten abends ihr Handy nicht ausmachen und den Eltern geben, damit sie nicht die ganze Nacht durchzocken. Sie haben dann so laut rumgeschrien bis die Nachbarn die Polizei alamierten.
        Kam öfter vor.
        Brachte „fame“ bei Kumpels.
        Sprach sich noch in derselben Nacht bei den Kumpels rum, man hatte das Handy ja noch lange genug.
        Irgendwann war dieser „Trend“ dann auch wieder vorbei.
        Das Leben ist bunt …

  6. Ich habe mal viel Nachhilfe für Grundschüler gegeben. Da war alles von Migrationshintergrund mit guten Mittelstand vertreten.
    Guter Mittelstand:
    Giebel? Was ist das?
    Füllen? Häh?

    Ich habe den Schülern aufgetragen, sich ein Buch zum Lesen zu holen, da (wirklich wahr) es im Haushalt KEIN einziges Buch gab. Und das im gehobenen Mittelstand.

    Wie sollen wir Lehrer da gegenhalten?

    Können wir auch gleich Felssteine über eine Rampe (häh, wasn das?) hochrollen.

    Ich habe mal ein Experiment gemacht. Ging um „woher nehmen wir unser Wissen“.
    Am Ende habe ich den Schülern zwei Texte gegeben auf zwei Gruppen. Jede Gruppe musste bewerten, ob sein Artikel seriös war.

    Alle haben diese Artikel zum Ramsch geschoben, obwohl einer sehr wohl stimmte.
    Aber die Schüler waren dermassen am Ende sensibilisiert gewesen, dass nichts mehr für bare Münze genommen wurde.

    Es ist wirklich ein verdammt schwieriges Thema.

    Ansonsten frage ich meine Schüler bei jedem Text, welche Worte sie nicht kennen. Meldet sich keiner frage ich alle Worte ab, von denen ich weiss, dass die nicht alle kennen. Und ich habe nur Treffer, heisst, die Schüler wissen nicht, was das bdeutet. Nach zwei bis drei Runden solcher Art, wird im Vorfeld geklärt, was bestimmte Worte bedeuten, da Schüler dann selbst nachfragen.

    • Ich gehe auch so vor und die Schüler:innen wissen bald, dass sie alle Wörter erklären müssen. Um das aufzufangen braucht es aber nicht mehr Inhalte im Unterricht, sondern mehr Zeit.
      Seit wie vielen Jahren Giftes Pisa?
      Wie viele zusätzliche Deutschstunden sind hinzugekommen?

    • Jepp, das mit den „unbekannten Wörtern“ kenne ich aus meiner Zeit an einer Brennpunkthauptschule (12 Jahre, ca 80% SuS mit Migrationshintergrund ) auch….habe ich ebenso gehandhabt – hat ebenso geklappt…und in jedem Halbjahr habe ich von Klasse 5 bis Klass 10 im Deutschunterricht ( eines der zahlreichen Fächer, die ich fachfremd unterrichtet habe) eine „Ganzschrift“ – sprich ein Buch mit den SuS gelesen. Das würde irgendwann (Klassenleitung von 5 bis zur Entlassung nach 10 durchgängig in einer Lerngeuppe) zur Selbstverständlichkeit…und bei vielen Büchern hat es den SuS sichtlich Spaß gemacht, weil nicht nur das Lesen, sondern v.a. das gemeinsame Sprechen über das Gelesene den Reiz ausmachte. Der Spaß, wenn man gemeinsam über Bedeutungsfehler lachen kann, die unterlaufen („Er hat die Diskette verloren“ darauf eine türkisch-stämmige S*: „Was war das für eine Kette, war die wertvoll, war die aus Gold, war die für den Hals usw..) wobei dieses Lachen ein miteinander Lachen war und kein Lachen über jemanden, der / die einen Fehler gemacht hat.
      Ja, Lesen macht Spaß…das kann man vermitteln – auch zuhause – auch wenn man nicht Lehramt studiert hat….man muss nur selber den Wert von Büchern / vom Lesen erkannt und verinnerlicht haben.

  7. @Marion,
    Da kann ich nur bedingt mitgehen. Außerdem sehe ich es so, dass Eltern größtenteils beide arbeiten müssen, um relativ vernünftig übe die Runden zu kommen; man muss sich nur die Mieten in manchen Gegenden anschauen.
    Wenn Eltern ihre Kinder in die Kita schicken, dann muss das nicht zwangsläufig heißen, dass sie ihre Kinder abschieben. Ich lasse zwar meine Kinder fremdbetreuen, kümmere mich aber trotzdem zuhause um sie (Elternpflicht), erziehe sie mit Liebe, Hingabe usw. zu sozialverträglichen (und gebildeten) Menschen, obwohl ich arbeite. Das ist ja eigentlich selbstverständlich und bedarf keiner Diskussion! Alles eine Frage der Zugewandtheit, Einstellung, Verantwortung der Eltern. Das Ganze muss Hand in Hand mit den Betreuungskräften (Schule wie Kita) gehen. Wenn man sich aber nun als Eltern ausklinkt (Erziehung=Auftrag der anderen und nicht meine) und denkt: „In der Kita/Schule müssen die Basics gelehrt werden, deshalb ist mein Kind dort!“, dann geht das Ganze schief, egal in welchem sozialen Millieu das Kind geboren wird und aufwächst. Wenn sich das Betreuungspersonal /Lehrpersonal in seiner Basisaufgabe ausklinkt, weil das Ganze nicht mehr zu stemmen ist, weil gnadenlose Überforderung herrscht oder man als Betreuungskraft/ Lehrer zu faul, inkompetent usw. ist, dann ist das auch zum Scheitern verurteilt.
    Ich kenne Kinder, die die ersten 3 Jahre zuhause waren (also nicht in die KiTa „abgeschoben“ wurden), die egomanisch, sozial unverträglich erzogen sind, vor die Glotze/Daddelzeug gesetzt wurden (passiert in der KiTa nicht!) usw. und dadurch keinen Input, keine Basics vermittelt bekommen haben. Die wären mal besser fremdbetreut worden, damit das Prinzengehabe (einer unter vielen sein) unterbunden worden wäre. Ebenso kenne ich zuhauf KiTa-Kinder (ab Säuglingsalter), die super Input bekommen haben, obwohl sie ab Geburt „abgeschoben“ wurden. Eigentlich kenne ich keine Kinder, denen die KiTa nicht gutgetan hat (außer es sind tatsächlich kleine Egomanen, deren Bauchnabel halt nicht in der Fremdbetreuung gepinselt wird). Die haben dann ein Problem, mal nicht Prinz zu sein und sich einordnen müssen; das sind oftmals die Kinder, die nicht in die KiTa wollen, weil nicht kompatibel mit anderen). Da muss ich echt auch mal am dieser Stelle sagen, dass die meisten Erzieher einen absolut schweren und herausfordernden Job haben (und dazu noch schlecht bezahlt werden) und eine gesellschaftlich unglaublich wichtige Aufgabe leisten müssen: Spagat zwischen Dienstleistung (Eltern=Kunde), Depp vom Dienst (schauen Sie sich doch mal die Fürsorge für diese Berufsgruppe vom Arbeitgeber aus an), Erwartungshaltung von den Eltern (ich geb jetzt hier mein Kind ab und hol es dann nachher aber stubenrein wieder, ist das klar?), das schwindende Engagement vieler Eltern (auch von den Kindern, die bis drei Jahre zuhause geblieben sind), selbst zu erziehen.

