Erzieherinnen fühlen sich nicht wertgeschätzt – GEW fürchtet Chaos durch neues Kita-Gesetz

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MAINZ. Vor Inkrafttreten des neuen Kita-Gesetzes in Rheinland-Pfalz an diesem Donnerstag warnt die Gewerkschaft GEW vor Chaos. Viele Einrichtungen könnten die neuen Aufgaben nicht erfüllen. Eine Umfrage passt ins Bild: Die allermeisten Erzieherinnen und Erzieher fühlen sich nicht wertgeschätzt von der Politik.

Die Arbeit in den Kitas ist belastend. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Rechtsanspruch auf täglich sieben Stunden Betreuung und Mittagessen: Nach Einschätzung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) können viele Kitas die neuen gesetzlichen Regelungen nicht erfüllen. Die Stimmung unter den Beschäftigten sei schlecht und Chaos zu erwarten, teilte die GEW am Mittwoch mit. Das zeige eine Umfrage, an der sich von Ende Mai bis Ende vergangener Woche mehr als 1200 Beschäftigte beteiligt hätten – landesweit arbeiten allerdings rund 41.000 Menschen in den rund 2650 Kitas. Nach Einschätzung der CDU-Landtagsfraktion bringt das Gesetz «viele zusätzliche Belastungen für die Erzieherinnen und kaum Verbesserungen».

Der Präsident des Landesamts für Soziales, Jugend und Versorgung, Detlef Placzek, wies die Kritik im Gespräch zurück: «Von Chaos kann keine Rede sein.» Das System beginne sich ja erst zu verändern, «ist aber nicht chaotisch». Das neue Gesetz tritt an diesem Donnerstag vollständig in Kraft, es gelten allerdings Übergangszeiten bis 2028. «Die meisten Einrichtungen bieten schon Essen an», sagte Placzek. Mehr als 99 Prozent der Kitas hätten Anträge auf eine neue Betriebserlaubnis gestellt, in der auch ihrer Personalplanung verankert sei.

«Viele Einrichtungen werden Eltern und Kinder, die ihre Bedarfe anmelden, erst einmal enttäuschen müssen», sagte dagegen GEW-Gewerkschaftssekretär Ingo Klein. In der Umfrage hätten 95 Prozent angegeben, «dass sie sich nicht oder überhaupt nicht durch die Politik wertgeschätzt fühlen».

Das bewege sie, teilte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) mit. «Die Pandemie hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig unsere Kitas und die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher sind.» Diese identifizierten sich in Rheinland-Pfalz sehr stark mit ihrem Beruf, «weit mehr als das im Bundesschnitt der Fall ist.»

Mit dem neuen Gesetz würden die Weichen dafür gestellt, dass sie weiterhin gute Rahmenbedingungen für ihre Arbeit bekämen. «Es wird erstmals einen gesetzlich verankerten Anspruch auf Leitungszeit sowie die Anleitung von Auszubildenden geben. Zudem haben wir das Sozialraumbudget mit 50 Millionen Euro, mit dem beispielsweise Kita-Sozialarbeit, Interkulturelle Arbeit und andere individuelle Schwerpunkte gesetzt werden können.» dpa

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3 KOMMENTARE

  1. In der Umfrage hätten 95 Prozent angegeben, «dass sie sich nicht oder überhaupt nicht durch die Politik wertgeschätzt fühlen».

    Warum wird nur so oft abgefragt, ob die Erzieherinnen sich „wertgeschätzt“ fühlen? Immerzu die alte Leier… So lange, wie die Erzieherinnen nicht konsequent auf berechtigten Forderungen bestehen, treten sie nicht für die GRUNDBEDÜRFNISSE der Kinder ein und nehmen sich selbst nicht ernst.

    Eine Gegenfrage: Wie sehr wertschätzen Erzieherinnen eigentlich die Politiker?

    Das Lamento um die Wertschätzung bringt nichts. Ein konkreter Ehrenkodex der Berufsgruppe als Ersatz für das versprochene Bundeskitaqualitätsgesetz! – Das wäre mal etwas Neues! Und erst wenn die Empörung über ihn groß ist, ist er gut.

  2. @ Angelika, danke, das finde ich auch.

    Immer die gleiche Leier um die Wertschätzung und viele verstehen mit Wertschätzung einfach nur „mehr Geld (für sich)“. Wertschätzung ist aber wesentlich mehr. Schade, dass man das überhaupt sagen muss.

    Die Reinigungskräfte an unserer Schule werden auch nicht wertgeschätzt. Die Küchenfrauen ebenso wenig. Die verdienen unterirdisch. Aber es soll ja nicht nur ums Geld gehen. Sie werden auch nicht wertgeschätzt, finde ich, wenn die Lehrer und Erzieher ihre leeren Kartons neben den Papierkorb stellen, damit die Reinigungskräfte sie zerkleinern und wegwerfen oder wenn sie ihre privat benutzten Teller und Tassen in die Abwäsche stellen und wie selbstverständlich davon ausgehen, dass die Küchenfrauen das dann auch noch abwaschen.

    Wertschätzung hat viele Facetten. Wertschätzung ist keine Einbahnstraße! Wertschätzung hat nur zum Teil mit Geld zu tun.

  3. Ach ja, da passt ja wirklich alles ins bekannte Bild. Und dann muss ich mir noch vorwerfen lassen, dass ich als Erzieherin eine miese Lobby habe, die die falschen Fragen und Forderungen stellt (wenn sie immerhin überhaupt mal was tut) ;).

    Meine eigenen Bemühungen habe ich denn nun auch aufgegeben. Ich leiste jetzt bis zu dem zum Glück rasch nahenden, selbstbestimmten Ende meiner Tätigkeit als Erzieherin in this life nur noch genau den Dienst ab, der meiner Wertschätzung durch Land, Träger und Eltern entsprochen hatte, als ich noch voller Idealismus mit 150% Leistung und Arbeitseinsatz tätig war. Die zwischenzeitlich – durch mich eingeforderten! – Lichtblicke waren halt doch nur kurze Strohfeuer.

    Das mag bei Träger und Eltern jetzt nicht so wirklich gut ankommen. Ich lasse aber keine Gelegenheit aus, die einen wie die anderen auf die Gründe für mein Verhalten hinzuweisen. Keiner der Beteiligten hat mir da bisher widersprechen können. Und nein, ums Geld ging es nie. Und nein, an den Kindern lasse ich selbstverständlich gar nichts raus.

    Zwei weitere Kolleginnen aus der Einrichtung wenden sich demnächst aus gleichen Gründen auch neuen Herausforderungen zu, die Anerkennungspraktikantin denkt ernsthaft über einen vorzeitigen Abbruch nach (wenigstens das möchte ich ihr ausreden). Die Kolleginnen aus den Nachbar-Kitas sympathisieren bereits…

    Der letzte macht das Licht aus. Vielleicht merkt man dann endlich, dass Wertschätzung und Respekt auch in diesem sozialen Beruf nicht entbehrlich sind.

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