    Und dann muss man sich auch mal überlegen, dass es doch auch super ist, dass manche Kinder in die Kita „abgeschoben“ werden -Gott sei dank!!!- damit sie nicht zuhause sind und somit fremdbetreut die Chance bekommen, wenigstens ganz wenige Jahre (die ersten drei Jahre schaffen die Basis!) in ihrem Leben Struktur, Erziehung, Zuneigung (Erziehen ist auch Zuneigung) usw. genießen können.

    Aus dem Nähkästchen geplaudert: Meine Tochter ist Erzieherin und erzählt Storys, da schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen. Von Kindern, die mit erst mit drei Jahren in die KiTa kommen, die keine Gabel in die Hand halten können, nicht stubenrein sind, egomanisch sind, nicht zuhören können, keine Geschichten vorgelesen bekommen haben (Primärerfahrung also in der KiTa mit drei Jahren!!!), einfache Regeln nicht befolgen können/wollen, weil sie zuhause nicht müssen, empathielos sind….und die Erzieher in der kurzen KiTa-Zeit schauen müssen, dass die Defizite ausgeglichen werden, damit der Laden laufen kann. Da frage ich mich, was denn da die ersten drei Jahre im Elternhaus passiert ist… Das sind auch oft Eltern, die den Anspruch haben, dass für das eigene Kind eine 1:1 Betreuung je nach den individuellen Wünschen des Kindes gewährleistet wird, weil das ja zuhause auch so jahrelang war. „Lisa isst halt am liebsten mit den Fingern und sie mag das Zähneputzen mit anderen nicht. Da braucht sie ihr eigenes Waschbecken. Wenn Lisa ihr Kaka am liebsten mit 4 noch in die Windel macht, dann schnallen Sie ihr eine um. Sie lässt halt noch nicht so gerne los. Sie ist halt etwas ganz Besonderes. Zuhause machen wir das auch so, sonst gibtˋs den ganzen Abend Theater…die hat vielleicht einen starken Willen…“

    Das Ganze ist m.E. auch der überbordenden Individualismus-Erziehung der 90er Jahre zu schulden. Jetzt haben wir den Salat: Das Wohl eines Menschen steht über dem Wohl aller: mein Kind ist einzigartig und auch so zu behandeln, LuL und Erzieher MÜSSEN (per Bildungspläne!) die Individualität eines jeden Kindes berücksichtigen (bei 30 in der Gruppe???) und wenn Henry das nicht will, dann hat er das Recht dazu….Er mag das halt nicht, er kann das halt nicht, da MÜSSEN Sie Rücksicht nehmen, wir machen das zuhause auch….Die Früchte sehen wir jetzt auch bei vielen Erwachsenen in unserer Corona-Krise: Opfer ihrer individualisierten Erziehung in den 90ern. Mein Bauchnabel. Mir muss es gut gehen. Wenn ich das will, haben die anderen sich danach zu richten. Das ist mein Recht. Du hast die Pflicht, dass ich meine Rechte ausleben kann.

    Schule und KiTa müssen einen Stellenwert in der Gesellschaft bekommen, eine Wertigkeit, eine Qualität, eine Wertschätzung usw., damit qualitative, fundierte, gute Bildung (und Erziehung) möglich wird. Wir alle wissen: Es steht und fällt mit allen, die involviert sind: Eltern, Lehrer, Pädagogen, Rahmenbedingungen. Eltern, die ihre Kinder konsequent erziehen, immer dabei bleiben, sich nicht zurücklehnen UND gleichzeitig arbeiten (dafür aber ihre Kinder „abschieben“), leisten eine enorme Kraftanstrengung, das ist auch Arbeit. Enorme Arbeit!
    JEDER muss einfach mal seine Rolle/Aufgabe übernehmen!

    • @Konfutse:

      Unterschreibe ich!

      “ Die Früchte sehen wir jetzt auch bei vielen Erwachsenen in unserer Corona Krise: Opfer ihrer individualisierten Erziehung in den 90ern“.

      Eines meiner Hauptargumente in der Diskussion im Freundeskreis (per SMS etc.), wenn es mal wieder um die Frage geht, warum sich derzeit so viele auffällig unsolidarisch verhalten.
      (offtopic: würde auch die gestiegenen Aggressionen gegen Rettungskräfte, Feuerwehr und Polizei erklären).

      • diese Behauptung könnte doch durch eine Auswertung von Daten zu den Querdenkerdemos, Übergriffen auf Feuerwehr, Rettungskräften ect. überprüft werden. In den neuen Bundesländern dürfte es, aufgrund der schon seit Jahrzehnten, von einem Großteil der Eltern wahrgenommenen
        Kitabetreuung für Babys und Kleinkinder, diese Auswüchse so nicht oder wenn, dann nur sehr eingeschränkt, geben.

    • Es ist sicherlich etwas dran, klingt mir aber zu verallgemeinert.

      Es gibt durchaus auch Kinder, die von ihren Eltern zu Hause sehr gut erzogen u gefördert werden und beim z. B. Eintritt in die Kita mit 3 oder später in die Schule sogar mehr können o sich sozialer verhalten als die anderen. Dazu gibt es in übrigen auch Studien.

      Meine Erfahrung ist also eher gegenteilig. Ich kenne einige Familien aus dem Kitafrei-Umfeld, die sehr soziale Kinder, die sprachlich auch häufig ihren Altersgenossen voraus sind, haben. Wir treffen uns sehr gerne mit ihnen, da die Kinder meist sehr friedlich miteinander spielen, ohne das ständig ein Kind ständig „ich bin stärker“ oder „ich bin eh der schnellste“ ruft oder eine Stunde tobt, weil ein anderes Kind mal etwas kann, was es nicht kann.
      Mir scheint, als würde in der Kita durch die hohe Anzahl von Kindern zu Bezugspersonen das Konkurrenzdenken sehr stark gefördert werden. Das ist nicht die Schuld, der ErzieherInnen, die natürlich bei der hohen Anzahl der Kinder nicht jedem komplett gerecht werden können.

      Und nicht jedes Kind, dem es in der Kita nicht gefällt, muss gleich verzogen oder ein Egomane sein. Es gibt ja durchaus auch Erwachsene, die eine Solo-Selbstständigkeit oder ein kleines Arbeitsteam einem Großraumbüro vorziehen. Sind die auch alle verzogen, weil die sich nicht anpassen wollen?

      Das ist meine persönliche Erfahrung. Es gibt natürlich auch die Kinder u Familien, die Sie beschrieben haben, aber eben nicht nur.

    • Konfutse,

      „…die Früchte sehen wir jetzt auch bei vielen Erwachsenen in der Corona Krise: Opfer ihrer individualisierten Erziehung in den 90ern “

      Sorry, diese „Opfer“ sind heute doch die 20 bis 30 Jährigen, die sich, als einzige Altergruppe, wirklich solidarisch verhalten haben: Obwohl sie sich bzgl. einer Coronainfektin, um die eigene Gesundheit wenig sorgen mussten, haben sie für vulmerable Gruppen, auf Freunde treffen, Sport u. andere Freizeitveranstaltungen, Präsenzveranstaltungen an Uni u. Ausbildungsstelle….auf Vieles also, was ein junges Leben lebenswert macht, verzichtet.
      Und jetzt, wo die vulmerablen Gruppen der Älteren weitgehend durchgeimpft sind? Wer fordert denn aktuell, ungeachtet der Risikogruppen unter den ungeimpften jungen Erwachsenen, weitere Öffnungen?
      Meine Neffen und ihre Freunde sind zwischen 20 u, 27, und viele von ihnen sind erst mit 3oder 4 Jahren in die Kita. Ich empfinde sie als sehr soziale und auch leistungsfähige Individualisten.
      Wäre der ganz überwiegende Anteil der „Opfer “ der Erziehung der 90, nicht so gut sozialisiert, wäre ein so solidarisches Verhalten, wie durch die Pandemie gefordert, doch vermutlich nicht möglich gewesen.

    • Stimmt: Lernen ist anstrengend!

      Man kann es aber weniger anstrengend machen, wenn es Spaß macht, sich Wissen über x anzueignen. Oder weil man sich für Thema x warum auch immer interessiert und einen Ehrgeiz hat, das zu verstehen.

      Dies hängt mMn von eigenen Interessen, Zukunftsvisionen, Lehrerpersönlichkeit, Umfeld und vielen anderen Dingen ab.

      Wenn man auf die Frage „Wieso?“ die Antwort „Weil es im Lehrplan steht“ oder „Es kommt in der Abschlussprüfung vor“ hört, dann versteht man nicht unbedingt warum man z.B. jetzt das Layout eines Zeitungsartikels lernt, sowie die Funktion der einzelnen Komponenten. (Jemand wo sich mit Deutsch auskennt kann das vielleicht erklären. Spontan würde ich sagen: Um Informationen schnell erkennen zu können, dadurch einstufen zu können, ob einen das Thema des Artikels interessiert, und um die Intention des Autors klarer zu erkennen)

      Ich möchte auch noch etwas in die Kita-Diskussion einwerfen: mMn kommt es auch auf das Umfeld an, auf Charakter(eigenschaften). Ich kenne Leute, die mich seit ich 3 bin hänseln, einmal hat mein Vater dann gesagt „so geht das nicht weiter, du gehst auf einen anderen Kindergarten“. Ich habe dann angefangen zu schreien, weil ich gedacht habe, dass ich mich mit mehr Kontakt der Gruppe anpasse und dann vielleicht doch noch Freunde finde.
      Ich bin dann in einen Montessori-Kindergarten gekommen. Da war alles irgendwie ruhiger, neben den normalen Kindergartenkindproblemen (viel mit der Toilette zu tun!) Was ich dort gelernt habe, war, im Rückblick, das jeder sich auch selber beschäftigen kann, und das man die Meinung eines anderen respektieren sollte. Dass es aber auch immer andere gibt, und man, wenn andere gerade im Fokus stehen, sich nicht drängeln sollte, außer es gibt etwas dringendes.
      Jene „Hänsler“ habe ich dann, wie erwartet, in der Grundschule wieder getroffen, konnten immer noch nicht von mir ablassen, haben wohl nicht gelernt, Eigentum fremder Menschen zu schätzen. (Trotz mehrmaligem freundlichen Fragen! Ich dachte Dialog hilft immer)
      Weil ich nicht in deren Freundesgruppe war (nur 2 Freunde, mit dennen ich mich gut verstanden habe, so 2 andere, mit dennen ich auch umgehen konnte), habe ich viel Zeit mit Familie verbracht… ich habe auch viel gelesen, für 2 Jahre alle 2 Wochen mind. 1 kleines Buch (so 20-40 Seiten, später sogar etwas mehr)
      Ich denke, dass während darunter meine sozialen Kompetenzen gelitten haben (ich arbeite daran, Schritt für Schritt), ich ein großes Allgemeinwissen habe, sowie Spaß an vielen Themen gefunden habe. (was bei den „Lernfächern“ später sehr viel geholfen hat, ich sah die seit jeher größenteils als „Spaß“unterricht) Außerdem sind meine moralischen Werte natürlich haushoch überlegen!!!! (Im Ernst: Ich denke ich hab einfach ein anderes Bewusstsein zwischen Gruppen und Individuen, eines auf gegenseitigem Respekt. Den denke ich, gibt es heute viel zu wenig, auch ich zeige (hoffentlich nur manchmal) zu wenig Respekt vor anderen Menschen)

      • @Anon

        Glückwunsch!
        Ich habe den Eindruck, dass mit Ihnen ganz viele Dinge in Ordnung sind und sich prima entwickelt haben. 🙂

        Zeitgenossen vom Typus „Hänsler“ begegnet man leider immer wieder im Leben, die armen Seelen haben ja auch gar nicht die Möglichkeit sich weiterentwickeln zu können, da ist die Entwicklungskompetenz halt nicht oben auf deren Prio-Liste. 😉
        Aber man kann denen irgendwann besser ausweichen und als Trost: Man kann sich oft ohne viel Gedöns umdrehen und weggehen, dann ist man sie fürs Erste los. Die selber aber können sich den ganzen Tag hochfrequent um sich selbst drehen … aber sie können sich selbst nicht loswerden. Das ist doch Strafe genug! 🙂 🙂 🙂

  8. Für Eltern ist es allerdings besonders schwierig, Kinder zum Lesen zu motivieren, wenn sämtliche Lektüren, die in der Schule gelesen werden sollen, im Internet als Hörbuch zur Verfügung stehen. Bei vielen Kindern, die sowieso nicht gerne lesen, hat man als Eltern dann kaum noch eine Chance, sie zum Lesen dieser Lektüre zu bewegen. Wir haben unserem Sohn immer vorgelesen, ab der Grundschule mit ihm zusammen Bücher gelesen und ihn auch immer dazu motiviert, im Antolin- Portal Punkte zu sammeln, was in der Grundschule auch honoriert wurde. Ab der weiterführenden Schule gab es jedes Mal diese elenden Hörbücher im Internet und es war vorbei mit Lesen.

    • @Ursula

      Ja, das ist eine recht unglückliche Entwicklung.
      Manche Verlage pushen das regelrecht, indem manchmal die Hörbuch-Variante günstiger ist als die Print-Ausgabe, bei e-Books ist das ganz oft so … und wenn man sowieso schon digital „liest“, warum denn dann nicht gleich als Hörbuch? – Viele SuS denken so.
      Ein beliebtes SuS-Argument in Diskussionen, auch mit den Eltern, ist dann „Aber wenn ich das Buch auf dem Handy habe, habe ich es immer dabei und kann immer lesen!“ – Ja klar, wenn man als Jugendlicher 1000 Apps auf dem Handy hat … entscheidet man sich ohne zu Zögern für „Goethes Faust, Teil 1 und 2“ und gleich danach „Krieg und Frieden“, weil das mehr fetzt als Spotify oder Netflix.
      😉

      Und das Lesen vom Bildschirm ist nicht dasselbe wie das Lesen vom Papier. Dazu gibt es mittlerweile auch mehrere Studien rund um den Globus, was Textverständnis und Merkfähigkeit der aufgenommenen Informationen angeht.
      Digitale Medien schneiden da regelmäßig schlechter ab.
      Das gilt nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Erwachsene und ebenfalls für geübte Leser!

      Was ich allerdings ganz gut finde und was durchaus motivierend sein kann ist im Fremdsprachenbereich eine dem Buch beiliegende CD, in der aber nur Teile der Lektüre bereitgestellt werden. Das kann man ein Kapitel sein oder auch nur ein Ausschnitt aus einem Kapitel, wenn dieser Abschnitt vielleicht viele Wörter beinhaltet, die in den Schulbüchern für eine bestimmte Leistungsstufe noch nicht enthalten sind. Das ist – zusätzlich zu den Vokabelhilfen im Buch – eine gute Hilfe (Aussprache) und auch ein gut gesprochener Dialog kann Emotionen vermitteln und an entscheidenden Stellen (z.B. Wendepunkt in der Handlung) hilfreich sein.

      Aber die „All-inclusive-Betüddel-Variante“ bringt gerade die „schwächeren“ SuS kein Stück weiter, sondern ist ein weiterer Schritt zum – sorry – Selbstbeschiss.

      Wie so oft ist die Technik dann besonders hilfreich, wenn man sie klug zu nutzen weiß.

      • @Ursula und Pit 2020

        Zuerst für Ursula

        Mich machen die Hörbücher auch wuschig, denn die Kids sollen lesen lernen. Das geht gut, wenn sie es können, und besser, wenn sie es oft tun (alte Binsenweisheit – güldet heute immer noch).

        Warum nutze ich im Unterricht dennoch Hörbücher? Wir haben soviele Förderschulkinder (FöS), die nicht des Lesens mächtig sind und des sinnentnehmenden Lesens schon gar nicht. Die würden ein halbes Jahr brauchen und das ist demotivierend hoch acht.

        Dann haben wir noch die SuS, die meinen, sie könnten schon lesen. Drei Seiten in 45 Minunten – Glanzleistung. Inhalt nicht verstanden.

        Dann gibt es die Seitenangucker. Die tun teilweise nicht mal mehr so, als würden sie lesen. Verraten sich oft, weil sie nicht ans Umblättern denken.

        Dann haben wir die Leseratten. Buch gekriegt, angefangen, fertig. Die fangen an, sich zu langweilen, weil sie das Buch schon kennen.

        Damit wenigstens noch gemeinsam über Teile des Buches gesprochen werden kann, muss das Hörbuch her. Die FöS können das verstehen und manche können dann mündlich mitarbeiten.

        Wenn ich ohne Hörbuch arbeite, braucht ein 150 Seiten Buch ein knappes halbes Jahr.

        Nun für Pit 2020

        Lesen vom Bildschirm ist ähnlich dem Schreiben auf Bildschirm (Tastatur).
        Es bleibt kaum etwas bei den Anwender hängen. Deswegen bin ich kein Fan der Digitalsierung auf allen Ebenen und in allen Fächern. Old school halt.

        Beim analogen Lesen und Schreiben ist man einfach dichter dran.

        Hihi – digitales Lernen ist Distanzlernen – man bleibt dem Inhalt gegenüber distanziert.

        • @Riesenzwerg

          Nach Ihrem letzten Absatz hat mich das Distanzlernen auch vollständig kognitiv durchdrungen!
          😉

      • Jepp, habe die Erfahrung mit meinem e-book-reader gemacht.
        Analoge Bücher habe – unabhängig von ihrem wissenschaftlichen oder literarischen Wert immer den stärkeren Eindruck und damit ein besseres Memorieren ermöglicht, während ich bei über den e-book-reader gelesene Bücher weder das Cover erinnere, noch die Haptik (dickes oder dünnes Buch – Lesezeit), zuweilen sogar mit dem zu erinnernden Inhalt Probleme habe noch eine Lesedynamik empfinde.
        Ist für mich nur ein „Notnagel“ …kann man mal machen…aber wenn es schön und sinnlich werden soll, dann muss ich da „Ding“ in den Händen halten.

  9. @Konfutse
    Ich finde auch,wie eingangs in meinem Kommentar erwähnt, daß man Eltern nicht pauschal ein Totalversagen vorwerfen kann. (So wie es in einem der vorherigen Kommentare geschehen ist).
    Ich werfe auch niemandem vor, seine Kinder abzuschieben, schon gar nicht denen, die finanziell am Existenzminimum rumkrebsen müssen oder den Alleinerziehenden.
    Was ich kritisiere ist unser Gesellschaftssystem, daß einzig die berufliche Erwerbstätigkeit wertschätzt, während die Arbeit in und für die Familie häufig mit Begriffen wie „Herd – Prämie“ oder mit der Reduzierung auf Tätigkeiten wie“ Windeln wechseln“, „Popo wischen“, „Rotznasen putzen“ und Äußerungen wie „da fällt einem ja die Decke auf den Kopf“, diffamiert und geringgeschätzt wird. Nur wer Leistung im Beruf bringt zählt.
    Wer sich für einen anderen Weg entscheidet, wird oft belächelt und gefragt, ob er sich denn nicht langweile.
    Natürlich weiß ich auch, daß nicht alle Eltern , die ihre Kinder zu Hause betreuen, automatisch alles richtig machen und das es manchmal für Kinder auch besser sein kann, möglichst früh in die Kita zu gehen.
    Aber inzwischen ist es ja so, daß Eltern förmlich eingeredet wird, daß ein Leben ohne Krippe u. Kita geradezu unmöglich ist und daß Kinder ohne diese Form der Betreuung automatisch benachteiligt sind und ins Hintertreffen geraten. Und die jetzige Elterngeneration glaubt auch fest daran, weil sie selber schon so aufgewachsen ist.
    Wir haben völlig vergessen, daß es Generationen von Kindern gab, (vor allem auf dem Land), die ohne Kita groß geworden sind und trotzdem nicht vor die Hunde gegangen sind.
    In meiner Kindheit war es so, daß wir die Schule zum ersten mal zur Einschulung betreten haben. Die Lehrerin war neu für uns, die meisten der anderen Kinder waren neu für uns und das Schulgebäude war neu für uns.
    Keine Erzieherin hat uns auf die Schule „vorbereitet“, die Lehrerin hat uns, abgesehen von der Schuleinschreibung, kein einziges mal vorher gesehen und wir sie auch nicht. Trotzdem haben wir uns auf die Schule gefreut und haben die Anforderungen bewältigt.
    Heute fehlen bei vielen Kindern oft die Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Schulbesuch. Woran liegt das denn? Am Elternhaus, an der Kita oder an zu hohen Anforderungen schon in der Grundschule?
    Oder ist von allem etwas?
    Einerseits erlebe ich in meiner Arbeit oft Kinder, denen keine Grenzen mehr gesetzt werden, die kein Nein akzeptieren können, weil Eltern damit überfordert sind. Oder weil sie glauben, ihrem Kind nur ja nicht zu viele Einschränkungen zumuten zu düfen. Andererseits wird von diesen Kindern aber verlangt, zu „funktionieren“. In der Krippe, im Kiga, egal ob sie krank sind oder gesund, ob sie ausgeschlafen haben oder nicht, ob sie einen „Scheiß-Tag“ haben oder himmelhochjauchzend sind. Sie müssen funktionieren, weil die Erwachsenenwelt sonst nicht funktioniert.
    Und ich bin zutiefst davon überzeugt, daß das falsch ist.

    • @Marion

      Ich habe auch Ihren ersten Beitrag weiter oben noch einmal gelesen.
      Wenn ich Sie richtig verstanden habe, lassen sich viele Ihrer Überlegungen auf den Punkt zurückführen, dass sich das Wertesystem entscheidend verschoben hat, in den letzten 30 Jahren ganz besonders. Werte werden immer stärker als materielle Werte aufgefasst (was mir persönlich auch nicht so gut gefällt, eben wegen der Folgen die sich langsam auch mit größter Mühe nicht mehr wegreden lassen). Das erzeugt viel Druck und die meisten Leute beugen sich diesem Druck, den sie auf diese Weise letztlich selber wieder verstärken.

      Natürlich verändert sich die Welt fortlaufend, aber wenn es in einem derart rasanten Tempo geschieht, dass im Grunde den heutigen Kindern schon die Welt ihrer eigenen Eltern seltsam fremd ist und die Welt der Großeltern dermaßen aus dem Rahmen des Vorstellbaren fällt, dass die Grannies gefühlt auf einem anderen Planeten gelebt haben müssen … dann überfordert das die Kinder und Jugendlichen.
      Und wie sich langsam immer deutlicher herausstellt, überfordert es auch die Generation der Eltern und Großeltern!

      Um alle diese ineinander greifenden Veränderungen verstehen zu können, ist das menschliche Gehirn schlicht und ergreifend gar nicht ausgestattet – es ist im wesentlichen noch immer dasselbe Organ mit derselben Funktionsweise wie vor vielen Jahrhunderten! Wir als Menschen brauchen eben für die meisten Gedanken mehr als Sekundenbruchteile, besonders wenn es um weitreichende Entscheidungen geht. Aber wer länger nachdenken möchte muss sich dann schon mal fragen lassen, ob er … irgendwie … dumm wäre!
      Auch die Diskussionskultur via Messenger trägt da einen gewissen Teil bei: Wenn nicht innerhalb von Sekunden wenigstens ein Emoji zurückkommt … Ist das dann schon die „Kündigung“ der Freundschaft?
      Also wird möglichst schnell irgendein Blödsinn „rausgekloppt“, dann geht es wild hin und her und nach großem Durcheinander kommt dann der Entschuldigungswettbewerb. Das macht mittlerweile bei vielen Menschen einen Großteil des täglichen Stressempfindens aus.
      Hier muss aber jeder, der nicht nur volljährig, sondern auch erwachsen und für sich selbst verantwortlich ist auch selber entscheiden und für sich selbst die Verantwortung übernehmen. Das bedeutet genau das was früher Peter Lustig am Ende jeder Folge von „Löwenzahn“ gesagt hat: „Abschalten, Freunde.“
      Abschalten.
      Mal „nein“ sagen.

      Irgendwie driftet alles immer mehr auseinander, gleichzeitig versuchen alle immer verzweifelter einen Spagat zu schaffen, der eigentlich schon jetzt nicht mehr schmerzfrei zu machen ist. Aber es wird gnadenlos angefeuert, dass da doch noch mehr ginge?!
      Beim „echten“ Spagat würde man hoffentlich abbrechen.
      Das sollte man im „echten Leben“ auch tun: Wenn jede Faser in einem SOS funkt, dann ist das ein klares Signal zum Abbruch und zum Suchen von Alternativen. Man muss ja nicht sein ganzes Leben komplett aufgeben, aber man kann einige Veränderungen vornehmen und im Auge behalten, ob man sich dann besser fühlt.
      Im Klartext: Ich habe schon ein Stück weit in der Hand, wie weit ich mich dem Konsum ausliefern möchte. Muss ich 3x oder besser 4x pro Jahr Urlaub möglichst weit weg machen? Muss es eine Fernreise sein oder genügen Kurzreisen? Reicht 1 Reise pro Jahr? Verreise ich weil ich das selber möchte oder weil ich „mithalten“ möchte? Werde ich qualvoll verenden, wenn ich in einem Jahr überhaupt nicht verreise?
      Wenn ich weniger Mist konsumiere, spare ich Geld, muss zwar noch weiterhin meine Arbeitskraft „verkaufen“ – aber nicht meine Seele.

      Es braucht schon eine gewisse Portion Mut – auch im Privatleben – um da zu seinen eigenen Bedürfnissen zu stehen und sich die zu erfüllen.
      Ich für meinen Teil habe damit aber langfristig gute Erfahrungen gemacht. Die verlässlichen Freunde sind nicht unbedingt die, die immer „mit dem Strom schwimmen“ und auch sonst „sportlich“ (im übertragenen Sinn) sind, z.B. besonders geschmeidig einknicken oder die Beweglichkeit symbolisch demonstrieren mit 2 – 3 SUVs vor der Tür.
      Das kann private Kontakte sehr positiv verändern, auch wenn man da mitunter etwas Geduld braucht.
      Man muss deswegen nicht zum Sonderling werden und man muss auch nicht im Erdloch am Waldrand hausen.
      Nur anfangen muss man irgendwann.

    • @Marion,
      genau, da gebe ich Ihnen wirklich recht! Ich bin ganz bei Ihnen! Außerdem haben wir ohne Eltern das neue Schulhaus betreten (heute werden sie von ihren Eltern ins Klassenzimmer gebracht. Krank). Vielleicht habe ich auf einen Teil Ihres Posts scharf reagiert, verzeihen Sie mir, ich bin da ein gebranntes Kind. So wie Sie anscheinend auch, die das Problem 1:1 auf der gegenüberliegenden Seite erlebt.

      Ich gebe Ihnen völlig recht: In den letzten Jahrzehnten erlebten wir in der Gesellschaft einen Totalwandel und anscheinend haben wir uns als Gesellschaft noch nicht akklimatisieren können… Als ich meine Kinder, alle drei, (heute 19, 18 und 17 Jahre) als je 4-6 Monate alte Kinder in die KiTa gab, da wurde ich von meinen Chefs als Rabenmutter bezeichnet. Egomanin. Und dann noch besser, als mein Mann nach der Geburt des dritten Kindes unterhälftig arbeitete und Kinder, Küche, Kirche übernahm, mir als Vollzeitkraft den Rücken frei hielt und er deshalb belächelt wurde (von Frauen und Männern!) und ich mir einiges im Beruf gefallen lassen musste (Rabenmutter, Profilneurose, Sie sind keine Frau, jetzt beweisen Sie mal, wie tough Sie sind …), da haben wir schon schlucken müssen. Da braucht man schon ein breites Kreuz!
      Aber dann drehte sich plötzlich gesellschaftlich der Zirkus: Wer zuhause bleibt, ist Heimchen am Herd. Mama wird belächelt, die hat nichts drauf! Das andere Extrem. In manchen Dingen ist die deutsche Gesellschaft extrem unflexibel, da gibt es keinen „natürlichen“ unverkrampften Umgang mit nicht normativen Lebensplänen.
      Man kann es niemandem recht machen. Da hilft einfach nur: selbstbewusst seinen Weg beschreiten, jeder hat seine Agenda, sein Ziel und seinen Lebensplan.

      Leider beobachte ich heutzutage immer mehr zwei Extreme: Die jungen Mütter, die halbtags arbeiten und die Mütter, die zuhause bleiben wollen. In deren Agenda:

      Bei den jungen Müttern (und Kolleginnen) beobachte ich einerseits, dass sie a.) immer noch oder mehr denn je dem alten Rollenmuster „Mama/Hausfrau“ nachhängen, mit Inbrunst und Hingabe (was natürlich sehr schön ist), aber unbedingt arbeiten wollen, dann aber oft b.) die Betreuung nicht auf die Kette kriegen (KiTa= schlecht, also ALLE anderen werden eingespannt, damit das Kind individuell betreut wird) und dann damit c.) ihre Agenda/ individuellen Lebensplan mit ins Kollegium bringen und sich, wenn sie arbeiten sollen, herausnehmen, weil ich bin ja Mama!!!! Und das schreie sie in die Welt! Meine Agenda = eure Agenda. Das ist ganz das Problem, das Sie oben beschreiben.
      Das ist der gelebte Individualismus pur. Da wird die ganze Sache zum gesamtgesellschaftlichen Thema und Problem, weil alle sich nach dieser Agenda richten sollen. So, als sei es deren natürliches und selbstverständliches Recht. Individuelle Nabelschau.

      Zum anderen Extrem, die Agenda Hausfrau und Mutter: Was ich im nachbarschaftlichen Umfeld (alles Bildungsbürgertum, mittelständisch, Kind muss an die ausgesuchte Grundschule, Kind muss ans Gymnasium…., mein Kind geht da und dort unter) beobachte ist, dass sich die Eltern (hier sind es hauptsächlich Mütter) hingebungsvoll kümmern und damit den Kindern alles Unangenehme aus dem Weg genommen wird. Weil man zuhause ist, man Zeit für die Kinder hat, man ist ausschließlich fürs Kind da. Das ist der Lebensplan. Da liegt an manchen Tagen der Betreuungsschlüssel teilweise 1:3. Mamas, die ihren Kindern wie Schatten folgen. Alles bestaunen, begutachten, toll finden, sich ständig in Streitereien der Kinder einmischen, schlichten wollen und daraus ein gesamtnachbarschaftliches Gedöns machen. Ständig alles erklären, die Kinder nonstop volllabern und den Kindern die Chance genommen wird, mal selbst die Welt zu beurteilen und zu entdecken. Individuelle Nabelschau.

      Ich finde Hausfrauen gut, das ist (heutzutage) für viele Familien eine ganz bewusste Entscheidung. Ich finde berufstätige Frauen und Mütter gut, das ist meist auch eine bewusste Entscheidung. Nur fehlt es auf beiden Seiten einfach an natürlichem Selbstverständnis. Und dann wird übertrieben mit der jeweiligen persönlichen Agenda. Plötzlich geht diese Agenda alle an. Individualismus.

      Was ich aber wirklich nach 25 Jahren Berufserfahrung mit vielen Eltern und Kindern sagen kann ist, dass viele Mütter, die Vollzeit arbeiten (mussten) und teilweise auch noch alleinerziehend waren, prima Kinder haben, weil diese nicht ständig begluckt, beguckt, kommentiert, gehört wurden, sich die Kinder immer schon sehr früh selbständig verhalten mussten, selbst viel Verantwortung übernommen haben, weil die rund um die Uhr Bemutterung/Bevaterung/Großelternbetreuung entfiel, mal einfach funktionieren mussten, mal die Klappe halten, sich mal zurücknehmen mussten (Rücksichtnahme? Das Wort kennt ja kaum ein Kind mehr…) und sie sich auch damit einfach mal außerhalb der permanenten Nabelschau unter den Argusaugen der Erwachsenen entwickeln konnten.

      Fazit für mich ist, um auf Ihre Frage einzugehen: Viele Eltern (ob berufstätig oder nicht) funktionieren für ihre eigene egomanische Agenda, das Kind wird instrumentalisiert und egomanisiert. Individualismus. Nabelschau. Für mich persönlich liegt die Wurzel des Übels an diesem Erziehungsverständnis oder Lebensplan oder diese Lebensaufgabe. Wir haben mittlerweile jegliches bodenständige und gesund intuitive Gefühl für eine kindgerechte Erziehung verloren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in anderen Ländern so viele Erziehungsratgeber wie hier in Deutschland gibt. Und trotzdem scheitern wir. Vor lauter Individualismus. Und es wird nicht besser werden. Weil unsere verzogenen Kinder diese Nabelschau weitergeben, wie sollen sie es auch anders wissen?
      Und um zum Schluss noch ein bisschen bitter-polemisch zu werden (nicht Ihnen, sondern der gesellschaftlichen Situation gegnüber): Zur Abrundung gibt´s dann noch für Familie Sonnenschein einen großen Hund. Dann ist das Bild komplett….

  10. Hmhm,
    ich überlege gerade – wir wissen, dass es solche und solche Eltern gibt.
    Wir wissen, dass es solche und solche Lehrer gibt.
    Wir wissen, dass wir miteinander statt gegeneinander ….

    Wir schreiben und lesen total viel darüber – und irgendwie scheinen wir das alle doch eher ähnlich zu sehen, trotz oder gerade wegen der Beispiele, die wir im Kopf haben.

    Viele Worte, sehr viele Worte. Und ich wünsche mir, dass sie alle dasselbe Ziel haben.

    • Im Normalfall kann man auch davon ausgehen, dass Eltern, die sich hier mit uns Lehrern austauschen ein echtes Interesse an ihren Kindern haben und sich vermutlich auch im „echten Leben“ genauso mit den Lehrern ihrer Kinder austauschen.
      Ich behaupte auch mal, dass die Quote, der Kinder, die diese Aufgabe nicht geschafft haben, bei den Eltern dieses Diskussionsbereichs geringer wäre, das ist aber eine reine Mutmaßung.

      Was ich halt einfach nicht verstehen kann, ist dass seit 21 Jahren immer dasselbe gefordert wird, es aber zu keinem Erfolg führt, sondern stattdessen viele gute Dinge noch abgeschafft wurden und sich einiges auch noch verschlechtert hat, dass man aber trotzdem nicht hinterfragt, ob diese Forderungen dann angemessen und vor allem umsetzbar sind.

      Das ist, als wollte ich unbedingt hinter eine Mauer, und würde seit 21 Jahren permanent mit dem Kopf dagegen laufen und sämtliche Kopfschmerzen die ich mittlerweile habe missachten.

  11. Mhmm, wie abwertend sich hier mitunter über die Eltern ausgelassen wird, die nicht Willens oder nicht in der Lage sein sollen, sich um ihre Kinder zu kümmern. Und da wundern Lehrer sich, wenn wir Eltern nicht mit ihnen an einem Strang ziehen?! Ich bin dann wohl irgendwas zwischen Helikopter-Mama und Vernachlässigung…

    Wir haben den Kindern immer vorgelesen. Wir haben Schränke voller Bücher. Wir waren ständig in der Bibliothek. Fazit: Tochter (24) hat gerne gelesen und liest noch gerne. Sohn (23) hat lesen gehasst und erst vor 2-3 Jahren angefangen und sein Genre gefunden. Sohn (13) liest nicht. Trotz Vorbilder, Gelegenheit, etc.

    In welche Schublade passen wir nur mit solchen Kindern?! Haben wir gut angefangen und dann stark nachgelassen?

  12. @Drachenblut1912
    In vielen Kommentaren wurde ja geradeeben auch differenziert und betont, daß nicht alle Eltern über einen Kamm zu scheren sind. Es geht um eine Tendenz in unserer Gesellschaft, hin zur Abgabe von Eigenverantwortung, zu mehr und mehr Individualismus und Materialismus. In welche angebliche Schublade sie sich da jetzt einordnen wollen, dürfen sie selbst entscheiden

    • Vielleicht sind mir diese differenzierenden Kommentare entgangen, ich finde, die Bashing-Kommentare überwiegen.

      Mir fehlt da der wohlwollende Blick auf Kinder und auch Eltern. Wie soll das Vertrauen entstehen, wenn eine Partei so über die andere denkt?

      • Liebe „Drachenblut1912“,

        Sie schreiben „Wir haben den Kindern immer vorgelesen. Wir haben Schränke voller Bücher. Wir waren ständig in der Bibliothek.“, also sind sie Vielleserin.
        Trotzdem schreiben Sie auch „Vielleicht sind mir diese differenzierenden Kommentare entgangen, ich finde, die Bashing-Kommentare überwiegen.“

        Ich selbst habe mir die Mühe gemacht und alle Kommentare noch einmal am Stück gelesen.
        Ich habe während dieses Lesevorgangs eine ganz andere Leseerfahrung gemacht.

        Wenn mir etwas wirklich wichtig ist, dann nehme ich mir Zeit dafür und gerne denke ich mit etwas Abstand noch einmal über Gelesenes nach. Wenn ich einen „guten Film“ schaue, denke ich ja auch gerne noch einmal darüber nach.

        Natürlich möchte ich hier niemanden belehren, soweit ich das beurteilen kann, hat das auch in den Kommentaren bisher niemand versucht. Es war ein friedlicher und wertschätzender Austausch.

        Vertrauen ist die Grundlage für solch einen Austausch.
        Das Vertrauen muss man durchaus selbst einbringen, damit man für diesen Austausch innerlich bereit und offen ist.
        Ein Austausch ist auch völlig ergebnisoffen.
        Am Anfang stehen diverse Positionen, sie können aber am Ende ebenso berechtigt sein.
        Diversität bedeutet für mich:
        Man macht eigene Erfahrungen.
        Diese wirken sich auf den eigenen Meinungsbildungsprozess aus.
        Man gelangt zu einer eigenen Meinung.
        Man tauscht Meinungen aus.
        Man denkt noch einmal oder auch mehrfach nach, wie ich schon sagte.
        Unter Umständen möchte man die bisherige eigene Meinung aus freien Stücken ändern oder eben behalten, beides ist möglich.

        Es liegt mir folglich fern, andere Leute auf meine Seite ziehen zu wollen, also möge bitte ein Jeder selbst entscheiden, wie mit meinem Text zu verfahren sei.

        Ich denke, in diesem Punkt ist alles gesagt, soweit es mich betrifft.

        Und ganz besonders wichtig ist mir noch die Bemerkung, dass ich Ihre Leseerfahrung nicht nachvollziehen kann und dass ich darum Ihre Meinung ausdrückllich nicht teile, aber ich kann sie aus den oben genannten Gründen einfach so stehen lassen.

        Sicher unterscheiden Sie selbst ganz klar zwischen Ihrer Person einerseits (niemand hier kennt die Person hinter einem Nickname) und Ihrer Meinung andererseits. Ihre Meinung zu diesem Thema ist ja auch nur eine ganz winzige Facette Ihrer Person, die wiederum hinter dem Nickname „verschwindet“.

        Wenn Sie hier keine weitere Antwort erhalten, bedeutet das sicher nur, dass die Anderen in diesem Forum das ähnlich sehen.
        Fühlen Sie sich dennoch gesehen und wertgeschätzt.

        Vertrauen Sie, liebe „Drachenblut1912“!

  13. @alle Kommentator*innen:
    Ich möchte an dieser Stelle einfach mal laut Danke!!! sagen…denn was sich hier im Kommentatbereich im Anschluss an eine mittelmäßig bedeutsame Meldung (auch ein herzliches Danke an die Red.) entsponnen hat verweist 1. auf den hohen Wert dieses Forums, 2. auf das emotionale Engagement der Leser*innen und 3. auf den Wert einer offenen Diskussion zu Themen, die uns so intensiv betreffen und beschäftigen.

    Bei vielen Posts lohnt sich das wiederholte Lesen, weil so unfassbar gute Gedanken und v.a. Ansätze zum gemeinsamen (Aus)Handeln von Zusammenarbeit zwischen Eltern und LuL und zum Umgang mit unserer gemeinsamen „Klientel“ – den Kindern und Jugendlichen.

    Das geht weit über den – in vielen anderen Foren und v.a. in den meisten sozialen Netzwerken – üblicherweise gepflegten Umgang miteinander und der Tiefe in der Auseinandersetzung hinaus.

  14. „Lesekompetenz nur mittelmäßig: Fakt oder Meinung? Mehr als die Hälfte der 15-jährigen Schüler erkennt den Unterschied nicht“

    Dazu sei gesagt – ich kann den Unterschied zwischen Fakt und Meinung nur verstehen, wenn ich Wissen habe.

    Das fehlt heute. Um einen Text inhaltlich auf den Wahrheitsgehalt zu überprüfen – muss ein Sachwissen vorhanden sein.

    Und da sind wir wieder beim eigentlichen Dilemma….. lernen tut weh, lernen macht keinen Spaß, lernen ist ….. a n s t r e n g e n d.

    Vielen Kids geht das wirklich so, einige lieben die Herausforderung, haben ein Wissen und fallen damit (den anderen un-) angenehm auf.

    Deswegen: Summerschool sechs Wochen 24/7. Da holen wir was auf! (Ioff).

    • @Riesenzwerg

      … und wenn wir dann noch den Sommer auf 52 Wochen ausweiten könnten … ich wage gar nicht es mir in Farbe vorzustellen …
      Auch das in den letzten Tagen von mehreren klugen Köpfen vorgeschlagene „Einfach mal den Unterricht nach draußen verlagern!“ wäre dann wirklich einfach … und wieder habe ich dieses Bild ewiger Glückseligkeit vor Augen:
      https://www.youtube.com/watch?v=jRwsTyUPIYE

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